Das Bild zeigt eine Geschäftsfrau mit Handy am Ohr beim Kochen und ein Mädchen.
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Handystrahlung

Ist Handystrahlung schädlich? Diese Frage kommt häufig auf – zumal der Mobilfunk aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist: Viele Menschen telefonieren mit dem Mobiltelefon inzwischen deutlich mehr als mit dem Festnetztelefon und organisieren damit ihr ganzes Leben – von der Familie über die Arbeit bis hin zur Freizeit.

Allgemeines

In Deutschland nutzten im Jahr 2013 rund 80 Prozent der über 14-Jährigen ein Handy. Die meisten Handynutzer sind 25 bis 44 Jahre alt: In dieser Altersgruppe besitzt praktisch jeder ein Handy. Wie oft, wie lange und wofür die Mobiltelefone zum Einsatz kommen – und wie viel Handystrahlung ihre Benutzer damit abbekommen –, ist aber von Mensch zu Mensch und je nach Alter sehr unterschiedlich: So verwenden beispielsweise Kinder und Jugendliche ihre Handys im Vergleich zu Erwachsenen weniger zum Telefonieren, sondern mehr zum Spielen.

Viele Menschen können sich nicht mehr vorstellen, auf ihr Handy zu verzichten – sogar wenn feststehen würde, dass Handystrahlung gesundheitsschädlich ist.

Ein Teil der Bevölkerung sorgt sich aber auch, dass der allgegenwärtige "Elektrosmog" durch Handystrahlung und sonstige Strahlung gesundheitliche Auswirkungen haben könnte. Darum kommt es beispielsweise immer wieder zu Protesten gegen die Aufstellung von Mobilfunk-Sendeanlagen, weil die Anwohner befürchten, dauerhaft starker Strahlung ausgesetzt zu sein.

Manche Menschen machen die Strahlenbelastung, die von der Handystrahlung und anderen Quellen ausgeht, auch für ihre vorhandenen gesundheitlichen Probleme verantwortlich: Am häufigsten geben sie an, dass der "Elektrosmog" bei ihnen Kopfschmerzen und Schlafstörungen verursacht und sie sich allgemein unwohl (bzw. kraftlos und erschöpft) fühlen. Dabei halten die meisten die Strahlenbelastung durch Mobilfunk-Sendeanlagen allgemein für gesundheitlich bedenklicher als die durch Handys oder Schnurlostelefone.

Was ist das?

Jeden Tag übertragen wir mit unseren Handys (und anderen mobilen Geräten) über große Entfernungen Unmengen an Sprache und Daten. Dass dies praktisch überall möglich ist, verdanken wir der Mobilfunktechnologie, die sich dazu bestimmte elektromagnetische Wellen zunutze macht.

Entsprechend sind elektromagnetische Felder, die bei der Ausbreitung elektromagnetischer Wellen entstehen, allgegenwärtig: Neben der Handystrahlung sind für diesen sogenannten "Elektrosmog" auch Schnurlostelefone, Babyphones, elektrische Geräte (z.B. Haushaltsgeräte), Stromleitungen und Hochspannungsleitungen verantwortlich. Elektromagnetische Wellen sind aber nicht nur künstlichen Ursprungs, sondern entstehen auch natürlich – man denke zum Beispiel an die Sonnenstrahlung (= elektromagnetische Strahlung) und ans Erdmagnetfeld.

Die Gesamtheit aller elektromagnetischen Wellen (bzw. Strahlung) heißt elektromagnetisches Spektrum. Alle elektromagnetischen Wellen – also auch die Handystrahlung – breiten sich im luftleeren Raum mit derselben Geschwindigkeit (sog. Lichtgeschwindigkeit) aus, unterscheiden sich jedoch in ihrer:

  • Wellenlänge – also der Länge einer Schwingung in Metern (m) – und
  • Frequenz – also der Anzahl Schwingungen pro Sekunde, angegeben in Hertz (Hz).

Je kürzer eine elektromagnetische Welle ist, desto häufiger muss sie demnach schwingen, um sich ebenso schnell auszubreiten wie eine lange Welle. Nach der Wellenlänge beziehungsweise Frequenz unterteilt man das elektromagnetische Spektrum in verschiedene Bereiche (wobei die Handystrahlung zum letzten Bereich gehört):

  • statische elektrische und magnetische Felder mit einer Frequenz von null Hertz bei unendlicher Wellenlänge (wie das Magnetfeld der Erde)
  • Niederfrequenzbereich mit Frequenzen bis etwa 100 Kilohertz (wie die Netzfrequenz im Stromnetz)
  • Hochfrequenzbereich mit Frequenzen von rund 100 Kilohertz bis 300 Gigahertz – dieser reicht von Radiowellen über Mikrowellen und Licht bis hin zur Gammastrahlung (Mikrowellen nutzt der Mensch z.B. für Mobilfunk, WLAN und schnurlose Telefone)

Die Mobilfunktechnologie bedient sich also hochfrequenter elektromagnetischer Wellen, deren Länge im Dezimeter- und Zentimeterbereich liegt. Diese Werte sagen aber nichts über die Intensität der Handystrahlung aus: Hierzu ist es zunächst nötig, die Stärke des elektromagnetischen Feldes zu ermitteln. Diese lässt sich auf verschiedene Weise angeben:

  • als elektrische Feldstärke – angegeben in Volt pro Meter (V/m),
  • als magnetische Feldstärke – angegeben in Ampere pro Meter (A/m) oder
  • als Produkt aus elektrischer und magnetischer Feldstärke (sog. Leistungsdichte) – angegeben in Watt pro Quadratmeter (W/m2).

Allgemein gilt für die Stärke der Handystrahlung: Je weiter man vom Handy entfernt ist, desto schwächer ist das hiervon ausgehende elektromagnetische Feld und damit auch die Strahlenbelastung. Gleiches gilt für Mobilfunksendeanlagen. Allerdings reicht der Abstand alleine nicht aus, um die Feldstärke zu bestimmen, weil viele weitere Faktoren daran beteiligt sind: So können beispielsweise Gebäude, die einer elektromagnetischen Welle im Weg stehen, diese zurückwerfen, ablenken oder vollständig "schlucken". Zudem senden Antennen nicht gleichmäßig in alle Richtungen, sodass die Strahlenbelastung an verschiedenen Stellen um einen Sender herum trotz gleichen Abstands vom Sender unterschiedlich stark sein kann.

Wie gefährlich ist sie wirklich?

Herauszufinden, ob Handystrahlung wirklich gefährlich ist und wie genau sie sich auswirkt, ist mit der rasanten Verbreitung der Mobilfunktechnologie zunehmend wichtiger geworden. Die möglichen Folgen intensiver Handynutzung für die Gesundheit sind aber immer noch nicht restlos geklärt.

Für andere elektromagnetische Strahlung, deren Wellenlänge geringer ist als die von Handystrahlung, steht die gesundheitsschädliche Wirkung jedoch fest: Ab einer Wellenlänge von knapp unter 200 Nanometern und weniger können elektromagnetische Wellen bewirken, dass Atome oder Moleküle negativ geladene Teilchen (Elektronen) verlieren und somit positiv geladene Reste (sog. Ionen) zurückbleiben. Darum bezeichnet man sie als ionisierende Strahlung – dazu gehören:

  • kurzwelligere UV-Strahlung,
  • Röntgenstrahlung und
  • Gammastrahlung.
Von ionisierender Strahlung geht ein Gesundheitsrisiko aus, weil sie das Erbmaterial direkt schädigen (und so z.B. krebserregend wirken) kann. Handystrahlung hat aber keine ionisierende Wirkung.

Doch auch nicht-ionisierende elektromagnetische Strahlung kann Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben. So können niederfrequente elektrische und magnetische Felder im Körper elektrische Felder und Ströme erzeugen. Und durch hochfrequente elektromagnetische Felder (z.B. durch Handystrahlung) kann sich biologisches Gewebe erwärmen: Diese Wirkung machen wir uns zum Beispiel zur Erhitzung von Speisen in Mikrowellenherden zunutze.

Das Besondere am Handy: Hier entstehen die elektromagnetischen Felder direkt am Kopf, wenn wir ohne Freisprecheinrichtung telefonieren. Einen Teil der Energie dieser Handystrahlung nimmt der Kopf auf (wer über ein Headset telefoniert, nimmt die Energie entsprechend mit dem Körperteil auf, in dessen Nähe sich das Handy befindet). Zudem sind die elektromagnetischen Felder, die beim Telefonieren mit Handys am Körper auftreten, allgemein deutlich stärker als die, denen der Körper beispielsweise neben Mobilfunk-Basisstationen ausgesetzt ist.

Als Maß für die Energieaufnahme dient die sogenannte spezifische Absorptionsrate (SAR), angegeben in Watt pro Kilogramm (W/kg). Um gesundheitliche Auswirkungen der Handystrahlung auszuschließen, soll die spezifische Absorptionsrate eines Handys höchstens 2 Watt pro Kilogramm betragen.

Ob und wie elektromagnetische Felder die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen können, ist nach wie vor Diskussionsthema. Bisher ist es nicht gelungen, einen eindeutigen Zusammenhang zwischen verschiedenen Erkrankungen und elektromagnetischen Feldern nachzuweisen. So stellt elektromagnetische Strahlung (wie die Handystrahlung) nach heutiger Kenntnis zum Beispiel kein erhöhtes Risiko für Hirntumoren oder Blutkrebs (Leukämie) dar.

Dass bisher keine wissenschaftlichen Beweise für ein Gesundheitsrisiko durch Handys vorliegen, heißt allerdings nicht automatisch, dass Handystrahlung nicht gefährlich ist. Wie sich die Allgegenwart elektromagnetischer Felder langfristig auf uns auswirkt und ob Schwangere, Ungeborene oder Kinder ein besonderes Risiko tragen, ist noch nicht ausreichend untersucht.

Darum ist es ratsam, in Sachen Handystrahlung auf Nummer sicher zu gehen und den Mobilfunk als Risikotechnologie zu behandeln – wie es beispielsweise das Europäische Parlament, der Europarat, die Europäische Umweltagentur und unabhängige Expertenvereinigungen wie die Internationalen Kommission für elektromagnetische Sicherheit tun.

Das gilt besonders für Kinder und Jugendliche, die sich noch in der Entwicklung befinden und darum auf Handystrahlung und andere Umwelteinflüsse empfindlicher reagieren können als Erwachsene.

Was tun gegen die Strahlenbelastung?

Weil nicht 100-prozentig auszuschließen ist, dass von Handystrahlung ein Gesundheitsrisiko ausgehen kann, gilt ein vorbeugender Schutz vor Strahlenbelastung weiterhin als empfehlenswert. Strahlenschutz bedeutet vor allem, nur möglichst schwache elektromagnetische Felder zu erzeugen und sich elektromagnetischen Feldern so wenig wie möglich auszusetzen. Um Ersteres zu erreichen, sind vor allem die Hersteller gefragt. Daneben kann aber jeder selbst einiges tun, um sein eventuelles Gesundheitsrisiko durch Strahlenbelastungen möglichst gering zu halten:

  • Verwenden Sie Handys, Notebooks, Tablets und andere mobile Geräte so wenig und kurz wie möglich. Wenn Sie also die Wahl zwischen Festnetz und Handy haben, entscheiden Sie sich für das Festnetz!
  • Gewöhnen Sie sich an, die Geräte zu Hause auch mal ganz auszuschalten (z.B. nachts).
  • Achten Sie beim Handykauf auf den SAR-Wert des Geräts: Je geringer der SAR-Wert, desto geringer die Auswirkungen der Handystrahlung.
  • Tauschen Sie ältere Mobilfunkgeräte, die im GSM-Standard senden, bei Gelegenheit gegen neuere Modelle mit UMTS-Standard oder LTE-Standard aus: Beide geben beim Verbindungsaufbau weniger Strahlung ab.
  • Wenn Sie mobil telefonieren, dann möglichst nur bei gutem Empfang: Je schlechter der Empfang, desto höher die nötige Leistung – und desto stärker das elektromagnetische Feld (also lieber unter freiem Himmel telefonieren statt im Auto oder in einem Gebäude).
  • Nutzen Sie beim mobilen Telefonieren die Freisprechfunktion oder ein Head-Set, um das Handy nicht an den Kopf halten zu müssen: je größer der Abstand zur Handyantenne, desto geringer die Strahlenbelastung.
  • Statt zu telefonieren, können Sie auch schriftliche Nachrichten senden, um das Handy nicht an den Kopf halten zu müssen.
  • Verzichten Sie zu Hause auf schnurlose DECT-Telefone und statten Sie sich besser mit einem schnurgebundenen, analogen Telefonsystem aus – vor allem, wenn das Gerät in der Nähe eines Kinderzimmers steht.
  • Beachten Sie als Eltern: Je jünger Ihr Kind ist, umso weniger sollte es mit elektromagnetischen Feldern (z.B. durch Mobilfunktelefone und Laptops) in Kontakt kommen. Sie können beispielsweise Datenverbindungen über Mobilfunk deaktivieren, damit Ihr Kind telefonisch erreichbar, aber offline ist. Für Online-Spiele gilt: besser nur über WLAN-Verbindungen und zeitlich begrenzt.
Mit diesen einfachen Maßnahmen können Sie Ihre individuelle Belastung durch Handystrahlung deutlich senken, ohne auf mobiles Telefonieren und Surfen mit all seinen Vorteilen verzichten zu müssen.

Die Strahlenbelastung für den Körper zu senken ist nicht der einzige wichtige Grund für einen verantwortungsvollen Umgang mit Mobilfunkgeräten: Handystrahlung kann auch medizinische elektrische Geräte stören – darum ein paar weitere Tipps für ...

  • Menschen mit eingepflanzten Herzschrittmachern: Solange das Handy betriebsbereit ist (also auch im Standby-Betrieb), sollten Sie immer mehr als 20 Zentimeter Abstand zum Schrittmacher einhalten (tragen Sie Ihr Handy also z.B. nicht in der Brusttasche).
  • Träger von Hörgeräten: Handystrahlung kann Störgeräusche verursachen – halten Sie sich also von Handys fern und schalten Sie, wenn Sie selbst mobil telefonieren möchten, Ihr Hörgerät aus.
  • Menschen im Krankenhaus: Befolgen Sie eventuelle Mobilfunkverbote. Halten Sie dort, wo die Handynutzung erlaubt ist, genügend Abstand zu empfindlichen medizintechnischen Elektrogeräten, um Störungen durch die Handystrahlung zu vermeiden.