Das Bild zeigt ein Herz aus Rosen.
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Liebe

Kaum jemand, der sie schon erlebt hat, wird sie je vergessen: die erste Liebe. Oder war es Verliebtheit? Was Liebe genau ist, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Wie unterscheiden sich Liebe und Verliebtheit? Entsteht Liebe einfach nur durch biochemische Prozesse? Fest steht: So kompliziert eine Liebesbeziehung oft ist, so komplex sind auch die Ebenen, auf denen man den Begriff Liebe betrachten kann.

Überblick

Liebe ist ein Gefühl, das alle bewegt: Im Radio wird schmachtend über sie gesungen, etliche Bücher haben sie zum Thema und Millionen schauen ergriffen im Fernsehen zu, wenn eine Liebesschnulze läuft.

Liebe bringt man mit einer starken emotionalen Zuneigung zu einer anderen Person in Verbindung – meist ist die menschlich-geschlechtliche Liebe gemeint. Vertrauen, Beständigkeit und Bindung sind Begriffe, die häufig mit Liebe assoziiert werden.

Die Liebe in einer Beziehung zwischen zwei Menschen hat meist auch eine sexuelle Komponente. Partnerschaftliche Liebe ist aber mehr als nur Sex: Neben dem leidenschaftlichen Aspekt gehören auch das Gefühl der Intimität und der Bindung dazu. Wer liebt, baut Vertrauen auf und gibt gleichzeitig viel von seinem Inneren preis. Liebe nach dieser Definition macht also auch ein Stück weit verletzlich.

Die berühmten Schmetterlinge im Bauch, die zu Beginn einer Partnerschaft aufkommen, sind zumeist als "Verliebtheit" bekannt – manche Menschen sprechen jedoch auch dann schon von Liebe. Im Stadium des Kennenlernens fühlt man sich für Wochen auf Wolke sieben – und sieht das Gegenüber durch die berühmt-berüchtigte rosarote Brille.

Was genau Liebe ist, worin der Unterschied zur Verliebtheit besteht und inwiefern Sex und partnerschaftliche Liebe zusammengehören, lässt sich nicht pauschal beantworten: Je nach Persönlichkeit und Erfahrungen gehen die Definitionen darüber weit auseinander. Während einige Menschen beispielsweise meinen, dass Sex ohne Liebe nicht möglich ist, können andere Sex und Liebe klar voneinander trennen.

Mutterliebe oder Nächstenliebe ist ebenfalls eine Form der Liebe. Und auch die intensive Bindung zu einer Sache – etwa einem Hobby – oder einem Ideal kann man als Liebe bezeichnen.

Die Chemie muss stimmen!

Verliebte Menschen sind von ihren Gefühlen zum anderen nahezu überwältigt. Früher oder später "normalisiert" sich alles wieder: Die rosarote Brille ist verschwunden und nach und nach kehrt Alltag ein.

Wenn man die Beziehung trotz schwindender Euphorie weiterführt, dem Partner immer mehr vertraut und zunehmend eine Bindung verspürt, sprechen viele Menschen nicht mehr von Verliebtheit, sondern von Liebe. Die anfänglichen Glücksgefühle sind abgeklungen – und im Idealfall entsteht jetzt eher ein Gefühl von Zufriedenheit, Entspannung und Zusammengehörigkeit.

Eine gewisse "Schuld" an den sich wandelnden Empfindungen tragen eine Reihe komplexer biochemischer Prozesse, die längst nicht alle bekannt sind. Verliebtheit und Liebe mögen zwar eine Herzensangelegenheit sein – medizinisch gesehen liegt ihre Quelle jedoch im Gehirn!

Liebe und Sex gehören auch aus biochemischer Sicht nicht zusammen: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass beim Sex andere Hirnareale aktiviert werden als beim Gefühl romantischer Liebe.

Sind Verliebte verrückt?

Wer verliebt ist, benimmt sich für Außenstehende bisweilen recht merkwürdig: Verliebte scheinen auf einer unsichtbaren Wolke zu schweben. Plötzlich handeln sie ganz anders als gewohnt. Gestern noch Fußball-Gegner, sitzt der oder die Verliebte plötzlich voller Spannung vor dem Fernseher – dem Partner gefällt es ja auch! An der frisch entdeckten besseren Hälfte scheint alles perfekt zu sein. Makel oder negative Eigenschaften des Gegenübers sieht der Verliebte erst einmal nicht.

Manche Handlungen eines schwer verliebten Menschen mögen schon fast etwas verrückt anmuten. Der Gedanke ist nicht ganz unberechtigt – denn der Körper befindet sich in einem biochemischen Ausnahmezustand! So ist beispielsweise der Spiegel des Botenstoffs (Neurotransmitter) Serotonin im Blut bei Verliebten erniedrigt. Diese Veränderung führt unter anderem dazu, dass sich Verliebte nur noch auf den (potenziellen) Partner konzentrieren.

Die enormen Glücksgefühle, die schon beim Gedanken an den anderen auftreten, entstehen in einer bestimmten Gehirnregion: im limbischen System, das unter anderem bei der Verarbeitung und Empfindung von Gefühlen eine große Rolle spielt. Der Neurotransmitter Phenylethylamin sorgt, gemeinsam mit anderen Botenstoffen, für den ultimativen Kick, wenn wir bestimmten Reizen ausgesetzt sind und uns dem möglichen Partner annähern. Die Substanz ist chemisch gesehen mit aufputschenden Drogen wie Amphetamin und Kokain verwandt und ähnelt zudem dem Adrenalin. Verlieben wir uns, wird das Gehirn geradezu von Phenylethylamin überschwemmt – ein rauschartiger Zustand ist die Folge. Alles potenziell Negative am Partner wird vorläufig ausgeblendet.

Die Chemie der Liebe

Das Hormon Oxytocin ist maßgeblich daran beteiligt, die Bindung zwischen zwei Menschen zu festigen. Beim Orgasmus beeinflusst es zudem die Stimmungslage und sorgt dafür, dass wir uns nach dem Sex entspannt und zufrieden fühlen. Nicht umsonst bezeichnen manche Oxytocin als "Liebeshormon" oder "Kuschelhormon", weil es sich bei angenehm empfundenem Körperkontakt bildet. Zudem verstärkt es beim Stillen die Bindung zwischen Mutter und Kind.

Darüber hinaus sind viele weitere Botenstoffe am Phänomen Liebe beziehungsweise Verliebtheit beteiligt, so zum Beispiel Testosteron (männliches Sexualhormon), Östrogen (weibliches Sexualhormon) oder Dopamin.

Aus evolutionsbiologischer Sicht ergibt das Zusammenspiel der Botenstoffe einen Sinn, denn das Gefühl der Liebe fördert die Chance auf Nachkommen.

Mit allen Sinnen

Liebe ist ein Phänomen, das alle Sinne betrifft: Nicht umsonst können wir umgangssprachlich "jemanden riechen", wenn wir ihn gern haben. Oder wir sprechen von der "Liebe auf den ersten Blick".

Tatsächlich spielen unsere Sinnesorgane eine wichtige Rolle, wenn es um Antipathie und Sympathie zu einem Menschen geht – und ob wir uns sexuell zu ihm hingezogen fühlen. Der Geruch eines Menschen ist so individuell wie sein Fingerabdruck: Genetische Komponenten, aber auch die persönliche Bakterienflora der Haut sorgen für die unverwechselbare Duftnote. Schon feinste Duftstoffe lösen an den Riechzellen der Nase elektrische Impulse aus, die verarbeitet und an das sogenannte Riechhirn (Rhinencephalon, auch: olfaktorischer Kortex) weitergeleitet werden. Das Riechhirn ist ein spezieller Teil des Großhirns und zählt zu den ältesten Hirnstrukturen überhaupt. Es ist dafür zuständig, Gerüche wahrzunehmen und zu verarbeiten. Das Riechhirn steht in direkter Verbindung zum limbischen System, das unter anderem als Sitz der Emotionen bezeichnet wird. So kann ein Geruch – selbst wenn er sehr fein ist und eher unbewusst wahrgenommen wird – rasch ein Gefühl erzeugen. Dies ist der Grund, warum wir manche Leute einfach "nicht riechen"; können – und seien sie noch so freundlich. Das "erste Beschnuppern" beeinflusst direkt das Hormonsystem.

Untersuchungen haben ergeben: Menschen mit einem ähnlichen Immunsystem können sich nicht so gut riechen wie Menschen, die sich immunologisch stärker unterscheiden. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist dies durchaus eine sinnvolle Einrichtung: Bei zu großer Ähnlichkeit erhöht sich das Risiko für Komplikationen für die Nachkommen. Daher sind Liebesbeziehungen zwischen Verwandten eine Seltenheit. Menschen, die immunologisch zu verschieden sind, kann man ebenfalls nicht so gut riechen. Auch dies hat seinen Grund, denn auch zu starke Unterschiede könnten Probleme in der Schwangerschaft begünstigen. Besondere Duftdrüsen helfen den Menschen bei der Partnerwahl: Unter den Achseln, im Genital- und Analbereich und im Bereich um die Brustwarzen riechen wir für unseren Partner besonders verführerisch. Mit Schweiß hat dieser Geruch weniger zu tun, vielmehr ist es ein feiner Duft, der dafür sorgt, dass wir einen Menschen anziehend finden.

Das Äußere spielt ebenfalls eine Rolle, wenn es darum geht, einen potenziellen Liebespartner zu finden. Neben der reinen Optik sind es vor allem Mimik und Gestik, die das Gegenüber verzaubern: Sei es das Lächeln, die Art sich zu bewegen oder der Blick.

Aber auch die Stimme ist ein bedeutsamer Faktor, ebenso wie die Art und Weise, wie sich Menschen berühren.

Zu guter Letzt

Auch wenn sich vieles erklären lässt – Liebe selbst wird ein ewiges Rätsel bleiben, angefangen von der Frage, was Liebe eigentlich ist, bis hin zu der Überlegung, ob Liebe einzig als Ergebnis biochemischer Prozesse hervorgeht. Fest steht: Liebe und Verliebtheit kann man nicht planen.

Dass das Gefühl der Verliebtheit nicht ewig andauert, muss nicht bedeuten, dass es nicht auch in einer langjährigen Partnerschaft immer noch "knistern" kann. Erzwingen kann man solche Empfindungen zwar nicht, aber viel dazu beitragen, um dieses Gefühl wieder in Erinnerung zu rufen. So kann es helfen, an Kleinigkeiten zurückzudenken, die in der Anfangszeit der Partnerschaft besonders aufregend waren – zum Beispiel eine Verabredung oder ein kleines Geschenk.

Eine romantische Form der Liebe kann lebenslang bestehen bleiben – dies haben US-amerikanische Wissenschaftler herausgefunden. Demnach zeigen glückliche langjährige Paare die gleichen Aktivitätsmuster im Gehirn wie Menschen, die frisch verliebt sind. Zudem sind Bereiche aktiv, die für Bindung und Zuneigung zuständig sein sollen.

Nicht zuletzt bleiben Liebe und Verliebtheit Phänomene, die ihren Zauber und die gewisse Magie, die von ihnen ausgeht, nicht verlieren werden – egal, welche Erklärung die Biologie dafür parat hat.