Das Bild zeigt einen Tempel in Mexiko.
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Mittleres Zentralamerika

Zentralamerika bildet die Festlandbrücke zwischen Nord- und Südamerika. Die Länder Belize, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Nicaragua und Panama werden dazugerechnet.

Länder

Das tropische Klima Zentralamerikas wird in Höhenlagen durch die Meeresströmungen beeinflusst. Die Gebirgszüge der Kordilleren trennen die karibische Seite mit ihrem ganzjährig feuchten Klima vom sommerfeuchten pazifischen Bereich. Die inneren Täler und Hochbecken im Windschatten der Gebirge sind teilweise sehr trocken. Für das Tiefland sind mittlere, kaum Schwankungen unterworfene Jahrestemperaturen um 25-30°C charakteristisch. Im Winter verursachen kalte Nordwinde mitunter große Temperaturstürze.

Auf der karibischen Seite werden große Teile des Tieflandes von immergrünem tropischen Regenwald eingenommen, auf der pazifischen Seite von regengrünem Trocken- und Feuchtwald und von Feuchtsavannen. In einer Höhe von 800 m geht der Regenwald der Küstengebiete in Bergwald über. Zwischen 600 und 1500 m liegen die wichtigsten Kaffeeanbaugebiete. Etwa 200 m höher wird Zuckerrohr angebaut. In den Höhenlagen dominieren Eichen- und Kiefernwälder.

Gesundheitsrisiken für den Reisenden

Vor allem Reisende, die sich z.B. aus beruflichen Gründen häufig oder sehr lange in einem zentralamerikanischen Land aufhalten, selbstständig reisen (z.B. Rucksacktouristen) oder von vornherein gesundheitliche Probleme haben, sollten über drohende Infektionskrankheiten informiert sein und die allgemeinen und speziellen Impfempfehlungen beachten.

Gesundheitsrisiken durch Nahrungsmittel

Nahrungsmittelbedingte Infektionen sind in Zentralamerika häufig. Eine gute Hygiene ist deshalb besonders wichtig. Generell ist Vorsicht gegenüber Imbissständen an der Straße geboten. Obst und Gemüse sollten vor dem Verzehr mit abgekochtem Wasser gründlich abgewaschen werden. Ist dies nicht möglich, sollte nur zu schälendes Obst oder Gemüse gegessen werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, ausschließlich abgekochtes Wasser zu trinken (Vorsicht bei Eiswürfeln!). Mikrofilter und Entgiftungstabletten zur Reinigung von Wasser sind in Europa im Handel erhältlich. Reisende sollten sich rechtzeitig vor Beginn der Reise über die verschiedenen Möglichkeiten und Wirkungsweisen solcher Mittel informieren. Mit einfachen Hygienemaßnahmen lassen sich lästige Darminfektionen oft vermeiden.

  • Besonders häufig sind bakteriell ausgelöste Durchfallerkrankungen (=Diarrhoen), z.B. durch Infektionen mit Campylobacter, E. coli, Salmonellen (s. Typhus), Shigellen (s. Ruhr) oder Brucella (Brucellosen). In allen Ländern Zentralamerikas werden darüber hinaus regelmäßig Fälle von Cholera-Erkrankungen beobachtet.
  • Daneben spielen Parasiten eine zentrale Rolle bei der Auslösung von lebensmittelbedingten Erkrankungen. Dazu zählen vor allem Fadenwürmer, z.B. Spulwurm, Peitschenwurm und Hakenwurm, und Bandwürmer wie der Rinderfinnen- und der Schweinefinnenbandwurm, die durch den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend erhitztem Rind- bzw. Schweinefleisch (z.B. in Form von Tatar) übertragen werden (Taeniose). Weit verbreitet sind in den Ländern Zentralamerikas Infektionen mit Amöben, die zu Bauchschmerzen, Durchfällen und Leberabszessen führen können ("Amöbenruhr"). Ein anderer typischer Erreger von infektiösen Darmerkrankungen ist Giardia lamblia, ein Dünndarmparasit, der Darmentzündungen und Durchfall verursacht (Giardiasis). Über den Verzehr von rohen oder ungenügend erhitzten Krabben und Krebsen sind Infektionen mit dem Lungenegel möglich. Lungenbeschwerden, aber auch Bauchschmerzen, Leber- und Bauchspeicheldrüsenbeschwerden oder Hautveränderungen können die Folge sein.

Gesundheitsrisiken durch Insekten

In den Ländern Belize, Costa Rica, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Panama beginnt im Juni eine regenreiche Periode, die etwa bis Oktober anhält. In dieser Zeit gibt es vermehrt Brutplätze für Insekten, insbesondere Mücken. Aus diesem Grund besteht in den genannten Ländern ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen, die durch Mücken übertragen werden (v.a. Malaria und Dengue-Fieber).

  • Eine große Rolle spielt in allen zentralamerikanischen Ländern das sog. Dengue-Fieber. Es wird von tag- und nachtaktiven Mücken übertragen und kann zu lebensbedrohlichen Blutungen und Blutgerinnungsstörungen führen. Einen Impfstoff gegen die Erkrankung gibt es zur Zeit noch nicht. Zur Vermeidung einer Dengue-Fieber-Infektion ist es deshalb notwendig, rund um die Uhr für ausreichenden Mückenschutz in Form spezieller Antimückenmittel, Mückennetze und bedeckender Kleidung zu sorgen.
  • In allen Ländern Zentralamerikas besteht ganzjährig ein mittleres Risiko für Malaria-Infektionen. Überwiegend verbreitet ist die im Vergleich zu Malaria tropica mit milderem Krankheitsverlauf einhergehende Malaria tertiana. In Höhenlagen und Städten ist das Risiko für Infektionen äußerst gering. In den ländlichen Gegenden tiefer gelegener Landesteile, besonders in Regenwald- und Sumpfgebieten, sollte dagegen für ausreichenden Mückenschutz gesorgt werden.
  • In Mexiko tritt das sog. West-Nil-Fieber auf. Es wird durch tag- und nachtaktive Mücken übertragen und bewirkt eine mitunter lebensbedrohliche Entzündung des Gehirns (Enzephalitis). Besonders gefährdet für einen schwerwiegenden Verlauf der Infektion sind Kinder unter fünf Jahren, ältere Menschen und Personen mit geschwächter Immunabwehr. Die Hauptsaison der West-Nil-Fieber-Erkrankungen in Mexiko dauert etwa von Juni bis November. Reisende, die sich zwischen dem 1. Juni und 30. November in Mexiko aufgehalten haben, dürfen deshalb bis vier Wochen nach ihrer Rückkehr in Deutschland kein Blut spenden.
  • In Panama treten landesweit, insbesondere in San Blas, Darién und Chepo, Gelbfieber-Infektionen auf. Die Erkrankung wird von Mücken übertragen und geht mit hohem Fieber, Blutungen und Blutgerinnungsstörungen einher.
  • Eine häufige Erkrankung ist in allen zentralamerikanischen Ländern die Amerikanische Haut- und Schleimhautleishmaniose. Leishmanien sind Parasiten, die durch die Weibchen von Schmetterlingsmücken, insbesondere Sandmücken ("sand flies"), auf den Menschen übertragen werden. Die Erkrankung führt beim Menschen zu geschwürigen Haut- und Schleimhautveränderungen. Die viszerale Leishmaniose ("Kala-Azar"), die verschiedene Organe wie Lunge, Magen-Darm, Milz, Leber und Knochenmark befällt, tritt regelmäßig in El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko und Nicaragua auf.
  • Die sog. Chagas-Krankheit ist in Zentralamerika in ländlichen Gebieten weit verbreitet. Der Erreger (Trypanosoma cruzi) wird durch Raubwanzen übertragen und führt zu Fieber, Hautveränderungen, Schwellung der Lymphknoten, Herzmuskelentzündung, Vergrößerung der Leber und der Milz und in seltenen Fällen auch zu Hirnhautentzündung. Spezielle Insektenschutzmittel und Insektennetze können vor Stichen der Raubwanzen schützen. Reisenden wird darüber hinaus empfohlen, in den betroffenen Gebieten nicht in einfachen Hütten zu übernachten, da die Insekten hier besonders häufig sind.
  • Eine Infektion mit Fadenwürmern, so genannten Filarien, führt zur Ausbildung einer Filariose. Filarien werden durch Mücken, insbesondere Kriebelmücken, und Fliegen auf den Menschen übertragen. Sie sammeln sich bevorzugt im Bindegewebe verschiedener Organe und in den Lymphgefäßen an und verursachen je nach Art des Erregers unterschiedliche Erkrankungen. Bei der Onchozerkose, hervorgerufen durch die Filarienart Onchocerca volvulus, kommt es zu schweren Hautveränderungen und Augenschäden bis hin zur Blindheit (s. Flussblindheit). Die Bancroft-Filariose wird durch den Erreger Wuchereria bancrofti hervorgerufen und geht mit Fieber, Entzündung der Lymphknoten und erheblichen Schwellungen der Gliedmaßen, vor allem der Beine, ("Elephantiasis") einher. Filariosen sind aus Costa Rica, Guatemala und Mexiko bekannt.

Sonstige Gesundheitsrisiken

  • In Nicaragua treten immer wieder Leptospirose-Epidemien auf. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit mit Leptospiren, die über den Urin erkrankter Nutztiere, vor allem Schweine, und Nagetiere auf den Menschen übertragen werden. Die Erreger verursachen eine allgemeine Entzündung der Blutgefäße, die zu Fieber, Muskelschmerzen, Schädigungen von Leber und Niere, Herzkreislaufstörungen und ausgedehnten inneren Blutungen führt. Gefährdet sind vor allem Personen, die Kontakt mit Nutztieren bzw. deren urinkontaminierter Umgebung haben (z.B. Landwirtschaft, Metzgerei).
  • HIV-Infektionen sind in den Ländern Zentralamerikas allgemein weit verbreitet. Schätzungen der WHO zufolge sind in gesamt Lateinamerika derzeit rund 1,6 Millionen Menschen mit HIV infiziert, allein im Jahr 2005 kamen 140.000 Neuinfektionen hinzu und starben 59.000 Menschen an den Folgen von AIDS. Bei sexuellem Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung ist daher generell große Vorsicht geboten. Das Benutzen von Kondomen wird dringend empfohlen. Vor einer medizinischen Versorgung mit Blutkonserven wird in Hinblick auf mögliche HIV-Infektionen gewarnt, sie sollte nur in unmittelbar lebensbedrohlichen Fällen in Anspruch genommen werden. Auch Spritzen und Kanülen, die in den Krankenhäusern benutzt werden, können verunreinigt sein.

Impfungen

Pflichtimpfungen

  • Bei Direkteinreise in die zentralamerikanischen Länder bestehen keine Pflichtimpfungen. Da sich die medizinischen Einreisebestimmungen jedoch immer wieder ändern, sollten sich Reisende generell bei der jeweiligen Botschaft oder Landesvertretung nach den aktuellen Regelungen erkundigen.
  • Bei der Einreise aus entsprechenden Infektionsgebieten besteht für Reisende nach Belize, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua Immunisierungspflicht gegen Gelbfieber (Länderliste s. Gelbfieber). Für Reisende in die Gelbfiebergebiete Panamas (San Blas, Darién und Chepo) wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Impfschutz gegen die Erkrankung empfohlen.
  • Für Reisende, die aus einem Cholera-Gebiet kommen oder nicht über den internationalen Flughafen der jeweiligen Hauptstadt einreisen, wird mitunter in Belize, El Salvador, Guatemala, Honduras und Panama der Nachweis eines gültigen Impfschutzes gegen Cholera gefordert.

Allgemeine Impfempfehlungen

  • Die klassischen Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie sind - bei vorhandener Grundimmunisierung und unabhängig von jeglichen Reiseplänen - mindestens alle zehn Jahre aufzufrischen. Bei Reisen in die zentralamerikanischen Länder sollte in jedem Fall für ausreichenden Impfschutz gegen diese beiden Erkrankungen gesorgt werden.
  • Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt Zentralamerika als poliofrei. Ein ausreichender Impfschutz gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist dennoch unbedingt zu empfehlen, da die Erkrankung trotz aufwendiger Impfaktionen in einigen Regionen der Welt nach wie vor auftritt und schwere Komplikationen nach sich ziehen kann. Es handelt sich um eine akute Viruserkrankung, die zu bleibenden Lähmungen der Muskulatur oder gar zum Tod führen kann. Nach Angaben des Komitees zur globalen Ausrottung der Poliomyelitis der WHO (Global Polio Eradication Initiative) stieg die Anzahl der Erkrankungen in den letzten beiden Jahren massiv an. Allein im Jahr 2005 wurden weltweit 1.938 neue Poliofälle registriert. Im Jahr 2006 sind es bis jetzt 1.820 Fälle, die meisten davon in Nigeria und Indien (Stand: 20. Dezember 2006). Solange ein gewisses Risiko für eine Infektion mit Poliomyelitis besteht, sollten grundsätzlich alle Reisenden die Schutzimpfung durchführen. Bei vorhandener Grundimmunisierung von drei dokumentierten Schluckimpfungen empfiehlt sich eine Auffrischung des Impfschutzes im Zehnjahresrhythmus. Im Zweifelsfall sollte hierzu der behandelnde Arzt befragt werden.

Spezielle Impfempfehlungen

  • Da Hepatitis A-Infektionen in allen Ländern Zentralamerikas häufig sind, sollte auch bei kürzeren Reisen rechtzeitig vor Reisebeginn eine Immunisierung gegen das Virus erfolgen.
  • Insbesondere bei einem längeren Aufenthalt in Zentralamerika und intensivem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung empfiehlt sich eine Impfung gegen Hepatitis B. Bei der Immunisierung kann ein Kombinationsimpfstoff für Hepatitis A und B verwendet werden. Das Hepatitis-B-Virus wird durch Blut oder Körperflüssigkeiten (z.B. Sperma bei Geschlechtsverkehr) übertragen und ist unter der einheimischen Bevölkerung Zentralamerikas weit verbreitet. Bei sexuellem Verkehr sollten deshalb unbedingt Kondome benutzt werden.
  • Typhus ist in Zentralamerika weit verbreitet, weshalb im Allgemeinen allen Reisenden eine Schutzimpfung gegen die Erkrankung empfohlen wird. Die Infektion erfolgt im Wesentlichen über Lebensmittel, Trinkwasser, kontaminierte Gegenstände und den direkten Kontakt mit erkrankten Personen. Die Schutzwirkung der Impfung hält etwa zwei Jahre an.
  • Eine medikamentöse Prophylaxe gegen Malaria ist für die meisten Regionen Zentralamerikas nicht notwendig. Die Mitnahme eines so genannten Malaria-Notfallmedikamentes wird in der Regel als ausreichend angesehen. Reisende sollten sich diesbezüglich grundsätzlich bei ihrem Arzt bzw. dem städtischen Tropeninstitut erkundigen.
  • Das Tollwut-Virus ist in allen Ländern Zentralamerikas weit verbreitet. Aufwendige Impfkampagnen führten in der Vergangenheit zu einem deutlichen Rückgang der Infektion beim Menschen. Dennoch erkranken jedes Jahr etwa 200 Personen. Die Übertragung von Tollwut auf den Menschen erfolgt durch den Speichel eines infizierten Tieres. Aus diesem Grund wird besonders für Personen, die aus beruflichen oder anderen Gründen einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind (z.B. Forstarbeit, Jagd, Landaufenthalt), ein vorbeugender Impfschutz empfohlen. Neben Hunden sind in Zentralamerika Fledermäuse häufigste Überträger der Erkrankung. Da Fledermäuse sehr kleine Zähne haben, bleiben Bisse mitunter längere Zeit unbemerkt. Generell ist in ländlichen Regionen Vorsicht vor streunenden Hunden oder Katzen, zahm wirkenden Wildtieren und Fledermäusen geboten.

Sonstige Reisetipps

  • Schlangen und Skorpione werden für den Menschen vor allem dann gefährlich, wenn sie sich bedroht fühlen. Aus diesem Grund ist es ratsam, bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Dazu gehört, nicht auf dem Boden zu schlafen, vor dem Zubettgehen unter die Decke zu schauen, geschlossene Schuhe vor dem Anziehen auszuschütteln, bei Ausflügen in die Natur knöchelhohes Schuhwerk zu tragen, nicht in Büschen oder auf Bäumen herumzukriechen und im Dunkeln eine Taschenlampe zu benutzen.
  • Neben Marihuana werden Touristen in vielen Gegenden auch Pilze mit halluzinogener Wirkung (so genannte "magic mushrooms") angeboten. Urlauber sollten wissen, dass solche Rauschmittel fatale gesundheitliche Folgen haben können.
  • Bei der Reise- und Gesundheitsplanung sind vor allem die teilweise sehr hohen Temperaturen zu berücksichtigen, die zu erheblichen Belastungen des Herz-Kreislaufs führen können. Wichtig ist deshalb, immer reichlich zu trinken. Auch für ausreichenden Schutz der Haut gegen direkte Sonneneinstrahlung sollte gesorgt werden, da diese in den zentralamerikanischen Ländern im Allgemeinen sehr hoch ist.
  • Darüber hinaus ist - insbesondere für gesundheitlich gefährdete Menschen - zu beachten, dass die medizinischen Versorgungsstandards in einigen zentralamerikanischen Ländern erheblich schlechter sind als die in Europa. Die Mitnahme einer Reiseapotheke ist daher unerlässlich. Für den Aufenthalt sollten spezielle Reisekrankenversicherungen, die auch einen Rücktransport bei schweren Erkrankungen oder Unfällen beinhalten, abgeschlossen werden. Vor Reiseantritt sind ausführliche Informationen darüber bei der jeweils zuständigen Krankenkasse einzuholen.