Das Bild zeigt einen Mann beim rauchen.
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Raucherbein

Wer raucht, schadet seinen Gefäßen. Eine mögliche Folge ist umgangssprachlich als "Raucherbein" bekannt. Hierbei handelt es sich um ein fortgeschrittenes Stadium einer Durchblutungsstörung, der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK).

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Eine pAVK entwickelt sich nicht von heute auf morgen, sondern schleichend: Mit der Zeit verlieren die Arterien durch das Inhalieren von Tabakrauch an Elastizität und können sich verengen. Es entsteht eine chronische Durchblutungsstörung, die sich je nach Stadium durch unterschiedliche Symptome auszeichnet:

  • Stadium I: Die Gefäße weisen bereits Veränderungen auf und beginnen, sich zu verengen. Die Beine werden bereits schlechter durchblutet, der Betroffene hat jedoch noch keine Beschwerden bzw. bemerkt an sich noch keine Symptome.
  • Stadium II: Die Gefäßveränderungen sind weiter fortgeschritten, die ersten Symptome treten auf. Der Betroffene verspürt nun Schmerzen, wenn er die Beine belastet. So tun die Beine etwa beim Gehen weh. Sobald man stehen bleibt, lassen die Schmerzen wieder nach. Betroffene halten deshalb häufig alle paar Meter an – so als würden sie einen Schaufensterbummel machen. Daher nennt man diese Erkrankung im Volksmund auch "Schaufensterkrankheit".
  • Stadium III: Die Gefäßveränderungen stören die Durchblutung in den Beinen nun deutlich und die Symptome werden stärker. Die Schmerzen in den Beinen treten nicht mehr nur bei Belastung, sondern auch in Ruhe auf, vor allem, wenn man liegt oder die Beine hochlagert. Im Sitzen sind die Beschwerden weniger stark, da sich die Durchblutung durch die Schwerkraft etwas verbessert.
  • Stadium IV: Die fortschreitenden Durchblutungsstörungen führen nun zu Schäden im Gewebe – es kann zu einem Gefäßverschluss im Bein kommen. Erst im vierten Stadium spricht man umgangssprachlich auch vom sog. Raucherbein. Da auch Nichtraucher an einer pAVK erkranken können, ist dieser Ausdruck medizinisch gesehen jedoch nicht ganz korrekt. Allerdings haben Raucher ein höheres Risiko für ein "Raucherbein".


In der Regel entsteht eine pAVK nicht nur in einem, sondern in beiden Beinen, wenn auch unterschiedlich stark. Um eine pAVK zu behandeln, setzt der Arzt in der Regel blutverdünnende Medikamente ein. Ist die Gefäßverengung bereits sehr weit fortgeschritten und das Bein nicht mehr zu retten, kann eine Amputation notwendig werden. Unbehandelt verkürzt eine pAVK die Lebenserwartung des Betroffenen durchschnittlich um zehn Jahre, da sie häufig ein Vorzeichen für eine koronare Herzerkrankung (KHK) ist, die in Schlaganfall oder Herzinfarkt münden kann.

Der größte Risikofaktor für eine pAVK – und dadurch für ein im weiteren Verlauf entstehendes "Raucherbein" (Stadium IV) – ist das Rauchen:

  • Das Risiko, an einer pAVK zu erkranken, ist für Raucher 7,5-fach höher als für Nichtraucher.
  • Beinah 50 Prozent aller pAVK-Betroffenen sind Raucher.
  • Im Vergleich zu Nichtrauchern mit einer pAVK ist zudem die Wahrscheinlichkeit, dass eine Amputation notwendig wird, bei Rauchern höher.

Weitere Risikofaktoren für eine pAVK sind:

Insgesamt sind in Deutschland circa 4,2 Millionen Menschen (Raucher und Nichtraucher) von einer pAVK betroffen. Pro Jahr entwickeln etwa 100.000 Personen das Stadium III oder IV einer pAVK, also eine stark fortgeschrittene Form der Durchblutungsstörung. Bei 30.000 bis 40.000 dieser Menschen ist das Gewebe im Bein bereits so stark geschädigt, dass das Bein nicht mehr zu retten ist und eine Amputation notwendig wird.

Tabakrauch enthält mehrere Tausend verschiedene chemische Stoffe, die schädlich für die Gefäße sind. Durch das Inhalieren von Tabakrauch wandeln sich mit jedem Zug große Mengen an Sauerstoffmolekülen im Blut in freie Radikale um. In geringen Mengen werden freie Radikale zwar durchaus vom Körper benötigt und können positive Effekte haben. Beim Rauchen entstehen sie jedoch in so großen Mengen, dass sie vor allem schädlich wirken und zum Beispiel die Gefäßwände krankhaft verändern. Auf diese Weise fördert Rauchen das Entstehen von Durchblutungsstörungen wie einer pAVK.

Stellt der Arzt bei einem Raucher die Diagnose pAVK, ist deshalb ein Rauchausstieg dringend zu empfehlen. Denn durch eine Rauchentwöhnung lässt sich der Verlauf einer pAVK maßgeblich positiv beeinflussen und zu einem "Raucherbein" muss es gar nicht erst kommen.

Behandlung

Raucherentwöhnung

Liegt bei Ihnen als Raucher bereits eine pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) vor, sollten Sie möglichst alle Risikofaktoren, die das Fortschreiten dieser Durchblutungsstörung bis hin zum Stadium IV (sog. Raucherbein) fördern, ausschalten.

Da der größte Risikofaktor für eine pAVK das Rauchen ist, wird Ihr Arzt Ihnen dringend empfehlen, damit aufzuhören. Ein Rauchausstieg wirkt sich nachweislich positiv auf den weiteren Krankheitsverlauf aus.

Alleine mit dem Rauchen aufzuhören, fällt jedoch vielen schwer. Sprechen Sie deshalb am besten Ihren Arzt darauf an. Er kann Ihnen dabei helfen, die geeignete Strategie für den Rauchausstieg zu finden und Sie bei der Entwöhnung begleiten. Nikotinersatzmittel oder "Anti-Raucher-Pillen" (z.B. mit den Wirkstoffen Vareniclin oder Bupropion) helfen über Entzugserscheinungen hinweg und können die Entwöhnung erleichtern.

Bewegung

Bei einer pAVK verengen sich die Gefäße, sodass weniger Blut durch die Beine strömt. Befindet sich die pAVK noch im Anfangsstadium, hilft gezielte Bewegung dabei, die Beine besser zu durchbluten und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Besonders zu empfehlen sind Sportarten wie Walking, Nordic Walking oder Aquajogging. So verhindern Sie, dass ein "Raucherbein" entsteht.

Medikamente

Bei der Behandlung einer pAVK setzten Ärzte in den Anfangsstadien unter anderem auch Medikamente ein, die das Blut verdünnen oder verhindern, dass sich die Gefäße weiter verengen.

Kathetertherapie

Bei einer Kathetertherapie setzt der Arzt dem Betroffenen in das verengte Gefäß einen Kunststoffschlauch (den Katheter) ein, der eine Art kleinen Ballon enthält. Indem er den Ballon an der betroffenen Stelle aufbläst, beseitigt er die Gefäßverengung.

Eventuell setzt der Arzt zusätzlich ein feines und flexibles Drahtnetz ins Gefäß, einen sogenannten Stent. So lässt sich verhindern, dass sich diese Stelle erneut verengt. Für die Kathetertherapie genügt eine örtliche Betäubung. Lange Aufenthalte im Krankenhaus sind nicht notwendig.

Operation

Je nachdem, wie weit die pAVK fortgeschritten ist, sind eventuell operative Maßnahmen erforderlich. Ist ein Gefäß schon sehr stark verengt oder bereits ganz verschlossen, kann der Arzt die betroffene Stelle während einer Operation freilegen. Je nach Situation kann ein Bypass sinnvoller sein, bei dem das Blutgefäß schließlich um die verengte Stelle herumgeleitet wird. Für diese "Umleitung" nutzt der Operateur entweder einen Kunststoffschlauch oder eine körpereigene Vene. Das Blut muss die verengte Stelle so nicht mehr passieren und kann wieder normal fließen. Ist die pAVK bereits sehr weit fortgeschritten und das Bein mit anderen Methoden nicht mehr zu retten, kann eine Amputation des Beins notwendig werden.

Vorbeugen

Zu einer pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) geschweige denn ihrem Endstadium (Stadium IV), dem sogenannten Raucherbein, muss es gar nicht erst kommen. Indem Sie die Risikofaktoren für eine pAVK verringern, senken Sie das Erkrankungsrisiko deutlich:

  • Beginnen Sie eine Raucherentwöhnung oder fangen Sie bestenfalls gar nicht erst mit dem Rauchen an.
  • Achten Sie auf Ihr Gewicht und versuchen Sie, Übergewicht zu reduzieren.
  • Ernähren Sie sich möglichst ausgewogen und abwechslungsreich.
  • Treiben Sie Sport und bewegen Sie sich ausreichend.
  • Liegen bei Ihnen Erkrankungen vor, die zu Durchblutungsstörungen führen können (z.B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus), sollten Sie diese behandeln lassen.

Können nur Raucher ein Raucherbein bekommen?

Haben tatsächlich nur Raucher ein erhöhtes Risiko für eine pAVK? Prinzipiell gilt: Mit steigendem Alter und Zunahme der Risikofaktoren für eine pAVK nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass eine Gefäßerkrankung vorliegt. Hauptrisikofaktor für eine pAVK ist in der Tat das Rauchen – zudem begünstigen Diabetes mellitus, Bluthochdruck und erhöhte Blutfette, dass sich die Gefäßwände krankhaft umbauen.

Die meisten Menschen mit einer arteriellen Verschlusskrankheit sind über 60 Jahre alt, Männer sind etwa viermal häufiger betroffen als Frauen. Es können auch Nichtraucher an einem "Raucherbein" erkranken: Entscheidend ist, welche Risikofaktoren und wie lange diese vorliegen.

Wer in Ruhe oder bei Belastung Schmerzen in den Beinen verspürt, sollte dies ärztlich abklären lassen. Da meist nicht nur die Arterien der Beine, sondern auch die des Herzens und des Halses beziehungsweise Gehirns betroffen sind, handelt es sich bei der pAVK um einen ernstzunehmenden Zustand. Unser Tipp: Verzichten Sie auf das Rauchen und lassen Sie Diabetes, Bluthochdruck und Blutfette gut einstellen – so beugen Sie Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall vor.