Eine junge Frau schmiert sich Creme ins Gesicht
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After-Sun-Produkte: Was bringen sie wirklich?

Einen bis sechs Euro kostet eine Tube After Sun aus der Drogerie. Für Apotheken-Produkte zahlt man sogar bis zu 30 Euro. Lohnt sich das? Heilt Sonnenbrand schneller, wenn man die Haut mit After-Sun-Lotion eincremt?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

After-Sun-Produkte: Was bringen sie wirklich?

Dass After-Sun-Lotionen immer in türkisblauer Meeres-Brise-Optik daherkommen, entspringt einer klugen (wenn auch mäßig kreativen) Werbeidee: Nichts wünscht sich der Sonnenbrand-Geplagte sehnlicher als Kühlung. Am liebsten würde er den betroffenen Körperteil in einem Kübel Eiswasser versenken, bis das schmerzhafte Brennen nachlässt. Da das im Alltag aber eher unpraktikabel ist, kommt ihm eine schnell einziehende Creme mit Kühl-Effekt gerade recht – besonders, wenn sie zusätzlich "beruhigend" und "reparierend wirkt". Sehr praktisch: Eincremen, besser fühlen – kurz darauf geht's der Haut wieder prima. Die Frage ist: Sind solche Werbeversprechen überhaupt haltbar?

In einem aktuellen Artikel des Verbrauchermagazins Öko-Test wird diese Frage mit einem klaren Nein beantwortet. Für die Juli-Ausgabe hat das Magazin 29 After-Sun-Mittel verschiedener Hersteller getestet, darunter Lotionen, Gele und Sprays. Im Test ging es vor allem um problematische Inhaltsstoffe, aber auch um das, was auf der Verpackung steht. Und das bezeichnen die Autoren als teils "ärgerlich":

Werbeversprechen wie "Regeneration" oder "Reparatur" seien überzogen. In einem Fall hätten die irreführenden Behauptungen auf dem Etikett sogar zur Abwertung geführt. After-Sun-Produkte könnten zwar kühlen. Aber das könne schließlich auch ein "nasser Lappen".

Wie kommt die kühlende Wirkung zustande?

Dass After-Sun-Produkte kühlen, stimmt. Diese Wirkung verdanken die Gele und Lotionen ihren wohl billigsten Zutaten: Wasser und Alkohol. Beide verdunsten auf der Haut und entziehen ihr dadurch Wärme. "Verdunstungskühlung" nennt man dieses Phänomen, das wir im Alltag vom Schwitzen kennen.

Dass dieser wohltuende Kühl-Effekt die Haut beruhigen und den Juckreiz betäuben kann, trifft zu. Tatsächlich kann die Kälte die akute Entzündung, um die es sich bei einem Sonnenbrand letztlich handelt (siehe Kasten), ein wenig lindern.

"After-Sun-Produkte (...) können die Haut aber nicht reparieren", stellen die Autoren des Öko-Test-Artikels klar. Die Schäden, die UV-Strahlen im Erbgut verursachen, lassen sich mit keiner Lotion der Welt flicken. Bis zu einem gewissen Grad ist der Körper dazu selbst in der Lage. Ein Teil der Sonnen-Schäden bleibt jedoch zurück und erhöht das Risiko für Hautkrebs. Daran ändert nachträgliches Cremen nichts.

Sonnenbrand – eine Entzündungsreaktion
UV-Strahlen sind so energiereich, dass sie in den Zellkern der Hautzellen vordringen und das dort liegende Erbgut (die DNA) schädigen. Da DNA-Schäden gefährlich werden können (etwa, weil sie zu Krebs führen können), versucht der Körper, diese sofort zu reparieren. Die für den Sonnenbrand typischen Entzündungszeichen – Rötung, Schwellung, Juckreiz, Schmerzen – sind Begleiterscheinungen dieser Reparaturvorgänge.

Auch die Heilung eines Sonnenbrands lässt sich durch After-Sun-Lotionen wohl nicht beschleunigen. Keiner im Test genannten Hersteller liefert dafür ausreichende Belege. Einige der Mittel enthalten zwar Aloe vera, das kühlend wirkt und dem eine heilende Wirkung bei Hautschäden zugeschrieben wird. Inwieweit Aloe vera die Heilung eines Sonnenbrands unterstützen kann, ist aber noch nicht geklärt. Bisherige Studien sind zu widersprüchlichen Ergebnissen gekommen.

Übrigens: Selbst Hydrokortison, ein entzündungshemmender Wirkstoff, der als Mittel der Wahl bei Sonnenbrand gilt, kann den Heilungsprozess nicht deutlich beschleunigen. Bereits 2002 wiesen Forscher in einer Studie nach, dass Sonnenbrand höchstens einen Tag früher abklingt, wenn man ihn mit Hydrokortison behandelt: Mit Behandlung dauert die Heilung etwa sieben bis acht Tage, ohne acht.

Lohnt sich der Kauf?

Fazit: Der Kauf lohnt sich, aber ...

... nur, wenn man sich keine Wunder erhofft. After-Sun-Produkte können den Sonnenbrand erträglicher machen. Wichtig ist, dass man sie nicht anstelle von Sonnenschutz verwendet. Und, dass man vor dem Kauf einen Blick auf die Inhaltsstoff-Liste wirft: Wie Öko-Test feststellte, enthalten viele After-Sun-Produkte PEG/PEG-Derivate, Paraffine, Silikone, problematische Duftstoffe und andere möglicherweise bedenkliche Inhaltsstoffe.

Auf der sicheren Seite scheint man dagegen mit Lotionen aus der Naturkosmetik zu sein: "Sehr gut" schnitten etwa die After-Sun-Produkte von "Lavera", "Eco Cosmetics" und "Dr. Hauschka" ab.

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