Onmeda.de Logo

Rizinusöl

Letzte Änderung:
Autor*in: Onmeda-Redaktion

Rizinusöl wird aus den Samen des Rizinus (Ricinus communis) gewonnen, der in den Tropen, Subtropen und gemäßigten Klimazonen beheimatet ist. Neben der medizinisch interessanten Rizinolsäure enthalten die Samen auch das pflanzliche Eiweiß Rizin, was sie hochgiftig macht.

Allgemeines

Die rötlich-braunen Samen befinden sich in den kugeligen, ein- bis zweieinhalb Zentimeter großen stacheligen Kapselfrüchten des Rizinus. Durch Kaltpressung erhält man daraus das sogenannte Rizinusöl. Dieses wird in der Medizin vorrangig bei Verstopfung oder zur Darmentleerung vor Operationen angewendet. Äußerlich kommt es zur Behandlung von Hauterkrankungen zum Einsatz. Bei der Ölgewinnung geht das giftige Rizin nicht in das Öl über, sondern verbleibt in den Pressrückständen. Somit besteht bei der Einnahme von Rizinusöl keine Vergiftungsgefahr.

Als eines der ältesten Arzneimittel wird Rizinusöl in der Volks- und Alternativmedizin häufig

  • bei Verstopfung,
  • als Abführmittel vor Operationen,
  • zur äußerlichen Behandlung von Hauterkrankungen und
  • zur Förderung der Wehentätigkeit

verwendet. Es gibt einige Studien über die Wirksamkeit von Rizinusöl zur Behandlung von Verstopfung, zur Darmreinigung und zur äußerlichen Behandlung von Hauterkrankungen. Es fehlen jedoch klinische Studien, die die Wirksamkeit ausreichend belegen. Der genaue Wirkmechanismus von Rizinusöl zur Förderung der Wehentätigkeit ist bis heute wenig erforscht.

Neben der medizinischen Anwendung wird Rizinusöl in der Kosmetikindustrie aufgrund seiner Zähflüssigkeit zur Herstellung von Cremes, Salben, Lippenstiften, Wimperntuschen und Schaumbädern genutzt.

Die Bäume oder Sträucher des Rizinus können je nach Standort ein bis zwei Meter in gemäßigten Zonen und bis zu 15 Meter hoch in den Tropen wachsen. Auch die Blätter zeigen je nach Region Abweichungen in Farbe, Form und Größe. Durch ihr schnelles Wachstum ist die Rizinusstaude auch unter dem Namen Wunderbaum bekannt, in Deutschland ist auch der Name Christuspalme geläufig.

Mit seinen lang gestielten grün, rot oder blaugrau gefärbten Blättern und den rötlichen, mit Stacheln besetzten Kapselfrüchten ist der Wunderbaum als Zierpflanze sehr beliebt.

Wirkung und Inhaltsstoffe

Rizinusöl besteht vorwiegend aus unwirksamen Triglyceriden der Rizinolsäure. Im Dünndarm wird durch körpereigene Fett spaltende Enzyme (Lipasen) die eigentlich wirksame Rizinolsäure freigesetzt. Diese hemmt die Aufnahme von Natrium und Wasser aus dem Darm, sodass vermehrt Elektrolyte und Wasser in den Darm gelangen.

Auf diese Weise wird die Stuhlmenge vergrößert und der Stuhl weicher, was einen abführenden Effekt zur Folge hat. Zusätzlich reizt die freigesetzte Rizinolsäure die Darmschleimhaut, wodurch ebenfalls eine abführende Wirkung entsteht.

Die Schalen der Rizinussamen enthalten auch das hochgiftige pflanzliche Eiweiß Rizin. Bereits der Verzehr von 6 Rizinussamen kann für Kinder tödlich sein, bei Erwachsenen führen 15 bis 20 Samen zum Tod.

Rizinusöl hingegen enthält kein giftiges Rizin, da dieses beim Pressen nicht in das Öl übergeht.

Erste Symptome einer Rizinvergiftung (z.B. durch den Verzehr der unverarbeiteten Samen) sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfälle. Später kann es zu Fieber, Leberschädigungen und akutem Nierenversagen kommen. Der Tod tritt durch Nierenversagen oder Lähmung des Atemzentrums ein. Da die ersten Vergiftungserscheinungen erst nach mehreren Stunden auftreten, sollten Sie auch in Verdachtsfällen sofort medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Anwendungsgebiete

Rizinusöl kann kurzfristig bei Verstopfung (Obstipation) eingenommen werden, wenn andere Maßnahmen nicht wirksam waren. Darüber hinaus kann Rizinusöl zum Einsatz kommen, wenn eine beschleunigte Darmentleerung erwünscht ist, zum Beispiel nach anal-rektalen Eingriffen oder Wurmkuren.

Bei entzündlichen Hauterkrankungen trägt man Rizinusölauf auf die Haut auf.

Wegen des unklaren Wirkmechanismus ist eine Anwendung während der Schwangerschaft zur Wehenförderung nicht anzuraten. Wenn Rizinusöl doch nach der 40. Schwangerschaftswoche eingenommen werden soll, dann nur unter Anleitung von medizinischem Fachpersonal.

Dosierung und Anwendung

Rizinusöl kann direkt als Öl oder in Form von Kapseln eingenommen werden, was aufgrund des schlechten Geschmacks des puren Öls von Vorteil ist. Nach etwa zwei bis vier Stunden tritt die erwünschte Wirkung ein.

Als reines Öl schluckt man ein bis zwei Esslöffel (10 bis 30 ml) beziehungsweise vier bis sechs Gramm in Kapselform auf nüchternen Magen. Eine geringere Dosis verzögert die Wirkung. Rizinusöl sollten Sie nicht länger als zwei Wochen einnehmen.

Hinweise

Rizinusöl kann bei empfindlichen Personen zu allergischen Hautreaktionen führen.

Bei höherer Dosierung können Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Bei häufiger Anwendung von Rizinusöl kann es zu einem erhöhten Verlust von Wasser und Elektrolyten kommen, insbesondere Kalium.

Der abführende Effekt des Rizinusöls ist von einer intakten Fettverdauung abhängig. Ist diese gestört, ist Rizinusöl unwirksam. Auch Antihistaminika können die abführende Wirkung von Rizinusöl vermindern.

Bei einer Therapie mit herzwirksamen Glykosiden sollte Rizinusöl nicht angewendet werden, weil der Kaliumverlust die Wirkung der Herzglykoside verstärken kann.

Auch wenn folgende Erkrankungen beziehungsweise Beschwerden bekannt sind, darf keine Einnahme von Rizinusöl erfolgen:

Für Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 Jahren ist Rizinusöl nicht geeignet.

Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2014)

Online-Broschüre des Robert Koch-Instituts (Informationsstelle des Bundes für biologische Gefahren und spezielle Pathogene): Rizin (Abrufdatum: 25.6.2014)

Hiller, K., .Melzig, M.F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010

Lüllmann, H., et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2010

Bruhn, C.: Interaktionen bei Patienten mit Herzschwäche. Das PTA-Magazin Ausgabe 06/2010, S. 67 f.

WHO monographs of selected plants. Volume 4. WHO Library Cataloguing-in-Publication Data, 02 November 2009

Bäumel, M. et al: Intensivbuch Pharmakotherapie. Medizinische Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2009

Schilcher, H. et al.: Leitfaden Phytotherapie. Urban & Fischer, München 2007

Letzte inhaltliche Prüfung: 25.06.2014
Letzte Änderung: 01.03.2021