Das Bild zeigt eine Frau mit Bauchnabelpiercing.
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Piercing

Für den einen drückt es Freiheit und ein kleines Stück "Anderssein" aus, für den anderen ist es einfach ein modisches Accessoire: das Piercing. Noch vor nicht allzu langer Zeit zog ein Ring in der Nase oder Lippe alle Augen auf sich – heutzutage reicht ein Piercing im Gesicht kaum noch aus, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Allgemeines

Piercing (fälschlicherweise oft "Pircing" geschrieben) leitet sich vom englischen Verb to pierce ab, was "durchstechen", "durchbohren" oder "durchdringen" bedeutet. Piercing steht für eine Form der Körperveränderung (englisch: body modification), bei der an einer bestimmten Stelle des Körpers (z.B. Lippe, Zunge, Nase, Bauchnabel) ein Loch durch das Gewebe gestochen wird. Dies geschieht meist mit einer Hohlnadel, wie sie auch Ärzte verwenden, um einen Tropf anzuhängen. Das Loch entspricht zu Beginn einer offenen Wunde, die in direktem Kontakt mit dem Piercingschmuck steht. Dies erklärt die Infektionsgefahr. Das Loch oder anders gesagt, der Kanal im Gewebe, dient dazu, Piercingschmuck zu tragen.

Ein weiterer Begriff für Piercing ist perkutaner Körperschmuck, wobei perkutan so viel wie "durch die Haut" bedeutet. Das Schmuckstück selbst heißt ebenfalls Piercing. Derjenige, der Piercings sticht, heißt Piercer. Daraus ergeben sich Formulierungen wie "Ich trage ein Piercing am Ohr." oder "Der Piercer hat mich am Ohr gepierct."

Oftmals verlangt es viel Mut, sich piercen zu lassen. Und vorher gilt es einiges zu überdenken: An welcher Stelle des Körpers soll das Piercing sein? Welche Form und Größe soll es haben? Bei wem lasse ich es mir stechen und wie lange braucht es, um zu heilen? Und nicht zuletzt kommt die Frage auf, ob ein "Loch" zurückbleibt, wenn das Piercing mal nicht mehr getragen wird. Um diese Fragen zu beantworten, bedarf es einer vernünftigen Vorbereitung. Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis können hilfreich sein, besonders wichtig ist aber ein Beratungsgespräch im professionellen Piercingstudio.

Grundsätzlich gilt: Piercings müssen handwerklich gut gemacht sein, Hygiene und professionelles Arbeiten sind ein Muss. Denn beim Piercen sticht der Piercer absichtlich eine Wunde, um das Schmuckstück einsetzen zu können. Dabei entsteht eine Eintrittspforte für Schmutz und Keime, die so lange bestehen bleibt, bis das Piercing endgültig verheilt ist. Komplikationen wie eine Blutung, Infektion und schlechte Heilung sind immer möglich, lassen sich durch sorgfältiges Arbeiten aber verringern. In jedem Fall verändern Piercings den Körper dauerhaft. Je nachdem, welcher Körperteil frisch gepierct ist, ergeben sich sogar für das alltägliche Leben gewisse Einschränkungen, etwa beim Duschen oder Baden. Während Ort, Form, Größe und Anzahl der Piercings vor allem durch den persönlichen Geschmack bestimmt werden, sollte die Wahl des Piercingstudios objektiver erfolgen.

Was ein Piercing so reizvoll macht, liegt im Auge des Betrachters. Das Geheimnisvolle spielt in manchen Fällen durchaus eine Rolle: Nur der Gepiercte weiß, dass er an verborgener, eventuell intimer Stelle "geschmückt" ist (Intimpiercing). Egal, ob Piercings für ihren Träger eine modische, provozierende, erregende oder verspielte Rolle erfüllen – der verantwortungsvolle Umgang mit dem Schmuck sollte an erster Stelle stehen. Dies gilt für alle Beteiligten, den Piercing-Träger und den Piercer.

Piercingarten

Welche Piercingarten gibt es überhaupt? Gängige Körperstellen für ein Piercing sind:

Das Durchstechen der Ohrläppchen rechnen Fachleute meist nicht als Piercing an, auch wenn diese weit verbreitete und gesellschaftlich allgemein akzeptierte Form des Körperschmucks von der Technik her recht ähnlich abläuft.

Piercing-Kosten

Wie hoch bei einem Piercing die Kosten sind, richtet sich vor allem nach dem verwendeten Piercingschmuck, unter Umständen auch nach der Piercingart. Die Preise sind von Studio zu Studio unterschiedlich, sodass kein Standardpreis genannt werden kann. In vielen Fällen beginnen die Piercing-Kosten bei etwa 40 Euro und reichen bis circa 100 Euro; aufwendiger und teurer Schmuck erhöht den Preis entsprechend.

Verbreitung und Stellenwert

Wie auch Tattoos verbreitet sich das Piercing immer weiter und ist mittlerweile zu einem Massenphänomen geworden, das in beinahe jeder gesellschaftlichen Schicht vorkommt. Die steigende Zahl der Piercing-Träger belegt, wie wichtig Schönheit und Körperschmuck den Menschen heutzutage ist. Was der Trend zum Piercen noch zeigt: Viele nehmen sogar Schmerzen hin, um ihren Körper zu verändern, aufzufallen und sich und anderen dadurch zu gefallen.

Wenn Wissenschaftler Daten zur Häufigkeit von Piercings erheben, zählen sie Piercings am Ohrläppchen, also etwa den typischen Ohrring, nicht hinzu. In den letzten Jahren haben sich verschiedene Studien der Frage gewidmet, wie häufig Piercings in der Bevölkerung vorkommen. Studien aus Deutschland kamen zu dem Ergebnis, dass etwa jeder fünfzehnte Deutsche ein Piercing trägt. Hochgerechnet entspricht das gut 5 Mio. gepiercten Bundesbürgern. Was sich deutlich zeigt: Jugendliche und junge Erwachsene schmücken sich öfter mit Piercings als ältere. In der Gruppe der 14- bis 24-Jährigen trugen laut einer Studie 38 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer ein Piercing. Den Angaben zufolge überwiegen in Deutschland bisher Piercings im Bereich des Kopfes, vor allem am Ohr.

Eine britische Studie mit über 10.000 Teilnehmern erbrachte ähnliche Zahlen, was die Häufigkeit angeht: Etwa jeder zehnte erwachsene Brite hat oder hatte ein Piercing. Viele von ihnen sind mehrfach gepierct, sodass jeder durchschnittlich 1,7 Piercings trägt. Dass eine Person über 10 Piercings trägt, ist wiederum eine Seltenheit.

In allen Altersgruppen liegen die Frauen vorn: Sie tragen öfter ein Piercing als Männer. Wie auch in Deutschland hängt in Großbritannien die Verbreitung der Piercings vom Alter ab. Frauen zwischen 16 und 24 Jahren haben die höchste Quote – in dieser Gruppe nennt beinahe jede zweite ein Piercing ihr Eigen. Am häufigsten gaben die Frauen dieses Alters an, ein Zungen- oder Lippenpiercing zu tragen. Mundpiercings scheinen "in" zu sein. Über alle Altersgruppen gesehen, waren in der britischen Erhebung unter Frauen Bauchnabelpiercings am beliebtesten, bei Männern Brustwarzenpiercings.

In Deutschland zeigte eine Studie aus dem Jahr 2008 bei 389 Piercing-Trägern folgende Verteilung von insgesamt 506 Piercings:

Körperbereich Frauen Männer
Ohrmuschel 142 29
Bauchnabel 114 3
Nase 72 12
Augenbrauen 25 24
Zunge 28 4
Brustwarze 3 9
Oberlippe 9 1
Unterlippe 7 1
Zungenbändchen 8 0
Intimbereich 4 3
Nasenscheidewand (Septum) 1 2
Kinn 2 0
Ohrknorpel (Tragus) 2 0
Nacken 0 1

Piercingschmuck

Wer sich für ein Piercing entscheidet, muss sich auch Gedanken über den Piercingschmuck machen: Welche Piercingform und -größe passt zu mir? Aus welchem Material soll mein Piercing sein? Wie wichtig ist die Qualität?

Piercingschmuck gibt es in einer Vielzahl unterschiedlicher Arten und Designs. Denn Piercingschmuck unterscheidet sich grundlegend von anderem Schmuck wie etwa einem "einfachen" Ring oder einer Kette: Das Piercing trägt man zu Beginn innerhalb einer frischen Wunde, dort kommt es in Kontakt mit dem Gewebe. Daher eignen sich nur bestimmte Materialien als Piercingschmuck. Wer ein Piercing plant und sich nach Schmuck umschaut, sollte sich stets bewusst sein: Noch wichtiger als die Optik des Schmucks ist die Sicherheit. Und die kann mitunter auch ihren Preis haben. Sparen sollte man an seinem Piercingschmuck nicht, dafür ist die Angelegenheit zu ernst. Experten raten davon ab, sich vorschnell für den Kauf eines Stückes zu entscheiden.

Doch warum ist manch "normaler" Schmuck nicht als Piercing geeignet?

  • Möglicherweise ist das Material nicht sicher für ein frisches Piercing (Erstpiercing), da es nicht sterilisiert werden kann oder zu einer Überempfindlichkeit der Haut oder zu einer Allergie führt.
  • Das Material kann schlecht verarbeitet und von mangelhafter Qualität sein – dies kann die Wunde reizen.
  • Minderwertige Ware mit schlecht schließendem Verschluss kann zum Verlust des Piercings und zum vorzeitigen Zusammenwachsen der Wunde führen.
  • Größe und Form des Schmuckstücks passen unter Umständen nicht zur Anatomie des Trägers.

Piercingschmuck für frische Piercings

Nur wenige Materialien sind für Erstpiercings, also frisch gestochene Piercings, geeignet. Ein Erstpiercing ist das Piercing, das der Piercer direkt nach dem Stechen einsetzt und das solange getragen wird, bis die Wunde geheilt ist. Während dieser Zeit steht das Piercing in direktem Kontakt mit Blut und Gewebe. Geht der Piercer hygienisch korrekt vor, trägt er dazu bei, dass das Piercing schnell und problemlos heilt.

Grundvoraussetzung für Piercingschmuck, der für ein frisches Piercing infrage kommen soll: Das Material muss der Hitze und dem Druck des Sterilisationsgerätes (Autoklav) standhalten – sonst kann es nicht von möglichen Keimen befreit werden. Für Metall, manche Glas- und Plastikarten trifft dies zu.

Unser Körper reagiert auf Fremdmaterial in vielen Fällen mit einer Abwehrreaktion. Je besser er ein Material verträgt, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Piercing keine Schwierigkeiten bereitet. Ein Fachbegriff für die Verträglichkeit lautet "Biokompatibilität".

Material, das Fachleute für ein Erstpiercing als geeignet ansehen:

  • Metalle wie
    • bestimmte Stahlarten
    • für Implantationen (Einpflanzungen) geeignetes Titan
    • für Implantationen geeigneter Stahl
    • nickelfreies Weißgold
    • nickelfreie Platinverbindungen
    • Niob (Niobium)
    • Gold
  • manche nichtgiftige Plastikarten wie PTFE (Polytetrafluorethylen) und Silikonarten
  • manche sterilisierbare Glassorten

Material, das Fachleute für ein Erstpiercing als ungeeignet ansehen:

  • Acryl (ein glasähnlicher Kunststoff)
  • organisches Material wie Knochen, Holz, Horn, Koralle
  • Sterlingsilber
  • mit einer Goldschicht überzogenes Metall
  • Modeschmuck und Billigware
  • Chirurgenstahl

Manche dieser Materialien kommen zwar für ein Erstpiercing nicht infrage, sehr wohl aber für ein bereits geheiltes Piercing, bei dem der Piercingschmuck nicht mehr direkt mit Gewebe, Blut oder anderen Körperflüssigkeiten in Kontakt kommt. Ein gängiges Beispiel ist Chirurgenstahl: Er eignet sich nicht für Erstpiercings, da er Nickel enthält. In der EU ist Chirurgenstahl ausschließlich für Zweitpiercings zugelassen.

Arten von Piercingschmuck

Bekannte und typische Piercingschmuck-Arten sind:

  • Ringe
    • Ball Closure Ring (BCR); Synonyme: Captive Bead Ring (CBR), Captive oder Captive Ring. Beim Ball Closure Ring verschließt eine in die Öffnung des Rings geklemmte Kugel den Ring, daher die Bezeichnung als Klemmkugelring. Allein die Spannung hält die Kugel in der richtigen Position.
    • Fixed Bead Ring; Synonym: Bead Ring. Bei dieser Variante ist die Kugel an einem Ende des Rings fixiert.
    • Bar Closure Ring (Stabverschlussring)
  • Stäbe
    • Gerader Barbell (Straight Barbell): Hierbei handelt es sich um einen geraden Stift, der an beiden Enden ein Gewinde hat, auf das sich Kugeln aufsetzen lassen.
    • Curved Barbell: gekrümmt bzw. leicht gebogene Form, auch als Banane, Bananabell oder Bananenpiercing bezeichnet
    • Circular Barbell; Synonym horseshoe (englisch für Hufeisen): in Form eines offenen Rings
    • Surface Bar (Surface Barbell): Diese Variante hat die Form einer offenen Heftklammer.
    • Septum Spike (spezielles Piercing der Nasenscheidewand = Septum)
  • Labret (Piercing im Bereich der Lippen, meist der Unterlippe; von dem lateinischen Wort "labrum" = Lippe)
    • Gerader Barbell (Straight Barbell): Hierbei handelt es sich um einen geraden Stift, der an beiden Enden ein Gewinde hat, auf das sich Kugeln aufsetzen lassen.
  • Nostril Stud (Nasenstecker)
  • Microdermal (Dermal Anchor, Hautanker): Dieses Piercing erlebt seit etwa 2006 einen regelrechten Boom. Im Gegensatz zu den sogenannten Oberflächenpiercings ragt beim Microdermal nur ein Ende aus der Haut heraus, nicht zwei. Daher zählt es zu den sogenannten Single-Point Piercings. Ein als Anker (englisch: Anchor) dienendes Metallstück, das der Piercer in die Haut einbringt, soll mit dem Gewebe verwachsen und später als Basis für ein Schmuckstück dienen. Nicht immer verheilt ein Microdermal problemlos: Es kann sich entzünden oder der Körper stößt es ab. Bei einem Microdermal entsteht in der Haut eine Tasche, die Keimen einen guten Unterschlupf bietet und somit Infektionen fördert.

Heilungszeiten

Wie schnell ein Piercing heilt, hängt zum einen davon ab, wie gut und sauber der Piercer gearbeitet hat, zum anderen davon, welches Material zum Einsatz kommt und wie sorgfältig der Träger es pflegt. Außerdem entscheidet auch die Körperstelle darüber, wie lang die Heilungszeit beträgt.

Unterteilt nach verschiedenen Körperregionen, betragen die Heilungszeiten von Piercings mehrere Wochen bis viele Monate (Mindestdauer angegeben):

Gesichtsbereich

  • Ohrknorpel: 4 - 12 Monate
  • Ohrläppchen: 6 - 8 Wochen
  • Zunge: 4 Wochen
  • Nasenscheidewand (Septum): 6 - 8 Monate
  • Nasenflügel: 2 - 4 Monate
  • Nasenrücken: 8 - 10 Wochen
  • Lippen: 2 - 3 Monate
  • Augenbrauen: 6 - 8 Wochen

Rumpfbereich

  • Bauchnabel: 1 - 12 Monate
  • Brustwarzen: 6 - 32 Wochen

Genitalbereich

  • Äußere Schamlippen (Labien): 4 bis 10 Wochen
  • Bereich der Klitoris: 4 bis 8 Wochen
  • Penis: 4 Wochen bis über 9 Monate
  • Hodensack (Skrotum): 3 bis 4 Monate
  • Schamhügel: 3 bis über 9 Monate

Rechtliches

Vom Standpunkt eines Juristen gesehen ist Piercing eine Körperverletzung. Wer sich ein Piercing stechen lässt, muss daher vorher schriftlich erklären, dass er mit dem Eingriff einverstanden ist. Im Falle Minderjähriger geben die Eltern eine solche Erklärung ab.

Viele Piercingstudios verpflichten sich selbst dazu, bestimmte Regeln einzuhalten:

  • Unter 14-Jährige werden nicht gepierct.
  • Bevor jemand ein Piercing bekommt, muss er sich ausweisen, indem er das Original seines Personalausweises, Reisepasses oder Führerscheins vorlegt. Eine Kopie des Dokuments legt der Piercer dem Anamnesebogen und der Einverständniserklärung bei. Der Anamnesebogen enthält Informationen, die für das Piercing bedeutsam sind, z.B. etwaige Krankheiten oder Allergien des Kunden.
  • Bei Personen zwischen 14 und 16 Jahren muss ein Elternteil oder ein Vormund (z. B. das Jugendamt) beim Beratungsgespräch anwesend sein und sich offiziell ausweisen.
  • Bei Personen zwischen 16 und 18 Jahren genügt es, wenn eine Einverständniserklärung eines Elternteils oder des Vormunds sowie das Original eines Ausweises vorliegen.

Kinder- und Jugendärzte weisen darauf hin, dass Minderjährige besonders vor Komplikationen durch Piercings geschützt werden müssen. Ihrer Ansicht nach sollten Piercings bei unter 18-Jährigen untersagt werden.

Eine andere wichtige juristische Frage richtet sich auf die Eignung des Piercers: Hier besteht weiterhin keine Klarheit, wer aus gesetzlicher Sicht eigentlich ein Piercing vornehmen darf und wer nicht. Eine allgemeingültige Ausbildung zum Piercer existiert nicht.

Bedeutsam für jeden Piercing-Träger ist ein im Jahr 2007 in Kraft getretenes Gesetz, das Folgendes besagt: Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse werden an den Behandlungskosten beteiligt, wenn nach einer Schönheitsoperation, einem Piercing oder einer Tätowierung Komplikationen auftreten. Das bedeutet, dass mitunter hohe Kosten auf einen Piercing-Träger zukommen.

Risiken und Komplikationen

Ein Piercing zu tragen bedeutet für den Gepiercten immer, dass er ein gewisses Risiko eingeht. Eine große englische Studie mit über 10.000 Teilnehmern ermittelte, dass bei etwa jedem dritten aller Piercings eine Komplikation auftritt. Laut Studie suchte circa die Hälfte der davon Betroffenen Rat oder Hilfe bei ihrem Piercer oder einem Arzt.

Da es sich bei Piercings um eine vorerst offene Wunde handelt, kommen als häufigste Komplikationen Blutungen, Infektionen und Schwellungen vor.

Jedes Piercing birgt die Gefahr einer Infektion, da Keime in die offene Wunde eindringen können. Daher kommt neben der Eignung und Arbeitsweise des Piercers der Hygiene und der sorgfältigen Pflege eine besondere Rolle zu.

Infiziert sich ein Piercing, führt dies zu typischen Zeichen an der gepiercten Stelle:

  • Schmerz
  • Rötung
  • Schwellung
  • starke Erwärmung der Haut / Wunde
  • Überempfindlichkeit der Haut
  • eventuell Eiterbildung

Zudem kann Gewebe ausreißen, wenn das Piercing "hängen bleibt", und der Träger kann allergisch reagieren (z.B. auf in dem Schmuck enthaltenes Nickel). Eitert ein Piercing, kann sich die Infektion über das Blut auf andere Organe ausweiten und zu einer Blutvergiftung (Sepsis) oder Entzündung der Herzklappen (Endokarditis) führen. Weitere mögliche Komplikationen von Piercings sind wuchernde Narben und Verletzungen von Nerven. Doch es gibt nicht nur direkt vom dem Piercing ausgehende Komplikationen: Es besteht grundsätzlich das Risiko, sich über nicht sachgemäß sterilisierte Instrumente mit Infektionskrankheiten wie Hepatitis (Leberentzündung) oder HIV anzustecken. Sauberes Einmalmaterial und funktionstüchtige Geräte beugen dem vor.

Piercings im Genitalbereich können je nach Art und Lage die Harnröhre verletzen (Prinz-Albert-Piercing beim Mann), am Penis können größere Blutgefäße oder Nerven verletzt werden (z.B. bei den Eichelpiercings Ampallang, Apadravya und Dydoe) und bei Männern wie Frauen können sich Infektionen im Genitalbereich auf innere Geschlechtsorgane (z.B. Eileiter bei der Frau, Prostata beim Mann) ausweiten und dort eine Entzündung auslösen, die schwerwiegende Folgen haben kann – bis hin zur Unfruchtbarkeit. Intimpiercings können außerdem zu Verletzungen beim Geschlechtsverkehr führen oder Kondome schädigen.

Weitere Probleme, die nach einem Piercing auftreten können: Die Wunde heilt schlecht, es bilden sich Narben oder es treten – im Falle eines Zungen- oder Lippenpiercings – Schäden an Zähnen und Zahnfleisch auf.

Wie oft bei einem Piercing Komplikationen auftreten, hängt von mehreren Dingen ab:

  • An welcher Stelle des Körpers trägt man das Piercing?
  • Ist der Piercing-Träger gesund?
  • Aus welchem Material besteht das Piercing?
  • Wie erfahren ist der Piercer?
  • Wie sind die hygienischen Bedingungen beim Piercen?
  • Wie gut ist die Nachsorge?

Wer sich piercen lassen möchte, sollte Folgendes beachten: Zungenpiercings, Genitalpiercings und Brustwarzenpiercings scheinen besonders oft Komplikationen mit sich zu bringen. In der Altersgruppe von 16 bis 24 Jahren sind einer Studie zufolge Piercings im Genitalbereich am komplikationsträchtigsten, gefolgt von Piercings an den Brustwarzen, Zunge, Bauchnabel, Ohr und Nase.

Piercings durch den Knorpel des Ohrs sind anfälliger für Infektionen als Piercings durch das Ohrläppchen. Dies liegt daran, dass Knorpel schlechter mit Blut versorgt wird. Die Behandlung einer Infektion am Ohrknorpel ist zudem schwierig und muss mitunter chirurgisch erfolgen, also mit einer Operation. Im Extremfall nimmt der Arzt einen Teil des Ohres ab, sodass es zu einer bleibenden Verformung kommt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das handwerkliche Können des Piercers. Eine Studie brachte ein klares Ergebnis: Piercings, die von einem Laien gestochen werden, gehen häufiger mit Komplikationen einher als professionell gestochene. Daher raten Fachleute: Lassen Sie sich nicht von einem Freund, Verwandten oder nicht spezialisierten Anbieter piercen, der nicht über ausreichend Erfahrung und eine entsprechende Ausrüstung und Hygiene verfügt. Ebenfalls sollte man sich nicht selber piercen.

Tipps

Besuchen Sie mehrere Piercingstudios und lassen Sie sich unverbindlich und ausführlich beraten. Achten Sie beim Besuch auf die Hygiene und machen Sie sich einen Eindruck vom Piercer. Die Chemie zwischen Ihnen und der behandelnden Person sollte unbedingt stimmen.

Es gibt ein paar Fragen, die Sie dem Piercer stellen sollten, um einen besseren Eindruck von den Begebenheiten zu bekommen. Nur so erfahren Sie, wie die Piercer in dem Studio arbeiten, wie hoch die Qualität ist und wie professionell und vernünftig die Mitarbeiter des Studios mit Problemen umgehen.

Schon alleine um diese Fragen zu klären, sollte einem Piercing stets eine Beratung vorangehen. Hierbei geht es auch darum, sich selber vor einer Infektion zu schützen, indem Sie sich über die Voraussetzungen informieren.

Wichtig zu wissen ist,

  • wie viel Erfahrung der Piercer hat bzw. wo er das Piercen gelernt hat,
  • wie die Piercing-Instrumente gesäubert, sterilisiert und verwahrt werden,
  • ob ein geeignetes, funktionstüchtiges Sterilisationsgerät (sog. Autoklav) in einem abgetrennten Raum vorhanden ist,
  • ob Ohrlochpistolen verwendet werden (dies sollten Sie ablehnen und Einmalmaterial wie etwa eine sterile Kanüle verlangen),
  • ob der Piercer beim Piercen Einmalhandschuhe (ggf. steril) und geeignete Arbeitskleidung trägt,
  • welches Material beim ersten Einsatz des Piercings verwendet wird (bis die Wunde verheilt ist),
  • ob der Piercer Anatomie, Alter und Vorstellungen des Kunden in die Beratung mit einbezieht,
  • an wen man sich im Falle einer Komplikation wenden soll,
  • ob eine Nachsorgeuntersuchung zum Angebot gehört (sehr empfehlenswert!),
  • wie man sein Piercing richtig pflegt (am besten in Form schriftlicher Anweisungen),
  • wie lange es ungefähr dauert, bis das Piercing verheilt ist und
  • wo es weiterführende seriöse Informationen gibt.

Klärt Ihr Piercer Sie über all diese Punkte verständlich und umfassend auf und dokumentiert er das Gespräch in einer Einverständniserklärung, stehen die Chancen gut, dass er professionell arbeitet.