Man sieht eine Frau mit Zahnschmerzen.
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Zahnunfall

Ob durch eine unglückliche Bewegung beim Sport, einen Sturz oder dem zu ungestümen Spiel der Kinder: Ein Zahnunfall ist schnell passiert. Doch wie verhält man sich bei einem Zahnunfall richtig?

Überblick

Zähne können bei einem Unfall auf unterschiedliche Weise zu Schaden kommen, wie zum Beispiel:

  • Der Zahn bzw. ein Teil davon ist abgebrochen.
  • Der Zahn ist ausgeschlagen.
  • Der Zahn ist nicht mehr zu sehen.
  • Die Zähne haben einen Schlag abbekommen, sehen aber unbeschädigt aus.

Bewahren Sie bei einem Zahnunfall erst einmal Ruhe. Im Falle einer Blutung können Sie vorsichtig auf ein Stofftaschentuch, ein Gaze-Stück oder ein Stück steriles Verbandsmaterial beißen. Kühlen Sie die Stelle von außen, zum Beispiel mit Eiswürfeln oder einem feuchten Tuch.

Abgebrochene oder ausgeschlagene bleibende Zähne sind nicht verloren. Häufig kann der Zahnarzt sie noch retten. Suchen Sie deshalb den ausgeschlagenen oder abgebrochenen Zahn und bringen Sie ihn zum Zahnarzt mit. Länger als 20 bis 30 Minuten darf der ausgeschlagene Zahn nicht im Trockenen liegen, wenn die empfindlichen Zellen der Zahnwurzelhaut überleben sollen.

Einen abgebrochenen Zahn bewahren Sie für die Dauer des Transports am besten in kalter H-Milch oder in einer speziellen Zahnrettungsbox auf. Zahnrettungsboxen enthalten ein spezielles Nährmedium für die Zahnwurzel und eignen sich deshalb besonders gut für solch einen Zahn-Notfall. Ausgeschlagene Zähne sollten Sie nicht an der Wurzel, sondern nur am oberen Zahnteil (der Zahnkrone) anfassen und möglichst in kalter H-Milch, steriler Kochsalzlösung oder einer Zahnrettungsbox transportieren.

Zahnrettungsboxen und sterile Kochsalzlösung erhalten Sie in der Apotheke – um gewappnet zu sein, rüsten Sie sich besten damit aus, ehe ein Unfall passiert.

Nach der Erstversorgung des Zahnunfalls sollten Sie so rasch wie möglich eine Zahnarztpraxis oder eine Zahnklinik aufsuchen. Außerhalb der Praxis-Öffnungszeiten sowie an Feiertagen und Wochenenden können Sie sich an den zahnärztlichen Notdienst wenden. Da die Telefonnummern in der Regel von Bundesland zu Bundesland variieren, erfahren Sie die Rufnummer des für Ihren Aufenthaltsort zuständigen zahnärztlichen Notdienst am besten über die Telefonauskunft, das Telefonbuch oder die Webseiten der Zahnärztekammer oder Kassenzahnärztlichen Vereinigung Ihres Bundeslandes.

Zahn abgebrochen & Co.: Was tun?

Bei einem Zahnunfall können unterschiedliche Zahnverletzungen auftreten – so kann ein Zahn zum Beispiel abgebrochen, ausgeschlagen oder gelockert sein .Egal, ob abgebrochen oder ganz ausgefallen: Nach einem Zahnunfall ist ein möglichst rascher Besuch beim Zahnarzt oder in einer Zahnklinik zu empfehlen, denn bleibende Zähne lassen sich häufig noch retten. Was können Sie nach einem Zahnunfall tun – etwa, wenn der Zahn abgebrochen ist?

Der Zahn ist abgebrochen

Wenn ein Zahn abgebrochen ist, sollten Sie die abgebrochenen Zahnteile suchen und einsammeln. Bewahren Sie die Teile möglichst feucht auf, zum Beispiel in kalter H-Milch oder einer Zahnrettungsbox. Der Zahnarzt kann die Zahnbruchstücke meist wieder am Zahn befestigen ("ankleben").

Der Zahn ist ausgeschlagen

Wenn ein Zahn nicht abgebrochen, sondern ausgeschlagen ist, ist es ebenfalls wichtig, den Zahn feuchtzuhalten. Damit ein ausgeschlagener Zahn noch zu retten ist, darf er nicht länger als 20 bis 30 Minuten trocken aufbewahrt werden. Wurde ein Zahn ausgeschlagen, suchen Sie diesen deshalb und bewahren Sie den Zahn möglichst rasch feucht auf, zum Beispiel in kalter H-Milch. Gut geeignet sind auch sterile Kochsalzlösung oder spezielle Zahnrettungsboxen, die es in der Apotheke gibt.

Achten Sie darauf, den Zahn möglichst nicht an der Wurzel anzufassen, sondern immer an der oberen Hälfte (der Zahnkrone). Auch wenn der Zahn beim Sturz auf den Boden beschmutzt wurde: Reinigen Sie den Zahn nicht, Sie könnten dabei die zarte Wurzelhaut verletzen. Suchen Sie mit einem ausgeschlagenen Zahn rasch den nächsten Zahnarzt oder zahnärztlichen Notdienst auf. Versuchen Sie nicht, den Zahn wieder einzusetzen.

Der Zahn hat sich stark gelockert oder verschoben

Manchmal ist ein Zahn nicht abgebrochen oder ausgeschlagen, sondern hat sich durch einen Unfall stark gelockert oder verschoben, In diesem Fall gilt: Bewegen Sie den Zahn nicht weiter. Beißen Sie die Zähne nur sehr vorsichtig zusammen und suchen Sie rasch einen Zahnarzt auf.

Der Zahn ist nicht mehr zu sehen

Falls der Zahn nicht mehr zu sehen ist, ist der Zahn wahrscheinlich entweder ausgeschlagen oder er wurde in den Kiefer getrieben. Suchen Sie die Unfallstelle nach dem Zahn ab und nehmen Sie ihn zum Zahnarzt mit. Falls sich kein Zahn finden lässt, kann der Zahnarzt mithilfe einer Röntgenuntersuchung feststellen, ob der Zahn möglicherweise im Kiefer steckt oder doch fehlt.

Die Zähne sehen unbeschädigt aus

Hatten Sie einen Unfall, bei dem Zähne oder der Kiefer einen Schlag abbekommen haben und an den Zähnen nichts zu sehen ist, sollten Sie trotzdem bald einen Zahnarzt aufsuchen. Dieser kann ausschließen, dass zum Beispiel eine Zahnwurzel gebrochen ist und dadurch eventuelle Folgeschäden verhindern.

Transport von ausgeschlagenen oder abgebrochenen Zähnen

Schützen Sie abgebrochene oder ausgeschlagene Zähne nach einem Zahnunfall unbedingt vor dem Austrocknen und bewahren Sie sie deshalb für den Transport zum Zahnarzt am besten feucht auf. Länger als 20 bis 30 Minuten sollte ein ausgeschlagener Zahn nicht im Trockenen sein.

Die Chancen auf eine erfolgreiche Zahnrettung stehen umso besser, je rascher Sie einen Zahnarzt aufsuchen können.

Zahnrettungsbox

Zum Transport eignet sich am besten eine sogenannte Zahnrettungsbox, die ein spezielles "physiologisches" Nährmedium für Zähne enthält, das genau auf die Bedürfnisse der Zahnwurzel abgestimmt ist. Auch abgebrochene Zahnteile können so ideal vor dem Austrocknen bewahrt werden. Zahnrettungsboxen erhalten Sie in der Apotheke. So aufbewahrt lassen sich Zähne zum Teil noch nach 24 bis 48 Stunden wieder einpflanzen beziehungsweise Zahnteile wieder anbringen.

Transport-Alternativen

Steht keine Zahnrettungsbox zur Verfügung, sind folgende "unphysiologische" Maßnahmen für ausgeschlagene sowie auch abgebrochene Zähne zu empfehlen:

  • kalte H-Milch: Kalte H-Milch eignet sich gut, um ausgeschlagene Zähne für kurze Zeit aufzubewahren. H-Milch ist ultrahocherhitzt und dadurch keimfrei (steril).
  • sterile Kochsalzlösung: Alternativ eignet sich für eine kurze Zeit sterile Kochsalzlösung. In ihr können die Zellen der Zahnwurzelhaut etwas länger überleben. Sterile Kochsalzlösung bekommt man beim Arzt oder Apotheker. Auf keinen Fall selbst zusammenmischen!
  • Plastikfolie u.Ä.: Mit Plastikfolie, Gefrierbeuteln o.Ä. können Zähne eingewickelt und kurze Zeit feucht gehalten werden.

Da diese Flüssigkeiten für die Zellen der Zahnwurzelhaut nicht ideal und nur eine Notlösung sind, bleiben die Zellen so zwar länger am Leben als im Trockenen, dennoch sterben auf Dauer immer mehr von ihnen ab. Je rascher Sie mit einem ausgeschlagenen oder abgebrochenen Zahn den Zahnarzt aufsuchen, desto besser sind die Aussichten auf Zahnrettung.

 

 

 

Ungeeignete Maßnahmen

Nicht geeignet, um ausgeschlagene oder abgebrochene Zähne zu transportieren sind dagegen folgende Maßnahmen:

  • normales Wasser: Wasser eignet sich nicht zum Transport von ausgeschlagenen Zähnen. Es bietet der Zahnwurzel keine "physiologische" Umgebung und wirkt sich ungünstig auf das Überleben der Zellen der Zahnwurzelhaut aus – die Zellen platzen einfach.
  • unter die Zunge legen/Speichel: Der warme Speichel erhöht den Stoffwechsel in den Zellen der Wurzelhaut und verkürzt dadurch deren Lebensdauer. Insbesondere bei Kindern besteht bei einer Aufbewahrung im Mund zudem die Gefahr, dass der Zahn verschluckt wird.
  • trockene Aufbewahrung: Bei einer trockenen Aufbewahrung (z.B. Einwickeln in ein Papiertaschentuch, in der Hand halten) sterben bereits nach wenigen Minuten die Zellen der Zahnwurzelhaut ab.