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Epiglottitis (Kehldeckelentzündung)

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Lydia Klöckner • Medizinredakteurin

Eine Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) tritt heutzutage immer seltener auf. Die bakterielle Erkrankung kann lebensbedrohlich sein – bei frühzeitiger Therapie heilt die Epiglottitis aber folgenlos aus. Eine Kehldeckelentzündung kommt vorwiegend bei Kindern im Vorschulalter vor, aber auch Erwachsene können daran erkranken.

Überblick

Die Epiglottitis ist eine bakterielle Infektion des Kehldeckels (Epiglottis), die meist durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B verursacht wird. Seltenere Erreger einer Epiglottitis sind Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) oder Staphylococcus aureus. Seitdem immer mehr Kinder gegen Haemophilus influenzae Typ B geimpft werden – eine von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Impfung für Säuglinge –, nimmt die Zahl der Erkrankungen ab.

Die Impfung gegen den Erreger der Epiglottitis bezeichnen Mediziner auch als Hib-Impfung. Der Name leitet sich vom Erregernamen Haemophilus influenzae Typ B ab.

Durch die entzündliche Schwellung des Kehldeckels, die bei einer Epiglottitis entsteht, verengen sich die Atemwege – und verschließen sich im schlimmsten Fall vollständig. Bei Verdacht auf eine Epiglottitis sollten Sie daher das Kind oder auch den Erwachsenen umgehend ins Krankenhaus bringen. Besteht Erstickungsgefahr, muss der Arzt intubieren, also künstlich Sauerstoff über einen Schlauch zuführen. Seltener ist es nötig, dass er einen Luftröhrenschnitt setzt (Tracheotomie), um für Atemluft zu sorgen.

Eine Entzündung des Kehldeckels äußert sich durch schnell zunehmende Atemnot. Kinder mit Epiglottitis weigern sich meistens, sich hinzulegen. Sie sitzen stattdessen vornübergebeugt und auf die Arme aufgestützt. Hinzu kommen starker Speichelfluss und hohes Fieber. Akute Atemnot kann auch viele andere Ursachen haben, etwa einen Fremdkörper im Hals oder eine andere Erkrankung wie Pseudokrupp. Haben Sie jedoch den Verdacht, dass eine Epiglottitis hinter den Beschwerden steckt, sollten Sie schnell handeln und einen Notarzt rufen beziehungsweise ins Krankenhaus fahren auch wenn sich am Ende möglicherweise herausstellt sollte, dass die Beschwerden mit einer anderen, harmloseren Ursache zusammenhängen.

Eine Epiglottitis, die rechtzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt wird, heilt in der Regel folgenlos aus.

Definition & Ursachen

Definition

Die Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) ist eine akute, lebensbedrohliche Entzündung des Kehldeckels (Epiglottis) sowie des umliegenden Gewebes. Die Schleimhaut des Kehldeckels schwillt dabei massiv an – bis hin zu akuter Erstickungsgefahr. In den meisten Fällen entsteht die Epiglottitis durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B.

Häufigkeit

Die Epiglottitis ist zwar gefährlicher, kommt aber deutlich seltener vor als der meist weniger bedrohliche Pseudokrupp, der ähnliche Symptome zeigt. An einer Kehldeckelentzündung erkranken überwiegend Kinder vor dem fünften Lebensjahr, seltener Erwachsene. Die Krankheitsfälle treten vereinzelt auf und es besteht kein eindeutiger Zusammenhang mit Jahreszeit, Allergien oder Luftverschmutzung. Seit die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) für Säuglinge die Impfung gegen den häufigsten Erreger der Epiglottitis, das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B, empfiehlt, ist die Zahl der Erkrankungen stark zurückgegangen.

Anatomie

Durch den Kehlkopf (Larynx) gelangt die Luft in die Luftröhre (Trachea) und weiter in die Lunge. Der Kehlkopf besteht aus einem Gerüst aus mehreren Knorpeln, die durch die Kehlkopfmuskulatur bewegt werden. Etwa in der Mitte des Kehlkopfs liegen die Stimmbänder, die durch die Stimmritze getrennt sind. Wird die Stimmritze durch Muskelarbeit verengt, so entsteht durch den Luftstrom ein Ton beim Ausatmen. Durch unterschiedliche Eng- und Weitstellung wird somit die Stimme gebildet.

© LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese
Der Kehldeckel trennt die Luftröhre von der Speiseröhre.

Außerdem trennt der Kehlkopf mithilfe des Kehldeckels (Epiglottis) die Luftröhre von der Speiseröhre. Beim Schlucken legt sich der Kehldeckel über den Kehlkopfeingang, lenkt so die Nahrung in die Speiseröhre und schützt die Luftröhre vor Nahrungspartikeln. Gleich nach dem Schlucken öffnet sich der Kehldeckel wieder und gibt die Luftröhre zum Atmen frei.

Ist der Bereich um den Kehldeckel entzündet und geschwollen, kann er die Luftröhre dauerhaft teilweise oder ganz verschließen, was schwere Atemnot nach sich ziehen kann.

Ursachen

Die Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) wird durch eine Infektion mit dem Bakterium Haemophilus influenzae Typ B verursacht. Der Erreger wird über Tröpfchen- und Kontaktinfektion übertragen. Haemophilus influenzae Typ B kommt ausschließlich beim Menschen vor, wo er in erster Linie die Schleimhäute des oberen Atemtrakts besiedelt.

Bei Erwachsenen kann eine Epiglottitis auch durch Pneumokokken ( Streptococcus pneumoniae ) oder Staphylococcus aureus ausgelöst werden.

Symptome & Diagnose

Symptome

Die Symptome einer Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) entwickeln sich meist sehr rasch.  Die betroffenen Personen – in der Regel handelt es sich um Kinder – wirken innerhalb weniger Stunden schwer krank. Typische Symptome einer Epiglottitis sind:

Da der Kehlkopf rasch weiter eingeengt wird, können Pfeifgeräusche beim Einatmen auftreten. Die gefährlichsten Symptome der Epiglottitis sind schwere Atemnot bis hin zur Ateminsuffizienz, also einer schweren Einschränkung der Atmung, bei der Ersticken droht.

Kinder mit Epiglottitis sitzen meistens nach vorne auf die Arme aufgestützt und verweigern die Rückenlage. Anders als beim Pseudokrupp müssen die betroffenen Personen bei der Epiglottitis meistens nicht husten.

Diagnose

Die Diagnose der Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) stellt der Arzt anhand der typischen Symptome. Die Untersuchung beschränkt sich in der Regel auf das Nötigste, da gerade bei akuter Atemnot rasch ein Erstickungsanfall ausgelöst werden kann. Bei Verdacht auf eine Epiglottitis weist der Arzt die betroffene Person umgehend ins Krankenhaus ein, da die Kehldeckelentzündung eine lebensbedrohliche Erkrankung ist.

Bei einem weniger schweren Verlauf kann der Arzt die Infektion auch mithilfe eines Blutbilds nachweisen. Manchmal schaut sich der Arzt den Kehldeckel (Epiglottis) auch mittels einer Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) an. Liegt eine Epiglottitis vor, sieht der Kehldeckel rötlich und stark (bis kirschgroß) geschwollen aus. Diese Untersuchungsmethode wird aus Sicherheitsgründen meist im Krankenhaus angewendet, um bei Komplikationen wie akuter Atemnot rechtzeitig Sauerstoffgabe über einen Schlauch verabreichen zu können oder einen Luftröhrenschnitt setzen zu können.

Therapie

Da eine Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) lebensbedrohlich sein kann, hält der Arzt die Untersuchung möglichst kurz und leitet umgehend eine Therapie ein. Schon bei Verdacht auf eine Epiglottitis sollten Sie daher ein Krankenhaus aufsuchen beziehungsweise einen Notarzt rufen.

Der Transport sollte möglichst kurz sein und aufrecht sitzend in (not-)ärztlicher Begleitung erfolgen. Beruhigungsmittel kommen normalerweise nicht zum Einsatz, da sie einen Atemstillstand bewirken können – daher sollte man mit anderen Mitteln versuchen, Aufregung zu vermeiden.

Bei einer Epiglottitis führt der Arzt in der Regel einen Schlauch zur Beatmung ein, um die Atemwege offen zu halten (Intubation). Das sollte möglichst frühzeitig erfolgen, da eine Intubation immer schwieriger wird, je zugeschwollener der Kehldeckel (Epiglottis) ist. Mögliche lebensrettende Alternativen sind dann

Diese Methoden kommen bei einer Epiglottitis aber selten zum Einsatz, da die Intubation meistens erfolgreich ist.

Wenn die akute Atemnot mithilfe der Intubation eingedämmt ist, erfolgt die eigentliche Therapie mit Antibiotika, zumeist Cefotaxim oder Ampicillin. Zusätzlich können Kortikosteroide zum Einsatz kommen. Sie hemmen die Entzündung und mindern die Schwellung im Kehlkopfbereich.

Da durch die Schluckbeschwerden besonders rasch ein Flüssigkeitsmangel entstehen kann, verabreicht der Arzt zusätzlich Flüssigkeit über die Vene (intravenös), um einem solchen Mangel vorzubeugen beziehungsweise um diesen zu beheben.

Verlauf & Vorbeugen

Verlauf

Eine Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) kann sich ohne Behandlung im weiteren Verlauf lebensgefährlich entwickeln, da der Bereich um den Kehldeckel immer weiter zuschwillt und die Atemnot bis hin zur Erstickungsgefahr zunimmt. Rechtzeitig therapiert bessern sich die Symptome der Epiglottitis aber innerhalb weniger Tage und die Kehldeckelentzündung heilt meist folgenlos aus.

Komplikationen

Eine gefürchtete Komplikation der Epiglottitis ist die Einengung der Atemwege mit drohender Erstickung. Außerdem kann sich aus einer Infektion mit Haemophilus influenzae Typ B eine Lungenentzündung entwickeln (Haemophilus influenzae-Pneumonie). Unbehandelt verläuft eine Epiglottitis meist tödlich.

Vorbeugen

Durch eine Schutzimpfung (aktive Immunisierung) gegen Haemophilus influenzae Typ B, welche die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) generell für Säuglinge empfiehlt, lässt sich das Risiko für eine Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) deutlich reduzieren. Nach der ersten Impfung, die etwa im Alter von zwei Monaten stattfindet, müssen drei Wiederholungsimpfungen erfolgen, damit sich ein stabiler Infektionsschutz aufbaut. In der Regel verwenden Ärzte einen Kombinationsimpfstoff, der sich außerdem gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphterie, Kinderlähmung (Polio) und Hepatitis B richtet.

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Quellen:

Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: Epidemiologisches Bulletin 34 / 2014. www.rki.de (Stand: 25.8.2014)

Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2014

Boenninghaus, H.-G.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012

Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011

Letzte inhaltliche Prüfung: 04.05.2015
Letzte Änderung: 02.04.2019