Das Bild zeigt die Osterinsel in Chile.
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Gemäßigtes Südamerika

Zu den gemäßigten Breiten Südamerikas gehören die Länder Argentinien, Chile, Falklandinseln (Malvinas) und Uruguay.

Länder

Südamerika ist von unterschiedlichen Klimazonen geprägt. Während der Norden Chiles unter dem Einfluss des kalten Humboldtstroms steht und durch wüstenhaft trockenes Klima mit mittleren Monatstemperaturen gekennzeichnet ist, haben Mittelchile subtropisches winterfeuchtes und Südchile gemäßigtes Klima mit kühlen Sommern und ganzjährigen Niederschlägen. Im Binnenland Argentiniens und Uruguays herrscht gemäßigtes Klima.

Das Hochland Südamerikas zeigt im Norden Halbwüstencharakter mit frostharten Horstgräsern, Hartpolster- und Rosettenpflanzen. Die Westhänge der Anden sind in Folge der kalten Küstenströmung trocken und wüstenhaft, wohingegen auf den beregneten Osthängen Laubwald vorherrscht. Nach Süden hin treten Dornbusch- und Hartlaubgehölze auf, die schließlich in immergrüne Laub- und Nadelwälder übergehen.

Gesundheitsrisiken für den Reisenden

Durch Insekten übertragene Infektionen sind in den gemäßigten Breiten Südamerikas relativ selten, nahrungsmittelbedingte Erkrankungen treten dagegen häufiger auf. Insbesondere Reisende, die sich z.B. aus beruflichen Gründen häufig oder sehr lange in Südamerika aufhalten, selbstständig reisen (z.B. Rucksacktouristen) oder von vornherein gesundheitliche Probleme haben, sollten über drohende Infektionskrankheiten informiert sein und die allgemeinen und speziellen Impfempfehlungen beachten.

Gesundheitsrisiken durch Nahrungsmittel

Eine gute Nahrungsmittelhygiene ist für selbstständig Reisende sehr wichtig. Generell ist Vorsicht gegenüber Imbissständen an der Straße geboten. Obst und Gemüse sollten vor dem Verzehr mit abgekochtem Wasser gründlich abgewaschen werden. Ist dies nicht möglich, sollte nur zu schälendes Obst oder Gemüse gegessen werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, ausschließlich abgekochtes Leitungswasser zu trinken (Vorsicht bei Eiswürfeln!). Mikrofilter und Entgiftungstabletten zur Reinigung von Wasser aus z.B. Flüssen oder Bächen sind in Europa im Handel erhältlich. Reisende sollten sich rechtzeitig vor Beginn der Reise über die verschiedenen Möglichkeiten und Wirkungsweisen solcher Mittel informieren. Mit einfachen Hygienemaßnahmen lassen sich lästige Darminfektionen oft vermeiden.

  • Besonders häufig sind bakteriell ausgelöste Durchfallerkrankungen (=Diarrhoen), z.B. Infektionen mit Campylobacter, E. coli, Salmonellen (s. Typhus) oder Shigellen (s. Ruhr). Daneben spielen Parasiten eine zentrale Rolle bei der Auslösung von lebensmittelbedingten Erkrankungen. Dazu zählen vor allem Fadenwürmer (Trichinosen), z.B. Hakenwurm, und Bandwürmer wie der Rinderfinnen- und der Schweinefinnenbandwurm, die durch den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend erhitztem Rind- bzw. Schweinefleisch (z.B. in Form von Tatar) übertragen werden (Taeniose). Aus dem Süden Chiles werden immer wieder vereinzelte Fälle von Trichinoseerkrankungen gemeldet. Weit verbreitet ist auch der so genannte Hundebandwurm (Echinococcus granulosus). Eine Infektion mit diesem Erreger erfolgt über die Aufnahme von Parasiteneiern, die sich im Speichel oder Fell von Hunden befinden. Außerdem treten häufig Infektionen mit Amöben auf, die zu Bauchschmerzen, Durchfällen ("Amöbenruhr") und Leberabszessen führen können. Ein weiterer typischer Erreger von infektiösen Darmerkrankungen ist Giardia lamblia, ein Dünndarmparasit, der Darmentzündungen und Durchfall verursacht (Giardiasis).
  • In Chile werden landesweit regelmäßig Fälle von Cholera beobachtet. Reisende sollten sich rechtzeitig informieren, welche Vorsichtsmaßnahmen von ärztlicher Seite zur Vorbeugung einer Infektion empfohlen werden.
  • Aktuelles: Zuletzt wurden aus Argentinien, der Provinz Neuquen im Westen des Landes, gehäuft Fälle von Hepatitis A gemeldet. Die Krankheit wird in erster Linie durch Lebensmittel und Trinkwasser, seltener durch direkten Körperkontakt zu Erkrankten übertragen. Eine Schutzimpfung wird empfohlen. (Stand: Dezember 2006)

Gesundheitsrisiken durch Insekten

  • Zu den häufigeren von Insekten übertragenen Erkrankungen zählt die sog. Chagas-Krankheit. Sie tritt in ländlichen Gebieten im Norden Argentiniens (nördlich des Rio Negro), im Norden und in zentralen Gebieten Chiles und im Landesinneren Uruguays auf. Der Erreger (Trypanosoma cruzi) wird durch Raubwanzen übertragen und führt zu Fieber, Hautveränderungen, Schwellung der Lymphknoten, Herzmuskelentzündung, Vergrößerung der Leber und der Milz und in seltenen Fällen auch zu Hirnhautentzündung. Spezielle Insektenschutzmittel und Insektennetze können vor Stichen der Raubwanzen schützen. Reisenden wird darüber hinaus empfohlen, in den betroffenen Gebieten nicht in einfachen Hütten zu übernachten, da die Insekten hier besonders häufig sind.
  • Im Nordosten Argentiniens tritt die Amerikanische Haut- und Schleimhaut-Leishmaniose auf. Leishmanien sind Parasiten, die durch die Weibchen von Schmetterlingsmücken, insbesondere Sandmücken ("sand flies"), auf den Menschen übertragen werden. Die Erkrankung führt beim Menschen zu geschwürigen Haut- und Schleimhautveränderungen.
  • Die Länder der vorwiegend gemäßigten Zone Südamerikas gelten zum größten Teil als Malariafrei. Lediglich im äußersten Norden Argentiniens, in den Grenzgebieten zu Bolivien (Provinzen Salta und Jujuy) und Paraguay (Provinzen Missiones und Corrientes) herrscht von Oktober bis Mai ein gewisses Infektionsrisiko für Malaria tertiana. Es empfiehlt sich daher die Anwendung von Mückenschutz in Form von Antimückenmitteln, langer Kleidung oder Mückennetzen.
  • Aktuelles: In den vergangenen Monaten wurden aus der argentinischen Provinz Misiones im Grenzgebiet zu Paraguay und Brasilien vermehrt Fälle von Dengue-Fieber gemeldet. Die Krankheit wird von Mücken übertragen und kann mit lebensbedrohlichen Blutungen und Blutgerinnungsstörungen einhergehen. Beim Aufenthalt im Freien sollte grundsätzlich für ausreichenden Mückenschutz gesorgt werden. (Stand: Dezember 2006)

Sonstige Gesundheitsrisiken

  • Durch Nagetiere, insbesondere Mäuse und Ratten übertragene Infektionen mit dem Hantavirus-Infektion sind in Chile, v.a. in den Regionen VI, VII und VIII, zu beobachten. Sie führen zu Fieber, das mit schweren lebensbedrohlichen Blutungen und Störungen der Nierenfunktion einhergeht (hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom). Reisende sollten grundsätzlich darauf achten, dass Nahrungsmittel bzw. deren Behältnisse nicht mit Mäusen oder Ratten in Kontakt kommen.
  • In Südamerika ist Milzbrand weit verbreitet. Beim Umgang mit infektiösen Tieren (Rinder, Schweine), z.B. aus beruflichen Gründen, kann es zu Übertragungen auf den Menschen kommen.
  • In Argentinien, Chile und Uruguay treten HIV-Infektionen sehr häufig auf. Schätzungen der WHO zufolge sind in gesamt Lateinamerika derzeit rund 1,6 Millionen Menschen an HIV erkrankt. Allein im Jahr 2003 starben in dieser Region ca. 84.000 Menschen an AIDS. Bei sexuellem Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung wird das Benutzen von Kondomen daher dringend empfohlen. Vor einer medizinischen Versorgung mit Blutkonserven wird in Hinblick auf mögliche HIV-Infektionen gewarnt, sie sollte nur in unmittelbar lebensbedrohlichen Fällen in Anspruch genommen werden. Auch Spritzen und Kanülen, die in den Krankenhäusern benutzt werden, können verunreinigt sein.

Pflichtimpfungen

  • Bei Direkteinreise in die Länder der gemäßigten Breiten Südamerikas bestehen keine Pflichtimpfungen. Reisende sollten sich jedoch möglichst rechtzeitig vor Reisebeginn bei der jeweiligen Botschaft oder Landesvertretung nach den aktuellen medizinischen Einreisebestimmungen erkundigen.
  • Bei Reisen auf die Osterinseln (Chile) besteht für Reisende, die sich innerhalb der letzten sechs Tage vor der Einreise in einem entsprechenden Infektionsgebiet aufgehalten haben, eine Immunisierungspflicht gegen Gelbfieber (Länderliste s. Gelbfieber). Diese Einreisevorschrift betrifft allerdings nur die Osterinseln, nicht das Festland von Chile. In Argentinien, an der Grenze zu Paraguay (vor allem Provinzen Missiones und Corrientes) und zu Brasilien wurde das Gelbfiebervirus in Affen nachgewiesen. Aus diesem Grund wurde von den örtlichen Gesundheitsbehörden eine Impfaktion gegen die Erkrankung unter der Bevölkerung durchgeführt. Für Reisende in diese Gebiete, besonders auch für grenzüberschreitende Besucher des Iguazu-Nationalparks, wird die Immunisierung gegen Gelbfieber empfohlen.

Allgemeine Impfempfehlungen

  • Die klassischen Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie sollten - bei vorhandener Grundimmunisierung und unabhängig von jeglichen Reiseplänen - mindestens alle zehn Jahre aufgefrischt werden.
  • Ein ausreichender Impfschutz gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis) wird speziell für Reisende nach Argentinien und Chile empfohlen. Es handelt sich um eine akute Viruserkrankung, die zu bleibenden Lähmungen der Muskulatur oder gar zum Tod führen kann. Trotz aufwendiger Impfaktionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den besonders betroffenen Regionen der Welt wurde der Erreger noch nicht ausgerottet. So ist nach Angaben des Komitees zur globalen Ausrottung der Poliomyelitis der WHO (Global Polio Eradication Initiative) die Anzahl der Erkrankungen in den letzten beiden Jahren sogar massiv angestiegen. Allein im Jahr 2005 wurden weltweit 1.938 neue Poliofälle registriert. Im Jahr 2006 sind es bis jetzt 1.820 Fälle, die meisten davon in Nigeria und Indien (Stand: 20. Dezember 2006). Solange ein gewisses Risiko für eine Infektion mit Poliomyelitis besteht, sollten grundsätzlich alle Reisenden die Schutzimpfung durchführen. Bei vorhandener Grundimmunisierung von drei dokumentierten Schluckimpfungen empfiehlt sich eine Auffrischung des Impfschutzes im Zehnjahresrhythmus. Im Zweifelsfall sollte hierzu der behandelnde Arzt befragt werden.

Spezielle Impfempfehlungen

  • Bei Reisen nach Argentinien, Chile und Uruguay besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit Hepatitis A, weshalb eine vorbeugende Impfung gegen das Virus empfohlen wird. Es wird vor allem durch Lebensmittel und Trinkwasser, seltener durch direkten Körperkontakt zu Erkrankten übertragen.
  • Für einen Aufenthalt von mehr als drei Monaten wird grundsätzlich in allen Ländern der gemäßigten Breiten Südamerikas eine Impfung gegen Hepatitis B empfohlen. Bei der Immunisierung kann ein Kombinationsimpfstoff für Hepatitis A und B verwendet werden. Das Hepatitis-B-Virus wird durch Blut oder Körperflüssigkeiten (z.B. Sperma bei Geschlechtsverkehr) übertragen. Bei sexuellem Verkehr sollten deshalb Kondome benutzt werden.
  • Eine Schutzimpfung gegen Typhus wird für alle Länder empfohlen. Die Infektion erfolgt im Wesentlichen über Lebensmittel, Trinkwasser, kontaminierte Gegenstände und direkten Kontakt zu erkrankten Personen. Die Schutzwirkung der Impfung hält etwa zwei Jahre an.
  • Eine medikamentöse Prophylaxe gegen Malaria sollte bei Reisen in die betroffenen Gebiete Argentiniens nur auf ausdrückliche Empfehlung des zuständigen Arztes oder städtischen Tropeninstituts erfolgen. Für Reisende in die anderen Länder der gemäßigten Breiten Südamerikas besteht kein Prophylaxebedarf.
  • Das Tollwut-Virus ist in Argentinien, Chile und auf den Falklandinseln verbreitet. Vorbeugende Impfungen gegen die Erkrankung werden im Allgemeinen bei normalen Reisenden nicht durchgeführt. Da die Übertragung von Tollwut auf den Menschen durch den Speichel eines erkrankten Tieres erfolgt, sollten sich Personen, die aus beruflichen oder anderen Gründen für eine Ansteckung besonders gefährdet sind (z.B. Forstarbeit, Jagd, Landaufenthalt), bei Reisen in die entsprechenden Länder über Impfmöglichkeiten informieren. Generell ist in ländlichen Regionen Vorsicht vor streunenden Hunden oder Katzen bzw. zahm wirkenden Wildtieren geboten.
  • In Chile, vor allem in den Slums der Großstädte, treten immer wieder Epidemien von bakterieller Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis) auf. Die Bakterien werden über die Atemwege, z.B. beim Husten oder Niesen, übertragen und führen zu Kopfschmerzen, Benommenheit, schwerem Krankheitsgefühl, Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Gelenkschmerzen. Insbesondere bei Säuglingen, Kleinkindern und alten Menschen zeigt die Krankheit oft dramatische Verläufe, die nicht selten tödlich enden. Eine vorbeugende Impfung bei Reisen in die entsprechenden Gebiete wird empfohlen.

Sonstige Reisetipps

  • Bei der Reise- und Gesundheitsplanung sind die mitunter hohen Temperaturen in einigen Regionen Südamerikas zu berücksichtigen, die zu erheblichen Belastungen des Herz-Kreislaufs führen können. Wichtig ist deshalb, immer reichlich zu trinken. Auch für ausreichenden Schutz der Haut gegen direkte Sonneneinstrahlung sollte unbedingt gesorgt werden.
  • Darüber hinaus ist - insbesondere für gesundheitlich gefährdete Menschen - zu beachten, dass die medizinischen Versorgungsstandards vor allem in den ländlichen Gebieten teilweise erheblich schlechter sind als die in Europa. Die Mitnahme einer Reiseapotheke ist daher unerlässlich. Für den Aufenthalt sollten spezielle Reisekrankenversicherungen, die auch einen Rücktransport bei schweren Erkrankungen oder Unfällen beinhalten, abgeschlossen werden. Vor Reiseantritt sind ausführliche Informationen darüber bei der jeweils zuständigen Krankenkasse einzuholen.