Ein Zahnarzt mit seiner Patientin
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Fluoridierung

Mit dem Begriff "Fluoridierung" ist eine ausreichende Versorgung mit Fluoriden gemeint. Fluoride sind natürliche Bausteine des Körpers, die an Knochenbildung und Wachstum maßgeblich beteiligt sind. Fluoride sind außerdem wichtig für einen festen, gesunden Zahnschmelz.

Allgemeines

Eine Fluoridierung kann Karies vorbeugen. Daher ist die Fluoridierung ein wichtiger Bestandteil der Kariesprophylaxe. Am besten wirkt das Fluorid gegen Karies, wenn es direkt auf den Zahn aufgebracht wird. Auch mit der Nahrung aufgenommenes Fluorid wirkt sich positiv auf die Zahngesundheit aus, jedoch nicht so stark wie eine direkte Fluoridierung der Zähne, zum Beispiel beim Zahnarzt oder mithilfe einer fluoridhaltigen Zahnpasta.

Fluoride fördern die Zahngesundheit auf verschiedene Weise. Eine wichtige Funktion der Fluoride ist die Remineralisierung des Zahnschmelzes: Nach dem Essen verarbeiten Bakterien im Mund die Nährstoffe weiter. Dabei entstehen Säuren, welche die im Zahnschmelz eingelagerten Mineralien lösen. Die Mineralien machen den Zahnschmelz hart. Gehen die gelösten Mineralien verloren, ist der Zahn nicht mehr so gut vor Karies geschützt – es können Löcher entstehen. Fluoride bewirken, dass die gelösten Mineralien wieder in den Zahnschmelz eingelagert werden und ihn dadurch stabilisieren. Außerdem hemmen Fluoride den Bakterienstoffwechsel und damit auch die Produktion von zahnschmelzschädigenden Säuren. Eine ausreichende Fluoridierung des Zahns ist deshalb besonders wichtig, um die Zahngesundheit langfristig zu erhalten.

Wenn Sie mit Fluoriden Karies vorbeugen möchten, können Sie dies auf unterschiedliche Weise tun. Die tägliche Fluoridzufuhr über die Nahrung und das Trinkwasser allein reicht allerdings nicht aus, um Karies zu vermeiden. Zusätzliche Fluoridquellen sind zum Beispiel fluoridhaltige Zahnpasten, Gele und Mundspüllösungen. Der Zahnarzt kann die Zähne zusätzlich mit einem Fluoridlack versiegeln.

Die Kosten für eine Fluoridierung beim Zahnarzt übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen in der Regel nur für Kinder und Jugendliche zwischen dem vollendeten 6. und 18. Lebensjahr. Erwachsene Versicherungsnehmer ab dem vollendeten 18. Lebensjahr müssen die anfallenden Kosten daher selber tragen.

Bei einer extrem hohen Zufuhr von Fluoriden kann eine sogenannte Fluorose (Fluoridvergiftung) auftreten. Dies ist aber nur sehr selten der Fall. Die Symptome unterscheiden sich, je nachdem ob die Fluoride innerlich oder äußerlich überdosiert wurden. Bei einer äußerlichen Überdosierung – wenn Sie also zu viel Fluorid von außen auf die Zähne aufgetragen haben – treten weiße Flecken an den Zähnen auf. Bei einem normalen Umgang mit fluoridhalten Zahnpflegeprodukten ist eine Fluorose aber unwahrscheinlich.

Wenn Sie versehentlich zu viel Fluorid aufgenommen haben oder wenn etwa ein Kind eine Tube fluoridhaltiger Zahnpasta gegessen hat, können Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen auftreten. Bei einer geringen Überdosierung hilft ein Glas Milch gegen die Beschwerden, denn das darin enthaltene Calcium bindet überschüssiges Fluorid. Bei größeren Fluoridmengen sollten Sie dagegen sicherheitshalber einen Arzt rufen.

Fluoridzufuhr

Da die tägliche Fluoridaufnahme über das Trinkwasser und die Nahrung für einen sinnvollen Kariesschutz nicht ausreicht, ist es ratsam, dem Körper zusätzliches Fluorid zuzuführen.

Fluoridquellen sind:

  • fluoridhaltige Zahnpasten
  • Fluoridgelee (apothekenpflichtig)
  • Fluoridlack, den der Zahnarzt aufträgt
  • Fluoridlösung zum Mundspülen
  • fluoridiertes Speisesalz
  • Fluoridtabletten zum Lutschen
  • fluoridierte Mineralwässer

Fluoridiertes Speisesalz

Verwenden Sie zum Würzen anstatt herkömmlichen Salzes eher fluoridiertes Speisesalz. Dieses Salz ist ein kostengünstiges und wirksames Mittel, um Karies vorzubeugen. Im Handel ist fluoridiertes Speisesalz in Kombination mit Jod (zur Vorbeugung eines Kropfs) als "Jodsalz mit Fluorid" erhältlich. Überdosierungen von Fluorid durch den Gebrauch von fluoridiertem Speisesalz kommen bei gesunden Menschen nicht vor.

Fluoridtabletten

Wenn Sie bereits fluoridierte Zahnpasten und fluoridiertes Salz verwenden, ist die zusätzliche Einnahme von Fluorid-Lutschtabletten nicht notwendig. Nutzt man zu viele Fluoridquellen, könnte es zu Überdosierungen kommen. Nehmen Sie Fluoridtabletten daher nur dann ein, wenn keine andere Fluoridquelle zur Verfügung steht. Der Zahnarzt berät Sie darüber, welche alternativen Fluoridquellen infrage kommen und ob Tabletten sinnvoll sind. Die Fluoridtabletten sind keine Kassenleistung – die Kosten müssen Sie also selbst tragen.

Fluoridierte Zahnpasten

Bei Jugendlichen und Erwachsenen ist der Einsatz von fluoridhaltiger Zahnpasta zur Fluoridierung der Zähne sinnvoll und ratsam. Für Kinder empfehlen sich spezielle Kinderzahnpasten mit niedrigerem Fluoridgehalt.

In der Zahnmedizin geht man heute davon aus, dass der tägliche Gebrauch einer fluoridhaltigen Zahnpasta über mehrere Jahrzehnte – vor allem in der Zeit, in der die Zähne durchbrechen – Karies effektiv vorbeugen kann. Der Fluoridgehalt der Zahnpasta sollte für Erwachsene bei 1.000 bis 1.500 ppm Fluorid liegen. Für das Milchzahngebiss bei Kindern empfehlen sich Kinderzahnpasten mit einem Fluoridgehalt von maximal 500 ppm.

"ppm" ist eine Maßeinheit und leitet sich aus dem englischen Begriff parts per million ab. Dies bedeutet so viel wie "Teile einer Million". 1 ppm ist demnach genau "ein Teil von einer Million". Zum Vergleich: 1 Prozent bedeutet "ein Teil von Hundert".

Es gibt auch hochdosierte Zahnpasten für zu Hause. Diese sollten Sie aber nur nach zahnärztlicher Anweisung und unter zahnärztlicher Kontrolle anwenden. Für Kinder sind solche hochdosierten Pasten ungeeignet, weil die Möglichkeit besteht, dass sie die Zahnpasta verschlucken. Dann kann der hohe Fluoridgehalt zu Vergiftungserscheinungen führen.

Fluoridlacke zur Zahnversiegelung

Auch die Zahnversiegelung mit Fluoridlacken ist eine Möglichkeit, mithilfe der Fluoridierung Karies vorzubeugen. Sie wird in der Regel bereits im Kindesalter durchgeführt. Bei der Zahnversiegelung bepinselt der Zahnarzt die Zähne mit Fluoridlacken.

Eine Zahnversiegelung kann bei Kindern und Jugendlichen mindestens zweimal jährlich durchgeführt werden. Bei Kindern, die sehr schnell Karies bekommen, sollte der Zahnarzt die Zähne sogar häufiger versiegeln. Dies ist bereits im Vorschulalter möglich. Die Zahnversiegelung kann – in Kombination mit weiteren Maßnahmen zur Fluoridierung – das Risiko für Karies senken.

Fluoridierung bei Kindern

Vor dem sechsten Lebensmonat sind keine Maßnahmen zur Fluoridierung notwendig. Mit dem Durchbruch der ersten Milchzähne sollten Eltern die Zähne ihres Kindes mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta (mit maximal 500 ppm Fluorid) putzen. Von Zahnpasten mit Frucht- oder Bonbongeschmack sollte man absehen – solche Pasten können die Kinder dazu verleiten, die Zahncreme herunterzuschlucken. Ab dem zweiten Geburtstag sollten die Milchzähne dann zweimal täglich geputzt werden. Nach Durchbruch der ersten bleibenden Zähne (ca. 6. Lebensjahr) können Kinder dann Zahnpasten für Erwachsene mit einem Fluoridgehalt von 1.000 bis 1.500 ppm Fluorid verwenden.

Eine zusätzliche Fluoridierung zur Zahnpasta und fluoridiertem Speisesalz ist normalerweise nicht notwendig. Der Zahnarzt verschreibt nur dann Fluoridtabletten, wenn die Fluoridzufuhr sonst nicht gewährleistet ist. Ist ein Kind besonders anfällig für Karies, reicht eine fluoridierte Zahnpasta für die Kariesprophylaxe jedoch nicht aus. In diesem Fall sind weitere Maßnahmen zur Fluoridierung notwendig, um die Zähne vor Karies zu schützen. So kann der Zahnarzt zum Beispiel einen Fluoridlack auftragen.

Fluorose (Fluoridvergiftung)

Wenn sehr viele Fluoridquellen gleichzeitig genutzt werden, kommt es in seltenen Fällen zu einer sogenannten Fluorose – also einer Überversorgung mit Fluorid. Dabei entstehen – bevorzugt in der Entwicklungsphase der Zähne bei Kindern unter acht Jahren – weiße Aufhellungen auf den Zähnen. Die normale Verwendung fluoridhaltiger Produkte ist jedoch unbedenklich und führt nicht zu giftigen oder gar lebensbedrohlichen Fluorid-Konzentrationen.

Hat eine Person versehentlich eine große Menge Fluoridtabletten geschluckt oder hat zum Beispiel ein Kind eine ganze Tube mit stark fluoridhaltiger Zahnpasta gegessen, kann es akut zu Vergiftungserscheinungen kommen. Diese äußern sich zum Beispiel durch

Im weiteren Verlauf können außerdem Darmreizungen, Blutgerinnungsstörungen und Herzrhythmusstörungen auftreten.

Bei kleineren Mengen aufgenommenem Fluorids kann Calcium aus einem Glas Milch (200 ml) oder einer Calcium-Brausetablette das überschüssige Fluorid neutralisieren. Bei größeren Mengen sollten Sie sicherheitshalber zusätzlich der Notarzt rufen.