Eine ernst dreinblickende Frau führt eine Tablette zum Mund.
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Antibiotika: Leitfaden für den richtigen Umgang

Bakterien scheinen zunehmend unempfindlicher gegenüber Antibiotika zu werden. Infolge dieser Resistenzen können Infektionen länger und schwerer verlaufen und im schlimmsten Fall tödlich enden. Was tun?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Antibiotika: Leitfaden für den richtigen Umgang

Antibiotikaresistenzen entwickeln sich aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen werden weltweit zu viele Antibiotika unnützerweise eingenommen, denn …

  • … viele Menschen erwarten bei einem Infekt ein schnell wirkendes Medikament und fordern Antibiotika oft regelrecht ein.
  • … manche Ärztinnen und Ärzte verschreiben die Präparate vorbeugend, ohne den Nutzen zu prüfen.
  • … oft ist es der Ärztin oder dem Arzt zu aufwendig, einen Erregerabstrich zu erstellen oder einen Bluttest vorzunehmen.

Außerdem achten viele Menschen nicht darauf, dass jedes Medikament auf eine ganz bestimmte Weise einzunehmen ist. Falsch angewendet ist es weniger wirksam. Die Folge: Einige widerstandsfähige Bakterien überleben und entwickeln eine Resistenz.

Zudem ist jeder Mensch anders, sodass bei dem einen die Dosierung genau passt, die gleiche Menge für jemand anderen aber über- oder unterdosiert wäre. Gerade eine Unterdosierung ist ein Risiko für Resistenzen.

Was können Ärztinnen und Ärzte gegen Antibiotika-Resistenzen tun?

Der Idealfall sieht so aus, dass jeder, der mit einem Infekt in eine Arztpraxis kommt, gründlich untersucht wird. Wichtig ist dabei, den Erreger des Infekts zu bestimmen, zum Beispiel über einen Abstrich oder einen Bluttest. Nur so lässt sich klären,

  • ob ein Antibiotikum überhaupt sinnvoll ist (denn Antibiotika wirken nur gegen Bakterien) und
  • welches Antibiotikum gegen diesen Erreger am besten wirkt.

Wichtig ist außerdem, dass man genaue Anweisungen erhält, wie das Präparat einzunehmen ist und wie lange die Behandlung dauern sollte. Auch sollte die Ärztin oder der Arzt abfragen, welche anderen Medikamente man einnimmt, um Wechselwirkungen zu vermeiden.

In vielen Fällen ist es möglich, eine Infektion zunächst zu beobachten: Meist ist der menschliche Körper in der Lage, Bakterien aus eigener Kraft zu bekämpfen. Antibiotika sind darum in vielen Fällen nicht nötig und sollten erst zum EInsatz kommen, wenn der Krankheitsverlauf schwerer ist oder es sich um eine gefährliche Infektion handelt (wie z. B. eine Lungenentzündung oder Gehirnhautentzündung).

So wenden Sie Antibiotika richtig an

Nicht nur Ärztinnen und Ärzte, sondern wir alle können durch unser Verhalten und den richtigen Umgang mit Antibiotika dazu beitragen, Resistenzen zu vermeiden. Und so geht's:

1. Infektionen vermeiden

Einfacher gesagt als getan. Nach Ansicht von Fachleuten lassen sich aber rund 30 von 100 Infekten mit einfachen Mitteln verhindern:

  • Waschen Sie sich häufig die Hände (nach dem Toilettengang, nach dem Umgang mit rohem Fleisch usw.).
  • Husten Sie in die Armbeuge, nicht in die Hand.
  • Versuchen Sie, das Gesicht nicht zu oft mit den Händen zu berühren.
  • Waschen Sie rohes Obst und Gemüse gründlich.
  • Lüften Sie besonders zur Infektionshochzeit öfter gründlich.
  • Nehmen Sie empfohlene Impfungen wahr, auch solche, die gegen Viren wirken. Denn eine Virusinfektion beeinträchtigt Ihr Immunsystem, sodass Superinfektionen mit Bakterien leichtes Spiel haben.

2. Keine Erwartungshaltung

Wenn es Sie doch erwischt hat, erwarten Sie nicht gleich, dass Sie ein Antibiotikum verschrieben bekommen. Ihr Körper kann kleinere Erkrankungen oft selber bekämpfen – und auch mit Antibiotika sind sie nicht immer schneller wieder einsatzbereit.

3. Stellen Sie Fragen!

Wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt auf ein Antibiotikum drängt, fragen Sie nach, ob es tatsächlich notwendig ist – und wenn ja, welche Untersuchungen erfolgen sollen, um den Erreger zu bestimmen. Erfragen Sie auch, welche Alternativen es geben könnte.

Außerdem ist es wichtig, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu vermeiden. Antibiotika können die Wirksamkeit einiger Präparate herabsetzen – und umgekehrt. Erwähnen Sie darum im Arztgespräch immer, wenn Sie Medikamente einnehmen (z. B. Pille, Insulin).

4. Antibiotikum richtig einnehmen

Wenn Sie sich genau an die verordnete Einnahme halten, sorgen Sie dafür, dass der Wirkstoff gleichmäßig und ausreichend lange zugeführt wird. Nur so ist sichergestellt, dass alle Bakterien abgetötet werden. Bei falscher Anwendung können Bakterien überleben und resistent werden. Darum:

  • Halten Sie unbedingt die Zeitabstände ein, die in der Packungsbeilage vermerkt sind oder in der Arztpraxis/Apotheke auf der Schachtel notiert wurden:
    • 1-mal täglich = nehmen Sie alle 24 Stunden zur gleichen Zeit eine Dosis des Antibiotikums ein
    • 2-mal täglich = nehmen Sie alle 12 Stunden zur gleichen Zeit eine Dosis des Antibiotikums ein
    • 3-mal täglich = nehmen Sie alle 8 Stunden zur gleichen Zeit eine Dosis des Antibiotikums ein
  • Führen Sie die Einnahme immer bis zum Ende fort, auch wenn Sie sich schon wieder ganz gesund fühlen.
  • Halten sie sich an die Einnahmevorgaben:
    • vor dem Essen = ½ bis 1 Stunde vor der nächsten Mahlzeit einnehmen
    • zum Essen = mit dem Essen einnehmen
  • Nehmen Sie das Antibiotikum immer mit einem Glas Wasser ein, nicht nur mit einem Schluck Wasser. Andere Getränke sind nicht geeignet, um Antibiotika einzunehmen, da viele (wie Kaffee und Grapefruitsaft) die Wirkung mindern können.
  • Zwischen der Einnahme des Antibiotikums und der Aufnahme calciumreicher Lebensmittel (z. B. Milch) sollten mindestens zwei Stunden liegen.
  • Teilen Sie Tabletten nur, wenn das ausdrücklich erlaubt ist. Viele Tabletten sind mit einer Schicht überzogen, die notwendig für die richtige Dosierung ist und die beim Teilen zerstört würde.

Zum Weiterlesen: Antibiotika-Einnahme: Ab wann ist man nicht mehr ansteckend?

5. Antibiotika richtig absetzen

Setzen Sie Antibiotika niemals in Eigenregie ab. Im besten Fall nehmen Sie das Präparat wie vorgesehen bis zum Ende ein. Wenn Sie aber Nebenwirkungen beobachten oder sich aus anderen Gründen mit dem Medikament unwohl fühlen, besprechen Sie das immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ein Antibiotikum einfach abzusetzen kann dazu führen, dass Bakterien überleben und resistent werden.

6. Antibiotika richtig entsorgen

Auch nach einer Infektion können Sie noch falsch mit Antibiotika umgehen und Resistenzen begünstigen. Darum achten Sie auf Folgendes:

  • Bewahren Sie keine Reste für den Notfall auf. Jede Infektion muss individuell untersucht und behandelt werden. Aufbewahrte Antibiotika können die falsche Dosierung haben oder abgelaufen sein.
  • Entsorgen Sie Medikamente nie über die Toilette. Die Wirkstoffe gelangen so in die Umwelt und zuletzt über Nahrung und und Wasser wieder in unseren Organismus. Auch so können Resistenzen entstehen.
  • Alte Medikamente gehören in den Hausmüll oder sollten bei der Apotheke abgegeben werden.