Das Bild zeigt Personen im Flugzeug.
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Strahlenbelastung im Flugzeug

Fliegen wird immer beliebter. Während manche Menschen eher selten fliegen, ist das Reisen mit dem Flugzeug für viele Personen alltäglich geworden, so zum Beispiel für Geschäftsleute.

Allgemeines

Meist ist die Strahlenbelastung im Flugzeug deutlich höher als am Erdboden. Allerdings ist die Gefahr, aufgrund der erhöhten Strahlenexposition gesundheitliche Schäden davonzutragen, dennoch gering. Lediglich Vielflieger oder das Flugpersonal können erhöhten Strahlenbelastungen ausgesetzt sein. Daher sind Personen, die im Flugzeug arbeiten, rechtlich vor zu hohen Strahlendosen geschützt.

Strahlenexposition in der Höhe

Wie hoch die Strahlenbelastung beim Flug ist, hängt vor allem von folgenden Faktoren ab:

  • der Flughöhe
  • der geographischen Lage
  • der Sonnenaktivität

Flughöhe

Die Erde ist permanent der Strahlung von atomaren Teilchen aus dem Kosmos beziehungsweise von der Sonne ausgesetzt (sog. kosmische Strahlung). Dringen diese Teilchen in die Erdatmosphäre ein, reagieren sie mit Teilen der Lufthülle, sodass neue atomare Teilchen entstehen. Die Gesamtheit dieser Teilchen wird als Höhenstrahlung bezeichnet. Die Höhenstrahlung wird in Richtung Erdoberfläche schwächer. Daher hängt das Ausmaß der Strahlung unter anderem von der Flughöhe ab.

Geographische Lage

Das Magnetfeld der Erde lenkt die kosmische Strahlung, sodass die Strahlenexposition in manchen Regionen viel geringer ist als in anderen. Am besten vor der Strahlung geschützt ist der Äquator, während über den geomagnetischen Polen die Schutzwirkung am geringsten ist.

Geographische Lage

Ein Teil der kosmischen Strahlung wird von den so genannten Sonnenwinden abgelenkt. Diese sind Ströme geladener Teilchen, welche von der Sonne ausgehen. Die Aktivität der Sonnenwinde verändert sich in einem Zyklus von etwa elf Jahren. Je höher die Sonnenaktivität ist, desto geringer ist in der Regel auch die Höhenstrahlung, da mehr geladene Teilchen von den Sonnenwinden abgelenkt werden.

Gesundheitliche Auswirkungen

Jede Art von ionisierender Strahlung kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken, da Körperzellen geschädigt werden können. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, aufgrund der Höhenstrahlung gesundheitlichen Schaden zu nehmen, hängt von der Strahlendosis ab. So kann eine zu hohe Strahlendosis zu Erkrankungen wie Krebs führen.

Um das Strahlenrisiko einer Person abzuschätzen, verwendet man die so genannte effektive Dosis, welche in Sievert angegeben wird. Die zusätzliche effektive Dosis beträgt bei einem Kurzstreckenflug weniger als ein Prozent der durchschnittlichen jährlichen Strahlendosis von 2,1 Millisievert, bei einem Langstreckenflug fünf Prozent. Zum Vergleich: Bei einer Röntgenaufnahme des Beckens beträgt die effektive Dosis etwa 1,5 bis 1,8 Millisievert.

Somit sind Personen, die nur selten mit dem Flugzeug reisen, einem nur sehr geringem Krankheitsrisiko ausgesetzt, dies gilt auch für Schwangere und Kleinkinder. Die Sorge mancher Schwangeren, dass das Ungeborene aufgrund der Strahlenexposition Schaden bei einem einzelnen Flug nehmen könnte, ist unbegründet, da die erreichten Werte unterhalb der geltenden Grenzwerte liegen. Allerdings sollten Schwangere vor einem Flug einen Arzt zurate ziehen, da andere Faktoren wie zum Beispiel Thrombosegefahr oder Neigung zu Frühgeburten gegen einen Flug sprechen können.

Vielflieger und flugbegleitende Personen dagegen sind Studien zufolge einem leicht erhöhtem Risiko ausgesetzt. Ob sich das Krebsrisiko durch die Belastung beim Fliegen signifikant erhöht, konnte jedoch bisher nicht eindeutig belegt werden.

Rechtliches

Flugpersonal ist – wie auch andere strahlenexponierte Berufsgruppen - vor einer zu hohen Strahlenexposition gemäß der EU-Richtlinie EURATOM beziehungsweise der Strahlenschutzverordnung rechtlich geschützt: Demnach muss die Strahlung ermittelt, begrenzt und gegebenenfalls reduziert werden, wenn die Werte zu hoch sind. Zudem muss das Personal überwacht werden, wenn die effektive Dosis pro Kalenderjahr ein Millisievert überschreiten kann. Die Überwachung wird durch das Bundesamt für Strahlenschutz sowie das Luftfahrtbundesamt durchgeführt. Beruflich strahlenexponierte Personen dürfen höchstens Werten von 20 Millisievert pro Kalenderjahr ausgesetzt werden.

Paragraf 103 Schutz des fliegenden Personals vor Expositionen durch kosmische Strahlung

  1. Wer Flugzeuge, die in der deutschen Luftfahrzeugrolle nach § 3 des Luftverkehrsgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 27. März 1999 (BGBl. I S. 550) in der jeweils geltenden Fassung eingetragen sind, gewerblich oder im Rahmen eines wirtschaftlichen Unternehmens betreibt, oder wer als Unternehmer mit Sitz im Geltungsbereich dieser Verordnung Flugzeuge betreibt, die in einem anderen Land registriert sind und Personal, das in einem Beschäftigungsverhältnis gemäß dem deutschen Arbeitsrecht steht, einsetzt, hat die effektive Dosis, die das fliegende Personal durch kosmische Strahlung während des Fluges einschließlich der Beförderungszeit nach § 4 Abs. 1 Satz 1 der Zweiten Durchführungsverordnung zur Betriebsordnung für Luftfahrtgerät vom 12. November 1974 (BGBl. I S. 3181), die zuletzt durch die Verordnung vom 6. Januar 1999 (BAnz. S. 497) geändert worden ist, in der jeweils geltenden Fassung erhält, nach Maßgabe des Satzes 2 zu ermitteln, soweit die effektive Dosis durch kosmische Strahlung 1 Millisievert im Kalenderjahr überschreiten kann. Die Ermittlungsergebnisse müssen spätestens sechs Monate nach dem Einsatz vorliegen. Die Sätze 1 und 2 gelten auch für Flugzeuge, die im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung betrieben werden.
  2. Für das fliegende Personal beträgt der Grenzwert der effektiven Dosis durch kosmische Strahlung 20 Millisievert im Kalenderjahr. Der Pflicht zur Dosisreduzierung nach § 94 kann insbesondere bei der Aufstellung der Arbeitspläne und bei der Festlegung der Flugrouten und -profile Rechnung getragen werden.
  3. Der Grenzwert für die Summe der in allen Kalenderjahren ermittelten effektiven Dosen beruflich strahlenexponierter Personen beträgt 400 Millisievert. Die zuständige Behörde kann im Benehmen mit einem Arzt nach § 64 Abs. 1 Satz 1 eine weitere berufliche Strahlenexposition zulassen, wenn diese nicht mehr als 10 Millisievert effektive Dosis im Kalenderjahr beträgt und die beruflich strahlenexponierte Person einwilligt. Die Einwilligung ist schriftlich zu erteilen.
  4. Wurde unter Verstoß gegen Absatz 2 Satz 1 der Grenzwert der effektiven Dosis im Kalenderjahr überschritten, so ist eine Weiterbeschäftigung als beruflich strahlenexponierte Person nur zulässig, wenn die Expositionen in den folgenden vier Kalenderjahren unter Berücksichtigung der erfolgten Grenzwertüberschreitung so begrenzt werden, dass die Summe der Dosen das Fünffache des Grenzwertes nicht überschreitet. Ist die Überschreitung eines Grenzwertes so hoch, dass bei Anwendung von Satz 1 die bisherige Beschäftigung nicht fortgesetzt werden kann, kann die zuständige Behörde im Benehmen mit einem Arzt nach § 64 Abs. 1 Satz 1 Ausnahmen von Satz 1 zulassen.