Das Bild zeigt mehrere Zigaretten, die nebeneinander liegen.
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Nikotin

Nikotin ist der Hauptwirkstoff in Tabak und verantwortlich für die suchterzeugende Wirkung des Rauchens. Der Nikotingehalt in Tabak schwankt abhängig davon, woher der Tabak stammt und wie er hergestellt wurde.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Allgemeines

Nikotin gelangt beim Inhalieren des Tabakrauchs innerhalb von Sekunden ins Gehirn. Dort kann der Wirkstoff an speziellen Bindestellen andocken und bewirkt, dass das Hirn verschiedene Botenstoffe (Hormone) ausschüttet – unter anderem das Hormon Dopamin. Dopamin gehört zum körpereigenen "Belohnungssystem". Der Einfluss von Nikotin auf das Dopamin-System ist vermutlich ein wichtiger Grund, weshalb Rauchen als angenehm empfunden wird. Gleichzeitig setzt eine Konditionierung ein, wenn der Raucher sich angewöhnt, in immer denselben Situationen zu rauchen. Rauchen kann dadurch nicht nur zu einer körperlichen, sondern auch zu einer psychischen Abhängigkeit führen. So können schließlich bestimmte Situationen ein Rauchverlangen hervorrufen – manche brauchen die Zigarette dann etwa immer in stressigen Momenten, beim geselligen Zusammensein mit Freunden oder nach dem Essen.

Abhängig von der Situation entsteht durch das Nikotin beim Raucher entweder eine stimulierende oder eine entspannende Wirkung. Weitere Effekte von Nikotin sind zum Beispiel:

Ursprünglich stammt die Tabakpflanze vom amerikanischen Kontinent. Im 16. Jahrhundert gelangte sie mit heimkehrenden spanischen Eroberern nach Europa. In Spanien war die Pflanze anfangs vor allem als Zierpflanze beliebt. Im Jahr 1570 brachte der Gelehrte Jean Nicot, der zu diesem Zeitpunkt der französische Gesandte am portugiesischen Hof war, die Pflanze mit nach Frankreich und wurde so ihr Namensgeber. Der wissenschaftliche Name der Tabakpflanze, Nicotiana tabacum, und auch die Bezeichnung Nikotin für den später entdeckten Hauptwirkstoff des Tabaks gehen auf ihn zurück. Der Wirkstoff Nikotin wurde erstmals 1928 isoliert.

Den Tabakpflanzen dient das hochgiftige Nikotin vor allem als natürlicher Fraßschutz zur Abwehr von Insekten. In der Landwirtschaft wurde Nikotin noch bis in die 1970er Jahre als Insektizid eingesetzt. Auch für den Menschen ist Nikotin giftig. Das macht sich vor allem beim erstmaligen Rauchen bemerkbar: Beim Betroffenen kann es zu leichten Vergiftungserscheinungen mit Symptomen wie Übelkeit, Schwindel oder Herzrasen kommen. Bei regelmäßigem Konsum setzt schließlich eine Gewöhnung an das Gift ein und es treten die als angenehm empfundenen Wirkungen in den Vordergrund.

Bei Schwangeren gelangt Nikotin über die Plazenta in den Kreislauf des ungeborenen Kindes und in das Fruchtwasser. Dadurch kann es das Kind schädigen. Der Stoffwechsel des Fötus ist noch nicht in der Lage, Nikotin richtig abzubauen, was zu höheren Nikotinkonzentrationen in dessen Organismus führen kann. Nikotin ist auch in der Muttermilch von stillenden Raucherinnen enthalten. Der Gesundheit des Kindes zuliebe sollten schwangere Frauen deshalb während Schwangerschaft und Stillzeit auf das Rauchen verzichten – und möglichst auch danach.

Auch Nikotinersatzmittel wie Nikotinkaugummis oder -pflaster enthalten Nikotin. Da die Aufnahme von Nikotin in den Körper auf diese Weise jedoch langsamer erfolgt als beim Rauchen, ist bei korrekter Anwendung keine Abhängigkeit von solchen Präparaten zu erwarten. Nikotinersatzmittel können daher dabei helfen, Entzugssymptome bei einer Raucherentwöhnung zu minimieren.

Als erfolgsversprechender Weg zur Raucherentwöhnung hat sich eine Kombination aus Nikotinersatzmitteln und einem begleitenden mehrwöchigen Entwöhnprogramm erwiesen. Sprechen Sie am besten Ihren Arzt darauf an, wenn Sie mit dem Rauchen aufhören wollen. Er kann Ihnen dabei helfen, die geeignete Strategie für den Rauchausstieg zu finden und Ihnen bei der Entwöhnung zur Seite stehen. Auch wer bereits viele Jahre raucht, kann noch damit aufhören – denn zu spät zum Aufhören ist es nie.

Wirkung

Der Wirkstoff Nikotin zählt chemisch gesehen zu den Alkaloiden und hat eine suchterzeugende Wirkung. Im Gegensatz zu anderen abhängigmachenden Substanzen führt Nikotin jedoch zu keinem Rausch im klassischen Sinn. Bei regelmäßigem Tabakkonsum kann sich durch das inhalierte Nikotin beim Betroffenen rasch eine körperliche und psychische Abhängigkeit (Nikotinsucht) entwickeln. Nikotin wirkt ähnlich suchterzeugend wie Kokain oder Heroin und zählt deshalb zu den Drogen, wenn auch zu den legalen.

Wer den Tabakgenuss nicht gewohnt ist, muss anfänglich mit Symptomen einer leichten Nikotinvergiftung rechnen, wie zum Beispiel:

Bei höherer Dosierung von Nikotin kommt es zu lebensbedrohlichen Symptomen wie:

Aufgrund seiner Wirkung als Gift wurde für Zigaretten ein Grenzwert bestimmt: Mehr als 1 Milligramm Nikotin darf der Rauch einer einzelnen Zigarette nicht enthalten. Der Nikotingehalt schwankt dabei je nach Zigarettenmarke und muss auf jeder Packung angegeben werden. In der Zigarette selbst ist der Nikotingehalt allerdings deutlich höher: Circa 8 bis 14 Milligramm Nikotin kann sie enthalten, wobei während des Rauchens einer Zigarette nur etwa 1 Milligramm Nikotin aufgenommen wird. Für einen Erwachsenen gelten 60 Milligramm reines Nikotin über den Mund aufgenommen als tödlich. Für Kleinkinder ist bereits eine viel niedrigere Menge lebensgefährlich: Bereits das Verschlucken von ein bis drei Zigaretten kann tödlich enden.

Bei regelmäßigem Tabakkonsum tritt rasch eine Gewöhnung an das Nikotin ein und der Raucher nimmt nun vor allem Wirkungen wahr, die er als positiv empfindet. Bei Kindern und Jugendlichen genügt es bereits, wenn sie gelegentlich Zigaretten rauchen, um nach wenigen Wochen zu Symptomen einer Nikotinabhängigkeit zu führen.

Das im Tabakrauch enthaltene Nikotin gelangt innerhalb von sieben bis acht Sekunden von den Atemwegen bis ins Gehirn. Dort dockt das Nikotin an spezielle Bindestellen an, den nikotinergen Acetylcholinrezeptoren. Als Folge werden Neurotransmitter wie Dopamin, Noradrenalin, Acetylcholin und Endorphine ausgeschüttet. Gelangt regelmäßig Nikotin ins Hirn, nimmt die Zahl dieser Rezeptoren zu. Raucher müssen deshalb auf Dauer immer mehr Nikotin zuführen, damit die vermeintlich entspannende Wirkung einsetzt.

Diese Prozesse rufen im Hirn verschiedene körperlichen Reaktionen hervor, wie zum Beispiel:

  • Die Herzfrequenz nimmt zu.
  • Der Blutdruck steigt.
  • Der Hautwiderstand nimmt ab.
  • Die Hauttemperatur sinkt.
  • Das Hungergefühl sinkt.
  • Der Stoffwechsel beschleunigt sich.

Außerdem ruft das Nikotin bei gewohnheitsmäßigen Rauchern spürbare psychische Wirkungen hervor, wie zum Beispiel:

  • erhöhte Aufmerksamkeit
  • verbesserte Gedächtnisleistung
  • höhere Stresstoleranz
  • Anregung oder Entspannung

Welche Wirkung das Nikotin beim Gewohnheitsraucher genau hat, unterscheidet sich jedoch auch danach, in welcher Stimmung dieser sich gerade befindet: Bei Stress beruhigt Nikotin eher, bei depressiver Stimmung wirkt es dagegen anregend.

Die Wirkung von Nikotin hält nicht sehr lange an, bereits nach kurzer Zeit beginnt der Körper, die Substanz abzubauen. Wie schnell das geht, hängt davon ab, wie stark der Körper bereits an das Nikotin gewöhnt ist. Beim starken Raucher ist bereits in weniger als 30 Minuten die Hälfte des Nikotins abgebaut – der Körper eines Nichtrauchers braucht dafür noch etwa 120 Minuten. Bleibt das Nikotin aus, stellen sich schließlich Entzugserscheinungen ein.

Bei starken Rauchern lässt die als angenehm empfundene Wirkung des Nikotins also bereits nach kurzer Zeit wieder nach, sodass schnell das Verlangen nach einer weiteren Zigarette entsteht. Kommt der Raucher diesem Verlangen nach, kann sich der Suchtkreislauf schließen.

Entzugserscheinungen

Sorgt ein Raucher nicht für regelmäßigen Nikotin-Nachschub, treten Entzugserscheinungen auf, wie etwa:

Diese Entzugserscheinungen lassen nach, sobald der Betroffene die nächste Zigarette rauchen kann und somit neues Nikotin aufnimmt.

Folgeschäden

Nikotin ist der Hauptwirkstoff in Tabakprodukten und führt vor allen Dingen zu einer Abhängigkeit (Nikotinsucht) und weniger zu konkreten körperlichen Schäden. Gesundheitsschädlich sind jedoch vor allem die zahllosen anderen Inhaltsstoffe, die beim Inhalieren von Tabakrauch mit in den Körper gelangen. Durch regelmäßigen Tabakkonsum kann es zum Beispiel zu gesundheitlichen Schäden wie diesen kommen:

Man schätzt, dass bis zu 30 Prozent aller Krebstodesfälle auf das Rauchen von Tabakprodukten zurückgehen. Pro Jahr sind in Deutschland etwa 90 Prozent aller neuen Lungenkrebsfälle bei Männern und etwa 60 Prozent bei Frauen eine Folge des Rauchens. Man geht davon aus, dass in Deutschland jedes Jahr circa 100.000 bis 140.000 Menschen durch Erkrankungen sterben, die eine Folge regelmäßigen Tabakkonsums sind. Statistisch gesehen verliert jeder Raucher durchschnittlich acht Jahre seiner Lebenszeit.