Ein Mann entblößt sich am Strand.
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Exhibitionismus

Unter Exhibitionismus (lat. exhibere: hinhalten, darbieten) versteht man den wiederkehrenden oder anhaltenden Drang, die eigenen Genitalien vor anderen Menschen – meist gegengeschlechtliche Personen – ohne deren Einverständnis in der Öffentlichkeit zu entblößen. Exhibitionisten wünschen in der Regel keinen Kontakt zu den Personen und greifen auch niemanden an. Das Zeigen ihrer Geschlechtsorgane wird meist von sexueller Erregung begleitet.

Allgemeines

Der Drang, sich nackt zur Schau zu stellen, ist meist zwanghaft. Exhibitionismus gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen. Manchmal ist der Exhibitionismus nur eine Phase im Leben des Exhibitionisten, zum Beispiel während des Heranwachsens (Adoleszenz) oder im Zusammenhang mit akuten Krisen wie zum Beispiel Konflikte in der Partnerschaft. Bei anderen Menschen besteht der Exhibitionismus ein Leben lang. Einige der meist männlichen Exhibitionisten befriedigen sich während der Zurschaustellung ihrer Geschlechtsorgane selbst, andere nicht. Meist wünschen sie keinen näheren Kontakt zu ihrem Opfer.

Man geht davon aus, dass die Ursachen von Exhibitionismus psychischer Natur sind. Eindeutig geklärt sind sie bislang jedoch nicht. Als mögliche Ursachen kommen der Wunsch nach Aufmerksamkeit und Störungen hinsichtlich der Kontaktfähigkeit infrage.

Um Exhibitionismus zu therapieren, erfolgt eine Psychotherapie. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Betroffene sein Verhalten als problematisch anerkennt und bereit ist, eine entsprechende Therapie anzunehmen.

Exhibitionistische Handlungen sind nach Paragraph 183 des Strafgesetzbuchs (Erregung öffentlichen Ärgernisses) generell strafbar. Bei wiederholter öffentlicher Zurschaustellung der Geschlechtsorgane wird der Exhibitionist per Gesetz zu einer Therapie verpflichtet.

Hintergründe

Frauen und Männer, die sich zum Beispiel gerne an FKK-Stränden zeigen oder für Fotografen oder Maler posieren, sind gesellschaftlich akzeptiert. Dahinter können milde Varianten von Exhibitionismus stecken. Als abweichendes Sexualverhalten gilt das Entblößen in der Öffentlichkeit dann, wenn man versucht, andere Menschen zu schockieren und sich dadurch sexuell zu stimulieren.

Wie stark sich der Exhibitionist stimuliert fühlt, hängt wesentlich von der Reaktion ab, die er bei den unfreiwilligen Beobachtern hervorruft. Zwanghaft versucht er, Überraschung oder Schrecken zu provozieren, um sich so von psychischen Spannungen zu befreien.

Reaktionen wie Schweigen, Erschrecken oder Beschimpfen regen den Exhibitionisten eher noch zu weiteren exhibitionistischen Handlungen an, als dass sie ihn von seinem Tun abhalten. Wenn die Opfer Ekel, Panik oder Schrecken zeigen, verstärkt dies die Erregung des Exhibitionisten.

Ausbleibender Schrecken oder Ekel seitens des Opfers frustrieren den Exhibitionisten hingegen, besonders wenn das Opfer gelassen reagiert oder den Nackten gar auslacht. Übergriffe und Handgreiflichkeiten kommen dabei selten vor, und gehen dann in der Regel nur vom Opfer aus. Exhibitionisten halten dagegen eher Abstand und machen sich nach vollzogener Zurschaustellung davon.

Rechtliche Aspekte

Exhibitionistische Handlungen sind nach Paragraph 183 des Strafgesetzbuchs strafbar und können mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft werden. Dabei wird die Tat nur auf Antrag gerichtlich verfolgt (durch den Antrag des Opfers beziehungsweise im Fall der Minderjährigkeit durch einen Erziehungsberechtigten). Eine Ausnahme besteht, wenn ein besonderes öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung besteht. Geschieht die Tat vor Kindern, ist sie nach den Paragraphen 174 und 176 des Strafgesetzbuchs mit erheblichen Strafen verbunden.

STGB § 183 Exhibitionistische Handlungen

(1) Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.

(3) Das Gericht kann die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe auch dann zur Bewährung aussetzen, wenn zu erwarten ist, dass der Täter erst nach einer längeren Heilbehandlung keine exhibitionistischen Handlungen mehr vornehmen wird.

(4) Absatz 3 gilt auch, wenn ein Mann oder eine Frau wegen einer exhibitionistischen Handlung

  1. nach einer anderen Vorschrift, die im Höchstmaß Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe androht, oder
  2. nach § 174 Abs. 2 Nr. 1 oder § 176 Abs. 4 Nr. 1

bestraft wird