Das Bild zeigt hohe Lackstiefel.
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Fetischismus

Unter Fetischismus versteht man ein Sexualverhalten, bei dem eine Person nur durch bestimmte Objekte sexuell erregt wird, so zum Beispiel durch Kleidungsstücke wie beim Wäsche- oder Schuhfetischismus oder bestimmte Materialien wie etwa Leder oder Gummi. Auch spezielle Eigenschaften oder Körperregionen des Partners können einen Fetischismus definieren (z.B. Fußfetischismus, Gesäßfetischismus).

Allgemeines

Der Begriff Fetisch stammt vom portugiesischen Begriff "fetiço", der übersetzt "Zauber" bedeutet und im 15. Jahrhundert von portugiesischen Forschungsreisenden für geschnitzte Holzfiguren und Steine von Eingeborenen in Westafrika verwendet wurde. Im sexuellem Zusammenhang steht der Begriff "Fetisch" für ein unbelebtes Objekt, auf das jemand sein sexuelles Interesse richtet.

Im engeren Sinne zählt Fetischismus je nach Ausmaß und selbstempfundenen Leidensdruck zu den Störungen der Sexualpräferenz. Die Grenze zwischen "normal" und "abnorm" lässt sich dabei jedoch nicht eindeutig ziehen. So gibt es viele Menschen, die sich etwa von Brüsten oder anderen Körperregionen sexuell angezogen fühlen. Bisweilen dienen bestimmte Kleidungsstücke einer Frau als Ersatz für die abwesende Person, auf die das sexuelle Intersse gerichtet ist. Ein Fetischist wird nur im Zusammenhang mit dem Objekt sexuell erregt beziehungsweise ist nur dann zu sexuellen Handlungen oder zum Orgasmus fähig.

Im Prinzip können alle Gegenstände zum Fetisch werden, in den meisten Fällen handelt es sich jedoch um bestimmte Kleidungsstücke. Dabei gibt es verschiedene Arten wie der Fetischismus ausgelebt wird: Einige Fetischisten berühren, tragen und beriechen die Gegenstände, manche masturbieren währenddessen. Andere bitten ihre Partnerin oder ihren Partner, Kleidungsstücke oder Gegenstände beim Geschlechtsverkehr zu tragen beziehungsweise zu benutzen. Fetischismus findet sich fast ausschließlich bei Männern.

Manche Fetischisten leiden aufgrund ihrer Neigung unter Schuldgefühlen oder Depressionen, sodass gegebenenfalls eine Therapie erforderlich ist. Zudem kann es wegen eines Fetischismus zu Problemen in der Partnerschaft kommen.

Fetische

Aus medizinisch-psychologischer Sicht sind Fetische Sexualobjekte, welche den Fetischisten sexuell erregen und den Geschlechtsverkehr teilweise überflüssig machen können. Es handelt sich bei den Fetischen überwiegend um Kleidung, da diese mit dem zumeist weiblichen Körper identifiziert wird. Es gibt jedoch auch Fetische, die mit Gedanken an Geschlechtliches, Eigenschaften der weiblichen Haut (Pelz, Haare, Samt) oder Ausscheidung (Leder, Gummi, Gerüche, Windeln) verbunden sind. Fetische können auch auf bestimmte Körperregionen des Partners gerichtet sein. Dazu zählen zum Beispiel der Gesäß- oder Fußfetischismus. Gängige Fetische sind zum Beispiel:

  • Schuhe (Stiefel)
  • Lederbekleidung
  • Unterwäsche
  • Strapse und Strümpfe
  • Militärkleidung
  • Handschuhe

Mitunter sind die Farbe, das Material oder ein Geräusch – zum Beispiel das Klappern hochhackiger Schuhe – entscheidend für die sexuelle Erregung. Als Fetische eignen sich auch alle anderen Objekte wie Haarbürsten, Taschentücher oder Beinprothesen.

Beim sogenannten fetischistischen Transvestitismus empfindet der Fetischist nur dann sexuelle Erregung, wenn er Kleidungsstücke des anderen Geschlechts trägt.

Krankhaft?

Der Fetischismus ist nach internationalen medizinischen Klassifikationen eine Sexualstörung. In schweren Fällen ist er mit psychotherapeutischer Unterstützung behandlungsbedürftig. Allerdings entscheidet die Grenze zwischen "normal" und "krankhaft" wesentlich die Frage nach dem Suchtcharakter.

Der Fetischismus ist dann als behandlungsbedürftig einzustufen, wenn er zwanghaft wird und unerlässlich für die sexuelle Befriedigung ist und als Hauptquelle für sexuelle Erregung anzusehen ist. Außerdem muss Fetischismus über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten bestehen, um als sexuelle Störung zu gelten. Nutzt eine Person bestimmte Gegenstände hin und wieder zur Luststeigerung, vor allem beim Partner, wird dies dagegen als "normal" angesehen.