Das Bild zeigt zwei Männer in einer Badewanne.
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Homosexualität

Homosexualität bezeichnet eine sexuelle Orientierung, bei der das sexuelle Verlangen überwiegend auf Personen des gleichen Geschlechts gerichtet ist.

Definition

Warum manche Menschen eine sexuelle Vorliebe für das gleiche Geschlecht haben, ist unklar. Viele Homosexuelle werden sich im Jugendalter ihrer Neigungen bewusst. Häufig versuchen sie zunächst, die Homosexualität vor anderen, aber auch vor sich selbst zu verleugnen, bevor sie ihre sexuelle Orientierung sich und anderen eingestehen (sog. Coming-Out).

Schätzungen zufolge sind etwa ein bis zwei Prozent der Frauen und zwei bis vier Prozent der Männer in Deutschland homosexuell.

Der Begriff Homosexualität (griech. homo = gleich; sexus = Geschlecht) stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde von dem Schriftsteller Karl Maria Kertbeny geprägt. Männer, die sich von Männern angezogen fühlen, nennt man schwul. Frauen, deren sexuelles Interesse auf Frauen gerichtet ist, werden als lesbisch bezeichnet. Menschen, die sowohl mit dem gleichen als auch mit dem anderen Geschlecht sexuellen Kontakt haben, werden als bisexuell (lat. bi = zweifach) bezeichnet.

Die gesellschaftliche Bewertung von Homosexualität hängt stark von der jeweiligen Kultur ab. Lange Zeit galt Homosexualität als Straftat und wurde als krankhaft angesehen. Homosexuelle wurden diskriminiert und benachteiligt. In Deutschland und im ganzen westlichen Kulturkreis hat sich jedoch die öffentliche Meinung gewandelt und Homosexualität wird heute weitgehend gesellschaftlich akzeptiert. Zwar wird in konservativen Kreisen Homosexualität nach wie vor oft nicht gerne gesehen und gilt als Sünde oder Vergehen gegen die Natur des Menschen. Doch bei einem Großteil der Gesellschaft hat sich ein normaler und gleichberechtigter Umgang mit Homosexuellen durchgesetzt.

Nicht nur gesellschaftlich, auch politisch-rechtlich hat sich die Situation bezüglich Homosexualität positiv entwickelt: Seit dem Jahr 2001 ist es für Homosexuelle möglich, sich als Lebensgemeinschaft eintragen zu lassen – dadurch sind sie einer ehelichen Verbindung zwischen heterosexuellen Partnern in vielen Bereichen gleichgestellt.

Geschichte

Das Ansehen von Homosexualität in der Gesellschaft und die rechtliche Situation waren im Laufe der Geschichte großen Wandlungen unterworfen. Im alten Griechenland zum Beispiel war Homosexualität eine weit verbreitete Art der Liebesbeziehung und gesellschaftlich voll akzeptiert.

Im Christentum wurde die Homosexualität geächtet. Diese Einstellung entstand aus dem Glauben, dass Lust und Sexualität als Sünde anzusehen seien und nur in der Ehe zur Zeugung von Kindern geduldet werden dürften. Homosexualität galt daher als schweres Verbrechen gegen Gott und die Natur des Menschen. Auch heute noch gilt im Christentum offiziell die Homosexualität als Sünde.

In der Zeit der Aufklärung und der französischen Revolution wurde Homosexualität weniger als Verbrechen und mehr als Krankheit, die es zu heilen galt, angesehen. Bis zum Jahr 1794 wurde Homosexualität in Preußen noch mit dem Tod bestraft. Die Todesstrafe wurde dann in eine Gefängnisstrafe umgewandelt. Diese Strafe wurde 1872 als § 175 in das Strafgesetzbuch des Deutschen Reichs aufgenommen.

1919 gründete der Arzt Magnus Hirschfeld in Berlin das Institut für Sexualwissenschaft. Mit dem wissenschaftlichen Beweis, dass Homosexualität angeboren ist, wollte er für eine Streichung des § 175 werben.

Noch bis 1969 bestand der § 175 in der von den Nationalsozialisten verschärften Fassung weiter, was vom Bundesverfassungsgericht 1957 als rechtmäßig anerkannt wurde. Die Polizei arbeitete bis dahin mit Spitzeln in der schwulen Subkultur und geheimen Rosa Listen, auf denen Namen homosexueller Männer verzeichnet waren. Im September 1969 wurde der § 175 dahingehend geändert, dass Homosexualität nur noch mit Männern unter 21 Jahren als strafbar galt. Eine weitere Reform fand 1973 statt, als die Altersgrenze auf Personen unter 18 Jahren gesenkt wurde. Erst 1994 im Zuge der Rechtsangleichung mit der DDR wurde der Paragraph völlig gestrichen und dem Sexualstrafrecht der Heterosexuellen angepasst.

Rechtliche Aspekte im Ausland

In praktisch allen westlichen Industrieländern ist Homosexualität nicht strafbar. In vielen Ländern des islamischen Kulturkreises wird sie jedoch bestraft – in einer Reihe von Ländern sogar mit dem Tod, so etwa in Afghanistan, Sudan, Irak und Iran.

Homosexualität in der Gesellschaft

Die Akzeptanz von Homosexualität in der Gesellschaft hängt stark von der jeweiligen Kultur ab. Im westlichen Kulturkreis stößt Homosexualität heutzutage weitgehend auf Toleranz beziehungsweise Förderung.

Zwar gilt in sehr konservativen Kreisen die Homosexualität auch heute noch als Sünde, als Vergehen gegen die Natur des Menschen, als Perversion oder als behandlungsbedürftige Erkrankung, in der allgemeinen Gesellschaft hat sich jedoch in den letzten Jahren ein normaler und gleichberechtigter Umgang mit Homosexuellen durchgesetzt. Es gilt mittlerweile in der Wissenschaft als unumstritten, dass Homosexualität eine der möglichen Spielarten der menschlichen Sexualität darstellt und zur Vielfalt des menschlichen Lebens beiträgt.

Eingetragene Lebenspartnerschaft

Schon 1989 führte Dänemark als erstes Land eine gesetzliche Regelung für eingetragene Lebensgemeinschaften von Homosexuellen ein.

Auch in Deutschland ist Homosexualität in einer Lebensgemeinschaft mittlerweile per Gesetz anerkannt: Seit dem 1. August 2001 haben homosexuelle Paare auch in Deutschland die Möglichkeit, eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen, die stark an die Ehe angelehnt ist. So haben gleichgeschlechtliche Paare beispielsweise das Recht auf einen gemeinsamen Namen und gegenseitige Unterhaltsrechte und -pflichten.

Um in allen Rechten und Pflichten mit der Ehe identisch zu sein, fehlt derzeit noch die völlige Gleichstellung im Bereich des Einkommensteuerrechts und die Möglichkeit der gemeinsamen Adoption von Kindern. Bisher können Homosexuelle leibliche Kinder des Lebenspartners adoptieren (Stiefkindadoption).

In den meisten Bundesländern werden Lebenspartnerschaften vor dem Standesamt geschlossen.