Eine Frau sitzt am Laptop und plant eine Reise.
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Reiseimpfungen

Sonnencreme eingepackt? Pass noch gültig? Wer gießt die Blumen? Vor einer Reise gibt es einiges zu klären und zu organisieren. Eine Frage wird dabei oft vergessen: Reicht mein Impfschutz aus? Hier erfahren Sie, welche Reiseimpfungen es gibt und warum es wichtig ist, sich rechtzeitig darum zu kümmern.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Reiseimpfungen: Gut geschützt in den Urlaub

Exotische Kost, ungewohntes Wetter, eine fremde Kultur: Im Neuen und Unbekannten besteht der Reiz des Reisens. Leider erlebt man in der Ferne mitunter nicht nur angenehme Überraschungen. In einigen Ländern sind bestimmte Viren und Bakterien verbreitet, die gefährliche Krankheiten hervorrufen können. Die gute Nachricht: Gegen viele landestypische Krankheitserreger kann man sich impfen lassen. Eine Reiseimpfung schützt nicht nur die Reisenden selbst, sondern auch daheimgebliebene Freunde, Verwandte und Kollegen.

Ob Reiseimpfungen notwendig sind, sollte man am besten schon ein paar Wochen vor der Abreise klären. So lange kann es nämlich dauern, bis die Impfung ihre volle Wirkung entfaltet. Zwar sind Reiseimpfungen auch bei Last-Minute-Reisen sinnvoll. Wenn man erst kurz vor Reiseantritt impft, kann sich der Schutz jedoch nur noch zum Teil aufbauen.

Welche Impfungen man benötigt, hängt vor allem vom Reiseziel ab: Etwa sind für Reisen in tropische Länder entlang des Äquators (Zentralafrika, Süd- und Mittelamerika, Südostasien) und Osteuropa länderspezifische Schutzimpfungen ratsam.

Eine Rolle spielt aber auch der eigene Gesundheitszustand und das Alter: Besonders anfällig für Krankheitserreger sind Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist (z. B. aufgrund einer chronischen Erkrankung) und ältere Menschen, aber auch Kinder. Für sie (bzw. ihre Eltern) ist es empfehlenswert, vor einer Reise mit der Hausärztin oder dem Hausarzt darüber zu sprechen, welche Reiseimpfungen nötig sind.

Die meisten Reiseimpfungen kann man sich von der Hausärztin beziehungsweise Hausarzt verabreichen lassen. Eine Impfung gegen Gelbfieber ist nur bei speziellen Gelbfieberimpfstellen (z. B. Gesundheitsamt, Tropeninstitut einer Universität) möglich.

Video: 4 Impfmythen im Check

Was sind Reiseimpfungen?

Zu den Reiseimpfungen zählt man alle Impfungen, die anlässlich einer Reise notwendig werden. Dazu zählen

  • Impfungen, die das Reiseland bei der Einreise fordert,
  • Impfungen, die generell empfohlen sind, sowie
  • Impfungen, die unter bestimmten Bedingungen bzw. für Risikogruppen sinnvoll sind.

Manche Länder lassen nur Touristen einreisen, die bestimmte Impfungen nachweisen können. Wer beispielsweise aus einem Land, in dem Gelbfieber stark verbreitet ist, nach Jordanien oder Simbabwe reist, muss bei der Einreise einen Impfpass mit einer aktuellen Gelbfieberimpfung vorweisen können.

Über die Impfpflichten im jeweiligen Urlaubsland informiert in der Regel der Reiseveranstalter. Wer seine Reise selbst plant, kann sich auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes über aktuelle Vorschriften informieren. Oft kann auch der Hausarzt Auskunft geben.

Zu den Reiseimpfungen, die generell empfohlen sind, zählen alle Standardimpfungen, die der Reisende nach dem aktuellen Impfkalender der STIKO ohnehin schon haben sollte – also zum Beispiel die Impfung gegen Tetanus und Diphtherie. Eine geplante Reise ist daher ein häufiger Grund, die Standardimpfungen zu überprüfen.

Gewisse Personengruppen haben aufgrund ihres Berufes oder ihrer Hobbies beziehungsweise Lebensgewohnheiten ein erhöhtes Risiko für bestimmte Infektionserkrankungen. Wer etwa für einige Zeit in einem Land mit starker Hepatitis-A-Verbreitung arbeitet oder in einem FSME-Risikogebiet jagen geht, sollte sich vorher um eine entsprechende Impfung kümmern.

Reiseimpfungen: Kosten

Gesetzliche Krankenkassen sind nicht dazu verpflichtet, die Kosten für Reiseimpfungen zu übernehmen. Es sei denn, es handelt sich um eine Impfung, die ohnehin in den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut vorgesehen ist.

Seit einigen Jahren erstatten viele gesetzliche Krankenkassen aber freiwillig die Kosten für bestimmte Reiseimpfungen. Zu diesen sogenannten "zusätzlich vereinbarten Satzungsimpfungen" gehören die Impfungen gegen:

Die Bedingungen für die Kostenübernahme sind von Impfung zu Impfung und von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich. Manche Krankenkassen bezahlen nur bestimmte Reiseimpfungen. Daher sollte man sich vor der Reise bei der Krankenkasse nach einer möglichen Kostenübernahme erkundigen. Als Orientierung eignet sich diese vom Centrum für Reisemedizin zusammengestellte Liste.

Die wichtigsten Reiseimpfungen

Welche Impfempfehlungen und -vorschriften für welches Reiseziel gelten, zeigt diese Übersichtskarte des Tropeninstituts. Hier ein Überblick über die wichtigsten Reiseimpfungen:

Masern

Die Masernimpfung sollte hierzulande jeder vorweisen können: Sie zählt zu jenen Impfungen, die die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut für alle Menschen empfiehlt. Für Kinder und bestimmte Personengruppen ist die Impfung seit März 2020 sogar Pflicht.

Wer trotzdem noch nicht gegen Masern geimpft ist, sollte das vor einer Reise rechtzeitig nachholen. Rechteitig heißt: Zwischen Impfung und Reiseantritt müssen mindestens zwei Wochen liegen.

Besonders wichtig ist die Masernimpfung, wenn die Reise in ein Land führt, in dem sich das Virus wieder verstärkt verbreitet hat. Einige Länder verlangen bei der Einreise einen Nachweis über die Masernimpfung – oder einen ärztlichen Attest darüber, dass die oder der Einreisende die Erkrankung bereits hatte und dagegen immun ist. Dazu gehören etwa

  • die Salomon-Inseln,
  • die Marshallinseln,
  • Amerikanisch-Samoa und
  • Tokelau.

Gelbfieber

Gelbfieber ist eine Virusinfektion, die durch Stechmücken in tropischen Regionen übertragen wird. Erkrankte Menschen sind nicht ansteckend. Verbreitet ist Gelbfieber insbesondere in tropischen Gebieten Afrikas und Lateinamerikas.

Manche Länder verlangen von Einreisenden einen Schutz gegen die Krankheit, wenn sie aus einem Land mit vielen Gelbfieberfällen kommen. Der Schutz der Impfung hat sich nach zehn Tagen aufgebaut und hält mindestens zehn Jahre. Danach kann und sollte die Impfung bei Bedarf aufgefrischt werden.

Mehr zur Gelbfieber-Impfung.

Hepatitis A und Hepatitis B

Hepatitis A und Hepatitis B sind Viruserkrankungen, die zu einer Entzündung der Leber führen. Gegen Hepatitis A sollte sich impfen lassen, wer in tropischen Ländern, Osteuropa oder im Mittelmeerraum Urlaub machen möchte. Hepatitis B ist unter anderem in afrikanischen Ländern südlich der Sahara verbreitet, aber auch in einigen Ländern Ostasiens (z.B. der Mongolei).

Die Ansteckung erfolgt im Falle von Hepatitis A meist über mit Fäkalien verseuchtem Essen und Wasser. Hepatitis B wird durch Blut, Speichel und sexuelle Kontakte übertragen. Ein besonderes Risiko besteht daher für sexuell aktive Reisende.

Die Impfung gegen Hepatitis B zählt zu den Standardimpfungen. Die meisten Menschen haben die Impfung also ohnehin bereits im Säuglingsalter erhalten und sind damit ausreichend geschützt. Wer als Kind nicht gegen Hepatitis B geimpft wurde, sollte dies vor einer Reise in ein Risikogebiet unbedingt nachholen – und zwar möglichst sechs Wochen vor Reiseantritt. Denn ein ausreichender Schutz ist erst etwa zwei Wochen nach der zweiten Impfung gegeben, welche einen Monat nach der ersten erfolgt. (Die dritte und letzte Dosis ist erst ein halbes Jahr nach der ersten fällig.)

Die Hepatitis-A-Impfung zählt nicht zu den Standardimpfungen. Wer eine Reise in ein Risikogebiet plant, sollte diese zwei Wochen vor Reiseantritt durchführen lassen. Zwar sind insgesamt zwei Impfungen nötig, zwischen denen ein Abstand von 6 bis 18 Monaten liegt. Die Schutzwirkung tritt jedoch bereits zwei Wochen nach der ersten Impfung ein.

Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Die Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist eine sehr ansteckende, durch Viren übertragene Infektionskrankheit. Die Ansteckung erfolgt häufig über Wasser, das mit Fäkalien verseucht ist oder mit Lebensmitteln, die mit dem verunreinigten Wasser in Kontakt gekommen sind. Dank der Impfprogramme der Weltgesundheitsorganisation sind heute aber die meisten Länder der Erde poliofrei.

Das Risiko, sich mit Polio anzustecken, besteht also nur noch in Afghanistan und Pakistan und in Ländern, in denen noch die Polio-Schluckimpfung verabreicht wird. Dazu zählen unter anderem Somalia, Papua-Neuguinea, Indonesien, Kenia, Mosambik, Kongo und Niger.

Die Polio-Schluckimpfung enthält – anders als die in Europa verwendeten Totimpfstoffe – keine inaktiven, sondern lebende Viren. Diese sind aber abgeschwächt. Sie machen die Geimpften nicht krank, sondern immun gegen eine Polio-Infektion. Die geimpften Personen scheiden die Impfviren über den Stuhl aus. In Ländern mit schlechten Hygienebedingungen ist das ein Risiko.

Denn die Impfviren können dort leicht auf andere Menschen übergehen. Für die Infizierten selbst ist das ungefährlich: Die Impfviren lösen auch bei ihnen keine Beschwerden aus, sondern machen sie immun gegen die Erkrankung. Breiten sich die Impfviren aber über längere Zeiträume hinweg immer weiter in der Bevölkerung aus, können sie wieder gefährlich werden.

Durch genetische Veränderungen (Mutationen) können sie sich wieder zu krankmachenden Polio-Erregern entwickeln. Man spricht dann von mutierten Impfviren oder auch "circulating vaccine-derived polioviruses", kurz cVDPV. In den oben genannten Ländern Südostasiens und Afrikas kursieren verschiedene mutierte Polio-Impfviren. Darum ist es wichtig, dass man bei einer Reise in diese Länder gegen Polio geimpft ist.

Die Grundimmunisierung gegen Kinderlähmung erfolgt in Deutschland üblicherweise im Säuglingsalter. Babys erhalten insgesamt vier Teilimpfungen. Im Alter von 9 bis 17 Jahren erfolgt eine Auffrischungsimpfung. Der Impfschutz hält mindestens zehn Jahre.

Mehr zur Polio-Impfung

Tollwut

Tollwut ist eine Viruserkrankung, die von Tieren wie Hunden, Affen, Katzen, Füchsen, Mäusen, Ratten oder Rindern, aber auch durch Flughunde und Fledermäuse auf den Menschen übertragen wird. Dabei ist es nicht nötig, gebissen zu werden. Es reicht der Kontakt mit infiziertem Speichel, wenn die Haut verletzt ist.

Tollwutgefahr besteht in vielen Ländern Asiens – zum Beispiel China, Indien, Thailand, Vietnam, Bali, Nepal, Bangladesch und Pakistan. Grundsätzlich sollten Reisende keine freilaufenden Tiere streicheln, da man ihnen nicht zwangsläufig ansehen kann, ob sie mit Tollwut infiziert sind.

Mit der Imfpung sollte man spätestens sechs Wochen vor Reiseantritt beginnen. Denn insgesamt sind drei Teilimpfungen notwendig: Eine Woche nach der ersten Dosis bekommt man die zweite Dosis verabreicht. Die dritte Dosis folgt dann 2 bis 3 Wochen nach der zweiten. Der Schutz ist etwa zwei Wochen nach der dritten Impfung gegeben.

Seit April 2018 empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur noch zwei Impfungen im Abstand von einer Woche. Allerdings sind die in Deutschland verfügbaren Tollwut-Impfstoffe nicht für dieses zweischrittige Impfschema zugelassen. In Deutschland können es Ärzte daher nur durchführen, wenn der Patient schriftlich bestätigt, dass er damit einverstanden ist. Man spricht von einem Off-Label-Use.

Mehr zur Tollwut-Impfung.

Typhus

Typhus ist eine fieberhafte Erkrankung, die durch verschiedene Salmonellen-Arten verursacht wird. Anstecken kann man sich über verunreinigtes Wasser oder Essen. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht vor allem in Afrika, Südamerika und Südostasien.

Die Impfung kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn man beruflich in diese Gebiete reist oder dort eine Trekkingreise unternehmen möchte. Die Impfung ist entweder über eine Spritze (als Einzeldosis) oder als Schluckimpfung möglich. Die Schluckimpfung besteht aus insgesamt drei Kapseln, die innerhalb von fünf Tagen verabreicht werden. Die Schutzwirkung tritt nach etwa zwei Wochen ein. Allerdings wirkt die Typhus-Impfung generell nur bei einem Teil der Geimpften.

Mehr zur Typhus-Impfung

Cholera

Cholera ist eine bakterielle Durchfallerkrankung. Das Risiko einer Ansteckung besteht nur bei die längeren Aufenthalten in Gebieten mit sehr schlechten Hygienebedingungen. Dazu zählen etwa Flüchtlingslager oder Regionen, die von Naturkatastrophen betroffen waren. Für Touristen besteht also in der Regel keine Gefahr. Gefährdet sind vor allem Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger und andere Hilfskräfte.

Bei der Impfung handelt es sich um eine Schluckimpfung, die aus zwei Dosen besteht. Zwischen den beiden Einnahmen sollte ein Abstand von 1 bis 6 Wochen liegen. Die Schutzwirkung ist etwa eine Woche nach der zweiten Dosis gegeben.

Mehr zur Cholera-Imfpung

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

FSME ist eine Viruserkrankung, die durch Zecken übertragen wird. Bei den Betroffenen kommt es zu einer Entzündung des Gehirns und/oder der Hirnhäute, seltener auch des Rückenmarks. Gegen FSME sollte impfen lassen, wer in einem FSME-Risikogebiet lebt oder eine Reise dorthin plant.

FSME ist vor allem in Europa und Asien verbreitet, aber nicht in jeder Region gleichermaßen. In Deutschland besteht vor allem in folgenden Bundesländern ein Ansteckungsrisiko:

  • Bayern
  • Baden-Württemberg
  • Hessen
  • Niedersachsen
  • Rheinland-Pfalz
  • Sachsen
  • Saarland
  • Thüringen

Die Impfung bekommt man als Spritze in den Arm verabreicht. Sie besteht aus drei Teilimpfungen. Die zweite Dosis erhält man 1 bis 3 Monate nach der ersten. Ein halbes bis ganzes Jahr später folgt dann die dritte Dosis. Eine Schutzwirkung besteht aber schon zwei Wochen nach der zweiten Impfung.

Mehr zur FSME-Impfung