Eine Frau im Flughafenterminal hält Dokumente und ein Smartphone in der Hand und blickt aufs Rollfeld.
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Krank fliegen? Wann die Flugtauglichkeit eingeschränkt ist

Flugreisen sind heutzutage selbstverständlich. Für manche Menschen ist Fliegen jedoch ein Gesundheitsrisiko. Wir stellen Ihnen sieben typische Fälle vor, in denen die Flugtauglichkeit eingeschränkt sein kann.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Doch warum können Flugreisen eigentlich gesundheitlich belastend sein? Das liegt vor allem an den Bedingungen an Bord:

  • Die Luft an Bord ist extrem trocken. Die Luftfeuchtigkeit beträgt nur 5 bis 10 Prozent. Darum trocknen Haut und Schleimhäute aus.
  • Der Luftdruck an Bord ist niedrig. Während des Flugs herrscht in der Kabine ein Druck wie in fast zweieinhalb Kilometern Höhe. Dadurch dehnt sich die Luft in Mittelohr, Nasennebenhöhlen und Darm um rund 30 Prozent aus. Zudem sinkt die Sauerstoffsättigung des Bluts – im Körper entsteht also ein leichter Sauerstoffmangel. Als Reaktion darauf erhöhen sich die Herzfrequenz, der Sauerstoffverbrauch des Herzens und der Blutdruck.

Weitere Belastungen können durch verspätete oder gestrichene Flüge, lange Gehstrecken auf dem Flughafen, das Tragen schwerer Gepäckstücke, langes Warten vor den Schaltern oder durch die Sicherheitskontrolle entstehen.

Wer gesund ist, verkraftet diese Belastungen meist gut. Mit einer Vorerkrankung kann es auf Flugreisen jedoch zu Problemen kommen: So kann beispielsweise bei einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems an Bord die Sauerstoffsättigung auf etwa 75 Prozent sinken. Das können die Betroffenen nicht ohne Weiteres ausgleichen.

1. Fall: Bluthochdruck

Allgemein gilt: Veränderungen am Herz-Kreislauf-System sind beim Fliegen nur dann ein Risiko, wenn das Stadium kritisch ist oder ein erhöhtes Risiko für eine Verschlechterung des Gesundheitsproblems besteht. In Bezug auf Bluthochdruck heißt das: Nicht flugtauglich ist man nur, wenn die Blutdruckwerte extrem erhöht sind (etwa ab einem Blutdruck von über 200 zu 100 mmHg).

2. Fall: Koronare Herzkrankheit oder Herzschwäche

Auch bei koronarer Herzkrankheit oder Herzschwäche ist die Leistungsfähigkeit des Herzens entscheidend dafür, ob eine Flugreise ratsam ist. Für Betroffene empfiehlt es sich daher, die Flugreisetauglichkeit vorab ärztlich untersuchen zu lassen – am besten schon vor der Reiseplanung.

Wer eine chronisch stabile Herzschwäche hat, ist voll flugtauglich. Verschlechtern sich die Symptome in den letzten vier Wochen vor der Flugreise jedoch, sollte man aufs Fliegen verzichten. Mögliche Anzeichen für eine Verschlechterung sind zum Beispiel:

3. Fall: Herzinfarkt

Ob man nach einem Herzinfarkt flugtauglich ist, hängt unter anderem von der Infarktgröße ab:

  • Bei einem kleinen Infarkt mit niedrigem Risiko ist etwa fünf bis acht Tage später meist nichts gegen einen kurzen Flug einzuwenden. Von einem Langstreckenflug ist eher abzuraten.
  • Nach einem Herzinfarkt mittleren Risikos sollten in der Regel mindestens zehn Tage vergangen sein, bevor Sie eine Flugreise antreten.
  • Bei einem Infarkt mit schwerem Risiko sollten Sie erst dann fliegen, wenn Ihr Gesamtzustand wieder stabil ist.

Nach jedem Herzinfarkt ist es wichtig, die Flugtauglichkeit von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt prüfen zu lassen.

4. Fall: Herzschrittmacher

Mit einem Herzschrittmacher zu fliegen ist kein Problem – auch, wenn die Implantation des Geräts erst ein paar Tage her ist. Es müssen nur zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Der Schrittmacher funktioniert einwandfrei (vor der Flugreise ist also eine Schrittmacherkontrolle nötig).
  2. Es liegt kein Pneumothorax vor.

Wer einen Herzschrittmacher trägt, sollte jedoch vor der Flugreise die Fluglinie informieren und wegen der Sicherheitskontrollen seinen Schrittmacherausweis mitführen.

Herzprobleme machen zwar mit 46 Prozent den größten Anteil der medizinischen Notfälle auf Flugreisen aus. Dennoch dürfen Herzpatientinnen und Herzpatienten in der Regel fliegen. Sind sie gut belastbar, spricht auch nichts gegen Langstreckenflüge. Es empfiehlt sich aber, die Krankenunterlagen während der Flugreise griffbereit zu halten.

5. Fall: Blutarmut

Bei Blutarmut kann die Sauerstoffsättigung während eines Flugs auf etwa 75 Prozent sinken. Gleichzeitig ist im Blut nur wenig roter Blutfarbstoff (Hämoglobin, kurz Hb) vorhanden. Da Hämoglobin den Sauerstofftransport im Körper ermöglicht, können die Betroffenen den Sauerstoffmangel nicht unbegrenzt ausgleichen.

Je schwerer die Blutarmut, desto eingeschränkter ist demnach die Flugtauglichkeit. Genau gesagt: Wenn der Hb-Wert unter 9,5 Gramm pro Deziliter liegt, kommt eine Flugreise nicht infrage.

6. Fall: Akuter Infekt

Ob ein akuter Infekt die Flugtauglichkeit einschränkt, ist von Fall zu Fall verschieden. So kann beispielsweise eine Lungenentzündung dazu führen, dass der Körper während des Flugs nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist.

Mit einer leichten Erkältung zu fliegen ist hingegen meist kein Problem. Durch den niedrigen Luftdruck im Flugzeug kommt es allerdings bei Erkältungskrankheiten leichter zu einem Druckgefühl bis hin zu Schmerzen in Ohren und Nasennebenhöhlen. Darum sollten Sie in schweren Fällen – wie einer ausgeprägten Nasennebenhöhlenentzündung oder Mittelohrentzündung – vor dem Flug unbedingt eine Ärztin oder einen Arzt befragen.

Ein sicheres Anzeichen dafür, dass Sie fluguntauglich sind, ist Fieber. Denn dann kommt der Körper mit einer Sauerstoffminderversorgung deutlich schlechter zurecht. Mit einem fieberhaften Infekt zu fliegen kann den Gesundheitszustand also verschlimmern.

Übrigens: Fluggesellschaften sind grundsätzlich dazu verpflichtet, den Transport von Menschen mit ansteckenden Infekten zu verhindern.

7. Fall: Lungenerkrankung

Auch bei bestimmten Vorerkrankungen der Lunge kann es passieren, dass die Betroffenen den beim Flug entstehenden Sauerstoffmangel nicht genügend ausgleichen können. Dann kann sich die Lungenerkrankung verschlimmern. Beispiele für solche Lungenerkrankungen sind:

Aufschluss über die Flugtauglichkeit kann in solchen Fällen eine Blutgasanalyse geben: Wenn diese ergibt, dass der sogenannte Sauerstoffpartialdruck schon am Boden (bei Atmung von Raumluft in Meereshöhe) verringert ist, sind die Risiken einer Flugreise sorgfältig abzuwägen.

Etwa zehn Prozent der medizinischen Notfälle in Verkehrsflugzeugen sind durch Atemwegsprobleme bedingt.