Eine Person in einem Schwimmbecken hält die Handflächen nach oben, sodass die verschrumpelten Finger sichtbar sind.
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Warum bekommt man im Wasser schrumpelige Finger?

Das Phänomen der "Waschfrauenhände" kennt wohl jeder: Sind die Hände im Wasser, werden die Fingerkuppen schnell schrumpelig. Woran liegt das? Und warum bekommen beim Baden nur Finger, Zehen und Fußsohlen so schrumpelige Haut – und nicht der ganze Körper?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Warum bekommt man im Wasser schrumpelige Finger?

Früher nahm man einfach an, dass in die Hornhaut eindringendes Wasser die Finger, Zehen und Fußsohlen aufquellen und schrumpelig aussehen lässt. Doch wer etwa eine Nervenschädigung im Arm hat, kann baden, ohne schrumpelige Finger zu bekommen. Also müssen schrumpelige Fingerkuppen eine andere Ursache haben.

Schrumpelfinger sind Nervensache

Heute steht fest: Wenn Hände und Füße länger nass sind, verengen sich die feinen Blutgefäße in den Fingern, Zehen und Fußsohlen. Dabei ziehen sie die Haut nach innen, wodurch die typischen Rillen entstehen. Gesteuert wird diese Gefäßverengung vom vegetativen Nervensystem.

Dass Fußsohlen, Zehen und Finger schrumpelig werden, wenn sie länger mit Wasser in Berührung kommen, ist also eine gezielte körperliche Reaktion. Doch wozu dient sie?

Haben Schrumpelfinger einen Zweck?

Es stellt sich die Frage, ob verschrumpelte Finger besser oder schlechter zugreifen können. Denn wenn Finger, die im Wasser schrumpeln, beispielsweise zu einem besseren Griff führen, könnte das unseren Vorfahren einen Vorteil beim Sammeln von Nahrung in Gewässern geboten haben.

Um die Greiffähigkeit von Schrumpelfingern zu untersuchen, ließ eine Forschergruppe Testpersonen mal mit normalen und mal mit schrumpeligen Fingern nasse und trockene Objekte ergreifen und in ein Gefäß befördern. Das Ergebnis: Wer schrumpelige Finger hatte, konnte die Aufgabe bei nassen Objekten schneller und besser erfüllen.

Eine andere Forschergruppe wiederholte den Versuch – und kam zu einem anderen Ergebnis: Diesmal wirkten sich schrumpelige Finger weder auf die Fingerfertigkeit noch auf den Tastsinn der Testpersonen aus.

Dass Schrumpelfinger überhaupt einen besonderen Sinn haben, ist also fraglich – genauso gut könnte das Verschrumpeln einfach ein Nebeneffekt der Gefäßverengung sein.