Ein Mann lässt CBD-Öl in eine Schale tropfen.
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CBD-Öl: Hat Cannabidiol eine heilsame Wirkung?

Cannabidiol (CBD) wird als Wundermittel gefeiert. Glaubt man, was im Internet behauptet wird, wirken CBD-haltige Hanföle beruhigend, schmerzlindernd und antidepressiv. Angeblich helfen sie sogar bei schweren Krankheiten. Ist das wahr?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

CBD-Öl: Hat Cannabidiol eine heilsame Wirkung?

Cannabidiol (CBD) macht nicht high. Trotzdem wird der geheimnisvolle Stoff aus der Cannabispflanze gerade stärker gehypt als sein berühmter chemischer Verwandter THC. Denn angeblich wirkt CBD im Körper ausschließlich heilsam. Täglich unter die Zunge geträufelt, soll CBD-Öl Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Stress, Übelkeit, Menstruationsbeschwerden lindern und sogar bei schweren Erkrankungen wie Parkinson und Epilepsie helfen. Stimmt das? Ist CBD-Öl eine Art Wundermittel gegen verschiedenste Krankheiten?

Was ist CBD?

Cannabidiol (CBD) ist wie Tetrahydrocannabinol (THC) ein Stoff aus der Cannabispflanze. Beide Substanzen zählen zu den Cannabinoiden, einer Gruppe von Stoffen, die sich in ihrem chemischen Aufbau ähneln. In der Cannabispflanze kommen insgesamt 108 Cannabinoide vor.

Neben den pflanzlichen Cannabinoiden gibt es auch noch sogenannte Endocannabinoide, die der Körper selbst bildet. Endocannabinoide und einige pflanzliche Cannabinoide wirken im Körper auf die sogenannten Cannabinoid-Rezeptoren (kurz: CB-Rezeptoren).

Was ist ein Rezeptor?
Ein Rezeptor ist – vereinfacht formuliert – ein körpereigener Schalter, der, wenn er durch den passenden Stoff aktiviert wird, bestimmte Vorgänge in Gang setzen kann. Rezeptoren sitzen überall im Körper. Es gibt zahlreiche unterschiedlich geformte Rezeptoren, die sich jeweils nur durch ganz bestimmte Stoffe aktivieren lassen.

Jene Cannabinoid-Rezeptoren, an die THC bindet, sitzen vor allem im Gehirn. Man nennt sie CB-1-Rezeptoren. Besonders viele CB-1-Rezeptoren sind in Hirnregionen zu finden, die etwa an der Steuerung von Emotionen, Lernprozessen und Hunger beteiligt sind. THC greift in diese Steuerung ein und wird im Gegensatz zu den körpereigenen Cannabinoiden langsamer abgebaut. So kommt es zu dem typischen High.

CBD hingegen hat nur eine schwache Wirkung auf die CB-1-Rezeptoren. Deshalb wirkt es nicht berauschend.

Wo gibt es CBD zu kaufen?

Apotheken, spezielle Läden und Onlineshops bieten CBD-Öle und andere CBD-haltige Produkte an. Auch in einigen deutschen Drogerien gibt es CBD-haltige Produkte zu kaufen, unter anderem CBD-Öl, CBD-Öl-Kapseln und CBD-Kaugummis.

Welche Wirkung hat CBD?

Angeblich wirkt CBD Angst, Stress, Unruhe, Depressionen, Schmerzen, Entzündungen und Übelkeit entgegen. Es soll sogar bei Parkinson und Epilepsie helfen und vor Krebs schützen.

Ausreichend belegt ist bislang nur die Wirkung bei Epilepsie, besser gesagt, bei zwei seltenen Formen der Epilepsie: dem Dravet-Syndrom und dem Lennox-Gastaut-Syndrom. Studien legen nahe, dass CBD bei diesen Erkrankungen die Zahl der epileptischen Anfälle verringern kann.

Für die anderen Behauptungen lassen sich bislang keine ausreichenden Beweise finden. Fast alles, was man heute über die Wirkung von CBD weiß, geht auf Experimente an Tieren oder Zellkulturen zurück. Die wenigen bislang veröffentlichten Studien mit Menschen lassen keine verlässlichen Schlüsse zu, weil

  • die Zahl der Probanden zu klein war,
  • es methodische Mängel gab und/oder
  • der Studienzeitraum zu kurz war.

Hinzu kommt, dass die Studienteilnehmer meist kein reines Cannabidiol verabreicht bekommen hatten, sondern Cannabiszubereitungen, in denen eine Vielzahl natürlicher Substanzen enthalten waren.

In der Cannabispflanze stecken nicht nur Cannabinoide, sondern zum Beispiel auch sogenannte Terpene wie Myrcen. Myrcen wirkt beruhigend. Nicht CBD, sondern Myrcen sei für die sedierende Wirkung von Cannabis verantwortlich, schrieb der Cannabisforscher Ethan Russo 2017 im Fachblatt Trends in Pharmacological Sciences. Dafür spreche unter anderem, dass von Cannabissorten mit einem geringen Myrcengehalt keine solche Wirkung ausgehe.

Ist CBD unbedenklich?

CBD-Präparate, die zur Behandlung von Epilepsie verabreicht werden, können unter anderem zu Appetitlosigkeit, Durchfall und Müdigkeit führen. Die im Handel erhältlichen CBD-Öle sind aber deutlich niedriger dosiert.

Ob sie unbedenklich sind, lässt sich trotzdem nicht mit Sicherheit sagen, weil es zu dieser Frage noch zu wenig verlässliche Studien gibt.
Die für THC typischen Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten. CBD hat anders als THC keine Auswirkungen auf den Puls und die Körpertemperatur. Wer CBD-Öl nimmt, riskiert auch keine Angstzustände, wie sie nach dem Kiffen auftreten können. Zudem macht CBD nach allem, was man bisher weiß, nicht abhängig.

THC und CBD: Wo liegt der Unterschied?

Vereinfacht formuliert scheint CBD im Körper andere Schalter anzuknipsen als THC. Trotz seiner chemischen Ähnlichkeit mit THC aktiviert CBD die CB-1-Rezeptoren nicht. Seine Effekte scheinen auf einer Interaktion mit verschiedenen anderen Rezeptoren zu beruhen. Genau verstanden haben Forscher dieses Zusammenspiel aber noch nicht.