Frau mit langen Haaren von hinten
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Haare ausfetten: Sinnvoll oder Quatsch?

Viele Leute nutzen die Corona-Zeit, um ihre Haare ausfetten zu lassen. Das heißt: Sie waschen sie bis zu zwei Wochen lang gar nicht, und wenn, dann nur mit Wasser und ohne Shampoo. Der "No-Poo-Trend" verspricht, dass die Haare anschließend weniger fetten, seltener gewaschen werden müssen und dadurch gesünder und glänzender aussehen. Aber lässt sich die Kopfhaut tatsächlich umerziehen? Wir haben eine Dermatologin gefragt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Haare ausfetten: Die Folgen

Das Ziel: Glänzende, gesunde Haare, die weniger fetten und seltener gewaschen werden müssen. Der Weg dahin führt angeblich über fettige, ungewaschene Haare. Mindestens fünf Tage lang soll man seine Haare nicht waschen. Shampoo ist tabu, stattdessen kommt nur Wasser ans Haar. Manchmal kommen auch Shampoo-Alternativen wie Roggenmehl, Natron oder Tonerde zum Einsatz. Daher hat der Trend seinen Namen "No Poo".

Der ist nicht nur unangenehm, sondern auch wirkungslos. "Dass man die Talgdrüsen ausfetten lässt und sich die Fettproduktion dadurch reguliert, ist ein Ammenmärchen", sagt Christiane Bayerl, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie an der Helios Klinik in Wiesbaden. "Die Talgdrüsen produzieren eben, wie sie produzieren." Sich über längere Zeit hinweg nicht die Haare zu waschen ist besonders für Menschen mit fettiger Kopfhaut mehr als nur ein kosmetisches Problem: "Es kann krank machen, wenn man zu viel Fett produziert und es dann nicht abwäscht", sagt die Expertin. Gerade Menschen mit fettigen Haaren sollten sich also nicht seltener die Haare waschen.

Denn von den Fetten der Kopfhaut ernähren sich bestimmte Pilze, die wir immer auf der Haut haben. Entfernen wir die Fette nicht regelmäßig, vermehren sich die Pilze übermäßig. Mit der Folge, dass das Gleichgewicht unserer Kopfhaut durcheinandergerät und Juckreiz und Ekzeme entstehen können. Auf der fettigen Kopfhaut bilden sich außerdem mehr Schuppen.

Haare waschen nur mit Wasser statt mit Shampoo?

Das ist durchaus ratsam – aber nur hin und wieder. "Wenn man sich mehr als nur zwei- bis dreimal in der Woche die Haare waschen möchte, wäre es gut, sie auch einmal nur mit Wasser zu waschen", sagt die Hautärztin.

Sich wochenlang nur mit Wasser und ohne Shampoo die Haare zu waschen, davon rät Bayerl entschieden ab. Auf diese Weise wird das Fett nicht entfernt – mit den oben genannten Konsequenzen.

Wie gut sind Hausmittel statt Shampoo zum Haarewaschen?

Endlich mal eine gute Nachricht: Alternativen wie Roggenmehl oder Tonerde, die mit Wasser vermischt zum Haarewaschen benutzt werden, können tatsächlich wirken. "Wenn man die Haare zum Beispiel sehr viel mit Packungen und Spülungen gepflegt hat, wird das Haar ja in der Länge ganz schön, ist aber am Haaransatz häufig noch fettig", erklärt Christiane Bayerl. Rubbelpartikel wie in Roggenmehl und Tonerde oder leichte Säuren wie verdünnter Himbeeressig können helfen, die Fette am Haaransatz zu entfernen. An der Talgproduktion ändern können sie aber nichts.

Wie häufig sollte man die Haare waschen?

Das kommt ganz auf den Hauttyp an. Jemand mit einer trockenen Haut oder Neurodermitis sollte sich nicht häufiger als alle drei Tage die Haare waschen. "In dem Fall ist die Kopfhaut empfindlicher für die Substanzen, die die Fette aus der Haut ausschwemmen", erklärt die Ärztin. Wer täglich Sport macht, darf sich dagegen durchaus zwei Mal am Tag die Haare waschen ­– am besten morgens ohne, abends mit Shampoo.

Was tun bei fettigen Haaren?

Wer sehr fettige Haare hat, kann auf einige Dinge achten. Schweiß regt die Talgdrüsen zum Beispiel dazu an, vermehrt Fett zu produzieren. Wer also häufig Sport treibt, sollte sich anschließend die Haare waschen. Im Winter kann eine dicke Mütze die Fettproduktion auf der Kopfhaut anregen.

Häufig hört man den Tipp, dass kaltes Wasser die Talgproduktion weniger anregt als heißes Wasser. Das stimmt jedoch nicht. Heißes Wasser entzieht der Kopfhaut zwar Fette, reizt sie jedoch und trocknet sie aus. Es empfiehlt sich daher, normal temperiertes Wasser zum Haarewaschen zu verwenden.

Was tun bei krankhaft fettiger Kopfhaut?

Wessen Haut extrem viel Fett produziert, also seborrhoisch ist, der sollte ein Shampoo mit einem Antipilzmittel verwenden. Dies kann der Hautarzt verschreiben.