Das Bild zeigt ein Landstraße in Deutschland.
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Nord- und Mitteleuropa

Zu Nord- und Mitteleuropa gehören die Länder Belarus (Weißrussland), Belgien, Dänemark (einschließlich der Färöer Inseln), Deutschland, Estland, Finnland, Großbritannien (einschließlich Channel Islands u. Isle of Man), Irland, Island, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Polen, Republik Moldawien, Russische Föderation, Schweden, Slowakische Republik, Tschechische Republik und Ukraine.

Länder

Der größte Teil Nord- und Mitteleuropas liegt in der gemäßigten Klimazone mit milden, relativ ausgeglichenen Temperaturen über das ganze Jahr, die auf Wärmetransporte durch Meeresströmungen und vorherrschende Westwinde zurückzuführen sind. An der atlantischen Küste ist die Regenmenge am höchsten, nach Osten hin wird sie geringer. Im Osten fällt die Hauptregenzeit auf den Sommer, im Westen sind die reichlich fallenden Niederschläge über das ganze Jahr verteilt, zeigen allerdings ein Maximum im Herbst oder Frühwinter. Im hohen Norden herrscht arktisches Klima mit niedrigen Temperaturen und großen Schwankungen der Lichtstrahlung (Polartag im Sommer und Polarnacht im Winter).

Im äußersten Norden erstreckt sich die arktische Tundra, die von Nordnorwegen ostwärts einen allmählich breiter werdenden Küstensaum am Nordpolarmeer umfasst. Die Tundra ist ein baumloses Gebiet mit Dauerfrostböden. Ihre Pflanzenwelt wird von immergrünen, kleinblättrigen Sträuchern, Gräsern, Moosen und Flechten bestimmt. Sie grenzt an die Nadelwaldzone, die sich über Norwegen, Schweden und Finnland erstreckt. Vorherrschende Bäume sind hier Kiefer und Fichte. Mitteleuropa wird von einer breiten Laubwaldzone mit z.B. Buche, Ahorn, Ulme und Linde bedeckt.

Gesundheitsrisiken für den Reisenden

In den meisten Ländern Nord- und Mitteleuropas besteht für Reisende eine verhältnismäßig geringe Gefahr, sich besondere Infektionskrankheiten zuzuziehen. Im Allgemeinen sind deshalb nur wenige Vorsichtsmaßnahmen nötig.

Dennoch sollten vor allem Reisende, die sich aus beruflichen Gründen häufig oder sehr lange in einem nord- bzw. mitteleuropäischen Reiseland aufhalten, selbstständig reisen (z.B. Rucksacktouristen) oder von vornherein gesundheitliche Probleme haben, über folgende Infektionskrankheiten informiert sein und die allgemeinen und speziellen Impfempfehlungen beachten.

Gesundheitsrisiken durch Nahrungsmittel

In einigen Ländern Nord- und Mitteleuropas wie Belarus, Moldawien, der Russischen Förderation und der Ukraine sind nahrungsmittelbedingte Infektionserkrankungen auf Grund mangelhafter Hygiene keine Seltenheit. Generell ist in diesen Ländern Vorsicht gegenüber Imbissständen an der Straße geboten. Obst und Gemüse sollten vor dem Verzehr mit abgekochtem Wasser gründlich abgewaschen werden. Ist dies nicht möglich, sollte nur zu schälendes Obst oder Gemüse gegessen werden. Generell gilt die Devise: "Peel it, boil it or forget it"! Darüber hinaus empfiehlt es sich, ausschließlich abgekochtes Wasser zu trinken (Vorsicht bei Eiswürfeln!). Mikrofilter und Entgiftungstabletten zur Reinigung von Wasser sind in Europa im Handel erhältlich. Reisende sollten sich rechtzeitig vor Beginn der Reise über die verschiedenen Möglichkeiten und Wirkungsweisen solcher Mittel informieren. Mit einfachen Hygienemaßnahmen lassen sich lästige Darminfektionen oft vermeiden.

  • Bakteriell ausgelöste Durchfallerkrankungen (=Diarrhoen), z.B. durch Infektionen mit Campylobacter, E. coli, Salmonellen (s. Typhus) oder Shigellen (s. Ruhr) treten vor allem in Osteuropa auf. Daneben spielen vor allem Parasiten eine zentrale Rolle bei der Auslösung von lebensmittelbedingten Erkrankungen. Dazu zählen Bandwürmer, insbesondere der Rinderfinnen- und der Schweinefinnenbandwurm (Taeniose), und Fadenwürmer (Trichinellose), die durch den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend erhitztem Rind- bzw. Schweinefleisch (z.B. in Form von Tatar) übertragen werden. In Sibirien (Russland) treten ganzjährig Trichinelloseerkrankungen auf. Als Ursache wird der Verzehr von unzureichend gegartem Wildfleisch vermutet. Vor allem in Süddeutschland und in der Tschechischen Republik ist der so genannte Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) verbreitet. Eine Infektion erfolgt über die Aufnahme von Echinococcuseiern, die sich auf Nahrungsmitteln (z.B. Waldbeeren) befinden. Im Norden Russlands und in Skandinavien sind Infektionen mit dem Fischbandwurm (Diphyllobothriose) zu beobachten, die durch den Genuss von rohen oder nicht genügend erhitzten Süßwasserfischen ausgelöst werden. Darüber hinaus sind in Nord- und Mitteleuropa durch den Verzehr von rohen Pflanzenteilen (z.B. Wasserkresse) Infektionen mit dem so genannten Großen Leberegel (Fasciola hepatica) möglich.
  • Im Süden der Ukraine sind seit einigen Jahren während der Sommermonate regelmäßig Fälle von Cholera zu beobachten. Cholera wird durch Bakterien, so genannte Choleravibrionen, ausgelöst, die über Lebensmittel und vor allem kontaminiertes Trinkwasser aufgenommen werden. Eine Schutzimpfung wird für Touristen im Allgemeinen nicht empfohlen. Eine gute Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene ist allerdings wichtig.
  • In Belarus, Moldawien, der Russischen Föderation und der Ukraine treten immer wieder Typhus-Erkrankungen auf. Die Übertragung erfolgt im Wesentlichen über Lebensmittel, Trinkwasser, kontaminierte Gegenstände und direkten Kontakt zu erkrankten Personen. In Ost- und Zentralsibirien gibt es durch Zecken übertragenen Typhus, der jedoch in der Regel örtlich begrenzt bleibt.
  • Infektionen mit Hepatitis A nehmen in osteuropäischen Ländern an Häufigkeit zu. Das Virus wird vor allem durch Lebensmittel und Trinkwasser, seltener durch direkten Körperkontakt zu Erkrankten übertragen.
  • In Belarus (südöstliche Landesteile) und der Ukraine besteht auf Grund des Reaktorunfalls in Tschernobyl am 26. April 1986 nach wie vor eine hohe radioaktive Belastung von z.B. Waldpilzen und -beeren. Es sollte daher auf deren Verzehr verzichtet werden. Der Aufenthalt in den entsprechenden Waldgebieten gilt allerdings als gesundheitlich unbedenklich.

Gesundheitsrisiken durch Insekten

In feuchten Wald- und Wiesengebieten Nord- und Mitteleuropas (Ausnahmen: Großbritannien, Irland, Island, Luxemburg und Niederlande) sind vor allem während der warmen Jahreszeit Zecken weit verbreitet. Sie können Lyme-Borreliose übertragen. Dabei handelt es sich um eine in Stadien verlaufende Erkrankung, die zunächst mit Hautrötung (Erythem) und Allgemeinsymptomen wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen einhergeht und im weiteren Verlauf zu Hirnhautentzündung, Nervenschädigungen, Herzentzündung, Hautveränderungen und chronischen Gelenkschmerzen führen kann. Die Zeckensaison beginnt generell im Frühjahr und endet meist Anfang November. Aktuelles: Seit einigen Jahren wird in Deutschland ein Anstieg der Borreliose-Erkrankungen verzeichnet, die meisten treten im Bundesland Brandenburg auf. Das Robert Koch-Institut schätzt die Erkrankungsrate pro Jahr auf mehr als 60.000. (Stand: Dezember 2006)

Ebenfalls durch Zeckenbisse übertragen wird Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis (FSME), die zu lebensgefährlicher Hirnhautentzündung, Fieber und Krämpfen führen kann. Lettland gilt als das Land mit dem weltweit höchsten Übertragungsrisiko (v.a. ländliche Gebiete um Riga). Darüber hinaus tritt die Erkrankung in Belarus (landesweit mit Ausnahme der nördlichen Regionen), Estland (v.a. Westen, Osten, Südosten und Insel Saaremaa), Finnland (Küstennähe und vorgelagerte Inseln), Litauen (v.a. zentrale Landesteile), Norwegen (küstennahe Gebiete im Südwesten), Polen (v.a. Nordosten, Osten, Süden), Republik Moldawien (landesweit), in der Russischen Förderation (alle Waldzonen von Kaliningrad im Westen bis Wladivostok im Osten), in Schweden (Umgebung von Stockholm, Ostküste von Stockholm nach Süden bis Kalmar und Öland, Mälar-See, Gotland), in der Slowakischen Republik (Westkarpaten und Donaubecken), in der Tschechischen Republik (Südböhmen, Prag und Umgebung, Süden und Norden Mährens) und in der Ukraine (landesweit) auf. Dänemark gilt als FSME-frei, hier sind lediglich vereinzelte Fälle auf der Bornholm-Insel zu beobachten. In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren etwa 150-250 FSME-Fälle pro Jahr gemeldet. Als Risikogebiete gelten Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen (Saale-Orla-Kreis) und Hessen (Darmstadt-Dieburg). Einzelne Herde gibt es in Rheinland-Pfalz, im Odenwald in Hessen, im Saargebiet, in Brandenburg, Sachsen und im Saale-Holzland in Thüringen. In Lettland, Polen und der Slowakei ist darüber hinaus eine Variante der FSME-Erkrankung zu beobachten, die durch Lebensmittel (insbesondere Ziegen-, Schaf- und Kuhmilch) übertragen wird.

In den kälteren Gebieten der Russischen Förderation sind regelmäßig Fälle von Fleckfieber zu beobachten. Die Erkrankung wird durch eine Infektion mit Bakterien, sog. Rickettsien, verursacht, die durch Kleiderläuse oder Rattenflöhe auf den Menschen übertragen werden.

Durch Mücken übertragen wird die sog. Japanische Enzephalitis, eine entzündliche Erkrankung des Gehirns. Eine Infektion führt zwar nur selten zur Erkrankung, diese ist jedoch mit hoher Sterblichkeit verbunden. Erkrankungen mit Japanischer Enzephalitis treten ganzjährig mit einer saisonalen Häufung in den Monaten Juli bis September in Südost-Sibirien (Russland) auf. Eine Schutzimpfung gegen die Erkrankung wird bei Aufenthalten in Risikogebieten empfohlen. Um eine Infektion zu vermeiden, sollte darüber hinaus für ausreichenden Mückenschutz gesorgt werden.

Reisende in den Norden Nordeuropas, insbesondere nach Lappland, sollten im Frühjahr und Sommer unbedingt für ausreichenden Mückenschutz in Form spezieller Mückenschutzmittel, Moskitonetze und bedeckender Kleidung sorgen, da dort in dieser Zeit regelrechte Mückenplagen herrschen.

In Russland sind immer wieder vereinzelte Fälle des Krim-Kongo-Fiebers zu beobachten. Das Virus wird von Nutztieren (Schafen, Ziegen, Rindern, Kamelen) durch Zecken auf den Menschen übertragen und kann zu lebensbedrohlichen Blutungen und Blutgerinnungsstörungen führen. Aktuelles:Zuletzt wurden vermehrt Fälle von Krim-Kongo-Fieber aus dem Bezirk Malesivo in Prizren, Russland, gemeldet. (Stand: Dezember 2006)

Sonstige Gesundheitsrisiken

  • In den Wintermonaten treten saisonal bedingt in Nord- und Osteuropa gehäuft Grippeerkrankungen (Influenza) auf. Insbesondere für ältere Menschen, Kinder und Personen mit geschwächtem Immunsystem ist eine Grippe-Schutzimpfung mindestens zwei Wochen vor Reisebeginn unbedingt zu empfehlen.
  • In Deutschland war im Jahr 2005 ein bedeutender Anstieg von Erkrankungen mit Hantavirus-Infektion zu beobachten. Bis Mitte Dezember wurden 420 Fälle gemeldet, das sind etwa doppelt so viele wie im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Das Virus verursacht grippeähnliche Symptome, die mit schweren Blutungen und Blutgerinnungsstörungen einhergehen können. Übertragen wird der Erreger durch die Ausscheidung von wildlebenden Nagetieren wie Mäusen und Ratten. Der Mensch infiziert sich über die Atemluft (Aerosole) oder verunreinigte Lebensmittel. Vor allem Angehörige landwirtschaftlicher Berufe und Campingreisende sind gefährdet. Besonders betroffen waren die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern. Der Anstieg der Erkrankungszahlen wird mit der gewachsenen Population an Wildmäusen in Verbindung gebracht.
  • Aktuelles: Seit einiger Zeit werden in Europa, insbesondere in Belarus (v.a. Minsk und Umgebung, Grodno Region), Deutschland, Großbritannien, Polen (v.a. Südosten des Landes) sowie der Ukraine (Kiew und Umgebung, Khmelnizkiy-Oblast) vermehrt Erkrankungen mit Masern beobachtet. In Deutschland wurden die meisten Fälle in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen und Bayern registriert. Der Anstieg der Krankheitszahlen wird mit erheblichen Impflücken bei Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 19 Jahren in Verbindung gebracht. Die Masern gelten zwar gemeinhin als Kinderkrankheit, können aber auch Erwachsene befallen. Sie werden durch Viren verursacht und führen zu Hautausschlag, Fieber, Husten und Bindehautentzündung am Auge. Auch ernst zu nehmende Komplikationen wie Lungen- und Mittelohrentzündung, Entzündungen des Kehlkopfes, der Luftröhre und der Lunge sowie Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute sind im weiteren Verlauf möglich. Vor allem Reisenden aus Ländern Amerikas, die als weitgehend masernfrei gelten, wird bei einer Reise nach Europa die Impfung gegen Masern dringend empfohlen. (Stand: Dezember 2006)
  • In verschiedenen Ländern Asiens grassiert auf Geflügelfarmen regelmäßig die Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt. Die Erkrankung führt innerhalb kürzester Zeit zum Tod der erkrankten Tiere. Da der Erreger, das Virus H5N1, auch bei Zugvögeln auftritt, besteht die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung. Nachgewiesen wurde das Virus bei Vögeln in u.a. Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Polen, Russland, Schweden, Slowakei, Tschechien und der Ukraine. Die Erreger sind auf den Menschen übertragbar und lösen schwere grippeähnliche Krankheitszustände aus, die oft tödlich enden. Seit den ersten Fällen im Jahr 2003 erkrankten mindestens 261 Personen, von denen 157 an den Folgen starben (in Aserbeidschan 8 Erkrankungen mit 5 Todesfällen, Ägypten 18 Erkrankungen mit 10 Todesfällen, China 21 Erkrankungen mit 14 Todesfällen, Dschibuti 1 Erkrankungsfall, Indonesien 74 Erkrankungen mit 57 Todesfällen, Irak 3 Erkrankungen mit 2 Todesfällen, Kambodscha 6 Todesfälle, Thailand 25 Erkrankungen mit 17 Todesfällen, Türkei 12 Erkrankungen mit 4 Todesfällen sowie Vietnam 93 Erkrankungen mit 42 Todesfällen). Aus Indonesien bestätigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch. Einen vorbeugenden Impfschutz gegen die Erkrankung gibt es bislang nicht. Zur Vorbeugung einer Infektion wird Reisenden empfohlen, direkten Kontakt zu Hühnern und Schweinen zu meiden und Fleisch bzw. Eier vor dem Genuss auf mindestens 70°C zu erhitzen. (Stand: 27. Dezember 2006)
  • Vor allem im Osten Europas hat in den letzten Jahren eine starke Verbreitung von HIV-Infektionen stattgefunden. So sind z.B. in der Ukraine schätzungsweise 0,5-1 Prozent der Bevölkerung HIV-infiziert. Die Ukraine hat damit neben Russland die höchste Zuwachsrate an HIV-Erkrankungen in Osteuropa. Bei sexuellem Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung wird das Benutzen von Kondomen dringend empfohlen. Vor einer medizinischen Versorgung mit Blutkonserven wird in Hinblick auf mögliche HIV-Infektionen gewarnt, sie sollte nur in unmittelbar lebensbedrohlichen Fällen in Anspruch genommen werden. Auch Spritzen und Kanülen, die in den Krankenhäusern benutzt werden, können verunreinigt sein. In Deutschland waren im Jahr 2004 nach Angaben des Robert Koch-Instituts ca. 44.000 Menschen mit HIV infiziert. Die Zahl der Neuinfektionen liegt derzeit konstant bei etwa 2.000 Fällen pro Jahr. Im Jahr 2003 starben etwa 700 Personen an AIDS.

Impfungen

Pflichtimpfungen und allgemeine Vorschriften

  • Pflichtimpfungen bestehen für Nord- und Mitteleuropa nicht. Da die medizinischen Einreisebestimmungen in die einzelnen Länder jedoch zum Teil häufiger wechseln, sollten sich Reisende generell bei der jeweiligen Botschaft oder Landesvertretung nach den aktuellen Regelungen erkundigen.
  • Bei Aufenthalten von mehr als drei Monaten in Belarus ist gelegentlich der Nachweis eines negativen HIV-Tests erforderlich.

Allgemeine Impfempfehlungen

  • Die klassischen Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie sollten - bei vorhandener Grundimmunisierung und unabhängig von jeglichen Reiseplänen - mindestens alle zehn Jahre aufgefrischt werden. In Belarus, Russland und der Ukraine sind immer wieder Diphtherieinfektionen zu beobachten. Ein ausreichender Impfschutz wird für alle Reisenden in diese Länder dringend empfohlen.
  • In Deutschland werden angesichts der aktuell hohen Krankheitszahlen die Anstrengungen verstärkt, möglichst alle Kinder gegen Masern zu impfen und das Masernvirus so zurückzudrängen. Reisenden aus Amerika nach Europa wird die Impfung gegen Masern derzeit ebenfalls empfohlen.
  • Für Reisende nach Belarus, Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Russischen Föderation, der Slowakischen Republik, der Tschechischen Republik und der Ukraine wird eine Schutzimpfung gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis) ausdrücklich empfohlen. Es handelt sich um eine akute Viruserkrankung, die zu bleibenden Lähmungen der Muskulatur oder gar zum Tod führen kann. Nach Angaben des Komitees zur globalen Ausrottung der Poliomyelitis der WHO (Global Polio Eradication Initiative) stieg die Anzahl der Erkrankungen in den letzten beiden Jahren massiv an. Allein im Jahr 2005 wurden weltweit 1.938 neue Poliofälle registriert. Im Jahr 2006 sind es bis jetzt 1.820 Fälle, die meisten davon in Nigeria und Indien (Stand: 20. Dezember 2006). Solange ein gewisses Risiko für eine Infektion besteht, sollten Reisende grundsätzlich die Schutzimpfung durchführen. Bei vorhandener Grundimmunisierung von drei dokumentierten Schluckimpfungen empfiehlt sich eine Auffrischung des Impfschutzes im Zehnjahresrhythmus. Im Zweifelsfall sollte hierzu der behandelnde Arzt befragt werden.

Spezielle Impfempfehlungen

  • Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) in Deutschland empfiehlt dem Personenkreis mit besonderer Gefährdung (Risikogruppen), alljährlich rechtzeitig vor Beginn der alljährlichen Grippewelle (Influenza) im Herbst eine Schutzimpfung durchführen zu lassen. Dazu gehören Personen jenseits des 60. Lebensjahres, Menschen mit chronischen Erkrankungen (z.B. chronische Lungen-, Herz-Kreislauf-, Leber-, Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus oder andere Stoffwechselkrankheiten), Menschen mit Erkrankungen des Immunsystems, HIV-Infizierte, Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen und alle Personen, die sich aus beruflichen oder anderweitigen Gründen häufig in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr aufhalten.
  • Für Reisende nach Belarus, Moldawien, der Russischen Föderation und der Ukraine wird eine Impfung gegen Typhus empfohlen. Die Schutzwirkung hält etwa zwei Jahre an.
  • Infektionen mit Lungentuberkulose haben in den letzten Jahren in Osteuropa, insbesondere in der Russischen Föderation und der Ukraine, bedenklich zugenommen. Sorge bereitet den Medizinern auch die steigende Resistenz der Erreger gegen herkömmliche Antibiotika. So wurden im Jahr 2000 in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen etwa 10% der Neuerkrankungen durch multiresistente Erreger verursacht, d.h. durch Erreger, die gleichzeitig gegen mehrere der eingesetzten Antibiotika widerstandsfähig sind. Für Reisende nach Osteuropa wird deshalb eine Schutzimpfung gegen Tuberkulose empfohlen.
  • Da Hepatitis A-Infektionen seit einigen Jahren in den osteuropäischen Ländern zunehmend auftreten, wird eine Immunisierung gegen die Erkrankung allgemein empfohlen.
  • Insbesondere bei einem längeren Aufenthalt in Belarus, Estland, Polen, der Russischen Föderation und der Ukraine, der mit intensivem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung verbunden ist, empfiehlt sich eine Impfung gegen Hepatitis B. Bei der Immunisierung kann ein Kombinationsimpfstoff für Hepatitis A und B verwendet werden. Das Hepatitis-B-Virus wird durch Blut oder Körperflüssigkeiten (z.B. Sperma bei Geschlechtsverkehr) übertragen. Für sexuellen Verkehr wird deshalb das Benutzen von Kondomen angeraten.
  • Für die durch Zeckenbisse verursachte Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) gibt es eine spezielle Impfempfehlung bei Landaufenthalten in den Risikogebieten von Belarus, Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, der Russischen Föderation, Schweden, der Slowakischen Republik, der Tschechischen Republik und der Ukraine.
  • Für Reisende in entsprechende Risikogebiete Südost-Sibiriens (Russland) wird eine Schutzimpfung gegen Japanische Enzephalitis empfohlen.
  • Das Tollwut-Virus ist innerhalb Europas mit Ausnahme von Finnland, Großbritannien, Irland, Island, Niederlande, Norwegen und Schweden bei Wildtieren, insbesondere Füchsen, und wild lebenden Haustieren nach wie vor weit verbreitet. Vor allem in Russland besteht derzeit ein hohes Risiko für Tollwutinfektionen. So hat sich in der Region Stavropol die Anzahl der Erkrankungsfälle im Jahr 2004 gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. Eine Übertragung auf den Menschen erfolgt durch den Speichel eines erkrankten Tieres (z.B. durch Biss). In ländlichen Regionen ist deshalb vor streunenden Hunden oder Katzen bzw. zahm wirkenden Wildtieren Vorsicht geboten. Zum Kreis der für eine Infektion besonders gefährdeten Personen gehören Rucksackreisende, Jäger, Waldarbeiter, Tierpfleger, Tierärzte und alle Personen mit häufigem Kontakt zu Tieren. Bei normalen Reisenden werden vorbeugende Impfungen gegen Tollwut im Allgemeinen nicht durchgeführt.

Sonstige Reisetipps

  • Bei der Reise- und Gesundheitsplanung sind vor allem die mitunter extrem kalten und schneereichen Winter der nördlichen Regionen Nordeuropas zu berücksichtigen.
  • In der Tschechischen Republik herrscht in den Industriegebieten Nordböhmens und Nordmährens eine hohe Luftverschmutzung, die zu Reizungen der Atemwege führen kann.
  • Darüber hinaus sollten insbesondere gesundheitlich gefährdete Menschen bei ihren Reisen beachten, dass die medizinischen Versorgungsstandards nicht in allen Ländern Nord- und Mitteleuropas denen in Deutschland gleichen. Für viele Länder müssen spezielle Reisekrankenversicherungen abgeschlossen werden, da die Kosten für eine medizinische Behandlung in diesen Ländern von der eigenen Versicherung nicht übernommen werden. Vor Reiseantritt sollten Informationen darüber bei der jeweils zuständigen Krankenkasse eingeholt werden.