Eine Frau lässt sich die Lippen unterspritzen.
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Lippenkorrektur

Wohlgeformte, volle Lippen gelten als Zeichen für Vitalität und Sinnlichkeit. Schmale Lippen oder herabhängende Mundwinkel können uns hingegen mürrisch oder streng erscheinen lassen. Aus diesem Grund lassen einige Menschen eine Lippenkorrektur vornehmen. Lesen Sie, welche Formen der Lippenkorrektur es gibt und welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Wie unsere Lippen geformt sind, ist genetisch bedingt. Um dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen , entscheiden sich einige Menschen für einen Eingriff. Hierzulande zählen Lippenkorrekturen sogar zu den häufigsten Schönheitsoperationen. Vor allem minimalinvasive Eingriffe wie die Lippenunterspritzung nehmen zu. Ziel dieser Behandlung ist meist ein Volumenaufbau.

Arten der Lippenkorrektur

Inzwischen gibt es zahlreiche Formen der Lippenkorrektur. Einer der häufigsten Eingriffe ist die Lippenvergrößerung (Volumenaufbau). Hierzu verwenden Chirurg*innen verschiedene Verfahren:

  • Unterspritzung mit unterschiedlichen Füllmaterialien (z. B. Eigenfett, Hyaluronsäure, Kollagen oder Mischformen)
  • Unterlegung mit Kunststoff- oder Gewebestreifen
  • Chirurgische Vergrößerung (Lippen-Lifting)

Neben der Lippenvergrößerung besteht zudem die Möglichkeit, eine Mundwinkel- und Faltenkorrektur um die Lippen herum vorzunehmen. Wesentlich seltener als Lippenvergrößerungen sind Lippenverkleinerungen. Bei diesem Eingriff wird überschüssiges Lippengewebe entfernt. Der Eingriff wird zum Beispiel vorgenommen, wenn entweder die Ober- oder die Unterlippe unverhältnismäßig groß ist und sich der*die Patient*in einen symmetrischen Mund wünscht.

Was kostet eine Lippenkorrektur?

Eine Lippenkorrektur kann teuer werden, da sich die Patient*innen meist in regelmäßigem Abstand einer Behandlung unterziehen, um die Wirkung aufrechtzuerhalten. Ja nach Art und Umfang des Eingriffs sollten Sie mit einem Preis zwischen 150 und 850 Euro pro Sitzung rechnen. Eine chirurgische (einmalige) Lippenkorrektur kostet etwa 700 bis 1.200 Euro.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nur in wenigen Ausnahmefällen, zum Beispiel, wenn Sie einen Unfall hatten.

Unterspritzung der Lippen

Eine Lippenunterspritzung soll folgende Effekte erzielen:

  • Vergrößerung des Lippenvolumens
  • Lippenmodellierung
  • Betonung/Verfeinerung der Lippenkontur
  • Ausgleich von Unebenheiten/Begradigung schiefer Lippen
  • Reduzierung von Oberlippenfältchen

Für die Unterspritzung werden inzwischen fast ausschließlich Materialien verwendet, die der Körper eigenständig abbauen kann. Die gängigsten Füllstoffe sind

  • Eigenfett,
  • Hyaluronsäure
  • oder Kollagen.

Mitunter kommen auch Mischformen aus Kollagen oder Hyaluronsäure und kleinen Kunststoffkügelchen zum Einsatz. Auch besteht die Möglichkeit einer dauerhaften Lippenvergrößerung mit Silikongel. Von diesen Füllstoffen rät die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie allerdings dringend ab, da der Körper sie nicht abbauen kann und sie zudem Deformierungen, Verhärtungen und allergische Reaktionen zur Folge haben können.

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Wie läuft eine Unterspritzung ab?

Eine Lippenunterspritzung findet in der Regel ambulant und unter Lokalnarkose statt. Dies geschieht entweder durch eine Spritze oder mithilfe von Betäubungscreme. Es gibt verschiedene Techniken, um das Füllmaterial unter die Lippen zu spritzen. Die Vorgehensweise richtet sich nach dem gewünschten Ergebnis:

1. Fächertechnik mit der Mikrokanüle

Verfahren: Der*die Chirurg*in nimmt zwei Einstiche im Bereich des Mundwinkels vor. Hierzu wird eine Mikrokanüle verwendet.

Effekt: Vergrößerung/Aufbau des Lippenvolumens und Verbesserung der Lippenkontur.

2. Fächertechnik mit der Nadel

Verfahren: Der*die Chirurg*in setzt die Nadel – anders als die Mikrokanüle – nicht am Mundwinkel an. Stattdessen wird die Nadel in die Lippenschleimhaut eingeführt.

Effekt: Vergrößerung/Aufbau des Lippenvolumens und Aufbau der sogenannten Marionettenlinien (die schmalen Falten, die von den Mundwinkeln hinab zum Kinn verlaufen).

3. Senkrechte Technik

Verfahren: Der*die Chirurg*in spritzt das Füllmaterial senkrecht vom äußeren Lippenrand nach innen zur feuchten Lippenschleimhaut.

Effekt: Vergrößerung/Aufbau des Lippenvolumens und Korrektur/Aufbau der Lippenschleimhaut.

4. Punktuelle Technik

Verfahren: Der*die Chirurg*in spritzt das Füllmaterial mit einer sehr feinen Nadel an mehreren Punkten senkrecht in die Lippen. Hier ist besonderes Feingefühl gefragt. Eine Überkorrektur in diesem Bereich kann schnell zu sogenannten "Schlauchbootlippen" führen und unnatürlich wirken.

Effekt: Betonung des mittleren Lippenbereichs.

Unterspritzung mit Eigenfett (Lipofilling)

Wenn Sie sich für eine Unterspritzung mit Eigenfett oder Unterhautgewebe entscheiden, werden Ihnen im Vorfeld Fettzellen entnommen, beispielsweise aus dem Bauch oder Oberschenkel.

Dieser Eingriff erfolgt im Rahmen einer Fettabsaugung (Liposuktion), entweder unmittelbar vor der Unterspritzung oder bei einem früheren Termin. Die Fettzellen werden dann im Labor aufbereitet und gereinigt, sodass nur die reinen Fettzellen zum Einsatz kommen. In der Regel wird so viel Material entnommen, dass es für mehrere Anwendungen reicht. Die nicht benötigten Fettzellen werden solange eingefroren.

Vorteile:

  • Gute Verträglichkeit: Eine Abstoßreaktion des Körpers ist ausgeschlossen. Auch allergische Reaktionen treten nicht auf.
  • Die Wirkung hält vergleichsweise lange an (mehrere Monate bis zu zwei Jahre).

Nachteile:

  • Das Verfahren ist aufwendiger und teurer, da in einem ersten Schritt das körpereigene Füllmaterial gewonnen werden muss.
  • Schwellungen und Spannungsgefühl nach dem Eingriff fallen oft vergleichsweise stark aus.
  • Das Behandlungsergebnis lässt sich nur schwer vorhersagen: Insbesondere, wenn zu viel Füllmaterial untergespritzt wird, sehen die Lippen schnell unnatürlich aus ("Schlauchbootlippen"). Zudem können sich die Konturen der Lippen verändern, wenn das Eigenfett an den falschen Stellen eingespritzt wird.

Unterspritzung mit Hyaluronsäure

Hyaluron zählt zu den künstlichen, also industriell hergestellten Füllstoffen. Die Säure kommt aber auch natürlicherweise im menschlichen Körper vor, nämlich als wichtiger Bestandteil des Bindegewebes. Das Material eignet sich aufgrund seiner hautglättenden Wirkung und seiner Fähigkeit, große Mengen an Flüssigkeit zu speichern, besonders gut als Füllstoff.

Vorteile:

  • Hyaluronsäure ist gut verträglich und frei von Allergenen und Verunreinigungen.
  • Das Material lässt sich gut verteilen und formen.
  • Hyaluronsäure kann vollständig abgebaut werden.

Nachteile:

  • Die Wirkung hält nicht so lange an wie die Unterspritzung mit Eigenfett, nämlich nur etwa 4 bis 8 Monate.

Unterspritzung mit Kollagen

Kollagen funktioniert als Füllmaterial ähnlich wie Hyaluron. Kollagen ist ein körpereigenes Eiweiß (Protein), das der Haut Spannkraft verleiht. Es ist die erste Füllsubstanz, die industriell vermarktet wurde. Mittlerweile kommt das Material allerdings immer seltener zum Einsatz, da das Risiko einer allergischen Reaktion gegen enthaltenes Fremdeiweiß besteht.

Vorteile:

  • Das Material lässt sich gut verteilen und verformen.
  • Schwellungen und Spannungsgefühl nach dem Eingriff gehen vergleichsweise schnell zurück.
  • Kollagen kann vollständig abgebaut werden.

Nachteile:

  • Risiko einer allergischen Reaktion: Um dies zu vermeiden, sollte zwei Wochen vor dem Eingriff ein Allergietest durchgeführt werden.
  • Die Wirkung hält nicht so lange an wie die Unterspritzung mit Eigenfett, nämlich nur etwa 4 bis 8 Monate.

Weitere Verfahren der Lippenkorrektur

Unterlegung mit Kunststoff- oder Gewebestreifen

Bei dieser Methode werden schmale Gewebe- oder Kunststoffstreifen in die Lippen geschoben. Hierzu setzt der*die Chirurg*in schmale Schnitte entlang der Mundwinkel. Die Streifen sind als dauerhaftes Füllmaterial gedacht, können aber auf Wunsch des*der Patient*in entfernt werden, wenn sie zum Beispiel verrutscht sind. Hierzu ist allerdings ein erneuter Eingriff unter lokaler Betäubung notwendig, der auch wieder mit Kosten verbunden ist.

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Chirurgische Vergrößerung der Lippen (Lippen-Lifting)

Bei dieser Methode handelt es sich um einen vergleichsweise großen Eingriff, der besondere Sorgfalt erfordert. Der*die Chirurg*in sollte daher möglichst viel Erfahrung mitbringen.

Bei dem Eingriff wird zunächst ein Schnitt entlang des oberen Lippenrandes vorgenommen. Einige Millimeter darüber wird ein zweiter Schnitt gesetzt. und zwar in der gewünschten Lippenform. Das Hautstück, das zwischen den beiden Schnitten liegt, wird nun entfernt. Anschließend wird die untere Schnittlinie hochgezogen und mit der oberen Linie vernäht. Die Oberlippe wird also angehoben, indem die Distanz zwischen Mund und Nase verkleinert wird. Dieser Eingriff ist mit einer vergleichsweise komplexen Nachsorge und langen Heilungsdauer verbunden.

Vor- und Nachsorge

Vor dem Eingriff

Eine Lippenkorrektur ist in der Regel medizinisch nicht notwendig und sollte daher gut überlegt sein. Es gilt abzuwägen, ob ein potenzieller Leidensdruck, der mit Ihrem äußeren Erscheinungsbild einhergeht, durch eine Operation wirklich gemildert wird, oder ob die Motive hinter Ihrem Wunsch nach einer Lippenkorrektur tiefer gehen und womöglich eine gestörte Selbstwahrnehmung dahintersteckt.

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Um für sich die richtige Entscheidung zu treffen, sollten Sie sich zunächst ausführlich beraten lassen. Bei einem Vorgespräch wird Ihnen der*die Arzt*Ärztin verschiedene Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen, Sie über mögliche Füllmaterialien informieren und die jeweiligen Vor- und Nachteile mit Ihnen zusammen abwägen. Der*die Chirurg*in wird Ihnen eine realistische Vorstellung des Ergebnisses vermitteln, aber auch die Grenzen der Verfahren darlegen und Sie über mögliche Risiken aufklären. Zudem werden oft Vorher-Nachher-Bilder gemacht, um das gewünschte Ergebnis visuell darzustellen und die Wirkung der Behandlung dokumentieren zu können.

Bei dem*der behandelnden Arzt*Ärztin sollte es sich möglichst um eine*n erfahrene*n Facharzt*Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie mit entsprechendem Zertifikat handeln.

Tipps für die Suche finden Sie hier.

Rund zwei Wochen vor dem Eingriff sollte der*die Patient*in

  • auf Nikotin verzichten, um die Sauerstoffversorgung der Haut zu verbessern und die Wundheilung zu beschleunigen.
  • auf Medikamente verzichten, die die Blutgerinnung verzögern, insbesondere auf Schmerzmittel, Schlafmittel, fiebersenkende Medikamente, Rheumamittel, Acetylsalicylsäure und hochdosiertes Vitamin E .
  • auf Alkohol verzichten, da dieser ebenfalls die Blutgerinnung hemmt,
  • einen Allergietest machen, falls als Füllmaterial Kollagen verwendet wird. Bei einer Unverträglichkeit würde der Körper das Protein abstoßen.
  • keine Lasertherapie in der zu behandelnden Körperregion durchführen lassen.
  • keine invasiven kosmetischen Behandlungen (z. B. Microneedling) durchführen lassen.
  • keine Zahnbehandlungen, Zahnreinigungen oder Bleaching durchführen lassen.

Rund vier Wochen vor dem Eingriff sollte keine Impfung stattgefunden haben. Rund sechs Wochen vorher sollte sich der*die Patient*in an/um die Mundpartie herum nicht piercen oder tätowieren lassen.

Außerdem sollte der Eingriff verschoben werden, wenn der*die Patient*in

Nach dem Eingriff

Es ist empfehlenswert, dass Sie sich für die Zeit nach dem Eingriff einige Tage Urlaub nehmen, da die Behandlung Schwellungen und leichte Schmerzen hervorrufen kann.

Unmittelbar nach dem Eingriff sollten Sie

  • nicht rauchen,
  • keinen Sport treiben,
  • auf Heißgetränke und scharfe Gewürze verzichten,
  • auf Küsse verzichten,
  • sich nicht die Lippen schminken.

Verzichten Sie zudem mindestens eine Woche lang auf Saunagänge, Solarien und Sonnenbaden.

Zwei Wochen lang sollten Sie möglichst darauf verzichten, Ihre Lippen zu schminken. Vermeiden Sie außerdem Gesichtsmassagen oder anderweitige kosmetische Gesichtsbehandlungen. Auch Zahnarzttermine sollten erst nach rund vier Wochen wieder stattfinden.

Risiken und Komplikationen

Grundsätzlich gilt die Lippenkorrektur als unkomplizierter Eingriff. Dennoch kann es – wie bei allen Eingriffen – zu Komplikationen und Nebenwirkungen kommen.

Unmittelbar nach der Behandlung sind folgende Symptome möglich:

  • Schwellungen
  • Hämatome
  • Spannungsgefühl
  • Entzündungen an den Einstichstellen
  • Brennen/Pulsieren der Lippen
  • Hitzegefühl im Lippenbereich
  • Schwierigkeiten beim Sprechen und Essen
  • Allergische Reaktionen (je nach Füllmaterial)

Zudem kann eine Lippenkorrektur, wenn auch selten, schiefgehen. Wird zu viel Füllmaterial verwendet, kann ein unnatürliches Ergebnis ("Schlauchbootlippen") die Folge sein. Wird eine Unterspritzung mit Substanzen durchgeführt, die sich mit der Zeit eigenständig abbauen, ist diese unerwünschte Wirkung nur von begrenzter Dauer. Bei chirurgischer Vergrößerung oder Unterlegung mit Kunststoff- oder Gewebestreifen sieht dies allerdings anders aus.