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Atemwegserkrankungen

Letzte Änderung:
Autor*in: Jasmin Krsteski, Medizinredakteurin

Der Begriff Atemwegserkrankung umfasst verschiedene akute sowie chronische Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. Häufig sind es virusbedingte Infektionen, die Nase, Nasennebenhöhlen und Rachenraum befallen und in der Regel folgenlos wieder abklingen, beispielsweise bei einer Erkältung. Andere Erkrankungen, insbesondere der unteren Atemwege, sind schwerwiegender. Es gilt, sie rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Lesen Sie hier, welche Atemwegserkrankungen es gibt, welche Symptome sie hervorrufen und wie sie sich behandeln lassen.

Diese Atemwegserkrankungen gibt es

Zu den oberen Atemwegen gehören Nase, Nasennebenhöhlen und Rachenraum. Zu den unteren Atemwegen Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien und die Lunge. All diese Bereiche können von verschiedenen akuten oder chronischen, infektiösen oder allergischen Erkrankungen betroffen sein. Erkrankungen des Atmungssystems stehen in der Statistik der Todesursachen (2020) an dritter Stelle.

Was für Atemwegserkrankungen gibt es?

COPD und Asthma gehören zu den obstruktiven Atemwegserkrankungen. Damit bezeichnet man Erkrankungen, bei denen sich die Atemwege verengen.

Restriktive Atemwegserkrankungen sind dagegen solche, bei denen das Lungenvolumen vermindert ist. Zum Beispiel, weil sich die Lunge aufgrund einer Fibrose nicht mehr richtig ausdehnen kann.

Atemwegserkrankungen: Ursachen

Akute Atemwegserkrankungen sind meist Infektionen durch Bakterien oder Viren wie bei einer ErkältungGrippe, Schnupfen oder einer akuten Bronchitis. Sie verlaufen in der Regel mild und heilen innerhalb von ein bis drei Wochen aus. Solche akuten Erkrankungen können allerdings auch chronisch werden, wenn es Komplikationen gibt oder sie nicht richtig auskuriert werden.

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Virale Infektionen sind beispielsweise eine einfache Erkältung, die Grippe oder das durch das Coronavirus SARS-CoV-2 hervorgerufene Covid-19. Zu den bakteriellen Infektionen gehören zum Beispiel Tuberkulose, Scharlach und Seitenstrangangina. Wenn ein viraler Infekt die Schleimhäute der Atemwege schädigt, kann sich außerdem zusätzlich eine bakterielle Infektion dazugesellen (Sekundärinfektion). So können sich je nach Ort und Art der Infektion etwa eine Nebenhöhlenentzündung, eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung entwickeln. Bei einer Lungenentzündung sind häufig Pneumokokken die Ursache.

Chronische Atemwegserkrankungen können durch schädliche Umwelteinflüsse und Rauchen, Allergien oder chronische Entzündungen wie beim Asthma bronchiale hervorgerufen werden. Raucher leiden häufig unter Chronischer Bronchitis oder COPD.

Auch genetisch veranlagte Atemwegserkrankungen gibt es, etwa die Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose. Zudem können neurologische Störungen die Atmung beeinträchtigen.

Schließlich können auch zahlreiche Allergien wie etwa die gegen Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze oder Pollen (Heuschnupfen) sowie eine Aspergillose Atemwegsprobleme wie allergisches Asthma verursachen.

Atemwegserkrankungen: Symptome

Je nach Art der Erkrankungen können die Symptome vielfältig und unterschiedlich sein.

Folgende Anzeichen können Hinweise auf Atemwegserkrankungen sein:

Husten mit Auswurf, also mit Schleimbildung, spricht für Erkältungen, eine chronische Bronchitis, COPD oder Lungenentzündung. Trockener Husten oder Reizhusten kann zum Beispiel durch Fremdkörper, Schadstoffe, Tumore, eine Entzündung der Luftröhre oder der Bronchialschleimhaut verursacht werden. Blutiger Husten spricht für eine schwere Bronchitis, eine Lungenembolie, Tuberkulose, Lungenkrebs oder eine Herzinsuffizienz.

Atemwegserkrankungen: Diagnose

Um Atemwegserkrankungen festzustellen, wird die*der Ärztin*Arzt zunächst ein Anamnesegespräch führen. Sie*er wird wissen wollen, wann welche Symptome aufgetreten sind, ob die*der Betreffende raucht oder Vorerkrankungen oder Allergien hat.

Anschließend folgen körperliche und gegebenenfalls weitergehende Untersuchungen.

Dazu gehören beispielsweise:

Beim Abhören mit dem Stethoskop kann die*der Ärztin*Arzt eventuell vorhandene auffällige Atemgeräusche feststellen. Bei verengten Atemwegen, etwa aufgrund von Asthma oder Bronchitis, sind pfeifende Geräusche zu hören. Flüssigkeit in der Lunge verursacht rasselnde Geräusche. Bei einem Pneumothorax fehlen Geräusche auf der betroffenen Seite. Auch das Abklopfen des Brustraums kann Hinweise auf Erkrankungen liefern. Die*der Ärztin*Arzt kann dabei luftgefüllte von nicht luftgefüllten Räumen unterscheiden. Eine normal mit Luft gefüllte Lunge hört sich sonor an, wie beim Klopfen auf einer Trommel.

Mit einem Abstrich aus dem Nasen-Rachenraum lassen sich bestimmte Erreger wie Viren und Bakterien nachweisen, die Infektionen verursachen können.

Eine Lungenfunktionsprüfung kommt zum Beispiel zum Einsatz, wenn ein*e Patient*in über Atemnot und Auswurf klagt, Atemgeräusche zu hören sind oder bei anderen Krankheitsbildern abgeklärt werden soll, ob die Lunge in Mitleidenschaft gezogen ist. Damit lassen sich Asthma, COPD und verschiedene andere Lungenerkrankungen feststellen. Beim Lungenfunktionstest wird überprüft, wie leistungsfähig die Lunge ist. Das bedeutet: Wie viel Luft kann ein Mensch in einer bestimmten Zeit ein- und ausatmen? Auch wenn sich nach kräftigem Ausatmen noch zu viel Luft in der Lunge befindet, kann das auf eine Erkrankung hindeuten. Für den Test muss die*der Betroffene in ein Mundstück atmen, das mit dem sogenannten Spirometer verbunden ist, während die Nase mit einer Klammer verschlossen ist. Bei einer Ergo-Spirometrie prüft man die Lungenfunktion unter Belastung. 

Bei der Blut-Gasanalyse misst man den Gehalt an Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut. Dazu ist sauerstoffreiches Blut nötig. Dies entnimmt man nicht wie sonst in der Regel aus einer Armvene, sondern meist aus dem Ohrläppchen, seltener direkt aus einer Arterie zum Beispiel am Hals oder am Oberschenkel. Im Blut können außerdem Entzündungswerte bestimmt werden, die auf Infektionen hindeuten können.

Eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) dient in der Regel dazu, Lungenkrebs nachzuweisen. Man kann damit aber auch die Bronchien spülen, etwa bei chronischer Bronchitis oder Asthma, oder Atemwegs-Verengungen abklären. Das Bronchoskop ist mit einer Kamera ausgestattet und wird über Mund oder Nase in die Luftröhre eingeführt. Diese Untersuchung ist schmerzlos. Um Husten- und Würgereiz zu unterdrücken, erhält die*der Patient*in jedoch ein Betäubungsspray.

Atemwegserkrankungen: Therapie

Die Therapie hängt von der Ursache und der Art der Erkrankung ab. 

Bakterielle Atemwegserkrankungen lassen sich mit Antibiotika behandeln, etwa eine durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung.

Bei starker Schleimbildung kann das Abhusten durch schleimlösende Medikamente unterstützt werden, während hustenstillende Mittel bei trockenem und Reizhusten zum Einsatz kommen können. 

Inhalation ist ein effektiver Weg, um die Atemwege mit verschiedenen Medikamenten zu versorgen. Inhalationssprays mit atemwegserweiternden Medikamenten kommen zum Beispiel bei Asthma und COPD zum Einsatz. Wichtig ist, bei Atemwegserkrankungen aufs Rauchen  und bei Infektionen vorübergehend auf Sport zu verzichten

Ist das Atmen aufgrund einer Atemwegserkrankung erschwert und die Sauerstoffsättigung im Blut sinkt ab, kann zunächst mittels einer Maske oder Nasensonde Sauerstoff zugeführt werden. Bei COPD kann eine Langzeit-Sauerstofftherapie helfen. Bei einer Schlafapnoe kann nachts eine Atemmaske nötig sein.

Können Patient*innen nicht mehr eigenständig atmen, kann invasive Beatmung zum Einsatz kommen. In besonders schweren Fällen muss eine ECMO-Therapie die Funktion der Lunge übernehmen. 

Bei Allergien sollte die*der Betreffende das jeweilige Allergen meiden und gegebenenfalls eine Hyposensibilisierung in Betracht ziehen.

Mehr zu den einzelnen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie unter der jeweiligen Erkrankung.

Atemwegserkrankungen vorbeugen

Infektiösen Atemwegserkrankungen beugt man am besten vor, indem man sich vor einer Ansteckung schützt. Zum Beispiel mit einer Impfung gegen den entsprechenden Erreger, indem man sich regelmäßig die Hände wäscht, Abstand zu infizierten Menschen hält und Räume regelmäßig lüftet. In der Coronapandemie haben sich außerdem FFP2-Masken als Schutz vor einer Infektion bewährt. Außerdem ist es sinnvoll, sich gesund zu ernähren und sich ausreichend zu bewegen, um das Immunsystem zu stärken.

Außerdem können folgende Maßnahmen helfen, Atemwegsbeschwerden vorzubeugen:

Quellen

Chronische Lungenerkrankungen. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Abrufdatum: 17.9.2021)

Online-Informationen der Deutschen Lungenstiftung: www.lungenaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 17.9.2021)

Erste vorläufige Ergebnisse der Todesursachenstatistik für 2020 mit Daten zu COVID-19 und Suiziden. Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes (8.7.2021)

Restriktive und obstruktive Lungenerkrankung  – was ist der Unterschied? Online-Information des Helmholtz Zentrums München: www.lungeninformationsdienst.de (Stand: 20.8.2019)

Hahn, Johannes-Martin: Checkliste Innere Medizin. Georg Thieme Verlag, Stuttgart (2018)

Welche Lungenfunktionstests gibt es und was passiert dabei? Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 24.2.2016)

Baenkler, H.W., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Georg Thieme Verlag, Stuttgart (2015)

Letzte inhaltliche Prüfung: 16.09.2021
Letzte Änderung: 19.10.2021