Das Bild zeigt ein männliches und weibliches Strichmännchen.
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Transsexualität

Von Transsexualität oder Transsexualismus spricht man, wenn sich eine Person nicht mit dem eigenen biologischen Geschlecht identifizieren kann. Transsexuelle Männer fühlen sich psychisch als Frau, transsexuelle Frauen als Mann. Die Person ist davon überzeugt, dass ihr körperliches Geschlecht nicht ihrem psychischen Empfinden entspricht. In den meisten Fällen von Transsexualität sind es Männer, die sich in ihrem Körper nicht wohl fühlen und die ihr Geschlecht ändern möchten.

Allgemeines

Transsexualität ist eine Störung der Geschlechtsidentität. Transsexualität liegt vor, wenn sich eine Person, dessen biologisches Geschlecht eindeutig ist, psychisch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlt.

Bei einer Transsexualität kann die sexuelle Orientierung entweder auf das gleiche oder aber auf das andere Geschlecht gerichtet sein.

Transsexuelle haben meist schon von Kindheit an das Gefühl, im falschen Körper zu leben. In der Regel fällt es bei Transsexualität schwer, die eigenen primären Geschlechtsmerkmale wie zum Beispiel Brust, Vagina, Penis oder Hoden, zu akzeptieren. Meist ist das Bestreben der Betroffenen daher schon früh darauf ausgerichtet, das körperlich sichtbare Geschlecht zu verheimlichen. Transsexuelle Personen zeigen darüber hinaus oft Verhaltensweisen, die typisch für das andere Geschlecht sind. In der Pubertät tragen viele von ihnen gerne Kleidung des anderen Geschlechts ("cross dressing"), zunächst meist heimlich, später häufig auch in der Öffentlichkeit. Transsexuelle Mädchen verhalten sich häufig jungenhaft, während die Jungen mehr und mehr weibliches Verhalten zeigen. Heranwachsende Transsexuelle leiden oft sehr unter den körperlichen Veränderungen während der Pubertät. Im weiteren Verlauf einer Transsexualität verstärkt sich ihr Wunsch, eine Geschlechtsumwandlung vornehmen zu lassen. Dennoch versuchen viele Menschen, ihre transsexuelle Neigung zu verheimlichen.

Aufgrund ihrer Empfindungen geraten manche Transsexuelle in eine Identitätskrise, welche mit psychischen Problemen wie zum Beispiel Depressionen verbunden sein kann. Über die Verbreitung von Transsexualität existieren unterschiedliche Angaben.

Die Ursachen für Transsexualität sind bisher noch unklar. Körperbau und Hormonwerte entsprechen in der Regel dem biologischen und nicht dem gewünschten Geschlecht. In Einzelfällen kann ein bestimmter Gendefekt (sog. Klinefelter-Syndrom) die Ursache sein.

Historisches

Der Begriff Transsexualität wurde erstmals im Jahr 1923 von Magnus Hirschfeld benutzt, etablierte sich jedoch erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts durch den amerikanischen Arzt Harry Benjamin.

Die erste Geschlechtsumwandlung, die auf ein riesiges öffentliches Interesse stieß, war die Umwandlung des amerikanischen Soldaten Georges Jorgensen, der sich im Anfang der 1950er Jahre in Kopenhagen operieren ließ und fortan als Frau mit dem Vornamen Christine lebte.

Medizinisches

Bei Transsexualität ist der Wunsch, auch biologisch zum anderen Geschlecht zu gehören, häufig sehr groß. Eine Psychotherapie, die sich gegen den Wunsch des Betroffenen richtet, wäre sinnlos – vielmehr geht es darum, den Transsexuellen sowohl medizinisch als auch psychologisch in seinen Bedürfnissen zu unterstützen.

Die Begleitung eines Transsexuellen, der ernsthaft den Wunsch hat, eine Geschlechtsumwandlung vornehmen zu lassen, erstreckt sich in der Regel über Jahre hinweg. Hat sich der Betroffene entschlossen, das Geschlecht zu wechseln, muss dieser zunächst psychisch auf diesen Schritt vorbereitet werden. Am Anfang der Behandlung von Transsexualität steht immer die Aufklärung und psychologische Betreuung über mindestens ein Jahr hinweg, bei Bedarf auch länger.

Hat die Person weiterhin den Wunsch nach einer Geschlechtsumwandlung, sollte sie im Rahmen der Betreuung zunächst für eine längere Zeit in der Rolle des anderen Geschlechts leben.

Etwa ein bis zwei Jahre vor einem möglichen operativen Eingriff sollte der Transsexuelle eine Hormontherapie beginnen. Die Hormontherapie bewirkt, dass sich die sekundären Geschlechtsmerkmale wie etwa Körperbehaarung verändern. Häufig führen diese Veränderungen schon zu einer psychischen Entlastung des Transsexuellen.

Die Behandlung, umgangssprachlich als Geschlechtsumwandlung bezeichnet, erfolgt in der Regel durch Urologen, Gynäkologen oder Plastische Chirurgen. Sie darf erst dann durchgeführt werden, wenn sowohl eine medizinische als auch psychiatrische Untersuchung eine derartige Diagnose bestätigt haben und wenn die Person älter als 21 Jahre ist. Zudem muss der Transsexuelle vorab intensiv und dauerhaft psychotherapeutisch begleitet worden sein. Eine ausführliche Anamnese sowie eine körperliche und psychologische Untersuchung gehören zur Diagnosestellung dazu.

Eine Veränderung des Geschlechts ist immer auch mit psychischen Belastungen verbunden. Daher ist es auch nach der operativen Geschlechtsumwandlung wichtig, dass die Person weiterhin psychologisch betreut wird. Zudem ist eine dauerhafte Hormontherapie erforderlich.

Rechtliche Aspekte

Die rechtlichen Aspekte bei einer Transsexualität sind in Deutschland seit dem 10. September 1980 durch das "Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen" (Transsexuellengesetz, TSG) gesetzlich geregelt. Nach der chirurgischen Umwandlung erhält der Transsexuelle auf Antrag eine neue Geburtsurkunde sowie entsprechend andere Personalpapiere für das neue Geschlecht. Auch eine Eheschließung ist danach möglich. Um auch ohne einen medizinischen Eingriff bereits eine Namensänderung bewilligt zu bekommen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So kann die Person nur dann ihren Vornamen ändern, wenn sie sich eindeutig dem anderen Geschlecht zugehörig empfindet und wenn die Transsexualität seit mindestens drei Jahren besteht. Zudem muss deutlich sein, dass sich dieses Empfinden voraussichtlich nicht mehr ändern wird.