Man sieht eine Frau an ihremn Arbeitsplatz im Büro.
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Warum langes Sitzen ein Gesundheitsrisiko darstellt – und was hilft

Wer acht Stunden oder mehr pro Tag sitzt, egal ob bei der Arbeit oder zu Hause, hat ein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Einer internationalen Studie in The Lancet zufolge lässt sich das Risiko jedoch möglicherweise ausgleichen, wenn man täglich mindestens eine Stunde körperlich aktiv ist. Worauf kommt es dabei an?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Gesundheitsrisiko langes Sitzen

Dass ein Mangel an Bewegung auf Dauer das Risiko für diverse Erkrankungen erhöhen kann, zeigt sich in vielen Studien. Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr weltweit mehr als 5 Millionen Menschen an den Folgen von zu wenig Bewegung.

Untersuchungen zeigen, dass in den westlichen Industrieländern Erwachsene den Tag überwiegend sitzend verbringen. Ein typischer Tagesablauf besteht für viele darin, zur Arbeit zu fahren, im Büro zu sitzen, nach Hause zu fahren und dann vor dem Fernseher zu sitzen.

Aber lässt sich das Risiko, durch zu viel Sitzen früher zu sterben, durch mehr Bewegung verringern oder sogar ausgleichen? Diese Frage stellte sich ein Team aus Wissenschaftlern und verglich in einer Meta-Analyse mehrere Studien zu dem Thema.

Die Forscher werteten insgesamt 16 Studien und damit die Daten von mehr als einer Million Männern und Frauen aus. Es zeigte sich, dass unter Umständen bereits 60 bis 75 Minuten moderater körperlicher Aktivität ausreichen, um die Gesundheitsrisiken durch zu viel Sitzen wettzumachen.

Unter moderater körperlicher Aktivität verstehen die Forscher dabei zum Beispiel:

  • Radfahren in ruhigem Tempo (16 km/h) oder
  • Gehen/Walking in einem moderaten Tempo (5 km/h).

Das größte Risiko, früher zu sterben, hatten dabei Menschen, die sich gar nicht körperlich betätigten – unabhängig davon, wie viel Zeit sie täglich sitzend verbrachten. Statistisch gesehen war es für sie um 28 bis 59 Prozent wahrscheinlicher, früher zu sterben. Das Risiko entspricht damit etwa dem von Rauchern oder stark übergewichtigen Menschen.

Demnach ist mangelnde Bewegung letztlich ein noch größeres Gesundheitsrisiko als zu langes Sitzen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen, sich wenigstens 150 Minuten pro Woche sportlich zu betätigen beziehungsweise sich Bewegung zu verschaffen.

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Ausgleich schaffen

Laut Professor Ekelund, einem der Studienautoren, fördert die Meta-Analyse eine gute Nachricht zutage: Dass es nämlich möglich ist, die Gesundheitsrisiken durch zu viel Sitzen zu verringern oder sogar auszugleichen – einfach indem wir uns täglich etwas mehr bewegen. Sportliche Höchstleistungen sind dazu gar nicht nötig.

Für viele Menschen lässt es sich wohl kaum ändern, dass sie tagsüber viel sitzen müssen, etwa bei einer Bürotätigkeit. Gerade in solchen Fällen ist es Professor Ekelund zufolge besonders wichtig, Bewegung zu bekommen.

Das geht im Prinzip ganz einfach, zum Beispiel mit einem kleinen Spaziergang in der Mittagspause oder indem man mit dem Rad zu Arbeit fährt. Wenigstens eine Stunde körperliche Aktivität am Tag wäre ideal. Lässt sich das nicht umsetzen, ist aber auch weniger Bewegung täglich immer noch besser als gar keine.

Die Forscher räumen jedoch ein, dass bei den Daten der Meta-Analyse möglicherweise gewisse Einschränkungen gegeben sind, da die Studien-Teilnehmer 45 Jahre oder älter waren und aus Westeuropa, den USA und Australien kamen. Ob sich die Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen lassen, lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres sagen.

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