Drei Schwangere beim Yoga
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Geburtsvorbereitungskurs

Ein Geburtsvorbereitungskurs hilft besonders Schwangeren, die ihr erstes Kind bekommen: Sie können sich auf die Geburt vorbereiten und lernen, mit möglichen Ängsten umzugehen. Aber auch viele Schwangere, die bereits Kinder haben, nutzen Kurse zur Geburtsvorbereitung gerne. Denn diese bieten die Gelegenheit, das Wissen aufzufrischen und sich Zeit für die aktuelle Schwangerschaft zu nehmen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Ja oder nein?

Wie ein Geburtsvorbereitungskurs aussieht, hängt vom jeweiligen Modell ab. Es gibt Kurse ...

  • nur für Schwangere (also ohne Partner)
  • für Paare (mit Partner oder anderer Begleitperson)
  • einmal wöchentlich über mehrere Wochen
  • als Wochenend-Crashkurs
  • nur für Erstgebärende
  • nur für Schwangere, die bereits Kinder haben
  • gemischte Kurse (also für Erst- und Mehrgebärende)

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kursgebühren für die Schwangere im Umfang von 14 Stunden à 60 Minuten (bzw. entsprechend umgerechnet auf Wochenend-Kurse). Die werdenden Väter oder andere Begleitpersonen bei Partnerkursen müssen in der Regel die Kursgebühr selber zahlen.

Bei Bedarf kann der Geburtsvorbereitungskurs auch in Einzelsitzungen zuhause oder im Krankenhaus in Anspruch genommen werden, beispielsweise wenn die Schwangere aufgrund von Komplikationen in der Schwangerschaft Bettruhe einhalten muss. Die Krankenkasse übernimmt auch in solchen Fällen die Kursgebühr, wenn ein Arzt darüber ein Rezept ausstellt.

Geburtsvorbereitung – ab wann?

Einen Geburtsvorbereitungskurs können Sie jederzeit in der Schwangerschaft belegen. Es ist aber sinnvoll, einen Zeitpunkt zu wählen, zu dem die Schwangerschaft zum einen schon weiter fortgeschritten ist, andererseits aber der errechnete Geburtstermin noch nicht zu nahe liegt.

Darum bietet sich der Beginn des 3. Trimesters (also etwa die 29. SSW) an, um mit einem Kurs zur Geburtsvorbereitung zu starten. So konnten Sie bereits Eindrücke in der Schwangerschaft sammeln, spüren die Tritte und Knüffe des Babys, hatten vielleicht die ersten Übungswehen und können all dies im Kurs besprechen. Die Geburt steht jedoch nicht unmittelbar bevor, sodass noch genug Zeit ist, im Geburtsvorbereitungskurs wichtige Punkte zu besprechen und Atem- und Entspannungstechniken zu erlernen.

Video: Diese 5 Dinge über die Geburt sollten Schwangere wissen

Wo finde ich Kurse?

Geburtsvorbereitungskurse werden von vielen Stellen angeboten. Dazu gehören:

  • Krankenhäuser, die eine Geburtsstation haben
  • Hebammen
  • Geburtshäuser
  • Familienbildungsstätten
  • Frauengesundheitszentren

Schauen Sie sich in der Praxis Ihres Frauenarztes oder bei Ihrer Hebamme um: Oft finden Sie dort Aushänge zu Geburtsvorbereitungskursen in Ihrer Nähe.

Inhalt des Kurses

"Da wird doch nur gehechelt – oder?" Viele Menschen denken beim Thema Geburtsvorbereitungskurs automatisch an den Begriff "Hechelkurs". Tatsächlich werden in Kursen zur Geburtsvorbereitung Atemtechniken eingeübt, die der Schwangeren helfen sollen,

  • unter der Geburt die Wehen zu veratmen.
  • zu entspannen, wann immer das nötig ist.
  • Schmerzen zu erleichtern.
  • Ängste abzubauen.

Zu diesen Atemtechniken gehört das sogenannte Tönen, wobei alle, die es möchten (niemand muss daran teilnehmen!), gemeinsam unter Anleitung pfeifen, seufzen, hecheln usw. Diese Atemtechniken bilden nur einen kleinen Teil des Geburtsvorbereitungskurses, sind aber für viele Frauen eine wichtige Hilfe für die anstehende Geburt.

Ein guter Geburtsvorbereitungskurs ist aber weitaus vielfältiger und hat inhaltlich mehr zu bieten. Neben den Atemtechniken gehört beispielsweise zum Inhalt eines Geburtsvorbereitungskurses:

  • Erläuterung der Abläufe (körperlich sowie psychisch) während
  • Besprechen möglicher Komplikationen bzgl. Schwangerschaft und Geburt
  • Schilderung und Ablauf eines Kaiserschnitts
  • Väter-Tage (wenn es kein Partnerkurs ist)
  • Filme, Broschüren, Bücher oder Puppen als Anschauungsmaterial
  • Besichtigung eines Kreißsaals (inkl. Vorführung der Gebärhilfen, z.B. Gebärhocker, und Erläuterung der Geräte)
  • Erklären und Ausprobieren der unterschiedlichen Gebärpositionen und -hilfen
  • Besprechen der verschiedenen Möglichkeiten zur Schmerzlinderung unter der Geburt (z.B. PDA)
  • Entspannungsübungen
  • Informationen zur Babypflege und zum Stillen
  • Besprechen von Ängsten, Sorgen und allgemeinen Fragen
  • Unterstützung beim Umgang mit schwangerschaftsbedingten Veränderungen

In vielen Kursen gehört zu jeder Stunde eine abschließende Entspannungsübung dazu.

Wofür brauche ich den Kurs?

Geburtsvorbereitungskurse dienen in erster Linie dazu, Wissen über die Abläufe in der Schwangerschaft, bei der Geburt und für das Wochenbett zu erlangen und darüber mögliche Ängste abzubauen oder zu mindern. Außerdem erlernt man Techniken, um mit Unsicherheiten und Schmerzen umzugehen. Viele Schwangere, besonders solche,

  • die ihr erstes Kind erwarten oder
  • bereits eine schwere Geburt hinter sich haben oder
  • deren Schwangerschaft problematisch ist,

entwickeln Ängste bezüglich der Geburt oder möglichen Komplikationen. Besonders die Furcht vor den Wehen- und Geburtsschmerzen macht vielen Frauen zu schaffen.

Angst beeinflusst jedoch das Schmerzempfinden – man verkrampft und atmet flacher – was wiederum dazu führt, dass die Schmerzen zunehmen. So gerät man schnell in einen Teufelskreis, wodurch die Geburt unter Umständen tatsächlich schwieriger wird.

Im Geburtsvorbereitungskurs lernen die schwangeren Frauen, diese Sorgen zu benennen und damit umzugehen. Alleine das Wissen darum, was bei der Geburt genau geschieht, stärkt das Selbstvertrauen und kann dazu führen, dass Ängste abnehmen.

Aber auch für Schwangere, die keine speziellen Befürchtungen bezüglich der Geburt oder der Schwangerschaft haben, kann ein Geburtsvorbereitungskurs hilfreich sein. Denn dort treffen sich Schwangere, die etwa in der gleichen Schwangerschaftswoche sind und somit ähnliche Gesprächsthemen, Fragen oder Probleme haben oder sich einfach mit Gleichgesinnten austauschen möchten. Oft bilden sich im Geburtsvorbereitungskurs Freundschaften, die noch lange Jahre später bestehen.

Für Frauen, die bereits Kinder haben, bietet der Vorbereitungskurs oft eine Möglichkeit, sich auf die aktuelle Schwangerschaft zu besinnen und dieser einen eigenen Raum zu geben. Denn im Alltag mit Kindern bleibt dafür weniger Zeit als bei der ersten Schwangerschaft.

Und auch für den Partner kann der Geburtsvorbereitungskurs hilfreich sein. Väter fühlen sich häufig von der Schwangerschaft ausgeschlossen, da sie nicht so eng daran teilhaben wie die Schwangere selbst. Im Kurs können sie andere Väter treffen, sich mit diesen austauschen und eigene Ängste und Sorgen formulieren. Ein guter Geburtsvorbereitungskurs widmet sich an vielen Stellen gezielt dem werdenden Vater – zum einen, um ihm Möglichkeiten aufzuzeigen, mit seinen Ängsten umzugehen, zum anderen, damit er bei der Geburt die werdende Mutter optimal unterstützen kann.