Das Bild zeigt eine Straße in den USA.
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Nordamerika

Zu Nordamerika gehören die Länder Bermuda, Grönland, Kanada, Saint-Pierre und Miquelon sowie die USA einschließlich Hawaii.

Länder

Nordamerika grenzt im Norden an das Nordpolarmeer und erstreckt sich nach Süden bis zur Südspitze Floridas. Der größte Teil Nordamerikas hat ausgeprägtes Kontinentalklima mit starken Niederschlägen an der Westküste der nördlichen USA und Kanadas, sich anschließenden ausgedehnten Trockengebieten und wieder zunehmenden Niederschlägen Richtung Osten. Im nördlichen Teil sind die Temperaturen kühl, im südlichen Teil eher warm mit großen jahreszeitlichen Schwankungen. Der äußerste Norden des Festlandes, der Kanadisch-Arktische Archipel und Grönland haben arktisches Klima mit nur zwei frostfreien Monaten im Jahr. Ein großer Teil dieses Gebietes ist Kältewüste. Der Südosten Nordamerikas steht dagegen unter dem Einfluss der tropischen Luftmassen des Golfs von Mexiko mit heißen Sommern, milden Wintern und ergiebigen Niederschlägen. Da eine westöstliche Gebirgsschranke fehlt, können polare Kaltluft nach Süden und subtropische Warmluft nach Norden vordringen. So treten verschiedene Wetterphänomene wie Blizzards, Tornados (besonders östlich der Rocky Mountains) und Hurrikans (Südosten der USA) auf.

Jenseits des Polarkreises wird der Norden Nordamerikas durch Tundra-Gebiete mit vor allem Flechten und Zwergsträuchern geprägt. Nach Süden schließt sich ein breiter Waldgürtel mit Misch- und Laubwäldern an. In den atlantischen Küstenebenen herrschen Laubwälder vor, die im Süden immergrün werden und mit Palmen vermischt sind. Im Landesinneren finden sich weite Grassteppen (Prärien).

Gesundheitsrisiken für den Reisenden

Bei Reisen nach Nordamerika besteht nur geringe Gefahr, sich eine ansteckende Krankheit zuzuziehen. Für die meisten Gebiete sind daher wenige Vorsichtsmaßnahmen ausreichend. Allerdings sollten vor allem Reisende, die sich z.B. aus beruflichen Gründen häufig oder sehr lange in Nordamerika aufhalten, selbstständig reisen (z.B. Rucksacktouristen) oder von vornherein gesundheitliche Probleme haben, über drohende Infektionskrankheiten informiert sein und die allgemeinen und speziellen Impfempfehlungen beachten.

Gesundheitsrisiken durch Nahrungsmittel

Nahrungsmittelbedingte Durchfallerkrankungen (Diarrhoen) sind vor allem in den warmen Regionen Nordamerikas (Bermuda, Hawaii, St. Pierre und Miquelon) keine Seltenheit. Eine gute Nahrungsmittelhygiene ist deshalb wichtig. Generell ist Vorsicht gegenüber Imbissständen an der Straße geboten. Obst und Gemüse sollten vor dem Verzehr mit abgekochtem Wasser gründlich abgewaschen werden. Ist dies nicht möglich, sollte nur zu schälendes Obst oder Gemüse gegessen werden. Mikrofilter und Entgiftungstabletten zur Reinigung von Wasser bei Treckingreisen sind in Europa im Handel erhältlich. Reisende sollten sich rechtzeitig vor Beginn der Reise über die verschiedenen Möglichkeiten und Wirkungsweisen solcher Mittel informieren. Mit einfachen Hygienemaßnahmen lassen sich lästige Darminfektionen häufig vermeiden.

  • Bakterielle Infektionen mit Campylobacter, E. coli, Salmonellen (s. Typhus) oder Shigellen (s. Ruhr) werden in Nordamerika häufiger beobachtet. Auch Infektionen mit Amöben treten auf. Sie können zu Bauchschmerzen, Durchfällen ("Amöbenruhr") und Leberabszessen führen. Ein weiterer typischer Erreger von infektiösen Darmerkrankungen ist Giardia lamblia, ein Dünndarmparasit, der Darmentzündungen und Durchfall verursacht (Giardiasis). In Kanada werden regelmäßig Infektionen mit Fadenwürmern (Trichinellosen) beobachtet, die durch den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend gegartem Fleisch (z.B. Walross-, Robben- oder Polarbärenfleisch) ausgelöst werden. Für Reisende nach Nordamerika empfiehlt sich grundsätzlich eine gute Lebensmittelhygiene. Beim Kauf der in den USA und Kanada so beliebten Kühlkost ist darauf zu achten, dass sie gut durchgefroren ist. Für die Zubereitung sollte sie im Kühlschrank langsam aufgetaut, anschließend abgespült und gründlich durchgebraten bzw. ausreichend gekocht werden.
  • In den USA wird seit geraumer Zeit in den Küstenregionen von Maine, New Hampshire und Massachusetts eine Zunahme von Rotalgen, so genannten "Red Tides", beobachtet. Diese vermehren sich bei hoher Sonneneinstrahlung und einer starken Erhöhung der Wassertemperatur. Sie produzieren Substanzen, die beim Menschen zu Vergiftungserscheinungen führen können und nicht durch Abkochen zerstörbar sind. Aus diesem Grund sollte auf den Verzehr von Fisch und Schalentieren aus Gewässern der betroffenen Gebiete verzichtet werden. Da der Kontakt mit Rotalgen zu Hautreizungen führen kann, sollte beim Baden auf die örtlichen Warnhinweise geachtet werden.

Gesundheitsrisiken durch Insekten

  • Bei den durch Insekten übertragenen Krankheiten spielt das sog. West-Nil-Fieber eine große Rolle. Es wird durch tag- und nachtaktive Mücken übertragen und bewirkt eine mitunter lebensbedrohliche Entzündung des Gehirns (Enzephalitis). Besonders gefährdet für einen schwer wiegenden Verlauf der Infektion sind Kinder unter 5 Jahren, ältere Menschen und Personen mit geschwächter Immunabwehr. Seit 1999 tritt West-Nil-Fieber vor allem in den USA verstärkt auf. Seine Ausbreitung erfolgte in den letzten Jahren von der Ostküste über weite Regionen bis nach Kalifornien an die Westküste der USA. Im Jahr 2005 wurden in den USA von der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) 3.000 Fälle, darunter 119 Todesfälle registriert (betroffen v.a. Kalifornien, Illinois, South Dakota und Texas). Die Hauptsaison der West-Nil-Fieber-Erkrankungen dauert in Kanada und den USA von Juni bis November. Zum Schutz vor einer Infektion helfen Antimückenmittel, Mückennetze und bedeckende Kleidung. Reisende, die sich zwischen dem 1. Juni und 30. November in Kanada oder den USA aufgehalten haben, dürfen bis vier Wochen nach ihrer Rückkehr in Deutschland kein Blut spenden. Aktuelles: Für die Saison 2006 wurden bislang 4.052 Erkrankungs- und 146 Todesfälle an West-Nil-Fieber aus verschiedenen Bundesstaaten der USA gemeldet. Besonders betroffen waren Idaho, Colorado, Texas und Kalifornien. Auch in Kanada, v.a. in Manitoba, trat die Erkrankung auf. (Stand: 11. Dezember 2006)
  • Auf den Bermudas, im südlichen Texas der USA und auf Hawaii tritt vor allem im Spätsommer und Herbst das sog. Dengue-Fieber auf, das zu lebensbedrohlichen Blutungen und Blutgerinnungsstörungen führen kann. Da es ebenfalls von Mücken übertragen wird, sollte auch hier beim Aufenthalt im Freien für ausreichenden Mückenschutz gesorgt werden.
  • In den Wald- und Wiesenregionen Nordamerikas, vor allem in Kanada (insbesondere im Südosten von British Columbia) und den nördlichen und östlichen Bundesstaaten der USA sind Zecken weit verbreitet, die Lyme-Borreliose übertragen können. Dabei handelt es sich um eine in Stadien verlaufende bakterielle Erkrankung, die zunächst mit Hautrötung (Erythem) und Allgemeinsymptomen wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen einhergeht und im weiteren Verlauf zu Hirnhautentzündung, Nervenschädigungen, Herzentzündung, Hautveränderungen und chronischen Gelenkschmerzen führen kann. Ein Impfschutz gegen Borreliose existiert zur Zeit nicht. Gelegentlich treten in Nordamerika auch Fälle von Rocky-Mountain-Fleckfieber auf, einer bakteriellen Infektion mit Rickettsien, die ebenfalls durch Zecken übertragen wird ("Zeckenbissfieber") und Fieber bzw. Hautveränderungen hervorruft. Zeckensaison ist hauptsächlich von April bis September. Lange Kleidung bietet in der Regel guten Schutz. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte der Körper auf mögliche Zeckenbisse abgesucht werden. Wird eine Zecke entdeckt, sollte sie am besten mit einer Zecken-Pinzette entfernt werden.
  • Unter wildlebenden Nagetieren ist im mittleren Westen und im Westen der USA die Pest verbreitet. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt meist über Flöhe. Unterschieden werden vier Formen der Krankheitsausprägung: Beulenpest (Bubonenpest), Pestsepsis, Lungenpest und abortive Pest. Eine durch Nagetiere oder Katzen auf den Menschen übertragene pestähnliche Infektionskrankheit ist die so genannte Tularämie. Sie wird durch den Erreger Francisella tularensis ausgelöst und tritt vor allem im mittleren Westen der USA auf. Aktuelles: In den USA wurden im Jahr 2006 erheblich mehr Fälle von Pest registriert als in den Jahren zuvor. Betroffen waren die Bundesstaaten New Mexico, Colorado, Kalifornien und Texas. (Stand: Dezember 2006)

Sonstige Gesundheitsrisiken

  • Aktuelles: In den USA traten im Jahr 2006 mehr als 5.000 Fälle von Mumps auf. Betroffen waren mehrere Bundesstaaten, die meisten Erkrankungen wurden aus Iowa gemeldet. Mumps wird durch Viren ausgelöst und geht mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie einer nichteitrigen schmerzhaften Schwellung der Ohrspeicheldrüse einher. Komplikationen, die bei einer Infektion im Erwachsenenalter häufiger auftreten, sind Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute, Schwerhörigkeit bis hin zur Taubheit, Entzündung der Bauchspeicheldrüse und Entzündung der Hoden mit der Gefahr der Sterilität. Erwachsenen Reisenden, die als Kind nicht an Mumps erkrankt sind, sowie Kindern wird bei einem längeren Aufenthalt in den USA der Impfschutz empfohlen. (Stand: Dezember 2006)
  • Infektionen mit dem Hantavirus-Infektion sind im Westen der USA und in den südwestlichen Provinzen Kanadas zu beobachten. Sie führen zu Fieber, das mit schweren lebensbedrohlichen Blutungen und Störungen der Nierenfunktion einhergeht (hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom). Die Übertragung erfolgt durch Mäuse und Ratten. Reisende sollten grundsätzlich darauf achten, dass Nahrungsmittel bzw. deren Behältnisse nicht mit Mäusen oder Ratten in Kontakt kommen.
  • Das Tollwut-Virus ist in Kanada und den USA unter Wildtieren, insbesondere Füchsen, Stinktieren, Waschbären, Wölfen und Fledermäusen weit verbreitet. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch den Speichel eines erkrankten Tieres (z.B. durch Biss). In ländlichen Regionen ist deshalb vor zahm wirkenden Wildtieren und insbesondere Fledermäusen große Vorsicht geboten.
  • In Nordamerika, besonders auf den Bermudas, in Kanada und den USA, sind HIV-Infektionen weit verbreitet. Bei sexuellem Kontakt wird das Benutzen von Kondomen daher dringend empfohlen.

Impfungen

Pflichtimpfungen und allgemeine Vorschriften

  • Bei Urlaubsreisen nach Nordamerika bestehen keine Pflichtimpfungen.
  • Besteht der Wunsch, in den USA eine Ausbildung zu absolvieren, muss häufig der Nachweis von Schutzimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis, Masern und Röteln erfolgen. Darüber hinaus werden Kinder in Kanada und in vielen Bundesstaaten der USA bei der Schulanmeldung in staatlichen Impfzentren kostenfrei mit einem kombinierten Impfstoff gegen Tetanus, Keuchhusten und Diphtherie geimpft.
  • Reisende nach Nordamerika sollten sich generell bei der jeweiligen Botschaft oder Landesvertretung nach den aktuellen medizinischen Einreisebestimmungen erkundigen.

Allgemeine Impfempfehlungen

  • Die klassischen Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie sollten - bei vorhandener Grundimmunisierung und unabhängig von jeglichen Reiseplänen - mindestens alle zehn Jahre aufgefrischt werden.
  • Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt Nordamerika als poliofrei. Ein ausreichender Impfschutz gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist dennoch unbedingt zu empfehlen, da die Erkrankung in einigen Regionen der Welt nach wie vor auftritt und schwere Komplikationen nach sich ziehen kann. Es handelt sich um eine akute Viruserkrankung, die zu bleibenden Lähmungen der Muskulatur oder gar zum Tod führen kann. Trotz aufwendiger Impfaktionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den besonders betroffenen Regionen der Welt wurde der Erreger noch nicht ausgerottet. So ist nach Angaben des Komitees zur globalen Ausrottung der Poliomyelitis der WHO (Global Polio Eradication Initiative) die Anzahl der Erkrankungen in den letzten beiden Jahren sogar massiv angestiegen. Allein im Jahr 2005 wurden weltweit 1.938 neue Poliofälle registriert. Im Jahr 2006 waren es bislang 1.820 Fälle, die meisten davon in Nigeria und Indien (Stand: 20. Dezember 2006). Solange ein gewisses Risiko für eine Infektion mit Kinderlähmung besteht, sollten Reisende grundsätzlich die Schutzimpfung durchführen. Bei vorhandener Grundimmunisierung von drei dokumentierten Schluckimpfungen empfiehlt sich die Auffrischung des Impfschutzes im Zehnjahresrhythmus. Im Zweifelsfall sollte hierzu der behandelnde Arzt befragt werden.

Spezielle Impfempfehlungen

  • Für Reisende nach Bermuda, St. Pierre und Miquelon, die USA sowie Hawaii besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit Hepatitis A, weshalb eine vorbeugende Impfung gegen das Virus empfohlen wird. Es wird vor allem durch Lebensmittel und Trinkwasser, seltener durch direkten Körperkontakt zu Erkrankten übertragen.
  • Bei einem Aufenthalt von mehr als einem Monat wird für Reisende in alle Länder Nordamerikas eine Impfung gegen Hepatitis B empfohlen. Das Virus wird durch Blut oder Körperflüssigkeiten (z.B. Sperma bei Geschlechtsverkehr) übertragen, weshalb bei sexuellem Verkehr unbedingt Kondome benutzt werden sollten. Für die Immunisierung steht ein Kombinationsimpfstoff für Hepatitis A und B zur Verfügung.
  • Auf den Bermudas bzw. in St. Pierre und Miquelon werden regelmäßig Fälle von Typhus-Erkrankungen beobachtet. Die Infektion erfolgt im Wesentlichen über Lebensmittel, Trinkwasser, kontaminierte Gegenstände und direkten Kontakt zu erkrankten Personen. Eine Schutzimpfung gegen Typhus wird für Reisende in die betroffenen Länder empfohlen, wobei die Schutzwirkung etwa zwei Jahre anhält.
  • Vorbeugende Impfungen gegen Tollwut werden im Allgemeinen bei normalen Reisenden nicht durchgeführt. Für Personen, die aus beruflichen oder anderen Gründen für eine Ansteckung besonders gefährdet sind (z.B. Forstarbeit, Jagd, Landaufenthalt), wird bei Reisen in die USA und nach Kanada die Immunisierung empfohlen.

Sonstige Reisetipps

  • Schlangen und Skorpione werden für den Menschen vor allem dann gefährlich, wenn sie sich bedroht fühlen. Aus diesem Grund ist es ratsam, bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Dazu gehört, nicht auf dem Boden zu schlafen, vor dem Zubettgehen unter die Decke zu schauen, geschlossene Schuhe vor dem Anziehen auszuschütteln, bei Ausflügen in die Natur knöchelhohes Schuhwerk zu tragen, nicht in Büschen oder auf Bäumen herumzukriechen und im Dunkeln eine Taschenlampe zu benutzen.
  • Verbreitet sind in Nordamerika verschiedene Pflanzen, die bei Hautkontakt schwere Verbrennungen auslösen können, z.B. Poison Ivy ("giftiger Efeu") und Poison Oak ("giftige Eiche").
  • Bei der Reise- und Gesundheitsplanung sind darüber hinaus die mitunter extrem hohen Temperaturen in einigen Regionen Nordamerikas zu berücksichtigen, die zu erheblichen Belastungen des Herz-Kreislaufs führen können. Wichtig ist deshalb, immer reichlich zu trinken. Auch für ausreichenden Schutz der Haut gegen direkte Sonneneinstrahlung sollte unbedingt gesorgt werden. In Kanada treten klimabedingt häufig Erkrankungen der Luftwege (Erkältungskrankheiten), Kreislaufbeschwerden und rheumatische Erkrankungen auf.
  • Für Reisen nach Nordamerika müssen spezielle Reisekrankenversicherungen abgeschlossen werden, da die Kosten für eine medizinische Behandlung von der eigenen Versicherung nicht übernommen werden. Vor Reiseantritt sollten Informationen darüber bei der jeweils zuständigen Krankenkasse eingeholt werden.