Ein älterer Asiate beim Qigong.
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Qigong

Beim Qigong führt man komplexe, langsame Bewegungsabfolgen aus und konzentriert sich gleichzeitig auf den Atem. Die Übungen dienen sowohl der Meditation als auch der Therapie und können sich gesundheitsförderlich auswirken. Lesen Sie hier, wie Qigong funktioniert.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Qigong: Aktiv entspannen

Das Qigong (sprich: Tschi-gung) entstammt den Lehren der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), die davon ausgeht, dass die "Lebensenergie" Qi entlang bestimmter Energiebahnen durch den Körper fließt: den sogenannten Meridianen. Damit der Körper funktionieren kann, muss das Qi ungehindert fließen können. Staut sich das Qi, soll das zu Problemen körperlicher oder auch emotionaler Art führen und zum Beispiel Erkrankungen oder innere Unausgeglichenheit bewirken können.

Indem der Übende beim Qigong seine Aufmerksamkeit gezielt auf Atmung, Bewegung und Vorstellungskraft richtet, soll et er den Qi-Strom beeinflussen und möglicherweise vorhandene Blockaden auflösen können. Zuvor gestautes Qi kann so wieder ungehindert den Meridianen folgen und innere Kräfte in Balance bringen. Den Lehren des Qigong zufolge kann man auf diese Weise Erkrankungen vorbeugen oder sogar behandeln. Die Übungen sollen Selbstheilungskräfte aktivieren und den Betroffenen belastbarer machen.

Die verschiedenen Qigong-Übungen haben jeweils bestimmte Körperbereiche oder -funktionen im Fokus, bei denen der Qi-Fluss verbessert werden soll. Qigong soll sich bei vielen Erkrankungen positiv auswirken und kann unterstützend zur Therapie eingesetzt werden.

Video: Qigong-Übung 1.1

Der Begriff Qigong setzt sich aus den chinesischen Begriffen Qi (= universelle Energie, Lebenskraft) und gong (= ausdauerndes Üben) zusammen. Beide Begriffe zusammen bedeuten so viel wie "Arbeiten am Qi".

Anwendungsgebiete: Wann hilft Qigong?

Qigong soll sich auf viele Körperbereiche und -funktionen positiv auswirken und die innere Balance stärken. Die langsamen und gleichzeitig komplexen Bewegungen fördern das Körpergefühl und können zur Erhaltung der Gesundheit, aber auch unterstützend bei vielen Erkrankungen eingesetzt werden.

Qigong wird häufig empfohlen bei:

Was sagt die Wissenschaft?

Verschiedenen Forschungsarbeiten zufolge hat Qigong gesundheitsförderliche Effekte. Sie entsprechen damit überlieferten Erfahrungen. Allerdings halten viele dieser Studien wissenschaftlichen Kriterien nicht stand. Für einen aussagekräftigen wissenschaftlichen Nachweis sind deshalb weitere Studien notwendig.

In der Praxis

Qigong kann man allein oder in der Gruppe ausüben. Neben den bekannteren Übungen mit Bewegungsabfolgen im Stehen gibt es auch Übungen, die man im Liegen oder Sitzen praktizieren kann.

Um die Qigong-Übungen bewusst und korrekt ausführen zu können, empfiehlt sich zu Beginn der Besuch eines Kurses. Qigong-Kurse werden inzwischen vielerorts angeboten.

Video: Qigong-Übung 1.2

Werden Qigong-Übungen nicht korrekt ausgeführt, können Kopfschmerzen, Schwindel oder auch Veränderungen des Blutdrucks sowie Knie- oder Rückenschmerzen auftreten.

Historisches: Qigong-Wurzeln in China

Die Wurzeln des Qigong gehen bis in das sechste Jahrhundert vor Christus zurück. Anfänglich war Qigong ein Element des sogenannten Yangsheng. Der Begriff Yangsheng stammt aus dem chinesischen Altertum und bedeutet übersetzt so viel wie "Pflege des Lebens". Man versteht darunter eine Art Kunst der Lebensführung, zu der Lebensaspekte wie zum Beispiel Ernährung oder Übungen körperlicher und geistiger Art zählten.

Vor allem in buddhistischen und daoistischen Klöstern wurde Qigong praktiziert. Hier diente es als elementare Grundübung, welche körperliche und mentale Kräfte sowie Selbstheilungskräfte stärken sollte. Die Gesundheit sollte so erhalten bleiben.

Mit Beginn der kommunistischen Revolution in China wurde die Ausübung von Qigong jedoch verboten. Qigong rückte danach erst gegen Ende der 1970er Jahre langsam wieder in den Vordergrund. Durch die zunehmende Verbreitung der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) in den westlichen Ländern gewann auch Qigong zunehmend an Bedeutung und gelangte so schließlich in den 1980er Jahren auch nach Europa. Seitdem erfreut es sich zunehmender Beliebtheit.

Für wen ist Qigong geeignet?

Gerade wenn Sie aus beruflichen Gründen nur wenig Zeit haben, können Sie während des Tages mit Qigong für aktive Erholungsphasen sorgen – sei es in der Mittagspause, am Arbeitsplatz oder auf der Fahrt zu einem Geschäftstermin. Qigong eignet sich ideal, um kurzfristig Energien aufzubauen, Körperkräfte zu stärken und kurzfristige Leistungstiefs durch aktive Bewegungspausen zu überwinden.

Wie bereite ich mich auf die Übungen vor?

Suchen Sie sich einen Raum oder einen Platz, wo Sie in Stille und angenehmer Atmosphäre ungestört üben können. Sorgen Sie für Frischluft, wenn Sie Ihre Aktivpause nicht ins Freie verlegen können. Atmen Sie zunächst bewusst einige Male ein und aus. Kommen Sie zur inneren Ruhe, schalten Sie alle negativen Gedanken aus und lächeln Sie innerlich. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Qigong-Übungen und lassen Sie die Energie fließen. Am Schluss der Übungseinheiten sammeln Sie Ihr Qi.

  • Nehmen Sie eine natürliche, aufrechte Körperhaltung ein.
  • Die Wirbelsäule bleibt gestreckt.
  • Beim Stehen beugen Sie leicht die Knie.
  • Halten Sie den Kopf gerade.
  • Ziehen Sie das Kinn leicht an.
  • Die Zungenspitze berührt den oberen Gaumen.
  • Die Schultern locker hängen lassen, nicht hochziehen.
  • Konzentrieren Sie sich auf die Lao-Gong-Punkte in der Mitte der Handflächen und die Yong-Chuan-Punkte an den Fußsohlen.
  • Atmen Sie tief, ruhig und gleichmäßig.
  • Führen Sie alle Bewegungen langsam und fließend aus. Achten Sie beim Üben immer auf eine sorgfältige Ausführung und auf eine korrekte Körperhaltung.

Ist der Einsatz von Musik beim Üben notwendig?

Ob Sie lieber mit oder ohne Musik üben, ist ganz Ihrem persönlichem Geschmack überlassen. Wenn man in der Natur lernt, dann bilden die Naturgeräusche die Musik, daher ist es nicht nötig, Musik zu hören. Dennoch mag es für den einen oder anderen eine Hilfe sein, sich "fallen zu lassen" und abzuschalten. Ruhige musikalische Untermalung unterstützt die mentale Entspannung, insbesondere, wenn sie nach Feng-Shui-Elementen ausgerichtet ist, die den Energiefluss fördern.

Zu welcher Tageszeit soll man Qigong am besten üben?

Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Generell ist es gut, frühmorgens (6:30 Uhr) Qigong zu üben, wenn die Luft noch rein und es in den Morgenstunden noch relativ still ist, und am frühen Abend (ab 17 Uhr). Wann Sie Qigong durchführen können, wird generell von Ihrem Beruf abhängen. Berufstätige sollten wie vorgeschlagen morgens oder abends üben und je nach persönlichem Bedarf auch zwischendurch. In jedem Fall ist es jedoch wichtig, auf Regelmäßigkeit zu achten. Regelmäßigkeit erhöht den Erfolg.

Wie oft sollte man pro Übungseinheit üben?

Die Dauer des Übens hängt von den Bedürfnissen des Übenden ab. Orientieren Sie sich an den Empfehlungen der einzelnen Übungen. Sie können schon Erfolge erzielen, wenn Sie täglich zehn Minuten aufwenden.

Ist die Lebensenergie Qi spürbar?

Wie sich Qi anfühlt, ist nicht eindeutig zu beschreiben. Die einen spüren Wärme oder ein Kribbeln in den Fingerspitzen. Die anderen spüren ein Magnetfeld oder ein Luftpolster zwischen den Händen. Erleben Sie es selbst nach einigen Übungen und machen Sie den Qi-Test.

In welchem Lebensalter kann man Qigong am besten erlernen?

Sowohl Kinder und Jugendliche als auch die sogenannten "Best Ager" über 50 können Qigong praktizieren. Das Prinzip dieses Sports besteht darin, die Übungen langsam auszuführen. Die Übungen sind also so konzipiert, dass Sie Muskeln und Gelenke nicht überlasten. Es macht auch nichts, wenn Sie nicht so tief mit den Knien überkreuzt auf den Boden kommen. Denken Sie einfach mental daran, dass Sie es schaffen können.

 

Wann sollte man auf Qigong verzichten?

Qigong eignet sich nicht bei

Im Zweifelsfall lassen Sie sich ärztlich beraten.

Worauf muss man bei der Atmung achten?

Bei der natürlichen Atmung sollten Sie normal durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen. Atmen Sie ruhig, ohne Hektik und gleichmäßig. Der Atem fließt. Bei der Bauchatmung hebt sich die Bauchdecke und Sie atmen konzentriert und tief hinunter bis in die Bauchhöhle.