Eine Person trägt einen Korb mit selbst gesammelten Pilzen.
© Getty Images

Pilze sammeln und essen: Für Unerfahrene ein Risiko

In der Pilzzeit lockt es viele Menschen in die Wälder, um Pilze zu sammeln und anschließend zu verzehren. Ohne ausreichende Kenntnisse kann das aber böse ausgehen. Worauf kommt es beim Pilzsammeln an?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Mit Beginn der Pilzsaison steigt jedes Jahr auch die Wahrscheinlichkeit für Pilzvergiftungen. So gab es beispielsweise wiederholt schwere Vergiftungen durch Knollenblätterpilze. Die darin enthaltenen Giftstoffe können die Leber schwer schädigen und im Extremfall tödlich sein. Erste Symptome der Knollenblätterpilzvergiftung sind heftige Brechdurchfälle.

Wie kommt es zu Pilzvergiftungen?

Auch essbare Pilze können Vergiftungserscheinungen verursachen. Tatsächlich entstehen Pilzvergiftungen am häufigsten durch Speisepilze, die

  • entweder beim Verzehr schon zu alt waren
  • oder zu lange bzw. falsch gelagert wurden.

Giftige Pilze, die aufgrund einer Verwechslung mit Speisepilzen oder durch Unachtsamkeit auf dem Teller landen, sind ebenfalls häufig für Pilzvergiftungen verantwortlich. Manche Pilzsammler können die teils stark giftigen Pilze, die hierzulande heimisch sind, nicht einmal bestimmen.

Verwechslungsgefahr

Gerade im Zusammenhang mit dem hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz heißt es immer wieder, dass er in anderen Ländern (wie Russland oder Syrien) essbare Doppelgänger habe, die von dem Giftpilz kaum zu unterscheiden seien.

Wenn giftige Pilze auf dem Teller landen, liegt das jedoch eher daran, dass die Pilzsammler

  • die traditionellen Bestimmungsmerkmale zu wenig kennen,
  • bestimmte Merkmale bei der Pilzbestimmung nicht beachten,
  • leichtsinnig sind oder
  • auch einfach Pilze sammeln gehen, ohne jegliches Hintergrundwissen zu haben.

Ein hohes Risiko, giftige Pilze mit Speisepilzen zu verwechseln, besteht nur bei mangelnden Kenntnissen in der Pilzbestimmung. Echte Doppelgänger von essbaren Pilzen sind nicht bekannt.

Giftige Pilze sind nicht immer leicht von essbaren Pilzen zu unterscheiden. Manche essbaren Exemplare haben giftige Doppelgänger, die nur schwer auseinanderzuhalten sind. Dazu gehören zum Beispiel:

Essbare Pilze Giftige Doppelgänger
Pfifferling (Cantharellus cibarius) Falscher Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca)
Steinpilz, Herrenpilz (Boletus edulis) Nadelholzhäubling (Galerina marginata)
Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare)
Schopftintling (Coprinus comatus) Grauer Faltentintling (Coprinus atramentarius)
Speisemorchel (Morchella esculenta) Frühlingslorchel (Gyromitra esculenta)
Violetter Rötelritterling (Lepista nuda) Lila Dickfuß (Cortinarius traganus)
Schafchampignon (Agaricus arvensis) Weißer Knollenblätterpilz (Amanita virosa)
Mairitterling (Calocybe gambosa) Mai-Rißpilz (Inocybe patouillardii)
Grauer Wulstling (Amanita excelsa) Pantherpilz (Amanita pantherina)
Nebelkappe (Clitocybe nebularis) Riesenrötling (Entoloma sinuatum)
Erd-Ritterling (Tricholoma terreum) Tiger-Ritterling (Tricholoma tigrinum)

So gehen Sie auf Nummer sicher

  • Erst Erfahrungen sammeln: Unerfahrene Sammler sollten grundsätzlich keine selbst gesammelten Pilze verzehren.
  • Lernen, lernen, lernen: Vertiefen Sie Ihre Kenntnisse – zum Beispiel mit guten Büchern zur Pilzbestimmung, durch den Besuch von Pilzberatungsstellen oder in einem Kurs bei der Volkshochschule (VHS).
  • Geprüfte Pilzkenner hinzuziehen: Sie können auch von einem geprüften Pilzsachverständigen prüfen lassen, ob die von Ihnen gesammelten Pilze essbar sind. Vertrauen Sie aber nicht auf selbsternannte Pilzkenner. Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) können sich entsprechend ausweisen.
  • Nur "alte Bekannte" mitnehmen: Sammeln Sie nur Pilze, die Sie schon kennen und eindeutig bestimmen können.
  • Vor dem Essen erst mehrmals bestimmen: Essen Sie niemals Pilze, die Sie zum ersten Mal bestimmen. Sammeln Sie nur Pilze, die Sie zuvor schon mehrfach bestimmt haben. Lassen Sie einen Pilz beim geringsten Zweifel besser stehen.
  • Passendes Gefäß verwenden: Nehmen Sie einen Korb oder ein anderes luftiges Gefäß zum Pilzsammeln mit.
  • Auf Qualität achten: Lassen Sie alt aussehende, madige und zu kleine Pilze stehen.

Wildpilze werden teils auch auf dem Markt oder im Restaurant angeboten. Wenn Sie Zweifel haben, ob die Pilze wirklich essbar sind, fragen Sie einfach nach, ob ein Pilzsachverständiger sie kontrolliert hat.

Übrigens: Auch heute noch sind Pilze infolge des Reaktorunfalls von Tschernobyl radioaktiv belastet. Wie stark diese Belastung ist, hängt von Standort und Pilzart ab. Am stärksten belastet sind Pilze in Ost- und Süddeutschland. Besonders betroffen sind Waldpilze (wie Maronenröhrlinge). Wer seine persönliche Strahlenbelastung verringern möchte, sollte also in den stärker betroffenen Gebieten auf den Verzehr wild wachsender Pilze verzichten.

Nicht nur der Verzehr ungeeigneter Wildpilze kann gesundheitsgefährdend sein. Auch wenn Sie Zuchtpilze kaufen, ist es ratsam, auf Qualität zu achten und nur bei frisch und appetitlich aussehender Ware zuzugreifen.

Pilzvergiftung – was tun?

Wenn jemand nach einer Pilzmahlzeit Beschwerden entwickelt, kann womöglich eine Pilzvergiftung dahinterstecken. Dann ist schnelles Handeln nötig, denn manche Pilzvergiftungen können im Extremfall tödlich enden.

Behandeln Sie darum jeden auch noch so geringen Verdacht auf eine Pilzvergiftung als Notfall!

Eine Pilzvergiftung kann sich schon wenige Minuten nach der Pilzmahlzeit bemerkbar machen. Manchmal dauert es aber auch ein paar Tage, bis die ersten Symptome auftreten. Zu den möglichen Anzeichen gehören Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Ergreifen Sie in solchen Fällen folgende Sofortmaßnahmen:

1. Arzt oder Giftzentrale kontaktieren! Rufen Sie eine der Giftnotruf-Zentralen an, gehen Sie zum Hausarzt oder begeben Sie sich ins nächstgelegene Krankenhaus.

Die Giftnotrufe beraten Laien und medizinisches Fachpersonal bei Vergiftungen durch Medikamente, Pflanzen, Drogen, Tiere, Pilze, Haushaltsmittel oder Chemikalien. Die Giftnotrufnummern lauten:

Region Notrufnummer
Berlin +49 (0)30 1 92 40
Bonn +49 (0)228 1 92 40
Erfurt +49 (0)361 73 07 30
Freiburg +49 (0)761 1 92 40
Göttingen +49 (0)551 1 92 40
Homburg/Saar +49 (0)6841 1 92 40
Mainz +49 (0)6131 1 92 40
München +49 (0)89 1 92 40

Dabei ist es wichtig, dass Sie folgende Angaben machen:

  • Hat außen Ihnen noch jemand von den Pilzen gegessen?
  • Wann haben Sie die Pilze verzehrt?
  • Welche Beschwerden sind wann und in welcher Reihenfolge aufgetreten?
  • Wie groß war die Pilzmenge in der Mahlzeit?
  • Haben Sie mehrere Portionen gegessen?
  • Welche Pilzart(en) glaubten Sie zu verzehren?
  • Haben Sie Alkohol getrunken?
  • Haben Sie Medikamente eingenommen? Wenn ja, welche?

2. Pilzreste sichern! Stellen Sie alle Reste der verzehrten Pilze (z.B. vom Pilzeputzen), Reste der Mahlzeit und eventuell auch Erbrochenes sicher und nehmen Sie sie mit, wenn Sie zum Arzt oder ins Krankenhaus fahren. So können die Pilze (und ggf. das passende Gegengift) bestimmt werden.

Hände weg von Hausmitteln!

Versuchen Sie niemals, eine Pilzvergiftung auf eigene Faust durch Hausmittel zu behandeln. Denn dadurch kann sich die Prognose deutlich verschlechtern.