Ein Mann beobachtet Kinder auf dem Spielplatz.
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Pädophilie

Pädophilie – darunter versteht man die Veranlagung, die eigene Sexualität nur oder überwiegend mit Kindern ausleben zu wollen. Viele Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern finden innerhalb des engeren sozialen Umfelds statt – häufig durch Väter, Stiefväter, Verwandte, Erzieher oder Lehrer. Die Dunkelziffer ist dabei vermutlich hoch.

Die Dunkelziffer ist hoch

Pädophile Menschen erreichen sexuelle Befriedigung und Erregung überwiegend oder ausschließlich durch sexuelle Handlungen mit Kindern oder durch Fantasien über solche Handlungen. Die Kinder sind dabei in der Regel noch nicht in der Pubertät oder sie befinden sich in einer frühen Phase der Pubertät.

Je enger die familiäre Bindung zwischen Opfer und Täter ist, desto größer ist oft die Scheu der Opfer, Missbrauchstaten zur Anzeige zu bringen. Daher kommen Fälle innerhalb des familiären Umfelds meist erst sehr viel später zur Anzeige, zum Beispiel, wenn die Kinder aus dem Haus oder erwachsen sind – oder es wird gar keine Anzeige erstattet.

Sexueller Missbrauch an Kindern ist strafbar – dabei spielt es keine Rolle, ob die Taten gewaltfrei ablaufen oder nicht. Nähert sich ein Pädophiler einem Kind an, geschieht dies oft nicht in aggressiver Weise, sondern vielmehr zaghaft und freundlich. Fehlende Aggressivität bedeutet jedoch nicht, dass kein Missbrauch vorliegt. Wendet der Täter Gewalt an, um ein Kind zu sexuellen Handlungen zu zwingen, spricht man von sexueller Misshandlung.

Sexueller Missbrauch ist auch strafbar, wenn das Kind nicht ausdrücklich gegen seinen Willen in sexuelle Handlungen einbezogen wurde – denn Kinder sind aufgrund ihres Entwicklungsstands noch nicht in der Lage, vollständig zu begreifen, was mit ihnen geschieht.

Nicht nur sexueller Missbrauch ist strafbar, sondern auch Kinderpornografie. Die Herstellung, Verbreitung und der Besitz von Kinderpornografie sind in der Bundesrepublik Deutschland verboten.

Pädophilie ist nicht gleich Missbrauch

Nicht jeder
pädophil veranlagte Mensch begeht sexuellen Missbrauch oder schaut sich kinderpornografisches Material an. Ein Teil der Pädophilen lebt seine Neigungen ausschließlich in der Fantasie aus.

Umgekehrt ist nicht jeder Sexualstraftäter, der Kindern etwas antut, auch ein Pädophiler: Etwa 6 von 10 Menschen, die ein Kind sexuell missbrauchen, sind nicht pädophil. Sie handeln aus anderen Motiven – etwa, weil sie an einer Persönlichkeitsstörung leiden und ihnen ein erwachsener Sexualpartner fehlt.

Die Opfer

Kinder, die Opfer sexuellen Missbrauchs geworden sind, leiden meist erheblich darunter. Zu möglichen Folgen zählen etwa psychosomatische Beschwerden – zum Beispiel Bauchschmerzen –, aber auch Angst vor Erwachsenen.

Gerade, wenn der Täter aus dem Familien- oder Bekanntenkreis stammt, hält der Missbrauch oft jahrelang an und das Kind kann sich dem Geschehen nicht entziehen. Im Erwachsenenalter sind die Opfer fast immer in ihrem körperlichen Erleben beeinträchtigt.

Zunächst einmal gilt in akuten Situationen: Opfer und Täter sollten sofort voneinander getrennt werden. Dies ist vor allem wichtig, wenn der Täter aus der eigenen Familie stammt. Mithilfe einer Psychotherapie kann das Opfer das entstandene Trauma bearbeiten.

Was ist Pädophilie?

Die Pädophilie ist eine Störung der sexuellen Präferenz (= Vorliebe). Ein abweichendes Sexualverhalten wie die Pädophilie bezeichnen Mediziner auch als Paraphilie.

Die meisten Menschen mit pädophilen Neigungen zählen zum männlichen Geschlecht. Pädophile fühlen sich von Jungen und / oder Mädchen angezogen, deren sexuelle Geschlechtsmerkmale in der Regel noch nicht ausgereift sind. Zeigt die körperliche Entwicklung bereits Zeichen der Pubertät – etwa durch leicht entwickelte Brustansätze oder erste Schambehaarung – spricht man nicht von Pädophilie, sondern von Hebephilie.

Jemand gilt als pädophil, wenn

  • er sich sexuell erregt fühlt, wenn er Kinder betrachtet oder Kontakt zu ihnen hat.
  • er sexuelle Fantasien hat, in denen Kinder vorkommen.
  • er kinderpornografisches Material konsumiert, etwa Bilder oder Videos.

Ein Pädophiler ist nicht automatisch ein Sexualstraftäter – oft bleibt es lebenslang bei sexuellen Fantasien. Andererseits können solche Fantasien aber auch dem eigentlichen Missbrauch vorausgehen.

Studien zufolge handelt es sich bei Menschen mit pädophilen Neigungen meist um scheue, selbstunsichere Personen, die Probleme damit haben, sexuellen Kontakt zu Erwachsenen zu knüpfen. Die genauen Ursachen einer Pädophilie sind jedoch weitgehend unbekannt.

Zahlen & Fakten

  • Wie viele Menschen pädophile Neigungen haben, ist nicht bekannt. Studien lassen vermuten, dass sich 1 von 100 Männern von Kindern sexuell angezogen fühlt. Frauen sind nur selten pädophil: Schätzungen zufolge befinden sich unter 100 Pädophilen 99 Männer und nur 1 Frau.
  • Die meisten Fälle von sexuellem Kindesmissbrauchs kommen gar nicht zur Anzeige, entsprechend hoch ist die Dunkelziffer der Straftaten. Experten gehen davon aus, dass der polizeilich nicht bekannte Teil der Taten etwa achtmal so groß ist wie der bekannte Teil.
  • In bis zu 90 % der Fälle kennen Kinder, die sexuell missbraucht werden, den Täter. Etwa ein Drittel aller Täter kommt aus der Familie.
  • 2014 hat das Bundeskriminalamt 134 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch registriert – die tatsächliche Fallzahl liegt aber vermutlich um einiges höher.

Pädophil – was tun?

Vielen Pädophilen ist bewusst, dass ihre Neigungen ein Problem darstellen können und sie sich strafbar machen können, und einige suchen von sich aus Hilfe. Bislang gibt es in Deutschland nur wenige Psychologen und Psychotherapeuten, die sich auf Pädophilie spezialisiert haben.

Die Ziele der Therapie richten sich unter anderem danach, ob ein Pädophiler bereits straffällig geworden ist oder ob er befürchtet, zukünftig straffällig zu werden. In der Behandlung können Techniken aus der Verhaltenstherapie helfen, die Selbstkontrolle zu fördern. In der Gruppentherapie können zudem Selbstsicherheit und der Kontakt zu anderen Erwachsenen gestärkt werden.

In seltenen Fällen verschreibt der Arzt zusätzlich zur Therapie Medikamente, welche den Sexualtrieb hemmen, wie etwa den Wirkstoff Cyproteronacetat.

Die Prognose einer Therapie bleibt unsicher – die Erfolgsquoten werden zwischen 30 und 70 Prozent eingeschätzt.