Tropffläschchen auf Zitrusfrüchten
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Hilft Vitamin-C-Serum gegen Falten?

Die Kosmetikindustrie hat wieder einmal ein Wundermittel entdeckt: Ascorbinsäure, besser bekannt als Vitamin C. Inzwischen steckt das Vitamin nicht mehr nur in Obst und Gemüse, sondern auch in sogenannten Anti-Aging-Seren, die die Haut von Falten befreien – angeblich.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Hilft Vitamin-C-Serum gegen Falten?

"Nach nur wenigen Wochen der Anwendung werden Sie bereits eine Reduzierung von feinen Linien und Falten, mehr Lebendigkeit und Glanz der Haut feststellen", heißt es im Werbetext für ein Vitamin-C-Serum. Beim Konkurrenzprodukt geht es noch schneller: "Sofort sichtbare Faltenreduktion: Glatte Haut – wenige Sekunden nach dem Auftragen." Das Lifestyle-Magazin Cosmopolitan bestätigt: "Vitamin C ist ein genialer Anti-Aging-Wirkstoff." Bei keinem anderen Stoff sei die "verjüngende Wirkung so oft durch Studien belegt" worden wie bei diesem "Super-Vitamin".

Klingt vielversprechend. Klingt, als hätten Wissenschaftler Vitamin-C-Seren bereits in unzähligen Studien an hunderten von Probanden getestet, die danach allesamt jünger, strahlender und lebendiger aussahen als vorher. Stimmt das? Verschwinden die Falten, wenn man sich täglich Vitamin-C-Serum ins Gesicht träufelt?

Ja, die Haut braucht Vitamin C ...

Klar ist, dass die Haut Vitamin C benötigt: Es hilft ihr bei der Bildung von Kollagen, Eiweißfasern, die der Haut Festigkeit verleihen. Vitamin C schützt sie vor dem Angriff sogenannter freier Radikaler, die im Stoffwechsel entstehen und die Zellen angreifen.

Klar ist auch, dass ein Vitamin-C-Mangel der Haut sichtbar schadet: Da sie weniger Kollagen herstellen kann, wird sie instabiler und neigt zu Verletzungen. Und weil ihr ein Teil ihres Schutzes verloren geht, wird sie anfälliger für UV-Schäden – und die wiederum führen zu Falten.

Ob und inwieweit man die Haut durch eine äußerliche Zufuhr von Vitamin C vor der Alterung bewahren kann, ist dennoch fraglich. Denn eigentlich wird die Haut auf natürliche Weise von innen mit Vitamin C versorgt, nicht von außen. Studien haben gezeigt, dass die Haut einen recht hohen Anteil des Vitamin C, welches wir über die Nahrung zu uns nehmen, für sich beansprucht. Das Vitamin gelangt aus dem Darm in die Blutbahn, von wo aus es in die kleinen Blutgefäße der Haut transportiert wird. Die Hautzellen können das Vitamin schließlich über sogenannte Transport-Eiweiße ins Zellinnere aufnehmen.

... aber nicht unendlich viel!

Die Aufnahme lässt sich jedoch nicht endlos steigern. Untersuchungen legen nahe, dass die Haut nur eine bestimmte Menge an Vitamin C benötigt, um normal zu funktionieren. Im vergangenen Jahr erschien im Fachmagazin Nutrients ein Überblicksartikel über den Forschungsstand zur Wirkung von Vitamin C auf die Haut. "Wenn der Plasmaspiegel gesättigt ist, scheint die äußerliche Anwendung den Vitamin-C-Gehalt der Haut nicht zu steigern", stellten die Autorinnen darin fest.

Ist die Maximalkonzentration erreicht, lässt sich der Vitamin-C-Gehalt der Haut also nicht weiter erhöhen – weder durch O-Saft-Binge-Drinking, noch von außen durch Vitmin-C-Serum. Und selbst wenn man den Vitamin-C-Gehalt der Haut über die Maximalkonzentration hinaus steigern könnte, wäre fraglich, ob das gut für die Haut wäre.

Interessant sind Vitamin-C-Seren folglich nur für Menschen, deren Haut es an Vitamin C mangelt. Ein ernährungsbedingter Vitamin-C-Mangel kommt heutzutage sehr selten vor, weil das Vitamin C in vielen Lebensmitteln steckt. Es hat sich aber gezeigt, dass bestimmte Einflüsse wie Rauchen und übermäßige Sonneneinstrahlung den Vitamin-C-Gehalt der Haut senken können.

Wer raucht oder sich ungeschützt der Sonne aussetzt, beschleunigt die Alterung seiner Haut somit gleich doppelt: Erstens, weil in seinem Körper vermehrt freie Radikale entstehen, die die Zellen schädigen. Zweitens, weil die Haut aufgrund des erniedrigten Vitamin-C-Gehalts schlechter vor den Angriffen der freien Radikalen geschützt ist.

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Das sagt die Forschung

Rauchern und Menschen, die zu viel Zeit in der Sonne verbracht haben, könnte eine erhöhte Zufuhr an Vitamin C der Haut also zugutekommen. Untersuchungen bestätigen das. In einer der Studien testeten Forscher eine Vitamin-C-haltige Creme an älteren Frauen mit lichtgeschädigter Haut. Bei regelmäßiger Anwendung sahen die behandelten Hautbereiche nach einem halben Jahr etwas gesünder und glatter aus als Hautstellen, auf die die Forscher zum Vergleich eine Vitamin-C-freie Creme aufgetragen hatten.

Als die Forscher Gewebeproben aus den behandelten Arealen unter dem Mikroskop untersuchten, stellten sie zudem fest, dass sich dort mehr Kollagen gebildet hatte. Andere Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Insgesamt waren die Effekte jedoch nicht so eindrucksvoll, als dass sie den Hype um Vitamin C rechtfertigen könnten. Anti-Aging-Wunder hat Vitamin C bisher in keiner Studie vollbracht.

Es gibt jedoch noch einen wichtigeren Grund, keine allzu großen Hoffnungen in Vitamin-C-Seren zu setzen. Die größten Erfolge wurden in den bisherigen Studien mit Produkten erzielt, die echtes Vitamin C (L-Ascorbinsäure) enthielten. Viele der im Handel erhältlichen Vitamin-C-Seren enthalten hingegen chemische Abwandlungen von Vitamin C, sogenannte Derivate.

Diese sind zwar stabiler als Vitamin C, welches an der Luft recht schnell zerfällt. Allerdings ist noch unklar, ob die Derivate ebenso gut wirken wie reines Vitamin C.

Woran man ein gutes Vitamin-C-Serum erkennt

Seren mit echtem Vitamin C gibt es. Deren Wirksamkeit hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab, vor allem von den sonstigen Inhaltsstoffen und der Verpackung. Ein gutes Vitamin-C-Serum erkennt man daran, dass …

  • ... Ascorbic acid in der Liste der Inhaltsstoffe aufgeführt ist. Das ist der englische Fachbegriff für echtes Vitamin C.
  • ... es Inhaltsstoffe wie Ferulasäure (Ferulic acid) enthält, die für ein saures Milieu sorgen: Vitamin C dringt nur bei niedrigem pH-Wert (< 4) in die Haut ein.
  • ... darin im besten Fall auch Vitamin E enthalten ist, welches die antioxidative Wirkung verstärkt.
  • … es licht- und luftgeschützt verpackt ist: Licht und Luft bewirken, dass Vitamin C mit Sauerstoff reagiert (oxidiert) und somit seine Wirkung verliert. (Tipp: Oxidiertes Vitamin C erkennt man an der gelblichen Färbung. Ist das Serum bereits gefärbt, lässt sich der Farbwechsel jedoch nicht feststellen. Daher empfiehlt es sich, ein klares, farbloses Vitamin-C-Serum zu wählen.)

Fazit: Wer seine Haut vor dem Altern schützen möchte, sollte dafür sorgen, dass sie gut mit Vitamin C versorgt ist. Dazu reicht es aus, genügend Obst und Gemüse zu essen, auf Zigaretten zu verzichten und sich vor der Sonne zu schützen. Vitamin-C-Serum ist dann nicht notwendig. Nur wenn die Haut bereits UV-Schäden aufweist, können manche Vitamin-C-haltige Produkte eine kleine Verbesserung bewirken.