Ein Gewitter über einem Feld mit einem einzelnen Baum.
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"Buchen sollst du suchen"? So verhalten Sie sich bei Gewitter richtig!

Gibt es tatsächlich immer mehr Blitzopfer? Sollte man sich bei Gewitter flach auf den Boden legen? Und ist man im Auto wirklich am besten aufgehoben? Wir verraten Ihnen, welche Gewitter-Mythen zu den Ammenmärchen zählen, wer der größte "Blitz-Pechvogel" aller Zeiten ist und wie Sie sich am besten vor einem Blitzeinschlag schützen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

"Buchen sollst du suchen"? So verhalten Sie sich bei Gewitter richtig!

Mythos 1: Immer mehr Menschen sterben hierzulande durch Blitzschlag.

Gefühlt hört man immer häufiger von heftigen Unwettern und Blitzeinschlägen. Tatsache ist, dass die Anzahl der Blitze pro Jahr erheblich schwankt. Gab es etwa 2007 über 1 Million Blitze über Deutschland, waren es 2014 nur knapp über 600.000.

Und auch die Anzahl der "Blitztoten" ist nicht gestiegen. Im Laufe der letzten Jahre starben durchschnittlich drei bis vier Personen pro Jahr an einem Blitzschlag. Im Jahr 2015 waren es zum Beispiel zwei Personen, 113 weitere mussten nach einem Blitzschlag im Krankenhaus behandelt werden. In den Vorjahren bewegte sich die Zahl der Todesopfer und Verletzen in ähnlichen Bereichen.

Vor 100 Jahren sah die Blitzopfer-Statistik noch anders aus: Wesentlich mehr Menschen wurden vom Blitz getroffen. Das liegt vor allem daran, dass damals deutlich häufiger auf Feldern gearbeitet wurde.

Mythos 2: "Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen."

"Wer während eines Gewitters unter einer Eiche Schutz sucht, ist verloren. Besser ist man unter einer Buche aufgehoben." So sagt es zumindest der Volksmund. Fakt ist: Eichen sollte man tatsächlich weichen – Buchen aber auch. Blitze sind nicht wählerisch, sie schlagen in jede Baumart ein.

Wenn Sie sich auf einem freien Feld mit einer Baumgruppe befinden, sollten Sie die Bäume unbedingt meiden und ausreichend Abstand davon halten, am besten mindestens zehn Meter. Auch auf Deichen, Bergspitzen oder an Holzmasten von Leitungen ist das Einschlagrisiko erhöht.

Mythos 3: Im Auto ist man sicher

Zu diesem Mythos kann man sagen: Stimmt! Schlägt der Blitz ein, leitet das Metall den Strom zur Erde ab. Im Inneren des Autos fließt hingegen kein Strom. Physiker nennen dieses Prinzip Faraday-Käfig.

Aber: Diese Regel gilt nur für Autos mit Ganzmetall-Karosserie. Andere Fahrzeuge sind dagegen weniger sicher. Dazu zählen Autos mit Glasfaser-Karosserie wie zum Beispiel Campingwagen ohne Metallkonstruktion. Auch in (geschlossenen und offenen!) Cabrios, die kein Dachgerüst haben, sind Sie nicht ausreichend geschützt.

Das Auto schützt Sie zwar vor dem Blitz. Nicht vergessen sollten Sie aber mögliche Gefahren während der Fahrt. So kann es zum Beispiel sein, dass Sie von einem Blitz so sehr geblendet werden, dass Sie vom Weg abkommen. Daher gilt: Bei starkem Gewitter lieber anhalten und eine kleine Pause einlegen.

Mythos 4: Der Blitz schlägt nie zweimal an der gleichen Stelle ein.

Leider falsch. Es gibt bestimmte Stellen, an denen der Blitz besonders "gern" einschlägt, so zum Beispiel in besonders hohe Gebäude wie Kirchen, in freistehende Baumgruppen oder Masten.

Auch bestimmte Personen trifft es überdurchschnittlich oft. Der größte "Blitz-Pechvogel" ist wohl der Amerikaner Roy C. Sullivan. Er wurde ganze sieben (!) Mal vom Blitz getroffen – und überlebte. Dass Sullivan Blitze scheinbar magisch anzog, liegt wohl an seinem Beruf: Er war als Ranger in einem Nationalpark tätig.

Mythos 5: Wenn mich "der Schlag trifft", ist das mein Todesurteil.

Wenn eine Spannung von mehreren hunderttausend Volt durch den Körper fährt, ist der Tod eine ziemlich sichere Sache, so sollte man meinen. Die Statistik sagt jedoch etwas anderes. Der Großteil aller direkt vom Blitz Getroffenen überlebt, allerdings mit mehr oder weniger starken Verletzungen.

Warum ist das so? Der größte Teil des Stroms fließt nicht direkt durch den Körper, sondern wird über die Körperoberfläche in den Boden geleitet.

Dennoch sollten Sie einen Blitzschlag nicht unterschätzen. Je nachdem, an welcher Körperstelle der Strom ein- und austritt und wo er genau entlangfließt, können unterschiedlich schwere und starke Verletzungen die Folge sein. Sie reichen von Verbrennungen und Seh- und Hörschäden über Herzschäden und Knochenbrüchen bis hin zum Tod.

Mythos 6: Wenn ich mich flach auf den Boden lege, bin ich am besten geschützt.

Falsch! Sich zum Beispiel auf einem freien Feld flach hinzulegen, ist zwar an sich eine gute Idee, denn Blitze schlagen bevorzugt in die höchste Stelle in der Landschaft ein. Sollten Sie aber tatsächlich vom Blitz getroffen werden, wenn Sie komplett auf dem Boden liegen, haben Sie schlechte Karten. Denn: Der Strom fließt dann vollständig durch Ihren Körper.

Die (gesündere) Alternative: Hocken Sie sich mit eng zusammenstehenden Füßen auf den Boden, am besten in eine kleine Mulde. Sie bieten so weniger Angriffsfläche. Machen Sie sich so klein wie möglich. Nur die Füße sollten den Boden berühren.

Das sollten Sie tun, wenn ein Gewitter im Anmarsch ist

Die Gefahr, vom Blitz getroffen zu werden, ist zwar relativ gering. Kündigt sich ein Gewitter an, sollten Sie sich trotzdem in Sicherheit begeben. Was am besten zu tun ist, hängt vor allem davon ab, wo Sie sich gerade befinden.

Generell gilt:

  • Nehmen Sie Abstand von metallischen Gegenständen wie Fahrrädern oder Regenschirmen (Ausnahme: Im Auto sind Sie geschützt).
  • Meiden Sie hohe Punkte wie Berggipfel oder Türme sowie offenes Gelände.
  • Es ist nie verkehrt, mit geschlossenen Füßen in die Hocke zu gehen, vor allem, wenn Sie sich draußen befinden.
  • Suchen Sie möglichst Schutz in einem Gebäude oder im Auto, nicht aber in einer Hütte oder Scheune.
  • Zu Überlandleitungen sollten Sie einen Abstand von mindestens 50 Metern halten.

Das sollten Sie tun, wenn …

Im Auto sind Sie weitgehend sicher. Ausnahmen sind bestimmte Fahrzeuge wie zum Beispiel Cabriolets ohne Dachgerüst. Unterbrechen Sie bei schwerem Gewitter die Fahrt!

Ist kein Gebäude oder Auto in der Nähe, hocken Sie sich mit geschlossenen Beinen hin. Sind Sie zu mehreren unterwegs, sollten Sie sich einzeln und nicht direkt nebeneinander positionieren. Halten Sie zu Bäumen mindestens zehn Meter Abstand. Nicht flach hinlegen! 

Steigen Sie ab und halten Sie Abstand zum Fahrzeug. Auch andere Gegenstände mit Metall sollten Sie meiden (z.B. Regenschirme). Suchen Sie Schutz in einem Haus oder in einem Auto. Ist das nicht möglich, gehen Sie in einiger Entfernung in die Hocke.

In Gebäuden mit Blitzschutzsystemen (Blitzableiter) besteht keine Gefahr. Wenn Ihr Haus keinen Blitzschutz hat, gilt: Nicht baden oder duschen, nicht über Festnetz telefonieren, Kontakt mit Wasser-, Strom-, Gasleitungen, Antennen etc. meiden! Handys oder Schnurlostelefone können Sie bedenkenlos benutzen.

Verlassen Sie die Behausung. Suchen Sie einen sicheren Ort auf, etwa ein Auto oder ein Haus. Ist das nicht möglich, bleiben Sie im Freien.