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Fieberkrampf

Letzte Änderung:
Zuletzt bearbeitet von Wiebke Posmyk • Medizinredakteurin

Fieberkrämpfe wirken bedrohlich: Wenn das Kind plötzlich bewusstlos wird und seine Muskeln versteifen oder zucken, sind viele Eltern in großer Sorge. Doch ein Fieberkrampf bei Babys oder Kindern ist in den meisten Fällen harmlos. Wichtig ist, dass der Arzt ernstzunehmende Ursachen ausschließen kann.

Überblick

Schätzungen zufolge bekommen etwa 3 bis 5 von 100 Kinder mindestens einmal einen Fieberkrampf – in der Regel im Rahmen eines fieberhaften Infekts mit rasch ansteigender Temperatur.

Was ist ein Fieberkrampf?

Ein Fieberkrampf ist ein epileptischer Krampfanfall, der bei Babys und Kleinkindern im Alter zwischen circa sechs Monaten bis zu fünf Jahren vorkommen kann. Gewöhnlich entsteht ein solcher Krampf während eines Infekts mit Fieber über 38 Grad Celsius. Nicht zu den Fieberkrämpfen zählen Krämpfe, die durch eine Infektion des zentralen Nervensystems ausgelöst wurden.

Ärzte unterscheiden zwischen dem

Ein einfacher Fieberkrampf hält nur wenige Sekunden bis Minuten an und wiederholt sich innerhalb der nächsten 24 Stunden nicht. Die seltener auftretenden komplexen Fieberkrämpfe können länger andauern und nach kurzer Zeit erneut auftreten.

Symptome

Ein Fieberkrampf entsteht ganz plötzlich. Typische Symptome sind

Häufig verdreht das Baby oder Kind die Augen, der Blick geht ins Leere und die Pupillen sind geweitet. Nach Sekunden bis Minuten ist der Krampfanfall vorüber. Im Anschluss befindet sich das Kind noch einige Zeit in einem gewissen Dämmerzustand und wirkt sehr verschlafen.

Einfache und komplexe Fieberkrämpfe unterscheiden

Ein sogenannter einfacher Fieberkrampf (auch: unkomplizierter Fieberkrampf) sollte zwar ärztlich abgeklärt werden, ist aber überwiegend harmlos. Im Gegensatz dazu sollte man bei Symptomen eines komplizierten Fieberkrampfs umgehend den Notarzt rufen, damit dieser den Anfall mit Medikamenten unterbricht. Daher ist es wichtig, die Unterschiede zu kennen.

Symptome eines einfachen Fieberkrampfs

Ein einfacher Fieberkrampf betrifft immer den ganzen Körper und sind nicht auf eine Körperhälfte beschränkt. Ärzte sprechen von einem generalisierten Krampfanfall. Im Gegensatz zum komplizierten Fieberkrampf dauert ein einfacher Fieberkrampf nur wenige Sekunden bis Minuten. Bis sich das Kind vollständig erholt hat, vergeht rund eine Stunde.

Typische Merkmale eines einfachen Fieberkrampfs:

  • Der Anfall dauert weniger als 15 Minuten (meist nur 3-4 Minuten).
  • Die Muskeln versteifen sich am ganzen Körper.
  • Innerhalb von 24 Stunden tritt kein weiterer Anfall auf.

Symptome eines komplizierten Fieberkrampfs

Ein komplizierter oder komplexer Fieberkrampf hält meist länger als 15 Minuten an und kann sich innerhalb weniger Stunden wiederholen. Häufig beschränken sich die Muskelkrämpfe auf eine Körperseite.

Merkmale eines komplizierten Fieberkrampfs:

  • Der Krampfanfall betrifft oft nicht den ganzen Körper, sondern nur eine Körperseite (sog. Herdsymptomatik) und/oder
  • der Anfall dauert länger als 15 Minuten, und/oder
  • es kommt innerhalb von 24 Stunden zu mehreren Anfällen (sog. Anfallsserien).

Von einem komplizierten Fieberkrampf sprechen Ärzte beispielsweise auch, wenn

Ursachen

Auslöser von Fieberkrämpfen sind in der Regel mit Fieber einhergehende Infekte. Dazu gehören beispielsweise Infekte der oberen Luftwege (einschließlich Mittelohrentzündung und Lungenentzündung) und des Magen-Darm-Trakts sowie das Dreitagefieber (Exanthema subitum).

Warum manche Kinder einen Fieberkrampf bekommen und andere nicht, ist bislang noch nicht abschließend geklärt.

Vermutlich spielen bei den Ursachen sowohl genetische Einflüsse als auch Umweltfaktoren eine Rolle. In manchen Familien kommen Fieberkrämpfe häufiger vor.

Diagnose

Einen Fieberkrampf erkennt der Mediziner meist anhand der typischen Symptome und der Krankheitsgeschichte. Der Arzt wird das Kind gründlich körperlich untersuchen und die Eltern nach dem Verlauf des Anfalls fragen.

Vor allem nach einem erstmaligen und/oder einem komplizierten Krampfanfall ist es wichtig, dass der Arzt mögliche andere Ursachen ausschließt, so zum Beispiel eine Hirnhautentzündung oder eine andere Erkrankung des Gehirns.

Zu weiterführenden Untersuchungen zählen zum Beispiel

Bei Verdacht auf eine Gehirnhautentzündung kann eine Lumbalpunktion nötig sein. Dabei entnimmt der Mediziner etwas Nervenwasser (Liquor) aus dem Rückenmark und lässt es im Labor untersuchen. Eine Gehirnhautentzündung kommt vor allem dann als Ursache infrage, wenn 

© Jupiterimages/Wavebreak Media
Ein Fieberkrampf ist meist harmlos. Dennoch sollte der Arzt andere Ursachen ausschließen.

Therapie

Der Großteil der Fieberkrämpfe hört nach nur wenigen Minuten von selbst wieder auf. Eine spezielle Therapie ist dann nicht nötig. Vorsichtshalber sollte jedoch immer ein Arzt das Kind untersuchen.

Wichtig: Bewahren Sie Ruhe und verbreiten Sie keine Hektik – dies kann sich auf das ohnehin verängstigte Kind übertragen.

Der Kinderarzt wird mit Ihnen besprechen, wie Sie sich im Falle eines erneuten Krampfs verhalten sollen. Gegebenenfalls wird er krampflösende Medikamente verschreiben, die Sie dem Kind geben können, wenn erneut ein Fieberkrampf auftritt. Diese Medikamente enthalten zum Beispiel den Wirkstoff Diazepam.

Wann den Notarzt rufen?

Hatte Ihr Kind schon einmal einen einfachen Fieberkrampf und tritt dieser erneut auf, reicht es in der Regel aus, anschließend mit dem Kind zum Kinderarzt zu gehen. In bestimmten Fällen sollten Eltern jedoch nicht warten, sondern sofort den Notarzt rufen.

Rufen Sie den Notarzt (112), wenn …

… Ihr Kind zum ersten Mal einen Fieberkrampf hat und/oder

… ein Krampf trotz krampflösender Medikamente länger als wenige Minuten anhält

… ein Krampf nach kurzer Zeit erneut auftritt

… Ihr Kind aufhört zu atmen

… sich das Kind nach einem Krampf nicht rasch wieder erholt oder Bewusstseinsstörungen aufweist; dies könnte darauf hinweisen, dass es sich nicht um einen Fieberkrampf, sondern eine andere Erkrankung handelt.

Erste Hilfe während eines Fieberkrampfs

Das können Sie tun, während Ihr Baby/Kind einen Fieberkrampf hat:

© Jupiterimages/iStockphoto
Bei wiederholten Fieberkrämpfen kann es sinnvoll sein, krampflösende Mittel zu verabreichen.

Verlauf

Ein Fieberkrampf bei Babys und Kleinkindern ist fast immer harmlos. Die meisten Fieberkrämpfe verlaufen unkompliziert und bilden sich nach wenigen Sekunden oder Minuten von alleine zurück. In jedem Fall sollte aber ein Arzt das Kind untersuchen.

Bei zwei Dritteln aller betroffenen Kinder bleibt es bei einem einmaligen Fieberkrampf. Bei einem Drittel wiederholen sich die Krämpfe. Nach dem fünften Lebensjahr treten Fieberkrämpfe gewöhnlich nicht mehr auf.

Das Risiko, später an einer Epilepsie zu erkranken, ist geringfügig erhöht. Etwa 3 bis 4 von 100 Kindern mit Fieberkrämpfen bekommen später eine Epilepsie. Das bedeutet im Umkehrschluss: 96 von 100 Fällen bekommen keine Epilepsie.

Epilepsie-gefährdet sind vor allem Kinder, die

Auch ein komplizierter Fieberkrampf hinterlässt normalerweise keine Folgeschäden. Der Anfall kann sich aber schon im Verlauf der ersten 24 Stunden nach seinem Auftreten wiederholen. Hält ein Fieberkrampf länger als einige Minuten an oder tritt er kurze Zeit später erneut auf, sollten Sie den Rettungsdienst alarmieren.

Vorbeugen

Einem Fieberkrampf bei Babys und Kindern können Sie nicht zuverlässig vorbeugen, da die genaue Ursache unbekannt ist.

Wenn ihr Kind hohes Fieber hat und darunter sichtlich leidet, sollten Sie versuchen, das Fieber zu senken, zum Beispiel mithilfe von Wadenwickeln oder fiebersenkenden Medikamenten. Ob solche Maßnahmen auch einen Fieberkrampf verhindern können, ist bisher jedoch nicht gut untersucht.

Wenn ein Kind komplizierte oder immer wiederkehrende Fieberkrämpfe hat, kann es in Absprache mit dem Arzt sinnvoll sein, kurzfristig ein krampflösendes Medikament (z.B. Zäpfchen mit dem Wirkstoff Diazepam) zu geben, um einem weiteren Anfall vorzubeugen.

Quellen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Fieberkrampf":


Onmeda-Lesetipps:

Forum Kinderkrankheiten: Fragen Sie unsere Expertin um Rat
Fieber: Welche Temperatur ist normal?

Quellen:

Fieberkrampf. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: September 2017)

Fieber bei Kindern. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 2.11.2016)

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Pressemitteilung des Deutschen Ärzteblatts: Wie Ersthelfer Kinder mit einem Krampfanfall versorgen (29.1.2015)

Neubauer, B., Hahn, A.: Dooses Epilepsien im Kindes- und Jugendalter. Springer, Berlin 2014

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Koletzko, B.: Kinder- und Jugendmedizin. Springer, Berlin 2013

Eppinger, M., Müller, M.: Pädiatrie für Studium und Praxis. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2013

Flake, F., Scheinichen, F.: Kindernotfälle im Rettungsdienst. Springer, Berlin 2013

Fegert, M., Eggerts, E., Resch, F.: Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. Springer, Berlin 2012

Letzte inhaltliche Prüfung: 09.07.2018
Letzte Änderung: 08.04.2019