Das Bild zeigt eine Frau, die mit einem kleinen Jungen spielt.
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Motorische Entwicklung

Ein Kind erforscht sein Umfeld im Wesentlichen durch Bewegung. Angefangen von Greifen über Krabbeln bis hin zum Fangen, Laufen und Springen – Tag für Tag lernen die Kleinen dazu. Und jeden Tag schreitet die motorische Entwicklung des Kindes voran.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Die motorische Entwicklung ist ein vielfältiger Reife- und Lernprozess, den jedes Kind durchläuft.

Genau genommen beginnt die motorische Entwicklung des Kindes sogar schon vor der Geburt. Etwa ab dem 5. Schwangerschaftsmonat kann die werdende Mutter hin und wieder Bewegungen des Fötus wahrnehmen – zunächst nur als ein leichtes Flattern, später auch durch stärkere Tritte oder Knuffe.

Im Babyalter spielen bei der motorischen Entwicklung hauptsächlich Reifungsprozesse eine Rolle. Dabei eignet sich das Kind elementare Fähigkeiten selbst an – sie lernen

  • sitzen,
  • krabbeln,
  • stehen und
  • gehen.

Beachten Sie, dass die motorische Entwicklung von Kind zu Kind unterschiedlich verläuft.

Einige wenige Kinder können schon vor ihrem ersten Geburtstag laufen – anderen hingegen erst mit 18 Monaten. Beides ist gleichermaßen normal. Wichtig ist, dass die motorische Entwicklung Ihres Kindes kontinuierlich weiterläuft.

Wenn Sie Bedenken haben, dass die motorische Entwicklung Ihres Babys an irgendeiner Stelle nicht normal verläuft, sollten Sie sich an Ihren Kinderarzt wenden.

Prinzipiell baut die motorische Entwicklung eines Kindes stufenweise aufeinander auf: Die Reihenfolge, in der die elementaren Grundfertigkeiten normalerweise auftreten, ist für alle Kinder gleich – die Entwicklungsgeschwindigkeit kann jedoch erheblich variieren.

Alter (ca.) Motorische Entwicklung
Neugeboren Die motorische Entwicklung Ihres Kindes ist stark von (unwillkürlichen) Reflexen bestimmt. Wenn Sie Ihrem Baby den Finger reichen, umklammert es ihn (Greifreflex). Andere Reflexe wie etwa der Saug- oder der Schluckreflex sind für das Überleben des Kindes wichtig.
3 Monate Ihr Kind kann in Bauch- und Rückenlage den Kopf nun schon einige Zeit selber halten. Darüber hinaus schenkt es seinen Bewegungen immer mehr Beachtung – so wird Ihr Kind häufiger mit den Beinen strampeln oder mit dem Armen rudern.
3 - 7 Monate In dieser Zeit ist vor allem das Greifen ein Teil der motorischen Entwicklung. Ihr Kind wird zielsicher nach Spielsachen greifen – und häufig nicht mehr loslassen. Gerne ergreift das Baby auch seine Füße und spielt mit ihnen. Viele Kinder können sich schon selbstständig aus der Bauchlage in die Rückenlage rollen.
7 - 10 Monate Spätestens jetzt sollten Sie Ihre Wohnung kindersicher machen – denn die motorische Entwicklung Ihres Kindes schreitet immer weiter voran. Ihr Kind kann sich nun schon selbständig fortbewegen (robben, kriechen) und selbst kleine Dinge zwischen Daumen und Zeigefinger fassen.
9 - 20 Monate Ihr Kind kann sich nun schon selbständig aufsetzen und lernt, einige Zeit frei zu sitzen. Im weiteren Verlauf der motorischen Entwicklung (etwa mit 12 Monaten) gelingt es den meistens Kleinkindern immer besser, an einer Hand zu gehen.
Zunächst mag das Kind noch etwas wackelig auf beiden Beinen stehen und ist auf fremde Hilfe angewiesen – im Laufe der Zeit wird es aber immer sicherer. Auch dieser Prozess ist ein Teil der motorischen Entwicklung Ihres Kindes.
Manche Jungen und Mädchen benötigen etwas mehr Zeit, bis beginnen zu laufen. Dies ist völlig normal und sollte Ihnen zunächst keine Sorgen bereiten. Wenn Sie dennoch Bedenken bezüglich der motorischen Entwicklung Ihres Kindes haben, sollten Sie einen Kinderarzt aufsuchen.

Die ersten Lebensjahre eines Kinds sind für seine motorische Entwicklung besonders wichtig. Das Gehirn entwickelt sich durch die Anregungen, die es erhält. Die Struktur des Gehirns wird also von seiner Nutzung bestimmt.

Die Bewegungsvielfalt ist hier das A & O, um die Kompetenzen des Kinds zu erweitern. Unterschiedliche Formen der körperlichen Aktivität fördern die motorische Entwicklung, dazu gehören zum Beispiel

  • Ballspiele,
  • Seilspringen oder
  • Stehen auf einem Bein.

Ein Kind, das sich fast nie bewegt, sorgt für weniger Anregungen als ein aktives Kind, welches gern unterschiedliche Bewegungsformen ausprobiert.

Motorische Entwicklung fördern

Die motorischen Fähigkeiten eines Kinds entwickeln sich nur dann, wenn sie entsprechend beansprucht werden: Erst wenn sich das Kind aktiv bewegt, werden Gleichgewichtssinn, Koordination, Kraft und Ausdauer gefördert. Konkret bedeutet das: Kinder müssen sich bewegen, egal ob beim Spielen, Turnen, Schwimmen oder Basteln!

Die motorische Entwicklung Ihres Kindes können Sie nicht im Sinne eines Trainingsplans beschleunigen. Vor allem im Babyalter läuft die motorische Entwicklung selbstständig ab – elementare Fähigkeiten wie Robben oder Krabbeln können Sie Ihrem Kind nicht antrainieren.

Vielmehr können Eltern und Erzieher die Feinmotorik auf spielerische Art und Weise fördern. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Egal ob Dosen werfen, Bälle treiben oder auf Mauern balancieren: Kinder können Sie durch vielseitige Bewegungsspielformen in ihrer motorischen Entwicklung gut unterstützen.

Im Alter von sechs Jahren ist die Motorik bei gesunden Kindern in der Regel schon sehr gut entwickelt. Sie sollten jetzt in der Lage sein, auch komplexere Bewegungsabläufe umzusetzen. So sollten sie zum Beispiel einen Ball fangen, rückwärts balancieren und auf einem Bein ein Hindernis überspringen können.

Spielideen für Motorik und Feinmotorik

Die motorischen Fähigkeiten eines Kinds können auf vielfältige Arten gefördert werden – die Fülle der Spielideen ist schier unbegrenzt. Gemeinsame Spiele schulen nicht nur Koordination und Kondition, sondern bringen auch einfach Spaß. Folgende Spiele können Eltern als Anregung dienen.

Federball mit Fliegenklatschen

Dieses Spiel fördert die Koordination und die Bewegungssteuerung des Kinds: Mithilfe von Fliegenklatschen wird ein Luftballon durch die Wohnung befördert. Ziel kann es zum Beispiel sein, alle Zimmer zu betreten, ohne den Ballon zu verlieren. Die Eltern können auch Hindernisse aufbauen: Schafft es das Kind oder die Mutter, über den Stuhl zu steigen, ohne den Ballon fallen zu lassen?

Zielscheibe

Mit Bällen spielt fast jedes Kind gern! Mit Kreide kann man auf der Wand ganz einfach Zielscheiben in unterschiedlicher Höhe zeichnen. Jeder Kreis kann mehrere Innenkreise haben, sodass das Kind versuchen muss, möglichst genau zu treffen. Mit einem Seil oder einem Stuhl markiert man zuvor den Abstand, den das Kind einhalten muss, um zu werfen. Alternativ zu den Zielkreisen kann man auch Behälter wie zum Beispiel Eimer aufstellen.

Mikado mit großen Stäben

Mithilfe des Riesenmikados wird die Feinmotorik gefördert. Lange, dünne Holzstäbe werden wie ein großes Mikadospiel genutzt und auf den Boden fallen gelassen. Jeder der Mitspieler muss nun versuchen, einen Stab zu bekommen, ohne dabei einen anderen zu bewegen. Man kann so lange weitermachen, bis sich ein anderer Stab bewegt hat – danach ist der nächste Spieler dran. Gewonnen hat, wer am Schluss des Spiels die meisten Stäbe bekommen hat.