Eine Frau gibt Gesichtswasser auf ein Wattepad.
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Mizellenwasser & Co.: Was man über Mizellen-Produkte wissen sollte

Ob in Gesichtswasser, Make-up-Entferner, Shampoos oder Zahnpasta: Mizellen finden sich inzwischen in zahlreichen Kosmetikprodukten. Aber was sind Mizellen eigentlich?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Mizellenwasser & Co.: Was man über Mizellen-Produkte wissen sollte

Überall tauchen plötzlich Mizellen-Produkte auf. Doch wer denkt, Mizellen seien eine neue Erfindung, irrt sich. Eigentlich sind Mizellen ein alter Hut, der sich jedoch offenbar wunderbar vermarkten lässt.

Was sind Mizellen?

Unter Mizellen versteht man eine kugelförmige Anordnung von waschaktiven Substanzen, den Tensiden. Einzelne Tensid-Moleküle lagern sich ab einer gewissen Menge zu Mizellen zusammen, wenn sie mit Wasser in Berührung kommen. Dabei richten sich ihre wasserliebenden (hydrophilen) Köpfe nach außen und die fettliebenden (lipophilen) Enden nach innen. Auf diese Weise können sie Fett- oder Schmutzpartikel lösen und einschließen – etwa bei der Gesichtsreinigung.

Das ist im Grunde das gleiche Prinzip wie bei Seife. Jede Seife kann im Wasser Mizellen bilden. Aber Mizellenwasser ist trotzdem nicht das Gleiche wie Seifenwasser. Dank neuerer Tenside sind die Mizellen in ausgewiesenen Mizellen-Produkten im Vergleich zu den herkömmlichen Mizellen in Seife geradezu winzig – sie bewegen sich im Nano-Bereich. Eine Ausweisung als Nanopartikel auf der Verpackung ist jedoch nicht erforderlich, denn die Mizellen lösen sich noch während der Anwendung wieder auf.

Mizellen: Nanoklein mit Tiefenwirkung

Da Mizellen so winzig sind, können sie tiefer in die Haut eindringen, auch in kleinere Poren. Deshalb reinigen Mizellen-Produkte oft gründlicher. Durch diese "Tiefenwirkung" lassen sich zudem pflegende Stoffe gezielt in die Haut transportieren. Dieses Prinzip nutzt man auch bei manchen Medikamenten, um Wirkstoffe einzukapseln und gezielt an den Wirkort zu befördern.

Problematische Inhaltsstoffe als Trittbrettfahrer

Dass Mizellen tiefer in die Haut eindringen, kann bei Kosmetikprodukten aber auch ein Nachteil sein. Denn neben den Stoffen, bei denen das erwünscht ist, können andere Inhaltsstoffe mithilfe der nanokleinen Mizellen wie mit einer Art Taxi ebenfalls in die Haut gelangen. Viele dieser Stoffe sind unbedenklich. Manche gelten jedoch aus gesundheitlicher Sicht als problematisch, so zum Beispiel die Stoffe PEG und PHMB.

Hautreizendes PEG

Hinter der Abkürzung PEG verbirgt sich Polyethylenglykol, ein Tensid, das aus Erdöl hergestellt wird und letztlich als Mikroplastik einzustufen ist. PEG wirkt als Emulgator und hilft dabei, dass Wasser und Fett sich verbinden. Außerdem trägt es zur Schaumbildung bei.

PEG in Kosmetikprodukten ist umstritten, denn es macht die Hautbarriere durchlässiger und kann so zu Reizungen führen. In manchen Gesundheitsprodukten kann die bessere Durchlässigkeit erwünscht sein, etwa für medizinische Wirkstoffe. Bei Kosmetik können auf diese Weise jedoch auch andere Inhalte wie Duftstoffe, Konservierungsstoffe oder Umweltgifte in die Haut gelangen.

Wer wissen will, ob PEG im Reinigungsprodukt vorkommt, muss sich die Inhaltsangaben anschauen. Polyethylenglykol und dessen Abkömmlinge erkennt man

  • entweder an der Abkürzung PEG in Kombination mit einer Zahl (z. B. PEG-8)
  • oder an der Endung -eth im Namen einer Substanz (wie bei Sodium Laureth Sulfate).

Krebserregendes PHMB: Grenzwerte festgelegt

Der andere Problemkandidat ist PHMB (Polyaminopropylbiguanid). Ein Konservierungsmittel, das als krebserregend, erbgutverändernd sowie nachteilig für die Fortpflanzung und im Falle einer Schwangerschaft als schädlich für das Kind gilt. Die EU-Kosmetikverordnung erlaubt PHMB in Reinigungsprodukten für den Körper deshalb nur bis zu einem bestimmten Grenzwert, der noch als unbedenklich eingeschätzt wird.

Für PHMB gibt es unterschiedliche Bezeichnungen. Bei den Inhaltsangaben finden man es unter diesen Namen:

  • Polyaminopropylbiguanid
  • Polyhexanid
  • Polyaminopropyl Biguanide
  • Poly(iminocarbonylimidoyl-iminocarbonylimidoylimino-1,6-hexandiyl)-hydrochlorid
  • Polyhexamethylenbiguanid

Hinter diesen Handelsnamen verbirgt sich ebenfalls PHMB:

  • Baquacil
  • Cosmocil CQ
  • Vantocil

Fazit: Mizellenwasser und andere Produkte wirken reinigend. Oft gründlicher, möglicherweise jedoch nicht immer besser als andere Körperreinigungsprodukte. In einem Test mit Augen-Make-up-Entfernern reinigten Mizellen-Produkte beispielsweise nicht besser oder schlechter als herkömmliche Produkte.

Durch Mizellen an sich sind dem aktuellen Kenntnisstand zufolge keine gesundheitlichen Nachteile zu befürchten. Problematisch können unter Umständen aber je nach Kosmetikprodukt manche andere Inhaltsstoffe im Mizellenprodukt sein. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, sollte vor einem Kauf die Inhaltsangaben genauer unter die Lupe nehmen.