Das Bild zeigt eine ältere Frau.
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Länger jung mit Hormonen?

Hormone erfüllen in unserem Körper zahlreiche Funktionen und tragen zu unserem körperlichen und geistigen Wohlbefinden bei. Zudem sind sie mitverantwortlich für ein jugendliches Aussehen. Aber inwiefern kann man mit Hormonen wirklich länger jung bleiben?

Allgemeines

Hormone sind körpereigene Botenstoffe, die für einen reibungslosen Ablauf unseres Stoffwechsels sorgen. Mit dem Alter verändert sich der Hormonhaushalt: Sowohl bei Frauen als auch bei Männern sinkt im Laufe der Zeit die Konzentration bestimmter Hormone. Viele Anti-Aging-Experten empfehlen deshalb eine Hormonersatztherapie. Die Hormongaben sollen den natürlichen Alterungsprozess aufhalten und die Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter erhalten.

Ob eine Therapie erfolgreich ist, hängt vor allem von der Kompetenz des behandelnden Arztes (Endokrinologe) ab. Er muss genau messen, wie viel von welchem Hormon Ihrem Körper fehlt und entsprechend angepasst dosieren. Die Hormonwerte sollten auch während der Therapie ständig überprüft werden, damit es nicht zu unerwünschten Nebenwirkungen kommt.

Tipp: Treiben Sie Sport! Wenn Sie sich regelmäßig bewegen, können Sie die körpereigene Hormonproduktion ankurbeln. Noch dazu bringen Sie so Ihre Fettpölsterchen zum Schmelzen. Nicht zuletzt werden bei körperlicher Aktivität auch Glückshormone, die Endorphine, ausgeschüttet.

Hormone und ihre Funktionen

Hormone sind wichtig für die Regulation des Stoffwechsels sowie verschiedenste Körperfunktionen – ihre Aufgaben sind entsprechend zahlreich. Bei einigen Hormonen werden Anti-Aging-Effekte vermutet, allerdings kann deren zusätzliche Einnahme auch Risiken bergen und sollte daher wohlüberlegt sein.

Hormon Funktion Vermutete Anti-Aging-Wirkung
Melatonin Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus Lebensverlängerung durch zellschützende und den Blutdruck normalisierende Wirkung; Verbesserung des Hautbilds
DHEA Vorstufe von männlichen und weiblichen Geschlechtshormonen, Beschleunigung des Aufbaus von körpereigenem Protein Lebensverlängerung durch Schutz der Nervenzellen, Anti-Stresswirkung, Stärkung des Immunsystems und der Muskulatur, mehr Kraft und Ausdauer
Somatotropin Steuerung des Längenwachstums sowie des Wachstum der inneren Organe, Stoffwechselregulation, Knochenbildung, Aufbau von Muskeln, Wundheilung Zunahme der Muskel- und Knochenmasse, Straffung der Haut, Stärkung des Immunsystems, Förderung des Haarwuchses
Testosteron Bei Männern: Bildung und Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane und -merkmale; Samenbildung
Bei Frauen: Förderung der Libido
Bei beiden Geschlechtern: Festigung der Knochen, Förderung des Aufbaus und des Erhalts von Muskelmasse
Mehr Power, mehr Muskeln, mehr Lust auf Sex, seelische Ausgeglichenheit
Östrogen Bei Frauen: Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und des Brustdrüsengewebes, Regulation des Menstruationszyklus
Bei beiden Geschlechtern: Festigung von Knochen und Haut, dichtes Haar
Weniger Wechseljahrbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Schweißausbrüche, Depressionen; Festigung von Knochen, Haut und Haaren

Risiken von Anti-Aging-Hormonen

Hormon Nebenwirkung / Risiko bei Einnahme
Melatonin Schläfrigkeit, Krebs (bei Mäusen), Kopfschmerzen, Hautjucken, Schwindel, depressive Verstimmungen
DHEA Verdacht, schlafende Krebszellen zu wecken, bei Frauen: Akne, fettige Haut, tiefe Stimme
Somatotropin Krebs, übermäßiges Wachstum der Extremitäten (Nase, Ohren, Kinn, Hände, Füße), grobe Gesichtszüge
Testosteron Bei Frauen: Vermännlichung, Unfruchtbarkeit
Bei Männern: erhöhter Geschlechtstrieb, weniger Samenzellen, Hodenschädigung
Bei beiden Geschlechtern: Belastung des Herzens, Bluthochdruck, Arterienverkalkung, erhöhtes Krebsrisiko
Östrogen Brustkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall

Melatonin fördert den Schlaf

Das Hormon Melatonin wird während der Nacht gebildet und sorgt dafür, dass wir gut schlafen können. Mit Ende der Pubertät nimmt der Melatoninspiegel langsam ab. In Deutschland ist Melatonin nur auf Rezept erhältlich und kommt derzeit nur in einem einzigen Medikament vor – in den USA dagegen zählt es zu den Nahrungsergänzungsmitteln und kann dort gekauft werden. Bisher gibt es keine eindeutigen Hinweise darauf, dass Melatonin wirklich verjüngend wirkt. Auch ist nicht abschließend geklärt, inwiefern Melatonin unbedenklich als Anti-Aging-Produkt eingenommen werden kann.

DHEA – aktiviert Stoffwechsel und Immunsystem

DHEA steht für Dehydroepiandrosteron. Befürworter von DHEA vermuten, dass es lebensverlängernd wirkt, weil es eine übermäßige Produktion des Stresshormons Kortisol verhindert. Große Mengen Kortisol fördern den Zelltod – vor allem im Gehirn. DHEA stimuliert zudem das Immunsystem und ist Vorstufe weiblicher und männlicher Geschlechtshormone, die ebenfalls als Anti-Aging-Mittel diskutiert werden.

Studien haben jedoch ergeben, dass sich DHEA weder positiv auf die Lebensqualität noch auf die Leistungsfähigkeit auswirkt, sodass es als Anti-Aging-Präparat keine Wirkung zeigt. Da die Wirkungen und Nebenwirkungen von DHEA bisher nicht ausreichend erforscht sind, ist ein Hormonersatz nicht zu empfehlen. Präparate, die DHEA enthalten, sind in Deutschland nicht zugelassen.

Somatotropin, das Wachstumshormon

Die körpereigene Produktion des Wachstumshormons Somatotropin nimmt nach dem 20. Lebensjahr kontinuierlich ab und hört im Alter von 60 meist auf. Hormonersatztherapien sollen älteren Menschen zu mehr Muskelmasse, straffer Haut, mehr Haaren und stabileren Knochen verhelfen und zudem Immunsystem, Libido und Konzentration stärken.

Die Wirkung von Somatotropin als Anti-Aging-Hormon ist aber bislang nicht belegt. Hohe Dosen können möglicherweise das Wachstum von Krebszellen beschleunigen. Zu viel Wachstumshormon führt auch zu Riesenwuchs von Nase, Ohren, Kinn, Händen und Füßen. Von einer Therapie ist deshalb abzuraten.

Da Somatotropin im Schlaf und bei körperlicher Aktivität vermehrt gebildet wird, kann man auch natürliches Anti-Aging betreiben. Wer sich regelmäßig ausruht, seinen Körper aber auch mal ins Schwitzen bringt, kurbelt die Produktion von Somatotropin an.

Testosteron, das männliche Sexualhormon

Bereits nach der Pubertät produziert der Mann nach und nach immer weniger Testosteron. Ein Mangel am Sexualhormon Testosteron kann beim Mann zu Symptomen wie Unkonzentriertheit, depressiven Verstimmungen und Potenzschwäche führen. Auch Frauen brauchen Testosteron – für die sexuelle Lust und die seelische Ausgeglichenheit. Bei beiden Geschlechtern kann ein Testosteronmangel Osteoporose (Knochenschwund) und den Abbau von Muskelmasse fördern. In Deutschland ist ein Hormonersatz über rezeptpflichtige Tabletten, Gels, Spritzen oder Pflaster möglich. Inwiefern Testosteron als Anti-Aging-Mittel tatsächlich Wirkung zeigt, steht noch zur Diskussion: Studien zufolge kann Testosteron zwar Muskelmasse aufbauen, jedoch weder die Mobilität noch die kognitiven Leistungen steigern. Mithilfe von Sport können Sie Ihren Testosteronspiegel auf natürliche Weise steigern.

Testosteron ist nicht ungefährlich. Frauen können vermännlichen und unfruchtbar werden. Beim Mann sind ein erhöhter Geschlechtstrieb, eine verminderte Samenzellenanzahl und eine Schädigung des Hodens feststellbar. Bei beiden Geschlechtern wird das Herz belastet, der Blutdruck ist erhöht und das Risiko für Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und Krebs steigt.

Östrogene, die weiblichen Sexualhormone

Östrogene sorgen vor allem für das Wachstum der weiblichen Geschlechtsorgane in der Pubertät und regulieren unter anderem den Menstruationszyklus. Während der Wechseljahre fällt der Östrogenpegel bei Frauen stark ab. Es kann zu deutlichen Beschwerden kommen, die sich in Hitzewallungen, Schlafstörungen, Herzrasen, Gelenkschmerzen, depressiven Verstimmungen, Schweißausbrüchen und Schleimhaut- und Hauttrockenheit äußern. Ein Hormonersatz bringt Linderung und ist zum Beispiel möglich durch rezeptpflichtige Tabletten, Spritzen, Zäpfchen, Pflaster, Gels oder Kristalle, die unter die Haut verpflanzt werden. Lange Zeit haben Ärzte Östrogen-Präparate bedenkenlos verordnet. Heute sind sie jedoch vorsichtiger. Denn die Östrogengabe ist offensichtlich mit erheblichen Risiken verbunden. Untersuchungen zeigten vor allem eine Erhöhung des Brustkrebs-, Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos. Deswegen kommt eine Hormonersatztherapie in der Regel nur bei sehr schweren Wechseljahrsbeschwerden infrage oder wenn die Wechseljahre bereits vor dem 40. Lebensjahr einsetzen. Auch wenn die Eierstöcke nur unzureichend Östrogene produzieren oder die Eierstöcke operativ entfernt werden mussten, werden normalerweise Östrogene als Hormonersatz verschrieben.