Das Bild zeigt eine Smartwatch.
© iStock

Smartwatches wissen, dass man krank wird – noch bevor man sich überhaupt krank fühlt

Es klingt wie aus einem schlechten Science-Fiction-Film von Roland Emmerich, doch es könnte die Zukunft sein: Smartwatches, Fitnesstracker und andere Sensoren, die Tag und Nacht getragen werden und verschiedene Signale des Körpers aufzeichnen, wissen schon Tage vorher, dass man eine Erkältung bekommt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Smartwatches wissen, dass man krank wird – noch bevor man sich überhaupt krank fühlt

Selbst komplexe Krankheiten wie Lyme-Borreliose oder Diabetes mellitus sollen diese sogenannten Wearables voraussagen können – und das noch bevor der Betroffene die ersten Symptome verspürt. Sie funktionieren quasi wie eine Art Wetterbericht, nur eben für die eigene Gesundheit.

Michael Snyder von der Stanford Universität in Kalifornien hat dies am eigenen Leib erfahren. Der Genetik-Professor trug über ein Jahr lang verschiedene Sensoren am Körper, um ihre Zuverlässigkeit zu überprüfen – als diese auf einmal Auffälligkeiten feststellten. Snyder fühlte sich gesund, aber seine Gesundheits-Apps signalisierten, dass seine Herzfrequenz und seine Körpertemperatur erhöht waren und dass der Sauerstoffgehalt im Blut gesunken war.

Er fragte sich, ob diese Symptome möglicherweise mit dem Zeckenbiss zu tun haben könnten, den er sich einige Tage zuvor bei einem Ausflug ins ländliche Massachusetts zugezogen hatte.

Snyder bekam leichtes Fieber. Daher ging er zum Arzt und ließ sich Doxycyclin verschreiben – ein Antibiotikum, das in der Frühphase einer Lyme-Borreliose (eine durch Zecken übertragene Infektionskrankheit) verabreicht wird.

Und tatsächlich: Das Fieber verschwand, Herzfrequenz und Körpertemperatur normalisierten sich. Anschließende Tests bestätigten Synders Verdacht, dass er an Borreliose erkrankt war.

Snyder und seine Kollegen haben nun eine Studie veröffentlicht, in der sie herausgefunden haben, dass Wearables die Entstehung von Infektionskrankheiten und das Risiko von Diabetes mellitus voraussagen können. Bei dieser Studie haben insgesamt 43 Freiwillige knapp zwei Jahre lang eine Smartwatch und andere Sensoren am Körper getragen, die kontinuierlich ihre Herzfrequenz und ihre Körpertemperatur aufgezeichnet haben.

Die Forscher entwickelten einen speziellen Algorithmus, der auf Grundlage dieser Daten den Probanden voraussagen kann, ob sich bei ihnen in den nächsten Tagen eine Erkältung anbahnt.

„Sobald diese Wearables genügend Daten gesammelt haben und die individuellen Normwerte kennen, können sie relativ sicher voraussagen, wenn etwas im Körper nicht stimmt“, so Snyder. „Wir glauben, dass, wenn Herzfrequenz und Körpertemperatur für etwa zwei Stunden ohne Grund erhöht sind, ein hohes Risiko besteht, in den nächsten Tagen krank zu werden.“

Fluch oder Segen: Wenn die Smartwatch weiß, dass man krank wird

Man darf sich fragen, welchen Nutzen es hat, wenn Wearables vorhersagen können, ob man in den nächsten Tagen krank wird oder nicht. Studienleiter Michael Snyder sagt dazu: „Wenn dir deine Uhr eine Erkältung voraussagen kann, bevor du überhaupt krank bist, kannst du entsprechend reagieren. Dann weißt du, dass du dich lieber schonen solltest, anstatt auf eine Party zu gehen.“

Dr. Nathan Pinskier, Vorsitzender des Expertenkomitees „eHealth and Practice Systems“, sieht in der Entwicklung dieser Wearable-Technologie eher eine Gefahr. Ein solches System würde bei den Patienten vor allem eins hervorrufen: Angst. Eine Ungenauigkeit bei der Messung und schon wartet der Betroffene nur darauf, krank zu werden.

Darüber hinaus lässt es sich in vielen Fällen nicht vermeiden, dass die Erkrankung ausbricht, wenn man sich einmal mit den entsprechenden Erregern angesteckt hat. „Wenn du die Grippe bekommst, bekommst du die Grippe“, so Pinskier.