Illustration: ein Gehirn, verbunden mit einer Glühbirne
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5 erstaunliche Fakten über das Gehirn: Es kommt nicht auf die Größe an

Was glauben Sie: Wie gut kennen Sie sich mit Ihrem Denkapparat aus? Wir haben 5 erstaunliche Hirn-Fakten für Sie parat. Lesen Sie, wieso Liebe und Hass dicht beieinander liegen, warum Falten durchaus nützlich sein können – und in welcher Hinsicht Daniel Düsentriebs "Helferlein" dem Gehirn gar nicht so unähnlich ist!

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Über einen Vortrag nachdenken, sich eine Telefonnummer merken, das linke Bein anheben, sich über ein Geschenk freuen, sich so richtig ärgern … ohne Gehirn geht in unserem Leben gar nichts.

Tag für Tag, Sekunde für Sekunde vollzieht es eine Höchstleistung nach der anderen. Auch dann, wenn wir glauben, gerade nichts zu tun – oder im Schlaf.

Grund genug, sich einmal etwas näher mit den grauen Zellen zu befassen!

1. Unser Gehirn hat immer Hunger

Bis zu 20 Prozent der Energie, die unser Körper täglich benötigt, gehen für das Gehirn drauf. Und das, obwohl das Organ nur 2 Prozent der gesamten Körpermasse ausmacht.

Unser Denkapparat ist also ein wahrer Energiefresser. Aber nicht ohne Grund, denn es ist ständig aktiv – selbst dann, wenn wir entspannt-dösend auf der Couch liegen.

Im Hirn befinden sich sagenhafte 86 Milliarden kleiner Nervenzellen. Egal, ob wir ein Bild betrachten, Schach spielen oder einen Fuß vor den anderen setzen: Bei jeglicher Art von Aktivität werden elektrische Impuls von Nervenzelle zu Nervenzelle weitergeleitet. Und das kostet Energie.

Aber das ist noch nicht alles. Der Großteil der Energie geht bei der täglichen Wartung verloren. Um reibungslos funktionieren zu können, müssen immer wieder kleine Schäden repariert und neue Proteine gebildet werden.

Angesichts der Höchstleistungen, die das Gehirn tagtäglich vollbringt, ist sein Energiebedarf sogar sehr niedrig. Um zu funktionieren, benötigt es eine Leistung von gerade mal 20 Watt. Das entspricht einer schwach leuchtenden Glühbirne – so ähnlich wie beim "Helferlein", Daniel Düsentriebs intelligentem Drahtmännchen mit dem Glühbirnenkopf.

2. Unser Gehirn hat niemals Schmerzen

Haben Sie schon einmal von diesen Operationen am Gehirn gehört, bei denen der Patient bei vollem Bewusstsein ist? Kaum zu glauben, aber während des Eingriffs verspüren die Operierten keinerlei Schmerz. So etwas ist möglich, weil unser Gehirn keine Schmerzrezeptoren hat.

Eine Hirn-Operation ohne Narkose kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn sich ein Tumor in der Nähe des Sprachzentrums befindet. Der Chirurg kann während der OP direkt prüfen, ob die Sprachfunktion noch intakt ist, etwa, indem er seinen Patienten etwas vorlesen lässt.

Aber wenn das Gehirn völlig schmerzfrei ist, wieso haben wir dann manchmal Kopfschmerzen? Ganz einfach: Beim Kopfschmerz ist es nicht das Gehirn, das weh tut, sondern die Hirnhaut. Der Schmerz entsteht, wenn die Blutgefäße in der Hirnhaut entzündet sind.

3. Liebe und Hass sind für das Hirn (fast) dasselbe

Liebe und Hass: Unterschiedlicher können diese Gefühle kaum sein? Von wegen! Zumindest, wenn man sich anschaut, welche Hirnregionen aktiv sind, wenn der Mensch diese Empfindungen hat.

Neurowissenschaftler fertigten Hirn-Scans ihrer Probanden an, während diese ein Foto einer verhassten Person anschauten. Dabei stellte sich heraus, dass teilweise ähnliche Hirnbereiche aktiv sind wie bei dem Gefühl der romantischen Liebe. Wut oder Angst spielen sich hingegen in anderen Hirnarealen ab.

Zu den Hirnregionen, welche Liebe und Hass gemeinsam haben, zählen zwei Bereiche im Großhirn: die Inselrinde und das Putamen. Über die Gründe der gemeinsam genutzten Hirnbereiche kann bislang nur spekuliert werden. Die Inselrinde wird zum Beispiel bei einem beunruhigenden Reiz aktiv. Ein solcher Reiz kann den Wissenschaftlern zufolge der Anblick einer verhassten Person sein, in bestimmten Situationen aber auch der einer geliebten Person.

4. Das Gehirn hat Falten …

… und das aus gutem Grund.

Fast jeder hat schon einmal ein Modell von einem Gehirn gesehen: Seine äußere Schicht, die Großhirnrinde (Cortex cerebri), ist von Falten und Furchen durchsetzt, ähnlich wie bei einer Walnuss. Ohne die Großhirnrinde hätten wir weder Gedächtnis noch Verstand, denn hier finden ganz elementare Hirnleistungen statt.

Die Großhirnrinde ist nur wenige Millimeter dick. Trotzdem umfasst sie fast die Hälfte des gesamten Hirnvolumens. Falten machen es möglich: Die Großhirnrinde ist quasi "zusammengeknüllt", was man gut an den typischen Windungen und Furchen erkennt. Wäre sie es nicht, hätten wir einen riesigen Kopf: Er wäre etwa so groß wie ein Elefant. Das wäre nicht nur bei der Geburt ein Problem.

Video: 5 erstaunliche Fakten über das Gehirn

Hinzu kommt, dass die Wege innerhalb des Gehirns bei einer ungefalteten Hirnrinde viel länger wären – zu lang, um effizient arbeiten zu können.

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5. Zu guter Letzt: Nein, die Größe ist nicht entscheidend

Immer wieder wird behauptet, Personen mit großem Gehirn seien auch mit höherer Intelligenz gesegnet. Das würde auch bedeuten, dass Frauen im Durchschnitt weniger intelligent sind als Männer.

Das ist (natürlich) Unsinn. Zwischen dem Hirngewicht eines gesunden Menschen und seiner Intelligenz besteht kein Zusammenhang. Beide Geschlechter haben im Durchschnitt einen gleich hohen Intelligenzquotienten.

Übrigens: Im Verhältnis zum Körpergewicht sind die Gehirne von Männern und Frauen etwa gleich groß. Im Durchschnitt bringt ein Gehirn rund 1.400 Gramm auf die Waage.