Eine Zwergfledermaus klammert sich an einen Stoffvorhang.
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Fledermäuse im Haus: Ein Gesundheitsrisiko für den Menschen?

Fledermäuse im Haus zu haben ist kein Grund zur Panik: Sie können zwar von Krankheitserregern befallen sein, doch in Europa ist das Risiko für den Menschen gering. Trotzdem ist Vorsicht geboten, denn manche Tiere sind mit Tollwut infiziert.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Über Fledermäuse

Fledermaus: Steckbrief

Alle Fledermäuse in Deutschland sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Die Tiere sind sehr nützlich: Sie bestäuben Blüten, verbreiten Samen und fressen Insekten (einschließlich Getreideschädlingen). In Deutschland gibt es 25 verschiedene Fledermausarten, darunter:

  • Braunes Langohr
  • Großer und Kleiner Abendsegler
  • Zwergfledermaus

Alle heimischen Fledermäuse sind reine Insektenfresser. Eine einzelne Zwergfledermaus beispielsweise kann in einer einzigen Nacht 2.000 Mücken verspeisen.

Fledermäuse leben in Bäumen, Höhlen – und in Gebäuden, wo sie zum Beispiel Dachböden, Hausverkleidungen oder Fensterläden als Verstecke nutzen. Dadurch ist es fast unvermeidlich, dass Mensch und Fledermaus ab und zu direkt aufeinandertreffen.

Warum verirren sich Fledermäuse ins Haus?

Fledermäuse verirren sich meist auf der Suche nach neuen Quartieren in menschliche Behausungen. Besonders oft geschieht dies im August und September: Dann können die Jungtiere fliegen und schwärmen zusammen mit den erwachsenen Tieren aus, um die Umgebung auszukundschaften.

Viele Fledermäuse suchen an Gebäuden nach geeigneten Schlafplätzen. Dabei neigt vor allem die winzige Zwergfledermaus dazu, beispielsweise durch gekippte Fenster in Wohnungen hineinzufliegen – einzeln oder auch in größeren Gruppen.

Fledermaus im Haus: So verhalten Sie sich richtig

Erst einmal Ruhe bewahren: Fledermäuse sind nicht angriffslustig. Wenn sich eine Fledermaus in einer Wohnung verirrt hat, flattert sie zwar unter Umständen erst hektisch hin und her, verkriecht sich aber meist irgendwann.

Wirkt die verirrte Fledermaus gesund und munter, brauchen Sie sie gar nicht anfassen. Dann reicht es in der Regel, die Fenster mitsamt Vorhängen weit zu öffnen. Wenn es schon dämmert, lassen Sie das Licht am besten ausgeschaltet.

Die meisten verirrten Fledermäuse fliegen dann von selbst wieder nach draußen – ob bei Tageslicht oder im Dunkeln. Nur starken Regen mögen sie nicht: Dann kann sich der freiwillige Auszug eventuell etwas verzögern.

Hat die Fledermaus das Zimmer wieder verlassen, schließen Sie das Fenster und halten es möglichst auch in den nachfolgenden Nächten geschlossen.

Es empfiehlt sich, anschließend die Wohnung nach Fledermäusen abzusuchen, die vielleicht nicht mehr von selbst hinausfliegen können – etwa, weil sie verletzt sind oder ihr Versteck zur Falle wurde.

Die Zwergfledermaus beispielsweise ist ein Spaltenbewohner und verkriecht sich gerne in Gardinen- oder Vorhangfalten, hinter Bildern, in Vasen oder auch in offen stehenden Taschen. Kommt die Fledermaus aus eigener Kraft nicht mehr heraus, wird sie ohne rechtzeitige Hilfe austrocknen und verhungern.

Tipp: Bringen Sie Fliegengitter an Ihren Fenstern an. Das hält nicht nur Fliegen, Mücken und andere Insekten von Ihren Wohnräumen fern, sondern auch Fledermäuse.

Hilflose Fledermaus gefunden – und nun?

Befreien Sie die hilflose Fledermaus vorsichtig aus ihrer Falle. Ist das Tier unversehrt, können Sie es dann einfach vor ein Fenster setzen, damit es von alleine wegfliegen kann.

Wirkt das Tier geschwächt oder verletzt, setzen Sie es in einen mit Küchenpapier ausgelegten Karton. (Karton gut verschließen, dabei aber auf ausreichende Luftzufuhr achten.) Wenden Sie sich dann an einen Fledermausexperten oder ans Veterinäramt, um die Fledermaus in fachkundige Hände zu geben.

Aber Achtung: Bei direktem Kontakt zu einer Fledermaus sind Schutzmaßnahmen ratsam. Denn auch wenn sie nicht angriffslustig sind – Fledermäuse sind Wildtiere und haben Angst vor Menschen. Wer nach einer Fledermaus greift, muss also damit rechnen, dass das Tier sich bedroht fühlt und zubeißt, um sich zu verteidigen.

Im schlimmsten Fall kann die Fledermaus dabei Tollwutviren übertragen. Dann sind sofortige Gegenmaßnahmen nötig, um den Ausbruch der Tollwut zu verhindern. Einmal ausgebrochen verläuft die Erkrankung in der Regel tödlich.

Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko?

Die klassische Tollwut, auch Fuchstollwut genannt, gilt in Deutschland seit 2008 als ausgerottet. Fledermäuse können jedoch nach wie vor mit Tollwutviren infiziert sein. Die Erreger der Fledermaustollwut unterscheiden sich zwar von denen der Fuchstollwut, gelten aber als ebenso hohes Gesundheitsrisiko.

In den letzten 30 Jahren hat man in Deutschland bei gut 200 Fledermäusen Tollwutviren nachgewiesen. Rund 90 Prozent der untersuchten Tiere stammten aus der norddeutschen Tiefebene, die sich von Schleswig-Holstein und Niedersachen bis Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg erstreckt.

Grundsätzlich kann die Fledermaustollwut aber überall in Deutschland auftreten.

Allerdings tragen nicht alle 25 in Deutschland heimischen Fledermausarten Tollwutviren in sich. Am häufigsten ist die Breitflügelfledermaus infiziert, daneben auch Abendsegler, Braunes Langohr, Zwergfledermaus, Teich- und Wasserfledermaus sowie die Fransenfledermaus. Wie viele Fledermäuse die Tollwut haben, lässt sich allerdings nicht genau sagen.

Jede Fledermaus ist eigentlich nachtaktiv. Doch tollwütige Fledermäuse verhalten sich untypisch: Oft tauchen sie tagsüber in der Nähe von Häusern auf, wirken orientierungslos, sind flugunfähig und greifen nahe gelegene Gegenstände an. Menschen müssen jedoch keinen aktiven Angriff befürchten. Nur wer eine Fledermaus ergreift, muss damit rechnen, dass sie zubeißt.

Der Kot tollwütiger Fledermäuse ist auch nicht ansteckend. Selbst wer in einem Haus lebt, in dem sich ein Fledermausquartier befindet, hat also kein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Eine Ansteckung ist nur möglich, wenn:

  • eine infizierte Fledermaus dem Menschen eine Bissverletzung oder Kratzwunde zufügt oder
  • die Schleimhaut oder eine Wunde des Menschen mit Speichel der Fledermaus in Kontakt kommt (z. B. durch Lecken).

So schützen Sie sich vor Fledermaustollwut

Der wichtigste Tipp zum Schutz vor Fledermaustollwut lautet: Bisskontakte vermeiden und Fledermäuse – falls nötig – nur mit Lederhandschuhen anfassen. Vorbeugend wirkt auch eine Tollwutimpfung: Die verfügbaren Tollwutimpfstoffe sind gut verträglich und schützen sowohl vor der klassischen Fuchs- als auch vor der Fledermaustollwut.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich Umgang mit Fledermäusen haben, sich vorbeugend gegen Tollwut impfen zu lassen.

Wenn bei direktem Kontakt zu einer Fledermaus auch nur der geringste Verdacht aufkommt, dass das Tier die Haut verletzt hat oder sein Speichel in eine Wunde oder auf Schleimhäute gelangt ist, heißt es:

  • Die betroffene Stelle sofort gründlich mit Wasser und Seife reinigen und dann
  • sofort einen Arzt aufsuchen, um eine postexpositionelle Prophylaxe durchführen zu lassen. Diese besteht in der Regel aus einer aktiven und passiven Immunisierung.