Eine junge Frau schirmt ihre Augen mit der Hand vor dem durchs Fenster fallenden Licht ab.
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Leisure Sickness: Krank im Urlaub

Der letzte Arbeitstag ist geschafft, die freien Tage können kommen. Die Vorfreude auf den Urlaub, entspannte Tage zu Hause oder Zeit für Familie und Freunde ist groß. Und dann schlägt sie zu: die Leisure Sickness oder Freizeitkrankheit.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Leisure Sickness: Krank im Urlaub

Viele kennen das: Wenige Tage, nachdem der Arbeits- oder Schulstress nachgelassen hat, fängt es an, im Hals zu kratzen. Die Nase juckt. Oft kommt Fieber dazu, man fühlt sich ausgelaugt und dann führt kein Weg mehr daran vorbei, sich ins Bett zu legen und auszukurieren. Nicht selten passiert das ausgerechnet auf der Urlaubsreise, auf die man sich so lange gefreut hat.

Wenn es nicht die Erkältung ist, sind es Rückenschmerzen oder Migräne, in einigen Fällen sogar Schlaganfälle oder Herzinfarkte, die bis zum Urlaub gewartet haben, um zuzuschlagen.

Was ist Leisure Sickness?

Das Leisure-Sickness-Syndrom (LS-Syndrom) tritt überwiegend in den Ferien auf, aber auch zu anderen Zeiten, an denen wir vom Stress plötzlich in den Ruhemodus wechseln, etwa am Wochenende. Und das gar nicht mal so selten: Nach Expertenmeinung ist die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland von der Freizeitkrankheit betroffen.

Dabei kann das Phänomen in unterschiedlichen Momenten zuschlagen:

  • Die einen werden am Wochenende krank (Wochenendsyndrom),
  • die anderen werden krank, wenn sie längere Zeit frei haben (Freizeitsyndrom),
  • wieder andere erkranken grundsätzlich, wenn der Arbeitsstress nachlässt.

So ist der Herzinfarkt beispielsweise Hauptursache für den Tod im Urlaub.

Warum werden wir im Urlaub krank?

Eigentlich sollten wir im Urlaub beziehungsweise in unserer Freizeit entspannen. Den Alltagsstress hinter uns lassen und runterkommen. Körper und Geist Erholung gönnen. Wie kann es da sein, dass wir ausgerechnet in dieser Zeit krank werden?

Tatsächlich spielt der Lebensstil eine große Rolle beim Leisure-Sickness-Syndrom: In unserer Freizeit verhalten wir uns anders als im Alltagsrhythmus. Viele Menschen trinken dann vermehrt Alkohol, bleiben länger wach, essen unregelmäßiger und muten ihrem Körper mehr Sport oder andere Aktivitäten (z. B. Tanzen) zu, als es im Alltag der Fall ist. Auch die Kombination körperlicher Aktivitäten mit Alkohol hat einen ungünstigen Einfluss auf den Körper.

Zudem gilt: Freizeit ist nicht gleich stressfreie Zeit. So kann beispielsweise der Start in den Urlaub ganz schön anstrengend sein. Da muss man vielleicht früher als sonst aus den Federn, an tausend Dinge denken, Koffer schleppen, dann hat das Flugzeug oder die Bahn Verspätung oder man steht im Stau ... Unterschiedliche Klimazonen oder Zeitverschiebungen können den Körper ebenfalls vermehrt belasten. Diese plötzliche Veränderung kann nicht jeder verkraften.

Ein weiterer Grund für die Freizeitkrankheit kann sein, dass sich die Krankheit schon im Alltag angebahnt hat, jedoch durch das hohe Stresslevel zurückgehalten wird. Grund dafür ist das Stresshormon Kortisol, das dämpfend auf Beschwerden wirkt. Lässt der Stress nach, sinkt die Kortisolkonzentration und die Krankheit macht sich bemerkbar.

Also besser keine Erholungsphasen mehr?

Doch, natürlich! Unser Körper braucht Erholung – echte Erholung. Wichtig ist, dass Sie sich wirklich etwas Gutes tun – zum Beispiel so:

  • Versuchen Sie, einen möglichst konstanten Lebensstil einzuhalten, sodass Ihr Körper nicht überlastet wird, wenn Sie vom Alltag in die Freizeit wechseln.
  • Viel Bewegung, frische Luft, gesunde Ernährung: Das liest man immer wieder, aber es ist was dran, denn so geben Sie Ihrem Immunsystem dauerhaft die Möglichkeit, Ihren Körper zu schützen.
  • Achten Sie darauf, Ihre Freizeit nicht mit Aktivitäten zu überladen, zu denen Sie im Alltag nicht kommen.
  • Sorgen Sie für wirkliche Entspannung und verzichten Sie auf Dinge, die Sie nur zusätzlich stressen.
  • Und denken Sie daran: Alkohol und Sport sind keine gute Kombination.