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Testosteronmangel beim Mann im Alter (Andropause, "Wechseljahre beim Mann")

Veröffentlicht von Wiebke Raue

Etwa ab dem 40. Lebensjahr nimmt der Anteil an Testosteron im Blut bei Männern kontinuierlich ab. Dadurch kann ein altersbedingter Testosteronmangel entstehen – die sogenannte Andropause.

Überblick

Das Androgen Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon und spielt für viele körperliche und psychische Vorgänge beim Mann eine große Rolle.

Ein verringerter Testosteronspiegel kann mit einer Reihe von Beschwerden verbunden sein. Zu den möglichen Symptomen eines Testosteronmangels gehören unter anderem

Im Allgemeinen ist ein Testosteronmangel beim Mann eine ganz normale Erscheinung, die im Alter auftritt. Normalerweise bedarf ein solcher Mangel keiner Therapie. Sind die Beschwerden jedoch sehr stark, kann der Arzt Testosteron verschreiben, um das Hormondefizit auszugleichen. So können einige der Symptome gelindert werden. Allerdings sollten Arzt und Patient vorab genau abwägen, ob eine Testosteronersatz-Therapie infrage kommt, denn es ist noch nicht abschließend geklärt, welche Risiken und Nebenwirkungen auftreten können.

Manchmal wird ein Testosteronmangel beim Mann im Alter auch als "Wechseljahre beim Mann" oder "männliches Klimakterium" bezeichnet. Im Gegensatz zu den Wechseljahren bei der Frau sinkt der Testosteronspiegel allerdings sehr langsam und kontinuierlich ab. Beschwerden treten – wenn überhaupt – erst dann auf, wenn der Testosteronspiegel im Blut einen bestimmten Grenzwert unterschreitet. Dies ist aber auch im Alter nicht bei jedem Mann der Fall. Daher halten viele Experten den Begriff "männliche Wechseljahre" für nicht korrekt.

Vorbeugen können Sie einem Testosteronmangel nicht. Mit einer gesunden Lebensweise können Sie jedoch einiges tun, um typische Alterserscheinungen hinauszuzögern oder zu lindern!

Definition

Testosteronmangel bei älteren Männern bezeichnen Mediziner auch als "Altershypogonadismus". Manche Wissenschaftler sprechend auch von der "Andropause".

Was ist Testosteron?

Testosteron gehört zu männlichen Sexualhormonen, den Androgenen. Es wird in den Hoden gebildet und von dort ins Blut abgegeben.

Testosteron hat im männlichen Körper viele verschiedene Effekte. Testosteron:

Im Leistungssport setzen manche Menschen Testosteron aufgrund seiner muskelaufbauenden und leistungssteigernden Wirkung illegal als Dopingmittel ein.

Testosteron bildet der Körper ein Leben lang. Wie viel Testosteron freigesetzt wird, ist individuell ganz unterschiedlich: Die normalen Konzentrationen im Blut liegen beim Mann zwischen 10,4 und 34,7 Nanomol (nmol) pro Liter. Die mittlere Testosteronkonzentration unterliegt dabei tageszeitlichen Schwankungen, mit 20 bis 40 Prozent höheren Werten in den Morgenstunden.

Im Blut liegt Testosteron zum einen

In gebundener Form ist Testosteron mit sogenannten Transportproteinen (Transporteiweiße) verknüpft. Die Transportproteine bezeichnen Wissenschaftler als SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin). Aber auch andere Proteine binden an Testosteron.

Die Bindung an die Transportproteine schützt das Testosteron davor, dass es zu rasch abgebaut wird. Aktiv werden kann das Hormon Testosteron erst, wenn es wieder frei und in ungebundener Form am Zielort angekommen ist.

Wechseljahre beim Mann?

Die hormonelle Veränderung im Alter bezeichnen manche Menschen in Anlehnung an die Wechseljahre der Frau auch als "Wechseljahre beim Mann". Aber gibt es Wechseljahre beim Mann wirklich?

Dass der Testosteronspiegel beim Mann mit zunehmendem Alter sinkt, ist ein ganz natürlicher Prozess. Sind die Werte zu niedrig, sprechen Ärzte von einem Testosteronmangel.

Die Wechseljahre bei der Frau kann man jedoch nicht mit dem altersbedingten Mangel an Sexualhormonen bei Mann vergleichen. Im Gegensatz zu den Veränderungen während der Wechseljahre sind die Auswirkungen der Andropause viel geringer ausgeprägt – um tatsächliche, mit den Veränderungen bei der Frau vergleichbaren Wechseljahre handelt es sich bei Männern also nicht. Hinzu kommt, dass nicht jeder Mann im Alter auch an zu niedrigen Testosteronwerten leidet.

© Jupiterimages/Wavebreak Media
Die Wechseljahre der Frau kann man nicht als Pendant zu einem Testosteronmangel beim Mann ansehen – dennoch können die hormonellen Veränderungen bei Männern zu Beschwerden führen, die in abgeschwächter Form an die Wechseljahre erinnern können.

Ursachen

Ein Testosteronmangel beim Mann kann unterschiedliche Ursachen haben. Dass der Testosteronspiegel im Alter sinkt, ist eine ganz normale, durch körperliche Veränderungen bedingte Erscheinung. Aber auch die Lebensweise und bestimmte Erkrankungen können den Testosteronspiegel beeinflussen.

Etwa ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel beim Mann natürlicherweise um circa ein Prozent im Jahr. Hauptsächlich verringert sich mit dem Alter das freie, nicht an das Transporteiweiß SHBG gebundene, und somit biologisch aktive Testosteron im männlichen Körper. Dies liegt zum einen daran, dass die Konzentration des Bindeproteins SHBP steigt, sodass vermehrt Testosteron gebunden wird – und nicht mehr frei verfügbar ist. Zum anderen produzieren die Hoden insgesamt weniger Testosteron.

Das bedeutet aber nicht, dass Männer mit zunehmendem Alter automatisch einen Testosteronmangel haben: Es gibt durchaus ältere Männer, deren Hormonwerte im Normbereich liegen.

Übrigens: Nicht nur der Testosteronspiegel, sondern auch der Blutspiegel anderer Hormone verändert sich im Alter. Einige dieser Hormone sind an der Regulation von Testosteron beteiligt und haben deshalb ebenfalls einen Anteil daran, dass ein Testosteronmangel bei Mann entstehen kann.

Risikofaktoren

Natürlicherweise sinkt der Testosteronspiegel mit steigendem Alter. Der Spiegel ist aber nicht bei jedem Mann gleich hoch; vielmehr kann er individuell erheblich schwanken. Und auch die Lebensweise des Mannes spielt eine Rolle dabei, wie viel freies Testosteron im Körper vorhanden ist.

Folgende Faktoren können beispielsweise dazu beitragen, dass der freieTestosteronspiegel sinkt:

Manchmal können auch Erkrankungen den Testosteronspiegel beim Mann beeinflussen und einen Testosteronmangel hervorrufen, so zum Beispiel Fetteinlagerungen in der Leber. Auch einige Medikamente bewirken unter Umständen ein Absinken des Testosteronspiegels.

Symptome

Ein altersbedingter Testosteronmangel beim Mann kann sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen.

Es ist nicht abschließend geklärt, welche Beschwerden tatsächlich auf die sogenannte Andropause zurückzuführen sind – der Zusammenhang zwischen Symptomen und einem zu niedrigen Testosteronspiegel ist nicht immer eindeutig.

Mögliche Symptome eines Testosteronmangels bei älteren Männern sind:

Diagnose

Symptome wie eine verringerte Libido, Müdigkeit oder eine verminderte körperliche Leistungsfähigkeit können bei älteren Männern auf einen Testosteronmangel hinweisen – sie können jedoch auch viele andere Ursachen haben. Anhand einer Blutuntersuchung kann der Arzt den Testosteronspiegel bestimmen und so feststellen, ob die Werte sehr niedrig sind. Eine körperliche Untersuchung gibt Aufschluss über Körperbau und Muskelkraft des Mannes.

Liegen keine Beschwerden vor, obwohl der Testosteronspiegel niedrig ist, muss dies nicht heißen, dass es sich tatsächlich um einen Mangelzustand mit Krankheitswert handelt – denn der Testosteronpegel kann von Mensch zu Mensch stark schwanken.

Durch den möglichen Zusammenhang zwischen Testosteronmangel und Osteoporose kann es zudem sinnvoll sein, dass der Arzt die Knochendichte mithilfe bildgebender Verfahren wie einer Röntgenuntersuchung oder Computertomographie (CT) bestimmt.

Therapie

In der Regel ist ein leichter Testosteronmangel beim älteren Mann Teil des normalen Alterungsprozess und bedarf keiner Therapie.

Bei Beschwerden gibt es die Möglichkeit, einen diagnostizierten Testosteronmangel durch die Gabe von Testosteron auszugleichen (sog. Testosteronsubstitution).

Testosteron kann auf verschiedenen Wegen zugeführt werden, so zum Beispiel als Spritze, Tabletten oder mithilfe eines Pflasters. Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, den Testosteronmangel mit einem Testosteron-Gel zu behandeln, welches der Mann einmal täglich auf die Haut aufträgt. Auf diesem Weg gelangt das Testosteron kontinuierlich in den Körper, sodass sich starke Hormonschwankungen vermeiden und einige der Beschwerden gut behandeln lassen. Das Testosteron-Gel führt im Gegensatz zu anderen Therapie-Methoden zu relativ wenig Nebenwirkungen und gilt bei einem Testosteronmangel beim Mann im Alter als gut verträgliche Therapie-Form.

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Ein leichter Testosteronmangel muss nicht zwangsläufig mit Beschwerden verbunden sein.

Die Therapie führt unter anderem dazu, dass

Während der Therapie sollte der Arzt regelmäßig die Blutwerte kontrollieren, zudem sollte er jährlich die Prostata untersuchen.

Verlauf

Ein altersbedingter Testosteronmangel beim Mann führt meist nicht zu gravierenden Beschwerden. Vielmehr ist er als normale biologische Veränderung im Alter anzusehen.

Dennoch können hin und wieder stärkere Symptome auftreten, welche einige Männer als unangenehm und störend empfinden können.

Allerdings stellt sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, den sinkenden Testosteronspiegel im Alter mit künstlichen Hormonpräparaten zu beeinflussen. Eine künstliche Testosteronzufuhr kann viele der durch den Testosteronmangel auftretenden Symptome zwar deutlich verbessern, die Hormonersatz-Therapie hat jedoch eine Reihe von Nebenwirkungen. Daher müssen Arzt und Patient sorgfältig abwägen, ob eine Therapie mit Hormonpräparaten infrage kommt.

Risiken einer Testosteronersatz-Therapie

Welche Nebenwirkungen eine Testosteronersatz-Therapie genau hat, wird noch immer erforscht. Dass die Gabe von Testosteron das allgemeine Risiko für Prostatakrebs erhöht, ist nicht bewiesen – jedoch können bereits bestehende Krebsvorstufen (Präkanzerosen) im Wachstum beschleunigt werden.

Zudem erhöht eine Therapie mit Testosteron möglicherweise das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Vorbeugen

Es gibt keine direkten Maßnahmen, mit denen Sie einem Testosteronmangel im Alter vorbeugen können – denn auf den Testosteronspiegel haben viele verschiedene Faktoren Einfluss.

Dennoch können Sie einiges für Ihre Gesundheit im Alter tun:

Mit diesen Maßnahmen können Sie den Testosteronspiegel zwar nicht direkt erhöhen, aber einem schweren Testosteronmangel oder damit in Zusammenhang stehenden Beschwerden vorbeugen.

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Wer aktiv bleibt, kann vielen Alterserscheinungen vorbeugen!

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

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Stand: 9. Juli 2014