Das Bild zeigt eine Frau, die vorsichtig durch ihre Hände vorm Gesicht lugt.
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Panik

Bei einer Panik wollen die meisten Menschen nur eins: die Flucht ergreifen. Manchmal werden andere Personen regelrecht von einer Panik angesteckt – eine Massenpanik kann die Folge sein. Darüber hinaus kann Panik auch zur Krankheit werden, etwa im Rahmen einer Panikstörung.

Was ist Panik?

Panik ist eine extreme Stressreaktion auf eine vermeintliche oder reale Bedrohung. Biologisch gesehen geht es jetzt nur noch um das nackte Überleben: Bei einer Panik steht der eigene Selbsterhaltungstrieb im Mittelpunkt, höhere menschliche Verhaltensweisen geraten hingegen in den Hintergrund. Panik tritt plötzlich auf und ist mit einem sehr starken Angstgefühl verbunden.

Angst ist zunächst einmal eine völlig normale und biologisch sinnvolle Reaktion auf eine bedrohlich erscheinende Situation. Bei Gefahr sorgt Angst beispielsweise dafür, dass wir die Flucht ergreifen, etwa bei der Begegnung mit einem wilden Tier. Atmung und Puls werden schneller und der Körper wird aufs Weglaufen vorbereitet. In diesem Fall schützt uns die Angst vor einer riskanten Situation.

Steigert sich Angst jedoch zu Panik, verliert die Person die Kontrolle und kann nicht mehr rational denken und handeln. Wer akute Panik verspürt, hat häufig Todesangst. Er befürchtet, die Kontrolle zu verlieren, etwa über das eigene Leben oder den Verstand.

Die Folge einer Panik können "kopflose", unkontrollierte Verhaltensweisen sein: Die betroffene Person schreit etwa, jammert oder schlägt um sich. Andere Menschen wiederum verfallen in eine Art Starre und Bewegungslosigkeit. Sie sind unfähig, zu handeln.

Typische Symptome einer Panik sind zum Beispiel:

  • starker Bewegungsdrang, manchmal aber auch Apathie und das Gefühl, wie gelähmt zu sein
  • Unruhe
  • Herzklopfen, Herzrasen

Panik kann sowohl nur bei einer Person als auch in Gruppen vorkommen – bei Letzterem spricht man von einer Massenpanik.

Wie entsteht eine Massenpanik?

Das Phänomen der Massenpanik ist eher selten, aber doch immer wieder zu beobachten: Ein Beispiel ist die Loveparade 2010 in Duisburg, bei der mehr als 20 Menschen aufgrund einer Massenpanik ihr Leben lassen mussten. Hunderte Personen wurden verletzt.

Eine Massenpanik oder Massenhysterie tritt in größeren Menschenmengen auf, so zum Beispiel

  • bei Fußballspielen,
  • auf Konzerten,
  • bei Naturkatastrophen,
  • Terroranschlägen oder
  • im Rahmen von Pilgerfahrten.

Plötzlich und unerwartet breitet sich extreme Angst und Verwirrung in der Menschengruppe aus. Personen beginnen zu schubsen, Ein- und Ausgänge werden verstopft, Menschen werden eingeklemmt und durch den gewaltigen Druck zu Boden gerissen. Oft übersehen die Menschen in ihrer Panik weitere Ausgänge oder Fluchtmöglichkeiten. Anlass der Massenpanik kann ein (potenziell) lebensbedrohlicher Reiz sein – zum Beispiel Brandgeruch oder eine Explosion.

Personen, die den ursprünglichen Auslöser der Panik nicht bemerkt haben, können ebenfalls panisch werden – denn die unkontrolliert reagierenden Menschen um sie herum sind für sie ein Hinweis auf eine Bedrohung.

Auch ein eigentlich harmloser Reiz – etwa ein ungefährliches Gedränge am Ausgang einer Halle – kann zu einer Massenpanik führen, wenn mehrere Personen von der Panik eines Einzelnen angesteckt werden.

Doch wie kommt es zu einer Massenpanik? In den meisten Gefahrensituationen, die in einer Gruppe vorkommen, tritt keine Panik auf. Zur Panik kommt es häufig erst, wenn eine oder mehrere Personen das Gefühl haben, dass eine Flucht aus der Situation nicht möglich ist. Dies kann etwa passieren, wenn unklar ist, was sich genau ereignet hat oder aber, wenn das eigene Leben ganz unmittelbar bedroht ist.

Ein kollektiver Panikzustand läuft nach dem Prinzip der "psychischen Ansteckung" ab: Wenn eine Person panisch reagiert, weil sie sich bedroht fühlt, kann sie durch ihr Verhalten andere Menschen regelrecht anstecken, die dann ebenfalls panisch reagieren. Es kommt zu einer Massenpanik. Der Grund: Im Hirn des Beobachters werden Nervenzellen (Neuronen) aktiviert, die die gleichen Reize auslösen, als würde er selbst die Panik-Handlung ausführen. Diese Zellen werden auch Spiegelneuronen genannt.

Ein Beispiel verdeutlicht das Phänomen der Massenpanik:

In einem Theater ertönt während der Vorführung plötzlich ein lauter Schuss. Die Leute erschrecken, aber alle bleiben auf ihren Plätzen sitzen. Nach einer kurzen Pause wird die Vorstellung fortgesetzt. Anders sähe es vermutlich aus, wenn sich ein paar Leute panisch erheben und schreiend flüchten würden: Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden weitere Menschen diesem Verhalten folgen – und womöglich eine Massenpanik herbeiführen.

Diese Art "Herdentrieb", der bei einer Massenpanik zutage tritt, ist aus biologischer Sicht gesehen durchaus sinnvoll – zumindest, wenn man sie auf Herdentiere bezieht: In einer Herde vertraut ein einzelnes Tier der Masse. Ergreift ein Tier die Flucht, folgen ihm die anderen, um vor Bedrohungen geschützt zu sein. Nach einem ähnlichen Prinzip entsteht auch die Massenpanik unter Menschen.

Krankhafte Panik

Anders als bei einer Panik, die aufgrund eines (vermeintlich) bedrohlichen Ereignisses entsteht, kann Panik auch krankhaft sein – als Hauptsymptom der sogenannten Panikstörung.

Panikattacken treten häufig auch als begleitendes Symptom anderer psychischer Erkrankungen auf, so zum Beispiel bei

Auch nach Drogeneinnahme können Panikattacken entstehen (sog. Horrortrips). Ebenso kann Panik als unerwünschte Nebenwirkung nach Einnahme mancher Medikamente auftreten.

Panikstörung

Bei einer Panikstörung leidet eine Person immer wieder an Panikattacken, die „wie aus heiterem Himmel“ und scheinbar grundlos auftreten. Innerhalb kurzer Zeit steigert sich die Angst zu einem Höhepunkt und flaut dann langsam wieder ab.

Eine einzelne Panikattacke kann einige Minuten bis zu einigen Stunden andauern – meist vergehen aber 10 bis 30 Minuten, bis die Attacke vorüber ist.

Die Betroffenen empfinden während der Panikattacke Todesangst, obwohl es keinen objektiven Grund dafür gibt. Manche rufen den Notarzt, weil sie befürchten, zu sterben. Häufig bekommen sie Angst vor einer nächsten Panikattacke und ziehen sich immer mehr zurück.

Je früher Personen mit einer Angsterkrankung wie der Panikstörung eine angemessene Therapie bekommen, desto größer ist auch die Chance auf Heilung. In der Regel kann man eine Panikstörung gut behandeln. Besonders geeignet für die Therapie ist unter anderem die kognitive Verhaltenstherapie. Oft kommen zusätzlich Medikamente zum Einsatz. Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung können ebenfalls hilfreich sein.

Häufig tritt die Panikstörung gemeinsam mit einer Agoraphobie auf: Menschen mit Agoraphobie haben Angst, sich an Orten aufzuhalten, an denen im Falle eines Notfalls eine Flucht nur schwer möglich oder wäre oder peinlich auffallen würde. So meiden Betroffene etwa Menschenansammlungen, öffentliche Verkehrsmittel oder größere Entfernungen von ihrem Zuhause.

Wenn Sie an Panikattacken leiden, scheuen Sie sich nicht, einen Arzt oder Psychologen aufzusuchen! Er kann mit Ihnen gemeinsam die Gründe für die Panik herausfinden und an einer Lösung arbeiten!