Onmeda.de Logo

Netzhautablösung

Veröffentlicht von Onmeda-Redaktion

Bei einer Netzhautablösung kommt es auf schnelles Handeln an: Ist die Netzhaut zu lange vom Untergrund gelöst, kann das Auge im schlimmsten Fall erblinden. Daher ist es wichtig, die Anzeichen einer Netzhautablösung zu kennen, um entsprechend reagieren zu können.

Überblick

Was ist eine Netzhautablösung?
Bei einer Netzhautablösung hebt sich die lichtempfindliche Schicht der Netzhaut des Auges (Photorezeptorschicht) von der darunterliegenden Aderhaut ab. Fachsprachlich nennt man eine Netzhautablösung auch Ablatio retinae oder Amotio retinae.

Warum ist eine Netzhautablösung problematisch?

In der Netzhaut (Retina) liegen lichtempfindliche Sinneszellen, die sogenannten Photorezeptoren. Man unterscheidet dabei zwei Arten von Sinneszellen: Stäbchen und Zäpfchen. Diese ermöglichen das Sehen, indem sie Licht- und Farbreize aufnehmen (photo leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet Licht).

Unter der Netzhaut liegt die Aderhaut (Pigmentepithel). Diese versorgt normalerweise die die Netzhaut durch ein enges Geflecht kleiner Blutgefäße. Sind die beiden Schichten durch eine Netzhautablösung voneinander getrennt, ist die Versorgung der Netzhaut unterbrochen. Dauert diese Unterbrechung länger an, kommt es zu einer Schädigung der Netzhautfunktion, die sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Die Folge: Das Sehvermögen nimmt ab – bis hin zur Erblindung.

© Jupiterimages/Dorling Kindersley RF
Anatomie des Auges

Symptome

Bereits vor einer Netzhautablösung können Symptome für eine Schädigung der Netzhaut (Retina) des Auges auftreten.

Mögliche Symptome vor einer Netzhautablösung

Mögliche Warnzeichen für eine bevorstehende Netzhautablösung sind:

Mögliche Symptome bei einer Netzhautablösung

Welche Symptome bei der Netzhautablösung selbst auftreten, hängt davon ab, wo genau sich diese ablöst. In der Regel ist bei einer Ablösung der Netzhaut zunächst das Gesichtsfeld eingeschränkt – also jener Bereich, den man mit beiden Augen sieht, ohne diese zu bewegen. Schmerzen treten bei einer Netzhautablösung nicht auf.

Beginnt die Netzhaut, sich vom unteren Augenbereich her abzulösen, können Betroffene Symptome wie einen von unten aufziehenden Schatten beziehungsweise eine dunkle Wand von unten wahrnehmen.

Eine Netzhautablösung im oberen Augenbereich kann sich hingegen als schwarzer Vorhang von oben, eine seitlich gelegene Ablösung als schwarzer Vorhang von der Seite bemerkbar machen.

Wenn sich die Netzhaut im Bereich der Makula (gelber Fleck) ablöst (z.B. im fortgeschrittenem Stadium), ist auch die zentrale Sehschärfe eingeschränkt: Dann ist nur ein unscharfes, verzerrtes Sehen möglich.

Ohne Behandlung verschlimmern sich die Symptome. Denn ist die Netzhaut von der direkt darunterliegenden Aderhaut getrennt, kann diese sie nicht mehr versorgen. Je nachdem wie lange dieser Zustand anhält, nimmt die Netzhaut unter Umständen unwiederbringlich Schaden. Im schlimmsten Fall erblindet das betroffene Auge möglicherweise.

Suchen Sie daher bei Symptomen, die auf eine Netzhautablösung hindeuten, so rasch wie möglich einen Augenarzt auf.

Ursachen

Eine Netzhautablösung kann verschiedene Ursachen haben.

Rissbedingte Netzhautablösung (rhegmatogene Netzhautablösung)

Am häufigsten entsteht eine Netzhautablösung durch einen Netzhautriss. Dieser bildet sich zum einen, wenn bereits ein Netzhautloch besteht und sich der Glaskörper abzuheben beginnt: Hebt sich der Glaskörper hinten im Auge von seiner Unterlage ab, entsteht an den Anheftungsstellen ein Zug an der Netzhaut, bis sich dort unter Umständen ein Riss bildet. Der Glaskörper kann sich dabei verflüssigen sich und durch das Netzhautloch in den Raum unter der Netzhaut gelangen, sodass diese sich von ihrem Untergrund löst. Eine Glaskörperverflüssigung erfolgt allerding nicht immer. Eine Netzhautablösung kann bereits allein dadurch den Zug erfolgen, den die Glaskörperabhebung ausübt.

© iStock
Bei einem Netzhautriss kann Flüssigkeit unter die Netzhaut gelangen und dazu führen, dass sie sich ablöst.

Eine Glaskörperabhebung ist im Grunde jedoch ein normaler Prozess, der sich bei allen Menschen im Alter von selbst entwickelt und mehr oder weniger stark sein kann. Bei Kurzsichtigkeit tritt eine Glaskörperabhebung oft auch schon früher auf.

Der Glaskörper kann sich aber auch akut durch äußere Gewalteinwirkungen abheben, etwa durch eine Prellung des Augapfels. In solch einem Fall ist das Risiko für einen Netzhautriss und eine nachfolgende Netzhautablösung besonders hoch.

Weitere mögliche Ursachen beziehungsweise Risikofaktoren für eine rissbedingte Netzhautablösung ist zum Beispiel ein kürzlich operierter grauer Star (Katarakt).

Auch wenn eine Netzhautablösung häufig die Folge eines Netzhautrisses ist, bleibt sie eine im Grunde seltene Komplikation.

Zugbedingte Netzhautablösung (traktive Netzhautablösung)

Eine weitere Form der Netzhautablösung entwickelt sich als Folge spezieller Verwachsungen: Hierbei handelt es sich um Stränge von Binde- oder Narbengewebe, die der Netzhaut anhaften und sich mit der Zeit zusammenziehen. Sie üben an den Anheftungspunkten Zug auf die Netzhaut aus und heben diese von der darunterliegenden Schicht ab. Zu den Ursachen solcher Verwachsungen zählen vor allem Netzhauterkrankungen im Rahmen eines Diabetes mellitus (wie eine diabetische Retinopathie). Aber auch Netzhautveränderungen bei Frühgeborenen oder vorausgegangene Netzhautoperationen können für Verwachsungen verantwortlich sein.

Durch Flüssigkeitseinlagerung bedingte Netzhautablösung (exsudative Netzhautablösung)

Eine Netzhautablösung kann außerdem entstehen, wenn sich Flüssigkeit im Spalt zwischen der lichtempfindlichen Schicht der Netzhaut (Photorezeptorschicht) und Aderhaut sammelt, die aus beschädigten Gefäßen der Netzhaut oder der Aderhaut stammt. In solch einem Fall können zum Beispiel entzündliche Prozesse oder Tumoren hinter der Netzhautablösung stecken.

In seltenen Fällen können auch Kombinationen der verschiedenen Formen vorliegen, zum Beispiel eine riss- und zugbedingte Netzhautablösung.

Wie häufig kommt eine Netzhautablösung vor?

Insgesamt ist eine Netzhautablösung eher selten. Die häufigste Form ist dabei die rissbedingte (rhegmatogene) Netzhautablösung: Diese kommt pro Jahr bei etwa einem von 10.000 Menschen vor. Ältere und stark kurzsichtige Menschen sind im Vergleich zu jüngeren beziehungsweise normalsichtigen Menschen öfter von einer Netzhautablösung betroffen.

Diagnose

Bei einer Netzhautablösung ist eine rasche Diagnose wichtig. Wer entsprechende Symptome an sich wahrnimmt, sollte deshalb einen Augenarzt aufsuchen. Mögliches Anzeichen für eine bevorstehende Ablösung der Netzhaut (Retina) ist die Wahrnehmung von Lichtblitzen oder einem plötzlichen Rußregen. Die Netzhautablösung selbst führt typischerweise zu einem eingeschränkten Gesichtsfeld.

Auch wenn die Symptome der Netzhautablösung nur einseitig auftreten, untersucht der Arzt bei Verdacht auf eine Netzhautablösung immer beide Augen. Denn häufig weist auch die Netzhaut des nicht betroffenen Auges Veränderungen auf, die eine Vorstufe zur Netzhautablösung sein können und die sich vorbeugend mit dem Laser behandeln lassen.

Vor der eigentlichen Untersuchung ist es nötig, die Pupillen mithilfe von Augentropfen zu weiten. Daher ist es ratsam, nicht selbst mit dem Auto zum Augenarzt zu fahren. Denn aufgrund der starr erweiterten Pupillen ist man nach der Untersuchung einige Stunden lang nicht fahrtüchtig.

Durch die erweiterte Pupille kann der Augenarzt den Augenhintergrund untersuchen und die Netzhaut beurteilen. Dabei kommt eventuell ein sogenanntes Kontaktglas zum Einsatz. Darunter versteht man eine Art Lupe, die der Augenarzt direkt auf den Augapfel setzt. So kann er eine Netzhautablösung feststellen und auch gegebenenfalls deren Ursache ausmachen, zum Beispiel einen Riss in der Netzhaut. Falls die Sicht auf die Netzhaut durch Blutungen im Glaskörper eingeschränkt ist, kann eine Ultraschalluntersuchung hilfreich sein.

Therapie

Bei einer Netzhautablösung hängt die genaue Behandlung vor allem davon ab, ob es sich noch um eine Vorstufe handelt oder die Netzhaut sich bereits abgelöst hat. In letzterem Fall unterscheidet sich die Therapie außerdem je nach Ursache und Schweregrad der Netzhautablösung.

Therapie bei Netzhautablösung-Vorstufen

Bei Vorstufen einer Netzhautablösung besteht die Therapie meist darin, die Netzhaut zu lasern: Eine Laserbehandlung ist zum Beispiel ausreichend, wenn ein Loch in der Netzhaut besteht, die Netzhaut aber noch eng an der Schicht darunter anliegt.

Therapie bei erfolgter Netzhautablösung

Wenn sich die Netzhaut jedoch bereits abgelöst hat, ist es nicht mehr möglich, dies mit einem Laser zu beheben. Dann ist eine Augenoperation erforderlich. Die Art der Augen-OP richtet sich nach dem Schweregrad der Netzhautablösung und nach deren Ursache. Davon hängt auch ab, ob die Operation unter örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose stattfindet.

Ist die Ursache der Netzhautablösung ein Netzhautriss (sog. rhegmatogene Netzhautablösung), besteht die Therapie darin, das Auge an der Stelle einzudellen, an der die Netzhaut gerissen ist, um so die Aderhaut wieder an die Netzhaut anzunähern. Das erfolgt mithilfe einer Ausstopfung (Tamponade) des Netzhautlochs. Dabei näht der Operateur von außen entweder eine Silikonplombe auf das Auge oder legt rund um das Auge ein Silikonband, wenn mehrere Risse oder Löcher bestehen. Anschließend löst der Arzt von außen mit einer Kältesonde oder von innen mit Laserstrahlen an der Stelle des Lochs eine Entzündungsreaktion aus. Das führt dazu, dass Aderhaut und Netzhaut miteinander verkleben.


Bei einem Netzhautriss kommt häufig eine Silikonplombe zum Einsatz.

Bei einer komplizierten Netzhautablösung ist zur Behandlung zusätzlich (oder ausschließlich) ein chirurgischer Eingriff im Augeninneren nötig: Der Operateur entfernt den gesamten Glaskörper (sog. Vitrektomie) und ersetzt ihn durch Gas oder durchsichtiges Silikonöl. Diese Tamponade aus Gas oder Öl sorgt dafür, dass die Netzhaut sich wieder fest an ihren Untergrund anlegt. Eine Vitrektomie mit nachfolgender Tamponade kommt vor allem zum Einsatz, wenn die Netzhautablösung durch Zug verursacht wurde (traktive Netzhautablösung).

Verlauf

Bei einer Netzhautablösung hängt der weitere Verlauf vor allem davon ab,

Grundsätzlich sind bei einer Netzhautablösung Verlauf und Prognose für das Auge und das Sehen umso besser,

Bei frühzeitiger Behandlung bleibt das Sehvermögen des betroffenen Auges fast immer erhalten: Rund 95 Prozent der Betroffenen mit einer rissbedingten Netzhautablösung – der häufigsten Form – können mithilfe einer Operation geheilt werden. Daher ist es wichtig, bei jeglichen Anzeichen einer geschädigten Netzhaut beziehungsweise beim geringsten Verdacht auf eine Netzhautablösung einen Augenarzt aufzusuchen.

Unbehandelt schreitet eine Netzhautablösung in der Regel fort und führt fast immer zur Erblindung.

Vorbeugen

Sie können einer Netzhautablösung vorbeugen, indem Sie bei den ersten Anzeichen einer Netzhautschädigung schnellstmöglich zum Augenarzt gehen.

Zu den Vorzeichen einer Netzhautablösung zählen Lichtblitze und plötzlich auftretende schwarze Punkte, die nach unten sinken (sog. Rußregen). Ist das Gesichtsfeld eingeschränkt, deutet das darauf hin, dass die Netzhaut bereits beginnt, sich abzulösen.

Wenn Ihr Risiko für eine Netzhautablösung erhöht ist, sollten Sie den Augenhintergrund am besten regelmäßig untersuchen lassen. Ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung besteht zum Beispiel dann, wenn

Bei der Untersuchung des Augenhintergrunds kann der Augenarzt auch Entartungen feststellen, die zu Löchern in der Netzhaut und zu ihrer Ablösung führen könnten. Solche Veränderungen an der Netzhaut können Sie dann gegebenenfalls vorbeugend lasern lassen.

Netzhautlöcher sind eine Vorstufe der Netzhautablösung. Behandelt man solche Löcher mit einem Laser, lässt sich einer Netzhautablösung vorbeugen: An der gelaserten Stelle bilden sich Narben, die Netzhaut und Aderhaut miteinander verschweißen. Eine derartige vorbeugende Laserbehandlung ist jedoch nur möglich, solange sich die Netzhaut an der Stelle noch nicht abgelöst hat.

Quellen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Netzhautablösung":

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Online-Informationen des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands e.V.: cms.augeninfo.de (Abrufdatum: 5.4.2018)

I care. Anatomie. Physiologie. Thieme, Stuttgart 2015

Lang, G.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

Kanski, J.: Klinische Ophthalmologie. Urban & Fischer, München 2012

Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer, Berlin Heidelberg 2011

Emminger, H., Kia, T.: Exaplan – Das Kompendium der klinischen Medizin. Urban & Fischer, München 2010

Pane, A., Simcock, P.: Praktische Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2007

Aktualisiert am: 6. April 2018