Man eine Tempelwand, auf der ein Gesicht zu erkennen scheint.
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Pareidolie: Warum wir überall Gesichter sehen

Ob in Wolken, im Mond, in Steckdosen oder Autos – der Mensch neigt offenbar dazu, überall Gesichter zu erkennen. Das ist vermutlich schon seit Tausenden von Jahren so, aber erst seit den 1950er Jahren gibt es einen Namen für dieses Phänomen: Pareidolie.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Ursachen

Im Jahr 1957 veröffentlichte der kanadische Psychologe Craig M. Mooney eine Studie, die zeigte, dass der Mensch eine angeborene Neigung besitzt, Muster oder Strukturen mit etwas Bekanntem zu verbinden und ihnen so einen Sinn zu geben. Mooney zeigte den Testpersonen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Gesichtern, wobei die Aufnahmen eine sehr geringe Auflösung hatten und stark verfremdet wirkten.

Die Testpersonen sollten nun zwischen echten und falschen Gesichtern unterscheiden. Dabei zeigte sich, dass die Probanden dazu neigten, in jeglichem Muster Gesichter zu erkennen. Dieses Testergebnis hat sich später auch in anderen Experimenten immer wieder bestätigt.

Der Fachausdruck für dieses Phänomen lautet Pareidolie. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Trugbild" (gr. para = daneben, vorbei, hier eher in der Bedeutung von "falsch" und gr. eídōlon= Form, Erscheinung, Bild). Der Ursprung dieses Phänomens ist wahrscheinlich in der Entwicklungsgeschichte des Menschen zu sehen. Denn vermutlich war es von Vorteil, in vagen Strukturen eher einmal fälschlicherweise ein verborgenes Gesicht zu erkennen, als von einem menschlichen oder tierischen Feind überraschend angegriffen zu werden.

Beispiel: Die Marsoberfläche

Ein schönes Beispiel für Pareidolie sind Aufnahmen, die die Raumsonde Viking 1 im Jahr 1976 von der Marsoberfläche machte. Die Raumsonde fotografierte damals auch ein Hochland auf der Nordhalbkugel des Mars namens Cydonia Mensae. Das Bild erreichte großes mediales Aufsehen, da dort scheinbar ein riesiges Gesicht in die felsigen Strukturen "gemeißelt" war.

Die NASA erklärte das Bild zwar mit einer optischen Täuschung und Bildfehlern, dennoch gab das Bild Anlass zu so manchen abenteuerlichen Spekulationen. Im Jahr 1998 lieferte die Marssonde Mars Global Surveyor ebenso wie Mars Reconnaissance Orbiter im Jahr 2007 schließlich neue Aufnahmen – dank besserer Bildqualität wirkte das Mars-Hochland nun weit weniger gesichtsähnlich.