Das Bild eine Zahnarztuntersuchung.
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Amalgam (Amalgamfüllung)

Amalgam ist ein metallhaltiges Material, das Zahnärzte als Zahnfüllungen (Amalgamfüllung) einsetzen. Es besteht aus einem Zinn-Silber-Kupfer-Pulver und Quecksilber. Durch Vermischen dieser beiden Bestandteile ergibt sich eine plastisch verformbare Paste – das zahnärztliche Amalgam.

Allgemeines

Karies, auch Zahnfäule genannt, ist die häufigste Ursache für Löcher in den Zähnen. Der Zahnarzt behandelt ein Loch im Zahn, in dem er die betroffene Stelle aufbohrt und anschließend mit einer Zahnfüllung wieder verschließt. Eines der bekanntesten Füllmaterialen ist das Amalgam.

Damit das Amalgam weich und formbar wird, muss der Zahnarzt die einzelnen Komponenten – Zinn-Silber-Kupfer-Pulver und Quecksilber – ausgiebig miteinander vermischen. Etwa 10 bis 30 Minuten verbleiben dem Zahnarzt danach, das Amalgam in den Zahn einzubringen und die passende Form für den späteren Biss zu gestalten. Nach einer Stunde hält die Amalgamfüllung einer leichten Belastung stand; nach 24 Stunden ist sie vollständig ausgehärtet.

Amalgam hat sich als Füllungsmaterial für Zahnschäden wegen seiner Eigenschaften seit vielen Jahrzehnten bewährt. Es gilt als besonders widerstandfähiges, bruchfestes, lange haltbares und gleichzeitig kostengünstiges Material. Aufgrund seines Quecksilberanteils ist Amalgam jedoch auch in die Kritik geraten. Quecksilber ist ein Schwermetall, das giftig (toxisch) auf den menschlichen Körper wirkt. Gesundheitliche Schäden durch eine Amalgamfüllung konnten wissenschaftlich bislang aber nicht eindeutig erwiesen werden. Bei Menschen mit

sollte der Zahnarzt bei der Zahnerhaltung jedoch auf Amalgam verzichten. Auch bei Kindern bis zum Alter von sechs Jahren, insbesondere bis zum dritten Lebensjahr, sollte der Arzt andere Alternativen zu einer Amalgamfüllung wählen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Glasionomerzement, eine mineralische Zementart, die bei Übergangsfüllungen zum Einsatz kommt
  • Kompomer, eine Mischung aus Glasionomerzement und Kunststoff
  • Komposit, ein Gemisch aus Kunststoff und feinen Glasteilchen
  • Gold in Form von sogenannten Goldhämmerfüllungen
  • Keramik

Historie

Bereits 659 v. Chr. wurde in China eine Paste beschrieben, die aus Quecksilber, Silber und Zinn bestand. Im 16. Jahrhundert finden sich erste Hinweise, dass auch europäische Ärzte die Amalgamfüllung anwendeten. In den USA wurde Amalgam 1833 eingeführt und löste sogleich den ersten bekannten "Amalgam-Krieg" aus. 1845 wurde das Material aufgrund des Quecksilbergehalts allerdings verboten. Die Fürsprecher bewirkten rund 14 Jahre später jedoch eine Wiederzulassung von Amalgam auf dem Markt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird Amalgam systematisch erforscht. Auch heute noch gibt es Verfechter und Gegner dieser Füllungsmethode.

Forschungsergebnisse haben bis heute keine stichhaltigen, anerkannten Ergebnisse erzielt, die das weiterentwickelte Amalgam vom Markt verbannen konnten. Richtlinien bezüglich der Zusammensetzung, Verarbeitung, Lagerung etc. von Amalgam wurden durch internationale Organisationen wie die American Dental Association (ADA) 1931 und FDI World Dental Federation 1957 festgeschrieben und überarbeitet. Zurzeit ist Amalgam weltweit von der wissenschaftlichen Seite her klinisch, technisch und ökonomisch anerkannt.

Eigenschaften

Amalgam ist ein Gemisch aus Metallpulver (Zinn, Silber und Kupfer) und Quecksilber. Während die Amalgamfüllung aushärtet, verbindet sich das freie Quecksilber mit dem Silber – am Ende dieses Vorgangs ist das gesamte Quecksilber fest gebunden. In diesem Zustand treten nur sehr geringe Mengen Quecksilber aus. Beim Legen, Polieren und Herausbohren der Amalgamfüllung entsteht jedoch kurzfristig eine erhöhte Quecksilber-Belastung in Form von Quecksilberdämpfen.

Amalgam wird häufig als Füllstoff verwendet, weil es einige Vorteile gegenüber anderen Füllmaterialien bietet. Amalgam ist:

  • eine einfache, kostengünstige und schnelle Füllungstechnik.
  • vielseitig einsetzbar und leicht zu verarbeiten.
  • widerstandsfähig gegen Druck, abrieb- und bruchfest.
  • feuchtigkeitsunempfindlich.
  • im Temperatur-Ausdehnungs-Verhalten dem Zahnschmelz ähnlich und
  • lange haltbar.

Die Nachteile des Amalgams beziehungsweise einer Amalgamfüllung sind:

  • ästhetisch unbefriedigende Farbgebung (im Frontzahnbereich nicht einsetzbar)
  • Risiko einer erneuten Kariesbildung, wenn die Amalgamfüllung nicht richtig mit dem Zahn abschließt
  • Verfärbungen des Zahns
  • Notwendigkeit einer Unterfüllung
  • Missempfindungen im Bereich des betroffenen Zahns
  • ein metallischer Geschmack im Mund
  • Belastung der Umwelt (wurde durch die gesetzlich vorgeschriebenen sog. Amalgam-Abscheider in Zahnarztpraxen verbessert)
  • allergische Reaktionen und Vergiftungen durch das Quecksilber im Amalgam möglich

Amalgam ist nur begrenzt einsetzbar. Bei folgenden Zahnfüllungen sollte der Zahnarzt auf ein alternatives Füllmaterial zurückgreifen:

  • Wurzelfüllungen, da das Material dabei direkten Kontakt zum Knochengewebe hat
  • Aufbaufüllungen unter gegossenen Kronen, da durch das Aufeinandertreffen zweier verschiedener Metalle elektrochemische Reaktionen stattfinden können, bei denen sich das Metall auflöst

Auch bei oberflächlicher, auf den Zahnschmelz beschränkter Karies ist eine Kunststofffüllung eher geeignet als Amalgam, da diese schonender für die Zahnsubstanz ist. Generell hängt die Qualität einer Amalgamfüllung vor allem davon ab, ob der Zahnarzt sie richtig verarbeitet. Es empfiehlt sich, die Amalgamfüllung ein paar Tage nach dem Einsetzen vom Zahnarzt polieren zu lassen, um die Oberflächenbeschaffenheit zu verbessern.

Quecksilber

Das chemische Element Quecksilber kommt als Naturstoff in der Erdkruste und der Atmosphäre vor. Es handelt sich dabei um ein Schwermetall, das unter anderem als Zellgift auf Eiweiße wirkt. In gelöster Form ist Quecksilber daher sehr giftig (toxisch). Bei Raumtemperatur ist das Metall zwar flüssig, aufgrund seines hohen Dampfdrucks geht es jedoch allmählich in einen gasförmigen Zustand über.

Diese Quecksilber-Dämpfe gelangen über die Schleimhäute und über die Lunge in den Körper. Quecksilber lagert sich dann in Gehirn und Rückenmark sowie in der Leber, Milz und Nieren ein und kann dort seine giftige Wirkung entfalten. Bei einer chronischen, hohen Quecksilber-Belastung kommt es unter anderem zu:

Während der Zahnarzt eine Amalgamfüllung einsetzt sowie durch den Abrieb, der beim täglichen Kauen entsteht, wird ein Teil des im Amalgam vorhandenen Quecksilbers freigesetzt. Diese geringe Quecksilberbelastung ist durch erhöhte Werte im Speichel nachweisbar.

Derzeit gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Amalgam in Zahnfüllungen mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko einhergeht. Eine gesundheitliche Gefährdung entsteht nur in seltenen Ausnahmefällen. Dennoch wird Amalgam aus diesem Grund heutzutage zurückhaltender benutzt.

Das Bundesgesundheitsministerium schätzt Amalgam nur bei folgenden Bevölkerungsgruppen als möglicherweise schädlich ein:

  • Schwangere
  • Stillende
  • Kleinkinder
  • Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion
  • Personen mit einer Allergie gegen Quecksilber – Quecksilber-Allergien kommen weltweit jedoch sehr selten vor.

Pflege

Eine Amalgamfüllung benötigt keine besondere Pflege, die allgemeine Zahnpflege reicht aus. Allerdings sollte der Zahnarzt Amalgamfüllungen regelmäßig kontrollieren, da diese mit der Zeit schrumpfen, sodass ein Zwischenraum zwischen Zahn und Amalgamfüllung entstehen kann. Dort kann sich dann leicht neue Karies bilden.

Selten bekommt eine Amalgamfüllung Risse. Manchmal kann sich eine Amalgamfüllung jedoch im Zahn verkeilen. Dann fällt sie nicht heraus, obwohl sie undicht geworden ist. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Füllung zu ersetzen. Ältere, noch intakte Amalgamfüllungen sollte der Zahnarzt von Zeit zu Zeit polieren, um ihre Oberfläche zu glätten und den Übergang zwischen Füllung und Zahn zu verbessern. Eine exakt gelegte Amalgamfüllung hält etwa zehn Jahre.

Amalgam entfernen

Wenn bereits gelegte, technisch einwandfreie Amalgamfüllungen weder beschädigt sind noch der gefüllte Zahn verfärbt ist, gibt es aus schulmedizinischer Sicht keinen Grund, das Amalgam zu entfernen. Möchte ein Patient dennoch das Amalgam entfernen lassen, so muss der Zahnarzt dieses akkurat beseitigen und das Quecksilber ausleiten. Heute stehen genügend Materialien als Ersatz zu Amalgam zur Verfügung. Da aber ein Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Amalgam bislang nicht erwiesen ist, bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen den Austausch nicht, es sei denn, dieser ist medizinisch notwendig.

Da Amalgam Quecksilber enthält, können beim Entfernen der Füllung erhöhte Quecksilberbelastungen auftreten. Um dies so gut wie möglich zu vermeiden, arbeitet der Zahnarzt beim Herausbohren mit viel Wasser, einer Absaugtechnik und manchmal einem Schutzgummi (Kofferdam). Wegen der kurzfristig erhöhten Quecksilberkonzentration ist es nicht ratsam, Amalgam während der Schwangerschaft und Stillzeit entfernen zu lassen.

Informieren Sie sich bei Ihrem Zahnarzt genau darüber, welche Eigenschaften das Füllungsmaterial hat, das als Amalgamersatz infrage kommt. Mit den neuen Materialien besteht zum Teil noch nicht so viel Erfahrung wie mit dem traditionellen Werkstoff Amalgam hinsichtlich Haltbarkeit, allergieauslösenden Eigenschaften und Verträglichkeit.