Frau spricht in Therapie über Sodomie, ihre Anziehung zu Tieren.
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Sodomie, Zoophilie

Sodomie setzt man in Deutschland umgangssprachlich mit Zoophilie gleich. Zoophilie bezeichnet eine abweichende Form des Sexualverhaltens, bei der eine Person das Bedürfnis hat, eine sexuelle Handlung an einem Tier vorzunehmen, um sich sexuell zu erregen.

Allgemeines

Während im allgemeinen Sprachgebrauch oft von Sodomie die Rede ist, wenn sexuelle Handlungen an Tieren gemeint sind, verwendet man in der Wissenschaft den Begriff Zoophilie (gr. zoon = Tier, philein = lieben). Der Psychiater Freiherr Richard von Krafft-Ebing (1840-1902) führte den Begriff der Zoophilie in die wissenschaftliche Diskussion ein.

Wie häufig sexuelle Handlungen an Tieren sind, ist nicht bekannt. Man nimmt jedoch an, dass eine lebenslange sexuelle Orientierung zu Tieren eher selten vorkommt. Welche Ursachen einer Zoophilie zugrunde liegen, ist ebenfalls nicht geklärt. Sie wird vorwiegend als Ersatzhandlung betrachtet, wenn eine Person keinen Sexualpartner findet. Tiere, mit denen Sodomie betrieben wird, sind beispielsweise Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen, Enten oder Hühner.

In unserer Kultur wird Sodomie beziehungsweise Zoophilie weitgehend verurteilt. Bis ins 18. Jahrhundert wurde Sodomie teilweise mit dem Tod bestraft – dabei musste nicht nur der Mensch, sondern auch das Tier sterben.

Der Begriff Sodomie geht auf die biblische Stadt Sodom am Toten Meer zurück. Die Stadt soll der Bibel nach wegen ihrer Sündhaftigkeit zusammen mit der Stadt Gomorrah von Gott mit Feuer und Schwefel vernichtet worden sein. Die Bewohner Sodoms hatten allerdings keinen sexuellen Kontakt mit Tieren, sondern angeblich homosexuelle Kontakte. Der Begriff "Sodomie" umschrieb in der Geschichte alle "widernatürlichen" sexuellen Kontakte. Hierzu zählten beispielsweise Analverkehr, Oralverkehr, aber auch sexuelle Handlungen an Tieren (Zoophilie). Im Deutschen ist der Begriff "Sodomie" heute – anders als im englischsprachigen Raum, wo Sodomie für Analverkehr oder auch Oralverkehr stehen kann – ausschließlich auf Zoophilie bezogen und wird deshalb mit Zoophilie gleichgesetzt.

Historisches

Sodomie beziehungsweise Zoophilie haben in der Geschichte wechselnde Bedeutungen gehabt. Heute wird der Begriff Zoophilie in Deutschland synonym mit dem Wort Sodomie verwendet, während man früher unter Sodomie auch Sexualpraktiken außerhalb des vaginalen Geschlechtsverkehrs verstand. Hierzu zählten beispielsweise Anal- oder Oralverkehr.

Auch die Bewertung einer sexuellen Handlung an Tieren hat sich im Laufe der Epochen gewandelt und ist von Kultur zu Kultur verschieden. Sexualität mit Tieren gibt es, solange es Menschen gibt. Manche Naturvölker glauben, dass Menschen als Tiere wiedergeboren werden – dementsprechend ist ihre Einstellung zur Sodomie tolerant. In der griechischen Mythologie spielt die Sodomie eine bedeutende Rolle: So war Leda, die Frau des Königs Tyndareos, die Geliebte von Zeus, der sich ihr in Form eines Schwans näherte und sie verführte.

In vielen anderen Kulturen wurde Sodomie jedoch fast immer gesellschaftlich geächtet und meist mit strengen Strafen verfolgt.

Medizinisches

Das Spektrum der Menschen, die sich sexuell zu Tieren hingezogen fühlen (Sodomie bzw. Zoophilie), ist vielschichtig. Es wäre daher im Einzelfall zu entscheiden, ob eine Psychotherapie erforderlich ist. Wichtig für eine Beurteilung sind dabei der Leidensdruck der betroffenen Person sowie der Schaden, den die Person möglicherweise den Tieren zufügt.

In der Regel versucht die zoophile Person, körperliche Schäden am Tier zu verhindern; gerade bei kleineren Tieren kann es jedoch zu Verletzungen kommen. Bei sexuellen Handlungen an größeren Tieren wie zum Beispiel Pferden besteht darüber hinaus die Gefahr, dass der Mensch ernste Verletzungen davonträgt.

Ist Sodomie strafbar?

Zoophilie – umgangssprachlich auch als Sodomie bekannt – ist in Deutschland seit 1974 nicht mehr strafbar. Aber: Nimmt ein Tier aufgrund sexueller Handlungen Schaden oder erleidet es Schmerzen, wird Zoophilie nach dem Tierschutzgesetz zur Straftat.

§17 Tierschutzgesetz (Strafvorschriften)

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

  • ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder
  • einem Wirbeltier

a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder

b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

Darüber hinaus ist es nach § 184a des Strafgesetzbuchs nicht erlaubt, die Darstellungen sexueller Handlungen an Tieren zu verbreiten, zum Beispiel in Form von Fotos oder Videos. Dabei ist irrelevant, ob die Tiere tot oder lebendig sind.