Eine Menschenkette aus Papier
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"Ich weiß, wie es sich anfühlt": Wie Erfahrungsexperten helfen können

Ob bei Depressionen, Angstzuständen oder Panikattacken: Menschen, die selbst eine Krise bewältigt haben, können für andere eine große Hilfe sein. Diese sogenannten Erfahrungsexperten spielen eine zunehmend größere Rolle bei der Behandlung psychischer Erkrankungen – ergänzend zur fachlichen Therapie. Nora Fieling ist eine von ihnen. Sie sagt: "Ich möchte meinem Gegenüber Mut und Hoffnung geben. Weil ich einen Ausweg aus der Erkrankung gefunden habe und daran glauben möchte, dass es auch andere schaffen können."

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Experten aus Erfahrung

Die Behandlung einer psychischen Erkrankung gehört in die Hände erfahrener Ärztinnen/Ärzte und Psychologinnen/Psychologen. Sie wissen, welche Ursachen dahinterstecken können und wann welche Therapie besonders geeignet ist.

Eines können (und sollen) sie aber nicht bieten: persönliche Erfahrungen mit einer solchen Erkrankung. Diese können jedoch als Ergänzung zur ärztlichen oder psychologischen Behandlung sehr wertvoll sein. Immer mehr Krisenerfahrene bieten anderen ihre Hilfe an, indem sie ihnen mit Verständnis zur Seite stehen und berichten, was ihnen selbst geholfen hat.

Erfahrungsexpertin und Ex-In-Genesungsbegleiterin Nora Fieling hat seit ihrer Kindheit mit Depressionen, generalisierter Angststörung und Selbstverletzungen zu tun. Heute fühlt sie sich stabil und gibt ihre Erfahrungen an andere Menschen weiter. Lesen Sie im Interview, wie sie von einer Betroffenen zur Erfahrungsexpertin wurde, inwiefern sie sich in der Krise selbst einen "gleichgesinnten" Gesprächspartner gewünscht hätte und was Erfahrungsexpertinnen und -experten leisten können – und was nicht.

Interview mit Nora Fieling

Onmeda.de: Frau Fieling, was sind Erfahrungsexpertinnen und Erfahrungsexperten?

Nora Fieling: All das, was wir selbst erfahren und reflektiert haben, macht uns zu Erfahrungsexpertinnen und -experten auf dem entsprechenden Gebiet. Grundsätzlich können wir in unterschiedlichsten Bereichen Erfahrungsexperte/-expertin werden, zum Beispiel durch eine körperliche Erkrankung oder eine Trennung.

Vorwiegend findet man den Begriff im psychosozialen Kontext, also in Bezug auf Psychiatrie- und Krisenerfahrene. Bei mir konzentriert es sich auf meine Erfahrungen mit Depression, generalisierter Angststörung und Panikattacken.

Expertin aus Erfahrung: Nora Fieling ist Ex-In-Genesungsbegleiterin.

Lesetipp: Mehr über Nora Fieling und ihre Arbeit finden Sie auf https://nora-fieling.de.

Bis zu einer Erfahrungsexpertin war es gewiss ein langer und schwerer Weg. Wann ist Ihnen denn erstmals bewusst geworden, dass Sie sich von anderen unterscheiden, dass Sie krank sein könnten?

Fieling: Das fing in der Kindheit an. Schon im Grundschulalter habe ich Gedanken und Verhaltensweisen an mir bemerkt, die andere offenbar nicht hatten. Ich habe mir Fragen über den Sinn des Lebens und den Tod gestellt, während ich mich fremd fühlte, fremd in der Familie, fremd auf der Welt.

Hinzu kam, dass ich mich selbst verletzt habe, dies aber vor anderen als Unfall getarnt habe. Ich habe zum Beispiel gesagt, dass ich hingefallen bin, wenn ich blaue Flecken hatte. Weil ich wusste, dass es nicht normal ist, schämte ich mich. Ich habe mich nicht getraut, darüber zu reden, weil ich nicht erklären konnte, warum ich das mache und warum ich mich so verloren fühle. Zugleich gab es auch viel Streit in der Familie. Mit zwölf habe ich Schlaftabletten genommen. Im Krankenhaus wurde ein Kreislaufzusammenbruch diagnostiziert aufgrund der Hitze und mangelnden Ernährung an dem Tag. Mein Suizidversuch blieb somit unbemerkt. Mit 18 Jahren hat sich die Selbstverletzung immer mehr gesteigert. Ich habe mich dann auch "geritzt."

Gab es damals jemanden in Ihrem Umfeld, mit dem Sie Ihre Erfahrung hätten teilen können?

Fieling: Nein. Ich wollte auch niemanden belasten. Als Teenager gab es ein Mädchen im Freundeskreis, das sich auch selbst verletzt hat und offen damit umging. Von dieser Freundin wusste ich aber auch, dass sie missbraucht worden war. So etwas Gravierendes hatte ich nicht erlebt. Ich hatte dann das Gefühl, ich hätte kein Recht, krank zu sein.

Ich habe mich als Kind/Jugendliche oft in der Bücherei aufgehalten. Besonders fasziniert haben mich Bücher, in denen Menschen über ihre eigenen Erfahrungen mit Depressionen, Angst oder anderen psychischen Erkrankungen berichtet haben. Diese Bücher habe ich verschlungen.

Was war für Sie das Besondere an diesen Büchern?

Fieling: Ich war auf der Suche nach Geschichten, in denen ich mich wiederfinden konnte. Aber in den Büchern ging es meist um Erkrankungen, die durch sehr schlimme Erlebnisse zustande gekommen waren, zum Beispiel Missbrauch oder eine Entführung. Das war für mich wieder ein Grund zu denken, dass meine Erkrankung nicht gerechtfertigt ist, denn ich hatte ja solche Erfahrungen nicht gemacht.

Erst im Rahmen der Therapie vor circa sechs Jahren fing ich an zu verstehen, dass auch ich Sachen erlebt habe, die nicht "normal" sind. Aber auch, dass sich jeder Hilfe holen darf, wenn es ihr oder ihm schlecht geht – egal, was sie oder er erfahren hat.

Wann kam der Punkt, an dem Sie bemerkt haben, dass es so nicht weiter geht?

Fieling: Mit 15 war ich auf einer Beerdigung von einer 18-jährigen, die Suizid begangen hatte. Ich habe die Eltern gesehen, die am Grab ihrer Tochter standen. Da dachte ich an meine Oma. Bei der habe ich mich wohl und geborgen gefühlt. Am Grab habe ich mir geschworen: So lange meine Oma lebt, tue ich mir nichts an.

Dennoch war ich in den Folgejahren oft in Suizidforen unterwegs. Dort traf ich auf jemanden, der sozusagen die Wende eingeleitet hat: Er hat mich dazu ermutigt, etwas gegen diese negativen Gedanken zu unternehmen.

Wie ging es dann weiter?

Fieling: Zunächst habe ich mich an die E-Mailberatung der Telefonseelsorge gewandt. Ein knappes Jahr lang habe ich mit einem Mitarbeiter geschrieben. Er riet mir, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das habe ich mich aber nicht getraut.

Über meine Hausärztin bin ich schließlich zu einer Therapie gekommen. Sie hat bei einer Routineuntersuchung die Narben entdeckt, die durch die Selbstverletzung entstanden waren. Als sie aber mit mir darüber sprechen wollte, konnte ich nur weinen. Diese Ärztin hat mich zu einer Psychiaterin überwiesen. Von dort habe ich eine Überweisung zur Psychotherapie bekommen. Das war mein Einstieg ins fachliche Hilfesystem.

Was hat Ihnen persönlich am meisten geholfen, um die Krankheit zu bewältigen?

Fieling: Das ist schwer zu beantworten. Wenn ein Tisch vier Beine hat, welches ist das wichtigste? Meine erste Therapie war dahingehend hilfreich, dass ich schwarz auf weiß hatte, dass ich krank bin. Die Diagnose war eine Art Erleichterung. Dennoch war es schwer, weil ich damals die Ursachen noch nicht verstand.

Einige Jahre später war ich für acht Wochen Intensivtherapie in einer Tagesklinik. Ich habe viel über den Umgang mit Gefühlen gelernt. Doch würde ich nicht sagen, dass mir nur die Therapie geholfen hat – da spielen noch diverse andere Faktoren eine Rolle. Zum Beispiel die Teilnahme an Selbsthilfegruppen, das Schreiben, meine Haustiere, mein Partner, meine Freunde.

Die Therapie hat dazu beigetragen, mich und die Krankheit zu verstehen. Die Selbsthilfegruppe hat mich Dinge gelehrt, die man nur im Austausch mit anderen Betroffenen lernen kann und die ich heute selbst weitergeben kann.

Welche Dinge können das sein und wie schaffen Sie es, sie anderen Menschen mit psychischen Erkrankungen zu vermitteln?

Fieling: Das ist das Besondere, wenn man als Erfahrungsexpertin/Erfahrungsexperte Hilfe leistet: Ich weiß, wie es sich anfühlt. Ich weiß zum Beispiel, wie es ist, während einer Panikattacke aus dem Restaurant zu flüchten. Oder wie es ist, sich vor Angst gar nicht erst hineinzutrauen. Dass ich selbst solche Erfahrungen gemacht habe, baut beim Gegenüber eine Barriere ab. Man schafft eine ganz andere, vertraute Gesprächsebene.

Auch ist es ganz wichtig, zuzuhören: Es geht in meiner Arbeit nicht nur darum, Antworten zu geben und sofort bestimmte Ziele zu formulieren, sondern einfach mit jemandem zu sprechen, der oder die aus Erfahrung nach- und mitfühlen kann. Sich weniger alleine zu fühlen. Ich möchte meinem Gegenüber Mut und Hoffnung geben. Weil ich es auch geschafft habe und daher den Glauben geben möchte, dass andere es auch schaffen können. Andere sprechen von einer Vorbildfunktion. Ich sehe mich aber selbst nicht als Vorbild, sondern lieber als Hoffnungs- und Mutmacherin.

In erster Linie bin ich Expertin für mich selbst und nicht für alle Menschen mit Depression oder Angststörung. Es ist wichtig, dass Hilfs- oder Lösungsmöglichkeiten nicht pauschalisiert werden. Jeder Mensch muss individuell betrachtet werden. Als Erfahrungsexpertin gebe ich meine eigenen Erfahrungen weiter …

Sie sind Ex-In-Genesungsbegleiterin und arbeiten als Peer-Beraterin. Was versteht man darunter?

Fieling: Ex-In-Genesungsbegleiter(innen) sind geschulte Menschen, die aufgrund ihrer eigenen Krisen und Genesungserfahrung psychisch kranke Menschen unterstützen. Ex-In steht für experience involvement (Anm. der Redaktion: experience = Erfahrung, involvement = Beteiligung). Auf Basis meiner eigenen Krisenerfahrung berate ich als Ex-In-Genesungsbegleiterin Menschen in ähnlichen Krisensituationen oder auch deren Angehörige.

Ex-In-Genesungsbegleiterinnen und -begleiter arbeiten oftmals in Kliniken oder psychosozialen Einrichtungen. Sie begleiten Betroffene durchaus längerfristig. Ich arbeite hingegen als Peer-Beraterin und sehe die Ratsuchenden manchmal nur zu einem Termin. Hier unterstütze ich bei der Suche nach einem Therapieplatz, gebe Impulse oder vermittle in andere Anlaufstellen, wie etwa Selbsthilfegruppen. Es hat eine Beratungsfunktion und weniger eine Begleitung im Alltag.

Peer kommt aus dem Englischen und bedeutet gleich oder ebenbürtig. Peerberatung gibt es in vielen unterschiedlichen Bereichen, nicht nur in dem der psychischen Erkrankungen. Zum Beispiel kann jemand, dem ein Bein amputiert wurde, als Peerberaterin oder Peerberater anderen zur Seite stehen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um Peerberater/in bzw. Ex-In-Genesungsbegleiter/in zu werden?

Fieling: Zur Peerberaterin oder zum Peerberater gibt es keine vorgeschriebene Ausbildung. Um Ex-In-Genesungsbegleiter/in zu werden, durchläuft man ein spezielles Schulungsprogramm. Letzten Endes sind die eigenen Erfahrungen, Empathie und die Reflexions- und Kommunikationsfähigkeit die wichtigsten Voraussetzungen, um Peerberaterin oder Peerberater zu sein.

Wäre es aus Ihrer Sicht gut, wenn Erfahrungsexpertinnen und -experten mit Psychiaterinnen/Psychiatern und Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten zusammenarbeiten würden?

Fieling: Das fände ich prima! Beide Gruppen ergänzen sich sehr gut.

Fachexperten sind auf jeden Fall sehr wichtig. Wenn man sich dann aber zusätzlich noch mit jemandem austauschen kann, der Ähnliches erlebt hat wie man selbst, kann das noch eine ganz andere Perspektive eröffnen.

Würden Sie sich heute als gesund bezeichnen?

Fieling: Ich differenziere zwischen Genesung und Heilung. Heilung heißt für mich, dass die Ursache behoben ist – zum Beispiel, wenn nach einem Knochenbruch alles wieder verheilt ist. Das kann ich auf mich nicht übertragen, denn die Ursachen sind ja immer noch in mir. Aber: Ich fühle mich genesen, weil ich damit umgehen kann.

In dieser Hinsicht fühle ich mich gesund. Ich mag mich, ich mag mein Leben. Ich existiere nicht nur, sondern ich komme in meinem Leben zurecht und kann meinen Alltag bewältigen!

Wie lange liegt die letzte Phase zurück, in der Sie sich richtig schlecht gefühlt haben?

Fieling: Etwa vier Jahre – da hatte ich die letzte schwerere depressive Phase und auch die letzten Panikattacken. Wichtig ist aber auch, sich bewusst zu machen, dass es jedem von uns mal schlecht geht und das dies nicht gleich einen Krankheitswert hat. 2020 gab es zum Beispiel in meinem Umfeld einen Todesfall. Natürlich ging es mir da schlecht, dies ist jedoch eine "normale" Trauerreaktion, die wir alle kennen. Ich habe meine Krisen wie jeder andere auch. In den letzten Jahren habe ich gelernt mit schwierigen Situationen umzugehen. Dies wiederum hilft mir dabei, nicht erneut in eine Depression zu rutschen.

Weil Sie Strategien entwickelt haben, um gegenzusteuern?

Fieling: Ja. Es gibt immer noch die Momente, in denen ich denke: "Es könnte kippen." Das Wichtigste ist, dass ich diese schwierigen Gefühle zulassen darf und sie nicht verdränge. Dass ich mir auch einfach etwas Gutes tue.

Was wäre das für Sie?

Fieling: Das kann ganz verschieden sein. Manchmal hilft es mir, einfach zu Hause auf der Couch zu bleiben, egal, wie schön das Wetter ist. Ich mag angeleitete Meditationen und Phantasiereisen, lese gern Bücher oder gucke Filme. Mein Partner und meine Tiere sind bei alledem eine große Unterstützung.

Kann man aus einer psychischen Erkrankung auch etwas Positives ziehen?

Fieling: Die Krankheit selbst ist natürlich nicht unbedingt positiv. Aber ich glaube schon, dass ich mich dadurch besser kennengelernt habe. Dass ich bewusster lebe in dem Sinne, dass ich mehr wertschätzen kann.

Depressionen oder Angststörungen sind zwar Erkrankungen, aber zugleich in den meisten Fällen aber auch eine gesunde Reaktion auf kranke Zustände. Angst und Depressionen können durchaus eine Schutzfunktion haben. Sie haben mich gezwungen, innezuhalten und etwas in meinem Leben zu verändern.

Wie können Angehörige einen Erkrankten unterstützen?

Fieling: Das kann man pauschal natürlich nicht beantworten. Ich denke aber, dass in Krisen das Zuhören und Dasein elementar sind. Es ist wichtig, dem Betroffenen zu zeigen, dass sie/er nicht alleine ist. Manche brauchen Unterstützung im Alltag, zum Beispiel in Form von Einkaufen, Kochen, Wohnung putzen etc. Man kann auch versuchen, den Erkrankten bei der Therapeutensuche zu unterstützen.

Manche wünschen sich, dass man regelmäßig zu ihnen kommt und vielleicht rausgeht, andere wollen in Ruhe gelassen werden. Angehörige müssen lernen zu akzeptieren, dass sie die Erkrankung nicht "wegmachen" können. Viele Betroffene wünschen sich, dass andere sie so annehmen, wie sie gerade sind. Wenn sie oder er den ganzen Tag auf dem Sofa verbringt, dann hat dies nichts mit Faulheit zu tun, sondern ist vielleicht etwas, was er/sie in dem Moment braucht. Vielleicht sage ich – auch hier lässt sich natürlich nichts pauschalisieren. Manchen schadet es, allein zu Hause zu sein, anderen tut genau das gut. Angehörige sollten keinen Druck ausüben nach dem Motto "Reiß dich zusammen" – sondern lieber ermutigen, dass der/die Betroffene sich ausprobiert und herausfindet, was ihm/ihr gut tut und dahingehend unterstützend begleiten.

Das ist natürlich eine Gratwanderung. Es ist sehr wichtig, dass Angehörige auch Selbstfürsorge betreiben und auf ihre eigenen Energiereserven achten.

Wie merkt man als Betroffener, dass man sich Hilfe holen sollte?

Fieling: Wenn einem alles über den Kopf wächst, sollte man handeln. Symptome wie Antriebslosigkeit, Interessenlosigkeit oder nachlassende Freude sind bis zu einem gewissen Punkt mal normal. Wenn sie aber länger anhalten und man nicht mehr aus eigener Kraft herauskommt, könnte es sich um eine Depression handeln. Andere mögliche Anzeichen sind gesteigerter oder verminderter Appetit, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, vermindertes Selbstwertgefühl oder Selbstvertrauen und pessimistische Zukunftsperspektiven. Der Alkoholkonsum kann in die Höhe schnellen. Bei Suizidgedanken gilt natürlich Alarmstufe rot.

Viele Betroffene unternehmen viel zu spät etwas, weil sie glauben, sie müssten da alleine durch. Aber genau dafür sind die Experten ja da. Es muss nicht gleich der Weg zum Therapeuten sein. Es gibt auch Beratungsstellen. Wenn man merkt, dass man in seinem Leben nicht glücklich ist – auch wenn man den Grund dafür nicht nennen kann –, dann darf und soll man sich Hilfe holen!

Ihre Erfahrungen haben Sie auch in einem Buch gesammelt. Was möchten Sie Ihren Lesern auf den Weg mitgeben?

Fieling: Das Buch "Depression – und jetzt? Wegweiser einer Erfahrungsexpertin" wurde vom Starks-Sture-Verlag veröffentlicht und beinhaltet das, was ich als Teenager selbst gerne gelesen hätte.

Zum einen finden Leserinnen und Leser darin Informationen zu Diagnose und Therapieverfahren sowie Fachinterviews – zum Beispiel zum Thema Antidepressiva. Zum anderen habe ich das Fachliche in Bezug zu meinen persönlichen Erfahrungen gesetzt. Ich schreibe darüber, was ich als Kind erlebt habe, berichte über meine Therapieerfahrungen und den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Außerdem schildere ich Selbsthilfestrategien, die mir geholfen haben.

Dazu gebe ich Angehörigen Tipps, wie Sie mit der Situation umgehen können. Auch Suizidalität ist ein Thema. Insgesamt ist es eine Mischung aus fachlichen Informationen und privaten Erfahrungen – zusammengefasst in einem persönlichen Wegweiser, von mir als Expertin aus Erfahrung.

Frau Fieling, vielen Dank für das Gespräch!