Das Bild zeigt einen Fluss im Amazonasgebiet.
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Tropisches Südamerika

Zu den Tropen Südamerikas gehören die Länder Bolivien, Brasilien, Ecuador, Französisch Guayana, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru, Surinam und Venezuela.

Länder

Im Amazonasgebiet beidseits des Äquators und im Bereich der nordöstlichen Küste Südamerikas herrscht feuchtheißes Tropenklima. So gehört die pazifische Küste Kolumbiens mit Stauregen bis 11000 mm jährlich zu den niederschlagsreichsten Gebieten der Erde. In der nach Norden bzw. Süden anschließenden Zone mit wechselfeuchtem Tropenklima (in Französisch Guayana, im Orinocobecken und im größten Teil des Brasilianischen Berglandes) nimmt die Menge der Niederschläge ab. Im Inneren Brasiliens treten häufig Dürrejahre auf, während die gebirgige Ostküste ganzjährig Niederschläge erhält. Im Süden Brasiliens herrscht feuchtwarmes Klima, nach Westen hin schließt sich immertrockenes subtropisches Klima an. Auf der Westseite der Zentralanden erstreckt sich im Windschatten des Gebirges ein ausgeprägtes Trockengebiet mit Trockensteppe und Wüste.

Südamerika gehört zum so genannten neotropischen Florenbereich. 40% aller tropischen Pflanzengattungen haben hier ihren Ursprung. Die markantesten Pflanzenfamilien sind die Bromelien mit etwa 2000 verschiedenen Arten und die Kakteen mit etwa 1500 Arten. Das Amazonasbecken bildet das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Erde. Die Regenwälder sind reich an Arten, unter denen sich viele bekannte Nutzpflanzen wie Kautschuk- und Kakaobaum finden. Südlich und nördlich des Amazonasbeckens schließen sich Savannen- und Dornbuschgebiete an. Östlich der Anden erstrecken sich weite, artenarme Grasflächen (Pampa), die im Süden in Halbwüsten übergehen. Im äquatorialen Teil der Anden dominieren Nebelwälder mit Baumfarnen und tropischen Epiphyten. Das Hochland Perus und Boliviens zeigt nach Süden zunehmenden Halbwüstencharakter mit frostharten Gräsern, Hartpolster- und Rosettenpflanzen.

Gesundheitsrisiken für den Reisenden

Das tropische Südamerika ist weltweit einer der traurigen Spitzenreiter bei möglichen Infektionen und Gesundheitsgefahren. Zwar treten viele Erkrankungen örtlich begrenzt auf und beschränken sich vor allem auf ländliche Gebiete. Dennoch sollten Reisende in die tropischen Länder Südamerikas unbedingt über drohende Infektionskrankheiten informiert sein und die allgemeinen und speziellen Impfempfehlungen beachten. Insbesondere Reisende, die sich z.B. aus beruflichen Gründen häufig oder länger in einem südamerikanischen Land aufhalten, selbstständig reisen (z.B. Rucksacktouristen) oder von vornherein gesundheitliche Probleme haben, sind einem erhöhten Infektions- und Erkrankungsrisiko ausgesetzt und sollten sich gut auf die Reise vorbereiten.

Gesundheitsrisiko durch Insekten

Hauptüberträger für Infektionskrankheiten im tropischen Südamerika sind Insekten und Spinnentiere. Vor allem während der Regenzeit herrscht ein hohes Risiko für Erkrankungen, die von Mücken übertragen werden, z.B. Malaria und Dengue-Fieber. Schutz vor Insektenstichen bieten spezielle Insektenschutzmittel, Insektennetze und bedeckende Kleidung.

  • In allen tropischen Ländern Südamerikas ist in den tiefer gelegenen ländlichen Regionen (unter 2500 m) das Infektionsrisiko für Malaria ganzjährig sehr hoch. Lediglich einige vorgelagerte Inseln wie die Galapagos-Inseln und die Insel Andrés (Kolumbien) gelten als malariafrei. In Paraguay besteht nur in wenigen Landesteilen (besonders Alto Paraná, Caaguazuú und Canedndiyú) und ausschließlich während der Sommermonate ein gewisses Risiko für Malariainfektionen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken weltweit jährlich 300 bis 500 Millionen Menschen an Malaria, mehr als eine Million sterben jedes Jahr an den Folgen. Bei Reisen nach Südamerika sollte grundsätzlich für ausreichenden Mückenschutz gesorgt werden.
  • Ebenfalls durch Mücken übertragen wird Dengue-Fieber, das zu lebensbedrohlichen Blutungen und Blutgerinnungsstörungen führen kann. Es tritt in allen südamerikanischen Ländern vor allem in den Monaten November bis April auf. Besonders betroffen sind Brasilien (v.a. Bundesstaaten Bahia, Espirito Santo, Pernambuco, Ceara und Sao Paolo an der Ostküste), Bolivien (Departemente Santa Cruz und Cochabamba), Ecuador (östlich des Andenhauptkammes), Kolumbien (v.a. nördliche Provinz Norte de Santander) und Venezuela (v.a. Norden des Landes). Da die Erkrankung durch tag- und nachtaktive Mücken übertragen wird, sollten Reisende rund um die Uhr für ausreichenden Mückenschutz sorgen. Aktuelles: In den vergangenen Wochen und Monaten traten in mehreren Ländern verstärkt Fälle von Dengue-Fieber auf. Betroffen sind Bolivien (v.a. Provinzen La Paz, Beni, Santa Cruz), Brasilien (bis zur Jahreshälfte fast 200.000 Fälle, v.a. in Pernambuco, Sergipe, Minas Gerais, Espirito Santo, Rio de Janeiro, Sao Paulo, Parana, Santa Catarina, Rio Grande do Sul, Mato Grosso do Sul, Mato Grosso, Goias, Umgebung von Brasilia sowie Foz de Iguacu nahe der Iguacu-Wasserfälle), Französisch Guayana (v.a. Küstenregionen am Atlantischen Ozean) und Venezuela (v.a. Distrikte Merida, Zulia, Lara, Miranda). (Stand: Dezember 2006)
  • In den meisten tropischen Ländern Südamerikas, vor allem in den Amazonasgebieten, tritt Gelbfieber endemisch, also regelmäßig und örtlich auf bestimmte Regionen begrenzt, auf. Die Erkrankung wird durch Mücken übertragen und geht mit hohem Fieber, Blutungen und Blutgerinnungsstörungen einher. Jedes Jahr erkranken vor allem Einheimische in Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Peru und Venezuela an Gelbfieber. Lediglich Paraguay gilt weitgehend als gelbfieberfrei. Allerdings wurde hier im Dreiländereck im Südosten des Landes und in den angrenzenden argentinischen Provinzen entlang des Uruguay das Gelbfiebervirus in Affen nachgewiesen. Aktuelles: Aus den Gelbfiebergebieten in Bolivien (Beni, Cochabamba, Santa Cruz, Chuquisaca, Pando, Tarija und subtropische Regionen von La Paz), Kolumbien (Provinz Norte de Santander, am Magdalena Fluss, Cordillera Oriental, Sierra Nevada sowie östliches Flachland Orinoquia und Amazonas) und Peru (Regenwälder von Ayacucho) werden seit einigen Monaten vermehrt Erkrankungsfälle gemeldet. (Stand: Dezember 2006)
  • In allen tropischen Ländern Südamerikas kommt die sog. Amerikanische Haut- und Schleimhaut-Leishmaniose vor. Leishmanien sind Parasiten, die durch die Weibchen von Schmetterlingsmücken, insbesondere Sandmücken ("sand flies"), auf den Menschen übertragen werden. Die Erkrankung führt beim Menschen zu geschwürigen Haut- und Schleimhautveränderungen. Die viszerale Leishmaniose ("Kala-Azar"), die verschiedene Organe wie Lunge, Magen-Darm, Milz, Leber und Knochenmark befällt, ist v.a. in Bolivien im La Paz Tal und in Brasilien in der Provinz Sao Paolo verbreitet.
  • Zu den häufigen von Insekten übertragenen Erkrankungen zählt die Chagas-Krankheit. Sie ist im gesamten tropischen Südamerika in ländlichen Gebieten verbreitet. Der Erreger (Trypanosoma cruzi) wird durch Raubwanzen übertragen und führt zu Fieber, Hautveränderungen, Schwellung der Lymphknoten, Herzmuskelentzündung, Vergrößerung der Leber und der Milz und in seltenen Fällen auch zu Hirnhautentzündung. Spezielle Insektenschutzmittel und Insektennetze können vor Stichen der Raubwanzen schützen. Reisenden wird darüber hinaus empfohlen, in den betroffenen Gebieten nicht in einfachen Hütten zu übernachten, da die Insekten hier besonders häufig sind.Aktuelles: Aus Peru wurde zuletzt ein Fall von Chagas aus dem Pozuzo Distrikt in der Provinz Oxapampa gemeldet, einer Region, in der die Krankheit bislang nicht vorkam. (Stand: Dezember 2006)
  • Die Infektion mit Fadenwürmern, sog. Filarien, führt zur Ausbildung einer Filariose. Filarien werden durch Mücken, insbesondere Kriebelmücken, und Fliegen auf den Menschen übertragen. Sie sammeln sich bevorzugt im Bindegewebe verschiedener Organe und in den Lymphgefäßen an und verursachen je nach Art des Erregers unterschiedliche Erkrankungen. Bei der Onchozerkose, hervorgerufen durch die Filarienart Onchocerca volvulus, kommt es zu schweren Hautveränderungen und Augenschäden bis hin zur Blindheit (s. Flussblindheit). Der Erreger der Flussblindheit ist in Südamerika weit verbreitet, insbesondere in Brasilien und Kolumbien. Die Bancroft-Filariose wird durch den Erreger Wuchereria bancrofti hervorgerufen und geht mit Fieber, Entzündung der Lymphknoten und erheblichen Schwellungen der Gliedmaßen, vor allem der Beine ("Elephantiasis") einher. Die Erkrankung kommt in Brasilien, Ecuador, Guyana, Surinam und Venezuela vor.
  • Oroyafieber wird durch Sandfliegen übertragen. Der Erreger der Krankheit ist das Bakterium Bartonella bacilliformis, das in höher gelegenen, trockenen Flusstälern der westlichen und zentralen Anden vorkommt. Oroyafieber verursacht hohes Fieber, Schwellung von Leber und Milz, Entzündung der Lymphknoten und eine Zerstörung der roten Blutkörperchen (hämolytische Anämie), die unbehandelt zum Tod führen kann. Antibiotika wie Penicillin oder Tetracycline sind dagegen wirksam und sollten fester Bestandteil der Reiseapotheke sein.
  • Die Pest kommt unter wildlebenden Nagetieren in weiten Teilen Südamerikas endemisch, also regelmäßig, jedoch in der Regel auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt, vor. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt meist indirekt über Flöhe. Unterschieden werden vier Formen der Krankheitsausprägung: Beulenpest (Bubonenpest), Pest sepsis, Lungenpest und abortive Pest. Pesterkrankungen bei Menschen treten heute eher selten auf. Aus Bolivien (im Süden von La Paz), Brasilien (Nordosten des Landes in Bahia), Ecuador (Provinz Chimborazo) und Peru werden immer wieder vereinzelte Fälle gemeldet.
  • In den kühleren Andenhochtälern Südamerikas sind regelmäßig Fälle von Fleckfieber zu beobachten. Die Erkrankung wird durch eine Infektion mit Bakterien, sog. Rickettsien, verursacht, die durch Kleiderläuse oder Rattenflöhe auf den Menschen übertragen werden. Vor allem aus Kolumbien und Peru werden immer wieder Fälle bekannt.
  • Große Bedeutung hat Bilharziose, eine Infektion mit Pärchenegeln (Schistosoma). Die Infektion erfolgt über Schwanzlarven der Egel, die Zerkarien genannt werden. Diese schwimmen im Süßwasser umher und dringen bei Kontakt mit einem Menschen in dessen Haut ein. Verschiedene Erkrankungserscheinungen wie Fieber, Hautveränderungen, Kopf- und Gliederschmerzen, Bauchschmerzen, Störungen der Harnblasenfunktion sowie Schädigungen der Lunge, der Leber, des Herzens oder des Gehirns können die Folge sein. Bilharziose ist in den tropischen Gebieten Südamerikas, vor allem in Brasilien, Surinam und Venezuela weit verbreitet. Reisende werden im Allgemeinen davor gewarnt, in den Seen und Flüssen der betroffenen Regionen zu baden.

Gesundheitsrisiken durch Nahrungsmittel

Auch nahrungsmittelbedingte Erkrankungen sind in Südamerika sehr verbreitet. Eine gute Nahrungsmittelhygiene ist deshalb besonders wichtig. Generell ist Vorsicht gegenüber Imbissständen an der Straße geboten. Obst und Gemüse sollten vor dem Verzehr mit abgekochtem Wasser gründlich abgewaschen werden. Ist dies nicht möglich, sollte nur zu schälendes Obst oder Gemüse gegessen werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, ausschließlich abgekochtes Wasser zu trinken (Vorsicht bei Eiswürfeln!). Mikrofilter und Entgiftungstabletten zur Reinigung von Wasser sind in Europa im Handel erhältlich. Reisende sollten sich rechtzeitig vor Beginn der Reise über die verschiedenen Möglichkeiten und Wirkungsweisen solcher Mittel informieren. Mit einfachen Hygienemaßnahmen lassen sich lästige Darminfektionen oft vermeiden.

Besonders häufig sind bakteriell ausgelöste Durchfallerkrankungen (Diarrhoen), z.B. durch Infektionen mit Campylobacter, E. coli, Salmonellen (s. Typhus), Shigellen (s. Ruhr) oder Brucella (Brucellosen). In allen tropischen Ländern Südamerikas sind Cholera-Infektionen unter der einheimischen Bevölkerung verbreitet. Die Erkrankung wird durch Bakterien, sog. Choleravibrionen, ausgelöst, die über Lebensmittel und vor allem kontaminiertes Trinkwasser aufgenommen werden. Reisenden nach Venezuela wird empfohlen, auf den Verzehr von Meeresfrüchten (v.a. Austern, Muscheln) und rohem Fleisch (z.B. dem beliebten Rohfischgericht Ceviche) zu verzichten. Auch vor dem Kauf von Fisch aus Dosen wird gewarnt.

Video: Brucellose – Ansteckung, Symptome, Verbreitung

Daneben spielen Parasiten eine zentrale Rolle bei der Auslösung von lebensmittelbedingten Erkrankungen. Dazu zählen vor allem Fadenwürmer, z.B. Spulwurm, Peitschenwurm und Hakenwurm, und Bandwürmer wie der Rinderfinnen- und der Schweinefinnenbandwurm, die durch den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend erhitztem Rind- bzw. Schweinefleisch (z.B. in Form von Tatar) übertragen werden (Taeniose). Weit verbreitet sind in den tropischen und subtropischen Gebieten Südamerikas Infektionen mit Amöben, die zu Bauchschmerzen, Durchfällen und Leberabszessen führen können ("Amöbenruhr"). Ein anderer typischer Erreger von infektiösen Darmerkrankungen ist Giardia lamblia, ein Dünndarmparasit, der Darmentzündungen und Durchfall verursacht (Giardiasis). In Ecuador, Peru und Venezuela sind über den Verzehr von rohen oder ungenügend erhitzten Krabben und Krebsen Infektionen mit dem Lungenegel möglich. Lungenbeschwerden, aber auch Bauchschmerzen, Leber- und Bauchspeicheldrüsenbeschwerden oder Hautveränderungen sind die Folge. Infektionen mit dem Großen Leberegel (Fasciola hepatica) entstehen durch den Verzehr roher Pflanzenteile. Vor allem aus Peru ist ein endemisches Vorkommen des Parasiten bekannt.

Für Reisende in die tropischen Gebiete Südamerikas besteht generell ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit Hepatitis A. Das Virus wird vor allem durch Lebensmittel und Trinkwasser, seltener durch direkten Körperkontakt zu Erkrankten übertragen.

Sonstige Gesundheitsrisiken

  • Verschiedene Viren können Fieber verursachen, das mit schweren lebensbedrohlichen Blutungen einhergeht (hämorrhagisches Fieber). Arenaviren z.B. sind in Bolivien und Venezuela verbreitet und werden durch Nagetiere übertragen. Reisende sollten grundsätzlich darauf achten, dass Nahrungsmittel bzw. deren Behältnisse nicht mit Mäusen und Ratten in Kontakt kommen.
  • Aktuelles: In den vergangenen Monaten traten in Brasilien in den Bundesstaaten Maranhao und Para sowie in Venezuela im Bundesstaat Zulia mehrere Tollwut-Erkrankungen auf. Die Betroffenen infizierten sich vermutlich durch den Biss von Fledermäusen. (Stand: Dezember 2006)
  • In Ecuador werden immer wieder Fälle von Leptospirose-Erkrankungen beobachtet. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit mit Leptospiren, die über den Urin erkrankter Nutztiere, vor allem Schweine, und Nagetiere auf den Menschen übertragen werden. Die Erreger verursachen eine allgemeine Entzündung der Blutgefäße, die zu Fieber, Muskelschmerzen, Schädigungen von Leber und Niere, Herzkreislaufstörungen und ausgedehnten inneren Blutungen führt. Gefährdet sind vor allem Personen, die Kontakt mit Nutztieren bzw. deren urinkontaminierter Umgebung haben (z.B. Landwirtschaft, Metzgerei).
  • HIV-Infektionen sind in den Ländern Südamerikas allgemein weit verbreitet. Schätzungen der WHO zufolge sind im gesamten Lateinamerika derzeit rund 1,6 Millionen Menschen an HIV erkrankt. Allein im Jahr 2003 starben in dieser Region ca. 84.000 Menschen an AIDS. Bei sexuellem Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung ist daher generell große Vorsicht geboten. Das Benutzen von Kondomen wird dringend empfohlen. Vor einer medizinischen Versorgung mit Blutkonserven wird in Hinblick auf mögliche HIV-Infektionen gewarnt, sie sollte nur in unmittelbar lebensbedrohlichen Fällen in Anspruch genommen werden. Auch Spritzen und Kanülen, die in den Krankenhäusern benutzt werden, können verunreinigt sein.

Pflichtimpfungen

Reisende in die tropischen Gebiete Südamerikas sollten sich grundsätzlich beim zuständigen Arzt oder Tropeninstitut bzw. der betreffenden Landesvertretung nach der aktuellen gesundheitlichen Situation im jeweiligen Reiseland und den Einreisebestimmungen hinsichtlich geforderter Impfungen und Gesundheitszeugnisse erkundigen.

  • In Französisch Guayana besteht für alle Einreisenden jenseits des ersten Lebensjahres eine Immunisierungspflicht gegen Gelbfieber. Bei Reisen nach Bolivien, Brasilien, Ecuador, Guyana, Paraguay, Peru und Surinam ist der Nachweis eines Gelbfieberimpfschutzes nur für Reisende, die aus entsprechenden Infektionsgebieten kommen, notwendig (Länderliste s. Gelbfieber). In Guyana wird der Nachweis der Gelbfieberimpfung zusätzlich auch bei der Einreise aus Belize, Costa Rica, Guatemala, Honduras und Nicaragua verlangt. In Paraguay besteht Immunisierungspflicht sowohl bei der Einreise aus als auch bei der Ausreise in Gelbfieberinfektionsgebiete. Von Reisenden, die Leticia am Amazonas in Kolumbien besuchen, wird gelegentlich von der transportierenden Fluggesellschaft der Nachweis einer Gelbfieberschutzimpfung gefordert. Da in allen tropischen Ländern Südamerikas mit Ausnahme Paraguays regelmäßig Gelbfieberfälle auftreten, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unabhängig von den jeweiligen Landesvorschriften nachdrücklich für alle Reisenden in diese Region jenseits des ersten Lebensjahres eine vorbeugende Immunisierung gegen die Erkrankung. Reisende in den Südosten Paraguays ("Dreiländereck") sollten ebenfalls eine Gelbfieberimpfung in Betracht ziehen, da hier das Virus in Affen nachgewiesen wurde.
  • Bei der Einreise nach Kolumbien und Venezuela wird gelegentlich für Reisende, die aus einem Cholera-Gebiet kommen oder nicht über den internationalen Flughafen der jeweiligen Hauptstadt einreisen, der Nachweis eines gültigen Impfschutzes gegen Cholera gefordert.

Allgemeine Impfempfehlungen

  • Die klassischen Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie sind - bei vorhandener Grundimmunisierung und unabhängig von jeglichen Reiseplänen - mindestens alle zehn Jahre aufzufrischen. Bei Reisen nach Südamerika sollte in jedem Fall für ausreichenden Impfschutz gegen diese beiden Erkrankungen gesorgt werden.
  • Für Reisende nach Brasilien, Ecuador und Peru wird eine Impfung gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis) ausdrücklich empfohlen. Es handelt sich um eine akute Viruserkrankung, die zu bleibenden Lähmungen der Muskulatur oder gar zum Tod führen kann. Trotz aufwendiger Impfaktionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den besonders betroffenen Regionen der Welt wurde der Erreger noch nicht ausgerottet. So ist nach Angaben des Komitees zur globalen Ausrottung der Poliomyelitis der WHO (Global Polio Eradication Initiative) die Anzahl der Erkrankungen in den letzten beiden Jahren sogar massiv angestiegen. Allein im Jahr 2005 wurden weltweit 1.938 neue Poliofälle registriert. Im Jahr 2006 sind es bis jetzt 1.820 Fälle, die meisten davon in Nigeria und Indien (Stand: 20. Dezember 2006). Solange ein gewisses Risiko für eine Infektion mit Poliomyelitis besteht, sollten grundsätzlich alle Reisenden die Schutzimpfung durchführen. Bei vorhandener Grundimmunisierung von drei dokumentierten Schluckimpfungen empfiehlt sich eine Auffrischung des Impfschutzes im Zehnjahresrhythmus. Im Zweifelsfall sollte hierzu der behandelnde Arzt befragt werden.

Spezielle Impfempfehlungen

  • Da Hepatitis A-Infektionen in allen Ländern Südamerikas häufig sind, sollte rechtzeitig vor Reisebeginn eine Immunisierung gegen das Virus erfolgen.
  • Insbesondere bei einem längeren Aufenthalt in Südamerika und intensivem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung empfiehlt sich eine Impfung gegen Hepatitis B. Bei der Immunisierung kann ein Kombinationsimpfstoff für Hepatitis A und B verwendet werden. Das Hepatitis-B-Virus wird durch Blut oder Körperflüssigkeiten (z.B. Sperma bei Geschlechtsverkehr) übertragen und ist unter der einheimischen Bevölkerung, insbesondere im Amazonasbecken, weit verbreitet. Bei sexuellem Verkehr sollten deshalb unbedingt Kondome benutzt werden.
  • Typhus ist in Südamerika weit verbreitet, weshalb im Allgemeinen für alle Reisenden eine Schutzimpfung gegen die Erkrankung empfohlen wird. Die Infektion erfolgt im Wesentlichen über Lebensmittel, Trinkwasser, kontaminierte Gegenstände und den direkten Kontakt mit erkrankten Personen. Die Schutzwirkung der Impfung hält etwa zwei Jahre an.
  • Eine medikamentöse Prophylaxe gegen Malaria ist für die meisten Länder dringend anzuraten. Sie sollte allerdings nur nach Absprache mit dem zuständigen Arzt bzw. städtischen Tropeninstitut erfolgen, da bei bestimmten Medikamenten erhebliche Nebenwirkungen auftreten können.
  • Das Tollwut-Virus ist in allen tropischen Ländern Südamerikas verbreitet. Die Übertragung von Tollwut auf den Menschen erfolgt durch den Speichel eines erkrankten Tieres. Aus diesem Grund wird besonders für Personen, die aus beruflichen oder anderen Gründen einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind (z.B. Forstarbeit, Jagd, Landaufenthalt), ein vorbeugender Impfschutz empfohlen. Neben Hunden sind im tropischen Südamerika Fledermäuse die häufigsten Überträger der Erkrankung. Da Fledermäuse sehr kleine Zähne haben, bleiben Bisse mitunter längere Zeit unbemerkt. Generell ist in ländlichen Regionen Vorsicht vor streunenden Hunden oder Katzen, zahm wirkenden Wildtieren und Fledermäusen geboten.
  • In Brasilien, besonders in den Slums der östlichen Großstädte, treten immer wieder Epidemien von bakterieller Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis) auf. Die Bakterien werden über die Atemwege übertragen, z.B. beim Husten oder Niesen, und führen zu Kopfschmerzen, Benommenheit, schwerem Krankheitsgefühl, Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Gelenkschmerzen. Insbesondere bei Säuglingen, Kleinkindern und alten Menschen zeigt die Krankheit oft dramatische Verläufe, die nicht selten tödlich enden. Eine vorbeugende Impfung bei Reisen in die entsprechenden Gebiete wird empfohlen.

Sonstige Reisetipps

In den höher gelegenen Andenregionen ist die Intensität der Sonneneinstrahlung durch die sauerstoffarme Höhenluft und den geringen atmosphärischen Druck extrem hoch. Für ausreichenden Schutz der Haut gegen direkte Sonnenbestrahlung sollte deshalb unbedingt gesorgt werden. Die teilweise sehr hohen Temperaturen können zu erheblichen Belastungen des Herz-Kreislaufs führen. Wichtig ist deshalb, immer reichlich zu trinken!

In den Höhenlagen ab 2500 m (Bolivien, Ecuador, Peru) kann es etwa 6-12 Stunden nach Ankunft zur Ausbildung von Symptomen einer Höhenkrankheit wie Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, verstärkte Atmung, beschleunigter Puls, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Schlafstörungen sowie Schwellungen der Gliedmaßen und des Gesichts kommen. Einige Grundregeln helfen, das Auftreten einer Höhenkrankheit zu vermeiden:

  • Reisende sollten am ersten Tag nach ihrer Ankunft viel ruhen.
  • Während des Aufenthalts sollte möglichst nicht geraucht und kein Alkohol getrunken werden.
  • Es wird empfohlen, viel Coca-Tee (mate de coca) zu trinken.
  • Bei starken Kopfschmerzen sollten Reisende ca. 5-10 Minuten lang reinen Sauerstoff inhalieren, der in speziellen Flaschen zu jeder Tages- und Nachtzeit in den Hotels erhältlich ist.
  • Für Reisende, die stark unter der Höhenkrankheit leiden, wird vor Ort die Einnahme von Diamox empfohlen, das in Deutschland allerdings nicht zugelassen ist.

In einigen Regionen können dem Reisenden Gifttiere wie Schlangen, Spinnen, Feuerameisen und Blutegel gefährlich werden, weshalb bestimmte Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden sollten. So ist das Schlafen auf dem Boden zu vermeiden. Vor dem Zubettgehen sollte unter die Decke geschaut werden, geschlossene Schuhe sind vor dem Anziehen auszuschütteln. Bei Ausflügen in die Natur ist knöchelhohes Schuhwerk zu tragen, in Büschen oder auf Bäumen sollte nicht herumgeklettert werden und im Dunkeln ist eine Taschenlampe zu benutzen, um zu sehen, wohin man tritt. Darüber hinaus können Bisse von Sandflöhen unangenehme oder allergische Hautreaktionen hervorrufen. Verschiedene Mittel, die vor Stichen schützen (z.B. Kokosöl), sind vor Ort erhältlich.

Insbesondere für gesundheitlich gefährdete Menschen ist zu beachten, dass die medizinischen Versorgungsstandards in den meisten Ländern Südamerikas erheblich schlechter sind als die in Europa. Die Mitnahme einer Reiseapotheke ist daher unerlässlich. Für den Aufenthalt sollten spezielle Reisekrankenversicherungen, die auch einen Rücktransport bei schweren Erkrankungen oder Unfällen beinhalten, abgeschlossen werden. Vor Reiseantritt sind ausführliche Informationen darüber bei der jeweils zuständigen Krankenkasse einzuholen.